Sommerwicken als Gründüngung: Boden, Fruchtfolge und Futter
- Einjährige Leguminose (Vicia sativa), die mit Wurzelbakterien Luftstickstoff bindet.
- Aussaat von April bis August, die Pflanzen sind nicht winterhart.
- Eignet sich als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse.
- Nicht direkt nach einer anderen Leguminosen-Gründüngung säen, Anbaupause 4 Jahre.
- Im Gemüsegarten höchstens 25 % Leguminosen in der wechselnden Beetbelegung.
- Für Futter früh im Juli säen, geeignet für Frischfutter und Silage.
- Vor der Samenreife mähen, flach einarbeiten, meist etwa 2–3 Wochen warten.

Ein Beet ist im Sommer abgeerntet, die nächste Kultur kommt erst später, und bis dahin liegt die Erde offen. In solche Lücken säe ich gern Sommerwicken, weil sie als Leguminose zusätzlichen Stickstoff ins Beet bringen und den Boden bedecken. Wer Tiere hält, kann sie außerdem als Frischfutter oder Silage nutzen. Damit die Wicke dir nützt, muss sie in deine Fruchtfolge passen: Sie gehört wie Erbsen, Bohnen und Klee zu den Leguminosen und zählt beim Leguminosenanteil deines Gartens mit.
Was sind Sommerwicken?
Sommerwicken, botanisch Vicia sativa, sind einjährige Schmetterlingsblütler aus der Familie der FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft.. Die Pflanzen gelten als schwachzehrend, wurzeln tief und sind nicht winterhart. Sie wachsen sonnig bis halbschattig und können verwildern.
| Merkmal | Sommerwicke |
|---|---|
| Botanischer Name | Vicia sativa |
| Familie | Fabaceae (Schmetterlingsblütler, Leguminosen) |
| Lebensdauer | einjährig, nicht winterhart |
| Nährstoffbedarf | schwachzehrend |
| Wurzel | tiefwurzelnd |
| Standort | sonnig bis halbschattig |
| Bodenart | Sand |
| Ungeeignete Böden | verdichtet, staunass, kalt und nass |
| Kulturstart | April bis August |
| Saatmenge Gründüngung | Angaben von 17–18 g/m² im Hausgarten |
| Wuchshöhe | 50–120 cm |
| Anbaupause | 4 Jahre |
Was bewirken Sommerwicken im Boden?
Als Leguminose bindet die Sommerwicke mit Wurzelbakterien Luftstickstoff, und ihre Pflanzendecke schützt den Boden vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Erosion. Was sie deinem Gartenboden an Stickstoff, Lockerung und Bodenschutz bringt, liest du im Beitrag über Sommerwicken als Bodenverbesserer. Die artübergreifenden Grundlagen fasst der Gründünger-Ratgeber im Abschnitt was Gründüngung im Boden leistet zusammen.
Wo stößt die Sommerwicke an Grenzen?
Verdichtete Böden, Staunässe sowie kalte und nasse Böden sind für Sommerwicken ungeeignet. Für schwere oder verdichtete Standorte kommen unter anderem Ölrettich, Phacelia und Sandhafer infrage. Auf einem verdichteten Beet ist die Wicke also nicht die erste Wahl, dort greifst du besser zu einer dieser Arten.
Bevor ich Wicken säe, steche ich mit dem Spaten ein Stück Boden aus und prüfe Gefüge, Wurzelverlauf, Farbe und Geruch. Mit dieser SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge. lassen sich Verdichtungen und Durchlüftungsprobleme erkennen.
Wie stark unterdrückt die Wicke Unkraut?
Anfangs unterdrückt die Sommerwicke Unkraut nur schwach, erst mit ihrer späteren Wüchsigkeit nimmt diese Wirkung zu. Problemunkräuter bekämpfst du deshalb vor der Aussaat, und das Saatbett räumst du von Pflanzenrückständen frei.
Wo passen Sommerwicken in die Fruchtfolge?
In der Fruchtfolge zählt die Sommerwicke als Schmetterlingsblütler, genau wie Erbse, Bohne und Klee. Gründüngungsarten derselben Pflanzenfamilie baust du nicht unmittelbar hintereinander auf derselben Fläche an. Für die Wicke selbst gilt eine Anbaupause von 4 Jahren.
Als unverträgliche Nachbarn der Sommerwicke gelten Sojabohnen, Helmbohnen (Hyazinthbohnen), Kapuzinererbsen, Lupine, Luzerne, Serradella, Prunkbohnen, Markerbsen, Klee und Puffbohnen. Welche Nachbarn zu welcher Art passen, schlägst du in der Mischkultur-Matrix für Gemüse und Gründünger nach.
Um spezifischen Wurzelkrankheiten vorzubeugen, sollen im Gemüsegarten höchstens 25 % der wechselnden BeetbelegungDie Beetbelegung beschreibt, welche Kultur wann und wie lange auf einem Beet steht. Dazu gehören die Hauptkultur sowie Vor-, Nach- und Zwischenkulturen, die das Beet vor, nach oder neben ihr nutzen. auf Leguminosen entfallen, Erbsen und Bohnen eingeschlossen. Wo schon Erbsen und Bohnen wachsen, ist dieser Anteil schnell erreicht, und jede Wickensaat zählt mit. Ich trage deshalb jede Gründüngung wie eine Gemüsekultur ein, wenn ich meine Fruchtfolge im Beetplaner plane. Dabei schaue ich auf Pflanzenfamilie und Stickstoffbedarf der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. zugleich.
Passt die Wicke als Zwischenfrucht nach der Ernte?
Gesät wird die Sommerwicke von April bis August. Für eine Gründüngung nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September. Die Wicke deckt davon nur den August ab. Für eine Saat im September eignen sich Ölrettich, Winterzottelwicke und Inkarnatklee, Winterroggen geht noch bis Oktober. Alle SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. hast du im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken beisammen.
Stand auf dem Beet innerhalb der Anbaupause schon eine Sommerwicke? War die letzte Gründüngung dort eine andere Leguminose? Ist der Boden verdichtet, staunass oder kalt und nass? Was soll danach wachsen, und passen alle Pflanzenfamilien einer Mischung dazu?
Was wächst nach Sommerwicken?
Eine Leguminosen-Gründüngung eignet sich als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse. Die Wicke selbst bekommt keine Stickstoffdüngung, sondern nur eine Grunddüngung, die sich am Nährstoffentzug orientiert. Wie die Bindung abläuft und welche Mengen dabei zusammenkommen, erklärt der Beitrag, wie Sommerwicken Luftstickstoff binden.
Für die Folgekultur zählt, was davon ankommt. Der Stickstoff in der Wickenmasse steht ihr je nach Boden, Witterung und Einarbeitung nicht vollständig zur Verfügung. Junge Pflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis und werden schneller umgesetzt, verholzte Reste verrotten langsamer. Dabei können sie vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Eine verholzte Wicke liefert der Folgekultur also nicht sofort Stickstoff, sie kann ihn anfangs sogar festlegen.
Vor dem Mähen notiere ich, wie dicht und hoch die Wicke stand, und plane die Düngung der Folgekultur mit Blick auf diesen Aufwuchs.
„Nach Wicken muss ich nicht mehr düngen.“ So pauschal stimmt das nicht. Die Nährstoffwirkung einer Gründüngung hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab und ersetzt zusätzliche Düngung nicht automatisch.
Womit lassen sich Sommerwicken mischen?
In Gründüngungsmischungen lässt sich Buchweizen mit Phacelia, Alexandrinerklee und Sommerwicke kombinieren. Darin stehen der flach wurzelnde Buchweizen und die tief wurzelnde Wicke nebeneinander. Phacelia ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und passt deshalb in viele Gemüsefruchtfolgen. Bei fertigen Buchweizenmischungen lese ich zuerst die Zusammensetzung und richte die Saatmenge nach der Angabe auf der Packung.
Aus dem Feldbau beschreibt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Erbsen-Wicken-Gemenge mit ergänzendem Hafer zur Gründüngung. Die dort veröffentlichten Feldmengen sind allerdings keine Rezeptur für dein Beet. Für jede Mischung gilt: Sämtliche Pflanzenfamilien darin müssen zur bisherigen und zur geplanten Gemüsefruchtfolge passen. Klee und Erbsen zählen dabei wie die Wicke zu den Leguminosen.
Als Gründüngung passt die Sommerwicke zu Dill, Kerbel, Stangensellerie, Kümmel, Koriander, Kreuzkümmel, Möhren, Knollenfenchel, Liebstöckel, Pastinaken, Petersilie und Anis. Wächst sie neben einer Kultur, verbraucht sie selbst Wasser und kann bei Trockenheit mit der HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant. konkurrieren.
Senf oder Ölrettich landen in der Wickenmischung, obwohl danach Kohl folgen soll. Beide sind Kreuzblütler wie Kohl, Rettich und Radieschen, und in Fruchtfolgen mit viel Kohl werden sie deshalb möglichst vermieden. Senf kann dort zudem Kohlhernie fördern.
Wie nutzt du Sommerwicken als Futter?
Sommerwicken eignen sich für Frischfutter und Silage. Die BLE nennt als Futterzwischenfrucht eine Mischung aus Alexandrinerklee, einjährigem Weidelgras und Sommerwicken, die nach dem Anwelken siliert wird.
Das Saatfenster der Wicke reicht zwar bis August, für Futter säst du aber früh im Juli. Im Futterbau gilt die Saatwicke (Vicia sativa) ab Anfang August als spätsaatempfindlich, während eine frühe Julisaat proteinreiche Erträge begünstigt.
Für Sommerwicken als Futter gibt es keine sichere Höchstmenge je Tierart. Vor der Rationsplanung für Wiederkäuer liefert erst eine Futteruntersuchung belastbare Werte, allgemeine Zwischenfruchtwerte ersetzen keine Analyse der Wicke.
Futter oder Gründüngung von derselben Fläche?
Was du als Futter abfährst, verrottet nicht auf dem Beet und gibt seine Nährstoffe dort nicht zurück. Das kann gewollt sein: Bei erhöhten Phosphor- und Kaliumvorräten wird der Großteil der Gründüngungsmasse von der Fläche entfernt. Er lässt sich dann auf schwächer versorgten Beeten oder im Kompost weiter nutzen. Ob dein Boden solche Vorräte hat, zeigt eine Bodenuntersuchung, denn die GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf.
Wie säst du Sommerwicken?
Sommerwicken säst du von April bis August breitwürfig, rechst die Saat ein, drückst sie an und hältst sie bis zum Auflaufen feucht. Für die Gründüngung im Hausgarten reichen die Angaben von 17–18 g/m², verlässlicher Ausgangspunkt bleibt die Angabe auf der Tüte deiner Sorte. Saatbett, Saattiefe, Pflege und Saatgutgewinnung beschreibt der Beitrag, wie du Sommerwicken anbaust und eigenes Saatgut gewinnst.
Wann mähst du Sommerwicken und arbeitest sie ein?
Gründüngung mähst du im Garten gewöhnlich kurz vor der Blüte, spätestens aber vor der Samenreife, denn die Wicke kann verwildern. Das Grün arbeitest du nur flach ein oder lässt es als Mulch liegen, weil frische Masse tief vergraben faulen kann. Bis zur nächsten Saat oder Pflanzung vergehen danach meist etwa 2–3 Wochen.
Im Frühherbst lässt du den Bestand stehen, damit frei werdende Nährstoffe nicht ausgewaschen werden. Die Wicke ist nicht winterhart, abgefrorene Pflanzen bleiben über Winter als Mulch liegen. Sie gilt als nützlingsfreundlich: Lässt du sie für Insekten blühen, mähst du erst nach der Blüte, aber vor der Samenreife. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit für alle Gründünger behandelt der Gründünger-Ratgeber im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten.





