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Mischkulturen im Futterbau: So kombinierst und lenkst du Gras und Leguminosen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Mischkultur im Futterbau heißt: zwei oder mehr Arten wachsen gleichzeitig auf derselben Fläche.
  • Leguminosen wie Klee binden mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff und können ohne Stickstoffdüngung auskommen.
  • Zusätzlicher Stickstoff fördert die Gräser und kann den Kleeanteil im Bestand verringern.
  • Klee und Luzerne bevorzugen unterschiedliche pH-Bereiche, darum zuerst den Boden messen.
  • Saatgut beim Säen gleichmäßig durchmischt halten, damit sich die Arten nicht entmischen.
  • Ein früher Schröpfschnitt fördert die Bestockung und hilft so gegen Unkraut.

Du säst eine Mischung aus Gras und Klee, und irgendwann steht auf der Fläche fast nur noch Gras. Das Saatgut ist dabei nur der Anfang: Wie du düngst, schneidest und nachsäst, entscheidet mit, welcher Partner sich durchsetzt. Ich plane einen Mischbestand deshalb in drei Schritten. Erst prüfe ich den Boden, dann lege ich die Nutzung fest, und schon vor der Saat überlege ich, wie ich den Bestand später führe.

Hier geht es um Gras-Leguminosen-Mischungen wie Kleegras und Kleintierwiese, um Getreide-Leguminosen-Gemenge und um die Frage, wie du das Verhältnis der Arten über die Jahre hältst.

Was ist eine Mischkultur im Futterbau?

Von Mischkultur sprichst du, wenn zwei oder mehr Futterpflanzenarten gleichzeitig auf derselben Fläche wachsen. Grünlandfutter ist ohnehin meist so aufgebaut. Typisches Grünlandfutter besteht aus Gräsern, Kräutern und Leguminosen, zum Beispiel aus Weidelgras, Spitzwegerich und Klee. Im Futterbau begegnen dir vor allem drei Formen:

  • Gras-Leguminosen-Mischungen wie Kleegras oder eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee.
  • Getreide-Leguminosen-Gemenge wie Hafer mit Erbsen, bei denen du beide Partner gemeinsam aussäst.
  • Untersaaten, bei denen Futterpflanzen in eine Deckfrucht gesät werden.
Kurz erklärt

Leguminosen sind Hülsenfrüchtler wie Klee, Luzerne, Wicke oder Erbse. An ihren Wurzeln leben Bakterien, die Luftstickstoff in organischer Form binden. Ein Gemenge ist eine Mischung, deren Arten gemeinsam ausgesät werden.

Welche Pflanzen stecken in einer Futtermischung?

Stehst du vor einer Futterfläche und fragst dich, was das für Pflanzen sind, hilft die Einteilung in Gräser, Leguminosen und Kräuter. Die folgenden Arten tauchen in den hier vorgestellten Mischungen auf.

Pflanze Gruppe Was sie im Bestand ausmacht
Weidelgras, darunter Welsches Weidelgras Gras typischer Grasanteil im Grünlandfutter, wird durch Stickstoffgaben gefördert
Futtergräser der Kleintierwiese Gras wachsen mit Weißklee zusammen, für Beweidung oder Heu
Weißklee, Inkarnatklee Leguminose binden mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff
Winterwicke Leguminose zweite Leguminose neben Inkarnatklee im Landsberger Gemenge
Luzerne Leguminose braucht Wärme, Sonne und tiefgründigen, durchlässigen Boden
Spitzwegerich Kraut typischer Kräuteranteil im Grünlandfutter
Hafer und anderes Getreide Getreide Partner der Leguminose im Gemenge
Mythos-Check

„In der Mischung fördern sich die Partner immer gegenseitig.“ So pauschal stimmt das nicht. Im Garten kann Mischkultur die Fläche besser ausnutzen, günstige Einflüsse bestimmter Nachbarn aufeinander sind aber häufig schwer nachweisbar. Fest steht die Stickstoffbindung der Leguminosen. Ob die Mischung im Gleichgewicht bleibt, hängt deshalb auch von deiner Bestandsführung ab.

Arten wählen: erst der Boden, dann die Nutzung

Eine Mischung, die überall passt, gibt es nicht. Selbst für Kleegras im ökologischen Futterbau existiert keine Saatmischung, die unabhängig vom Standort optimal wäre. Ich fange deshalb beim Boden an und frage erst danach, wofür ich das Futter brauche.

Boden und pH-Wert

Beim pH-Wert gehen die Leguminosen auseinander. Für Kleearten im Feldfutterbau gilt ein Boden-pH von 6,0 bis 6,7 als optimal. Luzerne bevorzugt im Feldfutterbau dagegen einen Boden-pH von 7,0 bis 7,5. Die beiden Spannen überschneiden sich nicht, also bietet kein Boden beiden Arten zugleich ihren bevorzugten Bereich. Nach dem gemessenen pH-Wert richtest du deshalb aus, welche der beiden Leguminosen du in deine Mischung nimmst.

Für die Messung stellst du eine Mischprobe aus 10 bis 15 Einzelproben derselben Fläche zusammen. Liegt der pH-Wert über dem Zielbereich deiner Bodenart, gibst du weder Kalk noch kalkhaltige Dünger. Luzerne stellt noch weitere Ansprüche: Sie will es warm und sonnig, braucht tiefgründigen, durchlässigen Boden und verträgt keine Staunässe.

Nutzung und Standzeit

Danach klärst du, was du mit dem Futter vorhast. Eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee ist als mehrjährige Mischung für Beweidung oder Heugewinnung gedacht. Brauchst du nur für einen Sommer Futter, passen Sommerzwischenfrüchte wie einjähriges Weidelgras oder einsömmeriges Kleegras besser. Früh gesät, lassen sie sich bei ausreichendem Niederschlag nach etwa 8 bis 10 Wochen nutzen.

Stehen im Garten Gemüse und Futterpflanzen nah beieinander, kannst du im Mischkultur-Planer prüfen, welche Nachbarn zusammenpassen.

Fruchtfolge mitdenken

Im Feldfutterbau hält man für Luzerne Anbaupausen von 4 bis 6 Jahren ein, und zwar gegenüber sich selbst und gegenüber anderen Leguminosen. Im Kleegras steckt mit dem Klee ebenfalls eine Leguminose. Säst du Luzerne direkt nach Kleegras, unterläufst du also genau die Pause, die für Luzerne gilt. Ich notiere mir deshalb für jede Fläche, welche Mischung dort stand und welche Leguminosen darin waren.

Mini-Checkliste

Welchen pH-Wert hat dein Boden? Liegt die Fläche warm und durchlässig genug für Luzerne, oder neigt sie zu Staunässe? Willst du beweiden, Heu machen oder nur einen Sommer lang Futter ernten? Stand auf der Fläche zuletzt Luzerne oder eine andere Leguminose?

Welche Mischungen gibt es? Drei Beispiele

Landsberger Gemenge: ein Gras, zwei Leguminosen

Das Landsberger Gemenge verbindet ein Gras mit zwei Leguminosen. Eine angebotene Öko-Mischung dieses Typs ist so zusammengesetzt:

Partner Gruppe Anteil an der Mischung
Welsches Weidelgras Gras 50 %
Winterwicke Leguminose 30 %
Inkarnatklee Leguminose 20 %

Als Aussaatmenge werden für diese Mischung 50 bis 60 kg/ha empfohlen. Das ist ein Wert für den Feldanbau.

Kleintierwiese: Futtergräser mit Weißklee

Für Kaninchen oder Meerschweinchen im Garten ist die Kleintierwiese die naheliegende Gras-Leguminosen-Mischung. Sie enthält Futtergräser und Weißklee. Nach der Aussaat hältst du das Saatbett bis zur Keimung gleichmäßig feucht.

Zahl im Blick

Für eine Kleintierwiese aus Futtergräsern und Weißklee werden etwa 25 g Saatgut je m² angegeben. Gesät wird 0,5 bis 1 cm tief, von März bis Juni oder von August bis Oktober. Die Mischung keimt bei 10 bis 20 °C in 7 bis 21 Tagen. Als Schnitthöhe gelten 4 bis 5 cm, als Nutzhöhe etwa 20 cm.

Getreide-Leguminosen-Gemenge und Untersaat

Im Getreide-Leguminosen-Gemenge, etwa Hafer mit Erbsen, säst du beide Partner zusammen. Das Getreide gibt den rankenden Erbsen Halt, und die Erbsen binden als Leguminose Luftstickstoff. Bei der Untersaat wächst die Futtermischung unter einer Deckfrucht heran. Damit das gelingt, reduzierst du die Aussaatstärke der Deckfrucht um mindestens 20 bis 25 %.

Wie säst du eine Mischung, ohne dass sie sich entmischt?

Bei einer Mischung kommt zur normalen Aussaat eine Aufgabe hinzu: Alle Partner sollen gleichmäßig verteilt auf der Fläche landen. In der Drillmaschine muss deshalb eine Entmischung vermieden werden. Für die Handsaat schütte ich das Saatgut in eine Schüssel und rühre zwischendurch um, damit sich große und kleine Samen nicht trennen. Feinsämige Futterpflanzen brauchen außerdem ein feinkrümeliges Saatbett mit gutem Bodenschluss, damit beim Auflaufen das Wasser die Keimlinge erreicht.

Saatbett, Drill- und Breitsaat sowie die Technik der Untersaat erklärt der Ratgeber, wie du Futterpflanzen richtig aussäst. Die Saatfenster der einzelnen Arten findest du im Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken. Legst du im Garten Streifen für verschiedene Mischungen an, kannst du die Fläche im Beetplaner einteilen.

Wie lenkst du den Bestand nach der Saat?

Nach der Saat beginnt die Arbeit, die über die Zusammensetzung entscheidet. Drei Hebel hast du in der Hand: Stickstoff, Schnitt und Nachsaat.

Stickstoff entscheidet über den Kleeanteil

Leguminosen binden mit ihren Knöllchenbakterien Luftstickstoff. Kleinkörnige Futterleguminosen können deshalb ohne Stickstoffdüngung auskommen. Höhere Stickstoffgaben treiben in Gras-Leguminosen-Mischungen dagegen das Graswachstum an und können so die Zusammensetzung verschieben. Im Kleegras kann zusätzlicher Stickstoff den Kleeanteil verringern. Zusammengenommen heißt das: Stickstoffdünger, ohne den der Klee auskommen kann, fördert die Gräser, und am Ende kann genau der Partner schwinden, der den Stickstoff selbst binden sollte.

Ich schaue mir vor jeder Düngung an, wie viel Klee im Bestand steht, und entscheide erst dann. Wie du Futterpflanzen nach ihrer Pflanzengruppe gießt und düngst, steht im Ratgeber Futterpflanzen und Weide unter Gießen und Düngen. Für Kleegras ohne synthetische Mittel lohnt der Blick in den Ratgeber, wie du Futterpflanzen im Biolandbau anbaust und düngst.

Schröpfschnitt und Nutzungszeitpunkt

Ein früher Schröpfschnitt fördert bei Futterbauansaaten die Bestockung, also die Bildung zusätzlicher Triebe. Das hilft dem Bestand, Unkraut zu unterdrücken. Für die Weidenutzung von Gräsern ist das 3-Blatt-Stadium ein günstiger Zeitpunkt. Die übrige Pflege, etwa die Unkrautregulierung in der Jugendphase, behandelt der Abschnitt Pflege im Ratgeber Futterpflanzen und Weide.

Häufiger Fehler

Schnittgut nach dem Mähen dick liegen lassen. Unter einer dicken Matte kann die Grasnarbe ersticken und teilweise absterben. Ich reche dickes Schnittgut deshalb ab, bevor es sich zur Matte verdichtet.

Weide in Koppeln führen

Beweidest du deine Mischfläche, teilst du sie in mehrere Koppeln. So bleiben die Beweidungsphasen kurz und die Erholungsphasen für die Grasnarbe länger. Eine Umtriebsweide und erst recht eine Portionsweide kosten mehr Arbeit als eine Standweide, dafür wird der Futterbestand besser ausgenutzt.

Nachsaat, wenn ein Partner schwindet

Eine dichte Grasnarbe braucht keine Pflegenachsaat. Hat der Bestand Lücken oder ist der Klee zurückgegangen, säst du in den vorhandenen Bestand nach. Damit junge Gräser genug Licht bekommen, hältst du den alten Bestand dabei kurz. Düngst du nach der Nachsaat übermäßig, stärkst du den alten Bestand im Wettbewerb mit den Jungpflanzen. Wie die Nachsaat technisch abläuft, beschreibt der Ratgeber zur Aussaat von Futterpflanzen.

Bestand kontrollieren und Kreuzkraut aussortieren

Ob die Mischung im Lot bleibt, siehst du nur, wenn du regelmäßig hinschaust. Ich sehe mir das Verhältnis von Gras, Klee und Kräutern vor dem Schnitt an, wenn der Aufwuchs hoch steht.

Marias Erfahrung

Ich fotografiere vor dem Schnitt immer dieselbe Ecke der Fläche aus derselben Höhe. Lege ich die Bilder nebeneinander, sehe ich, ob der Klee zu- oder abnimmt, bevor ich über Düngung oder Nachsaat entscheide.

Achtung

Kreuzkraut gehört nicht ins Futter. Die Pyrrolizidinalkaloide aus Kreuzkräutern können Rinder und Pferde auch über Heu oder Silage schwer bis tödlich vergiften. Kontrolliere deine Fläche darauf, bevor du Heu oder Silage machst.

Eine Mischung ist kein verlässlicher Schutz vor Krankheiten und Schädlingen. Vorbeugung läuft über Standort, Fruchtfolge und Kontrolle, wie sie der Abschnitt Krankheiten und Schädlinge im Ratgeber Futterpflanzen und Weide beschreibt.

Ernte und Lagerung: was bei Mischfutter anders ist

In der Mischung entwickeln sich die Partner unterschiedlich, deshalb suchst du einen Erntezeitpunkt, der für den ganzen Bestand passt. Ich richte mich dabei nach der Art, die den größten Anteil hat. Die Grundlagen dazu stehen im Abschnitt Ernte und Verwertung desselben Ratgebers.

Für lagerstabiles Heu gelten weniger als 14 % Wassergehalt als Ziel. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld oder erst im Lager belasten. Wie du Futter sauber lagerst, erklärt der Abschnitt Lagern und Futterhygiene. Stellst du Kaninchen auf frisches Futter von der Mischfläche um, dann langsam, damit sich ihr Verdauungsapparat darauf einstellen kann.

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Häufige Fragen

Was versteht man unter Mischanbau von Futterpflanzen?
Beim Mischanbau wachsen zwei oder mehr Futterpflanzenarten gleichzeitig auf derselben Fläche. Typisch sind Gräser mit Leguminosen wie im Kleegras und Getreide mit Leguminosen wie Hafer mit Erbsen. In Grünlandmischungen kommen oft Kräuter wie Spitzwegerich dazu. Die Leguminosen binden über Knöllchenbakterien Luftstickstoff, während zusätzliche Stickstoffgaben das Graswachstum fördern.
Wie funktioniert die Stickstoffbindung durch Knöllchenbakterien in Mischkulturen?
An den Wurzeln von Leguminosen wie Klee oder Luzerne binden Knöllchenbakterien Luftstickstoff in organischer Form. Kleinkörnige Futterleguminosen können dadurch ohne Stickstoffdüngung auskommen. In einer Mischung mit Gräsern fördern zusätzliche Stickstoffgaben dagegen die Gräser und können den Kleeanteil verringern. Wer den Klee im Bestand halten will, sollte das bei jeder Düngeentscheidung mitdenken.
Welche Rolle spielen Leguminosen wie Klee und Luzerne in Saatmischungen?
Klee und Luzerne bringen ihren eigenen Stickstoff mit, den Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln aus der Luft binden. Für Kleearten gilt im Feldfutterbau ein Boden-pH von 6,0 bis 6,7 als optimal. Luzerne bevorzugt 7,0 bis 7,5 und braucht warme, sonnige Lagen mit tiefgründigem, durchlässigem Boden ohne Staunässe. Im Feldfutterbau werden für Luzerne außerdem Anbaupausen von 4 bis 6 Jahren gegenüber sich selbst und anderen Leguminosen eingehalten.
Worin unterscheiden sich Mischkultur und Gemengeanbau bei Futterpflanzen?
Mischkultur ist der Oberbegriff dafür, dass mehrere Arten gleichzeitig auf einer Fläche wachsen. Beim Gemenge werden die Arten als fertige Mischung gemeinsam ausgesät, zum Beispiel Welsches Weidelgras, Winterwicke und Inkarnatklee im Landsberger Gemenge. Dabei kommt es darauf an, dass sich das Saatgut beim Säen nicht entmischt, damit alle Partner gleichmäßig verteilt aufgehen.
Führen Mischkulturen wirklich zu höheren Erträgen als Monokulturen?
Eine feste Ertragsgarantie gibt es nicht. Im Garten kann Mischkultur die Fläche besser ausnutzen, günstige Einflüsse bestimmter Nachbarn aufeinander sind aber häufig schwer nachweisbar. Für Kleegras im ökologischen Futterbau gibt es zudem keine Saatmischung, die unabhängig vom Standort optimal ist, sodass Boden und Bestandsführung mitentscheiden.
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