Gründüngung im Herbst: Was du bis Oktober säst und wie sie durch den Winter kommt
- Nach der Gemüseernte eignen sich vor allem August und September für die Saat, Winterroggen kannst du noch im Oktober säen.
- Phacelia, Gelbsenf und Ölrettich sind nicht winterhart und bleiben abgefroren als Mulch auf dem Beet liegen.
- Winterrübsen sind frostverträglich, Inkarnatklee kann überwintern; solche Bestände beendest du vor der nächsten Kultur aktiv.
- Nach dem Einarbeiten wartest du meist etwa 2–3 Wochen, bevor du säst oder pflanzt.
Das letzte Beet ist abgeerntet, und der Boden liegt offen. Ob er bis zum Frühjahr bedeckt bleibt, entscheidest du jetzt mit der Herbstsaat. Im Oktober ist die Auswahl schon schmal, denn die meisten Gründünger gehören in den August und September. Ich plane die Herbstsaat deshalb, während die letzten Kulturen noch stehen.
Im Herbst bedeckt und beschattet eine Gründüngung das leere Beet und schützt es so vor Erosion, VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Verkrustung. Alle Gründüngungspflanzen binden dabei Stickstoff, der im Boden vorhanden ist, und Leguminosen bringen über ihre KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. zusätzlich Luftstickstoff ein. Wie das langfristig wirkt und wie Aufwand und Nutzen zusammenhängen, zeigt der Überblick, was Gründüngung im Boden leistet.
Gründüngung im Oktober: Was jetzt noch geht
Nach der Gemüseernte eignen sich vor allem August und September für die Saat. Ölrettich, Winterzottelwicke und Inkarnatklee kannst du im September säen. Im Oktober bleibt dir noch Winterroggen. Für ihn setzt du im Hausgarten 16–20 g Saatgut/m² an.
Bei Gelbsenf gehen die Angaben zur Aussaatzeit auseinander. Meist ist von April bis September die Rede, teils reicht der Zeitraum bis November. Ob eine Saat im Oktober noch trägt, ist damit nicht geklärt. Ich säe Senf im Oktober deshalb nicht mehr und nehme für späte Lücken Winterroggen.
Luzerne passt nicht in den Oktober. Gesät wird sie im Spätsommer bis August, unter geeigneten Bedingungen bis Anfang September. Zu späte Herbstsaaten erhöhen ihre Anfälligkeit für Kleekrebs.
Ist dein Beet im Oktober frei, nimm die Erntereste ab und harke die Fläche feinkrümelig und eben. Säe Winterroggen breitwürfig, rech die Saat ein und drück sie an. Bis zum Auflaufen hältst du die Fläche feucht.
Welche Gründünger in welchem Monat an der Reihe sind, siehst du im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Welche Gründüngung du im Herbst säst
Drei Fragen entscheiden über die Art: Welche Bodenart hat dein Beet? Wie lange bleibt die Fläche frei? Und welche Pflanzenfamilien stehen davor und danach?
Für eine kurze Lücke kommen schnelle Arten infrage. Für Senf reichen die Angaben zur Entwicklungsdauer im Hausgarten von 4–10 Wochen. Bei Phacelia und Ölrettich werden 6–10 Wochen angesetzt. Soll über Winter ein lebender Bestand stehen, kommen Winterrübsen und Inkarnatklee infrage.
| Art | Saat im Herbst | Saatmenge im Hausgarten |
|---|---|---|
| Phacelia | Juli bis September für eine vorwiegend begrünende Nutzung | 1–3 g/m² |
| Gelbsenf | bis September, für vegetativen Wuchs günstiger Anfang bis Mitte August | 5 g/m² |
| Ölrettich | bis September | 2–5 g/m² |
| Winterrübsen | Ende August bis Mitte September | nach Angabe auf der Tüte |
| Inkarnatklee | September, als NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen. | 3–6 g/m² |
| Winterzottelwicke | September | nach Angabe auf der Tüte |
| Winterroggen | noch im Oktober | 16–20 g/m² |
Gelbsenf reagiert stark auf lange Tage. Soll er Blattmasse bilden statt früh in die Blüte zu gehen, sind die späteren Saattermine im August deshalb günstiger.
Fruchtfolge vor dem Kauf prüfen
Ich schaue vor dem Saatgutkauf in meinen Beetplan, welche Kultur im nächsten Jahr auf der Fläche steht. Gelbsenf und Ölrettich sind Kreuzblütler und brauchen im Gemüsebeet mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Auch Rübsen gehören wie Senf und Ölrettich zur Familie Brassicaceae. Planst du für das nächste Jahr Kohl, fällt Ölrettich als Herbstsaat aus, denn Kohlgewächse sollen nicht unmittelbar vor oder nach ihm stehen. Phacelia gehört dagegen zur Familie Boraginaceae, für sie gilt die Kreuzblütlerpause nicht.
Für Inkarnatklee gilt eine andere Grenze. Um spezifischen Wurzelkrankheiten vorzubeugen, sollen im Gemüsegarten höchstens 25 % der wechselnden BeetbelegungDie Beetbelegung beschreibt, welche Kultur wann und wie lange auf einem Beet steht. Dazu gehören die Hauptkultur sowie Vor-, Nach- und Zwischenkulturen, die das Beet vor, nach oder neben ihr nutzen. auf Leguminosen entfallen, Erbsen und Bohnen mitgezählt. Nach Inkarnatklee als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. folgen besser keine weiteren Leguminosen, weil sich Leguminosenmüdigkeit einstellen kann. Bei Mischungen prüfst du jede enthaltene Pflanzenfamilie gegen die bisherige und die geplante Fruchtfolge.
Deine Folge kannst du im Beetplaner Beet für Beet festhalten. Die Planung über alle Jahreszeiten hinweg findest du im Beitrag, wie du Gründüngung Jahreszeit für Jahreszeit mit deinem Gemüse planst.
Aussaat im Herbst: Saatbett, Tiefe, Feuchte
Ich nehme die Erntereste weitgehend ab, lockere die Oberfläche und harke die Fläche feinkrümelig und eben. Bearbeite den Boden erst, wenn er ausreichend abgetrocknet ist, und lockere ihn mit Grabgabel oder Krail. Für Inkarnatklee soll das Saatbett zusätzlich gut rückverfestigt sein.
Gründüngung säst du breitwürfig, rechst die Saat ein und drückst sie an. Die Mengen in der Tabelle oben sind ein Anhalt. Weil die Fachangaben bei einigen Arten auseinandergehen, ist die Angabe auf der Tüte deiner Sorte der verlässliche Ausgangspunkt.
| Art | Saattiefe | Keimdauer |
|---|---|---|
| Phacelia | 1–2 cm | 7–14 Tage |
| Gelbsenf | 1–2 cm | 7–14 Tage |
| Ölrettich | 1–2 cm | 7–14 Tage |
| Winterrübsen | 1–3 cm, je nach Anbauschema | 5–14 Tage |
| Inkarnatklee | 0,5–1 cm | 14–21 Tage |
Bis zum Auflaufen hältst du die Saat feucht. Bei trockener Witterung kann das in der Keimphase wiederholtes Gießen bedeuten. Inkarnatklee keimt langsamer als Phacelia, Senf und Ölrettich. Weil jede Saat bis zum Auflaufen feucht bleiben soll, achtest du beim Klee also länger auf die Feuchte.
Ein Hochbeet, das über Winter leer steht, kannst du ebenfalls begrünen. In kleinen Gefäßen lohnt sich Gründüngung dagegen meist nicht, weil du die Erde dort einfach austauschen kannst.
Ich drücke die Saat nach dem Einrechen mit dem Rechenrücken an. Danach prüfe ich mit dem Finger, ob die oberste Erdschicht feucht ist, und gieße, sobald sie abtrocknet.
Durch Frost und Winter: abfrieren lassen oder grün halten
Arten, die abfrieren
Phacelia, Gelbsenf und Ölrettich sind nicht winterhart. Phacelia verträgt zwar Frost bis etwa −8 °C, wie lange sie das aushält, ist damit aber nicht gesagt. Abgefrorene Bestände räumst du im Herbst nicht ab. Die Reste bleiben über Winter als Mulch auf dem Beet liegen und halten den Boden bedeckt.
Kommt ein früh gesäter Bestand vor dem Frost noch in die Blüte, beendest du ihn rechtzeitig vor der Samenreife, damit er sich nicht selbst aussät. Ich kontrolliere späte Senfbestände gegen Ende der Blüte und mähe, bevor sich Samen bilden. Die gemähte Masse lasse ich als Mulch liegen.
Arten, die über Winter grün bleiben
Winterrübsen sind frostverträglich und dienen als Winterzwischenfrucht. Inkarnatklee kann überwintern. Harte, lange, kalte und schneereiche Winter übersteht er aber schlecht. Was lebend durch den Winter kommt, musst du vor der nächsten Kultur aktiv beenden.
Rübsen gibt es als Sommer- und als Winterform. Sommerrübsen sind nicht winterhart, frostverträglich sind nur die Winterrübsen. Ich lese deshalb vor dem Kauf auf der Tüte nach, welche Form drin ist.
Im Frühherbst stehen lassen
Arbeite die Gründüngung im Frühherbst nicht ein. Die Pflanzen binden vorhandenen Bodenstickstoff, und frühes Einarbeiten setzt Nährstoffe vorzeitig frei, die dann ausgewaschen werden können. Damit verlierst du genau den Stickstoff, den der Bestand aus dem Boden aufgenommen hat.
Auf schweren Böden kann der Bestand bis zum Frühjahr stehen bleiben. Willst du dort umgraben, tust du das erst im Dezember kurz vor dem Durchfrieren des Bodens. Ob dein Boden schwer ist, verrät die Fingerprobe: Tonreicher Boden klebt, lässt sich gut formen und ausrollen und zeigt eine glatte, glänzende Oberfläche.
Was die Herbstsaat für die Frühjahrsbestellung bringt
Mulch und Winterbestand abräumen
Was abgefroren ist, liegt im Frühjahr als Mulch auf dem Beet. Wo du fein säen willst, rechst du die Reste ab und kompostierst sie, auf den übrigen Flächen arbeitest du sie flach ein. Einen winterharten Bestand beendest du aktiv; für ein feines Saatbett räumst du ihn ab und gibst ihn auf den Kompost. Tief vergraben kann frische Masse unter Luftabschluss faulen, deshalb kommt sie nur flach in den Boden. Welche Einarbeitung zu welchem Termin passt, liest du im Beitrag, wann du welche Gründüngung säst und wann du sie einarbeitest.
Wartezeit einplanen
Nach dem Einarbeiten vergehen bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung meist etwa 2–3 Wochen.
Einen winterharten Bestand musst du aktiv beenden, und nach dem Einarbeiten braucht das Beet diese Pause. Den Termin dafür rechnest du deshalb von deinem geplanten Saattermin aus rückwärts.
Nährstoffe für die Folgekultur
Eine Leguminosen-Gründüngung wie Inkarnatklee eignet sich als VorfruchtDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. für stark zehrendes Gemüse. Wie viel davon bei der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. ankommt, hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.
Nach einer Gründüngung musst du im Frühjahr nicht mehr düngen? Die Nährstoffwirkung ersetzt eine zusätzliche Düngung nicht automatisch. Ob dein Beet etwas braucht, zeigt eine Bodenuntersuchung: Die GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Gekalkt wird nur, wenn der pH-Wert für die Bodenart zu niedrig ist.
Den Weg vom Bodenbefund zur passenden Art beschreibt der Beitrag, wie du mit einer Bodenanalyse die richtige Gründüngung findest. Bleibt im Frühjahr bis zur Pflanzzeit noch eine Lücke, kannst du eine kurze Bodenkur mit schnellen Arten vor der Pflanzzeit einschieben.





