Futterkohl silieren: Gärsaft, Verdichtung und Kontrolle der Silage
- Markstammkohl wird ab Mitte Oktober geerntet und hat dann 12 bis 15 % Trockensubstanz.
- Unter 30 % Trockenmasse kann Gärsaft entstehen, beim nassen Futterkohl musst du also damit rechnen.
- Milchsäurebakterien vergären den Pflanzenzucker unter Luftabschluss, deshalb gründlich verdichten und sorgfältig mit Folie abdecken.
- Siliermittel wählst du nach Wirkungsrichtung: für den Gärverlauf oder für die aerobe Stabilität.
- Silieren macht Kreuzkraut und Herbstzeitlose nicht unschädlich, beides gehört nicht ins Siliergut.
Futterkohl kommt im Herbst sehr nass vom Feld, und das macht ihn im Silo anspruchsvoll. Bleibt Luft im Stock, drohen Nacherwärmung und Schimmel. Buttersäure als Zeichen schlechter Silierung zeigt sich besonders bei nassem, stark verschmutztem Siliergut. Wenn ich Futterkohl einsiliere, plane ich Gärsaft, Verdichtung und Abdeckung deshalb schon vor der Ernte.
Gemeint ist hier Markstammkohl, botanisch Brassica oleracea var. medullosa, der ebenfalls Futterkohl genannt wird. Den Anbau beschreibt der Ratgeber, wie du Futterkohl vom Standort bis zur Pflege anbaust.
Silieren ist nicht die einzige Nutzung, denn Markstammkohl eignet sich auch zur Frischverfütterung und zur Beweidung im Spätherbst. Wie Frischfutter und Silage zusammenpassen, ordnet der Abschnitt Ernte und Verwertung in unserem Futterpflanzen-Ratgeber ein.
Wann ist Futterkohl reif fürs Silo?
Markstammkohl kann ab Mitte Oktober als Frischfutter oder zur Silierung geerntet werden. Der Erntezeitpunkt liegt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz. Beim Markstammkohl gibt es blattarme und blattreiche Typen. Niedrig wachsende Sorten haben höhere Trockenmassegehalte als stängelige Sorten. Damit der Kohl im Herbst erntereif ist, legst du den Saattermin mit dem Aussaatkalender für Futterpflanzen fest.
Trockensubstanz, oft auch TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. genannt, ist der Teil der Pflanze, der ohne ihr Wasser übrig bleibt. Ein niedriger Wert bedeutet: Das Siliergut ist sehr nass.
Warum du bei Futterkohl mit Gärsaft rechnen musst
Gärsaft ist Flüssigkeit, die beim Silieren aus dem Siliergut austritt. Ob er entsteht, hängt am Wassergehalt deines Kohls.
Markstammkohl hat zum Erntezeitpunkt 12 bis 15 % Trockensubstanz. Gärsaft kann entstehen, sobald Pflanzen mit weniger als 30 % Trockenmasse siliert werden. Beim Futterkohl gehört Gärsaft also von Anfang an zur Planung.
Ich lege vor dem Befüllen fest, wohin der Saft am Silo abläuft und wo ich ihn auffange.
Wie läuft die Gärung im Silo ab?
Beim Silieren wandeln vor allem Milchsäurebakterien den Zucker der Pflanze in Milchsäure um. Das geschieht unter Luftabschluss. Kommt Sauerstoff an das Siliergut, steigt das Risiko von Nacherwärmung und Schimmel. Gute Verdichtung und eine sorgfältige Folienabdeckung begrenzen diesen Sauerstoffzutritt. Mit denselben zwei Arbeitsschritten schaffst du also den Luftabschluss für die Milchsäurebakterien und senkst zugleich das Risiko von Wärme und Schimmel im Stock.
Ein zweites Warnzeichen ist Buttersäure. Sie gilt als Hinweis auf eine schlechte Silierung und auf Clostridienaktivität, vor allem bei nassem und stark verschmutztem Siliergut.
Was beim Ernten nicht ins Silo gehört
Futterkohl ist bei der Ernte nass. Weil Buttersäure besonders bei nassem und stark verschmutztem Siliergut auftritt, sollte wenigstens keine Erde mit ins Silo. Ich ernte so, dass möglichst wenig Erde an Stängeln und Blättern hängt, und lasse stark verschmutzte Pflanzen auf dem Feld.
Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld belasten. Angeschimmelte oder faulige Pflanzen bleiben deshalb ebenfalls draußen.
Silieren macht Kreuzkraut und Herbstzeitlose nicht unschädlich. Kreuzkräuter enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die auch über Silage Rinder und Pferde schwer bis tödlich vergiften können. Die Giftstoffe der Herbstzeitlose bleiben nach der Silierung ebenfalls erhalten. Geh den Bestand vor der Ernte ab und halte solche Pflanzen aus dem Siliergut heraus. Bei Vergiftungsverdacht holst du sofort tierärztliche Hilfe.
Brauchst du ein Siliermittel?
Siliermittel werden nach ihrer Wirkungsrichtung eingeordnet. Welches du wählst, hängt davon ab, wo du bei deinem Siliergut das größere Risiko siehst.
| Wirkungsrichtung | Was sie verbessern soll | Wann du daran denkst |
|---|---|---|
| 1 | den Gärverlauf | wenn dir bei nassem Siliergut die Gärung Sorgen macht |
| 2 | die aerobe Stabilität | wenn du Wärme und Schimmel nach dem Öffnen fürchtest |
Aerob heißt: mit Sauerstoff. Die aerobe Stabilität beschreibt also, wie sich die Silage hält, sobald wieder Luft an sie kommt. Setzt du ein Mittel ein, halte dich an die Gebrauchsanweisung des Herstellers, auch bei den Schutzmaßnahmen. Verteile es gleichmäßig im Siliergut. Wirtschaftest du ökologisch, prüfe vor dem Kauf die Positivlisten und Einsatzbedingungen für zugekaufte Betriebsmittel, gegebenenfalls auch die Verbandsrichtlinien.
Das Siliermittel soll ausgleichen, was beim Verdichten versäumt wurde. Den Sauerstoffzutritt begrenzen aber Verdichtung und Folienabdeckung, und diese Arbeit nimmt dir kein Mittel ab.
So verdichtest du Futterkohl
Ich häcksle den Kohl vor dem Einlagern. Zerkleinertes Material lässt sich dichter packen als ganze Stängel mit Blättern. Bring das Siliergut in Schichten ein und verdichte jede Schicht, bevor die nächste kommt. Bei größeren Mengen übernehmen das schwere Fahrzeuge, im kleinen Silo trittst du das Material selbst fest.
Ränder und Ecken brauchen besondere Sorgfalt, weil dort leicht Luft eingeschlossen bleibt. Zum Schluss laufe ich die Ränder ab und verdichte nach, wo das Material unter dem Fuß nachgibt. Schließe das Silo, sobald die letzte Schicht verdichtet ist.
Wie deckst du das Silo luftdicht ab?
Direkt auf das Siliergut kommt eine Unterziehfolie, die sich an die Oberfläche anlegt. Darüber liegt eine robuste Hauptfolie und obenauf ein Schutznetz gegen Beschädigungen. Die Ränder dichtest du sorgfältig ab und beschwerst sie, etwa mit Sandsäcken. Ob Flachsilo, Folienschlauch oder Rundballen: Gründlich verdichten und luftdicht verschließen musst du bei jeder Form. Ich kontrolliere die Abdeckung nach jedem Sturm auf Risse und flicke Löcher sofort.
Bevor du das Silo schließt, gehst du diese Punkte durch.
- Bestand auf Kreuzkraut und Herbstzeitlose abgegangen
- Kohl möglichst erdfrei geerntet und gehäckselt
- Ablauf für den Gärsaft eingeplant
- jede Schicht verdichtet, Ränder und Ecken nachgearbeitet
- Siliermittel, falls verwendet, nach Gebrauchsanweisung gleichmäßig verteilt
- Unterziehfolie, Hauptfolie und Netz aufgelegt, Ränder dicht und beschwert
Woran erkennst du gute Futterkohlsilage?
Beim Anschnitt lege ich zuerst die Hand auf die Fläche und prüfe, ob sie warm ist. Danach rieche ich an der Silage und schaue sie mir genau an, bevor ich die erste Portion entnehme.
| Was du bemerkst | Was es bedeuten kann | Was du tust |
|---|---|---|
| angenehm säuerlicher Geruch | passt zu einer Milchsäuregärung | normal entnehmen und weiter beobachten |
| ranziger, unangenehmer Geruch | kann auf Buttersäure und eine schlechte Silierung hindeuten | Partie vor dem Verfüttern untersuchen lassen |
| warme Anschnittfläche | kann auf Nacherwärmung durch Sauerstoff hindeuten | warme Silage nicht verfüttern, Folie und Ränder auf undichte Stellen prüfen |
| muffiger Geruch | kann auf Schimmel hindeuten, auch wenn noch keiner zu sehen ist | betroffene Stellen nicht verfüttern |
| Schimmel | Schimmelpilzgifte sind möglich | Schimmelstelle mit mindestens 30 cm Rand entsorgen |
| dunkle, schmierige Stellen | können auf Fäulnis hindeuten | nicht verfüttern |
Schimmelpilzgifte können auch erst während der Lagerung entstehen. Schau dir spätere Entnahmen deshalb genauso genau an wie den ersten Anschnitt.
Für die Ration reicht die Sinnesprüfung nicht. Tabellierte Futterwerte sind Mittelwerte und können von deiner Partie abweichen, während eine Futteruntersuchung die Inhaltsstoffwerte für die Rationsplanung liefert. Wer Futterkohlsilage fest einplant, lässt deshalb eine repräsentative Probe der eigenen Charge untersuchen. Bei Schafen und Ziegen soll für eine aussagekräftige Rationsberechnung jede Grundfuttercharge so untersucht werden. Dazu kommt: Futterkohl ist Herbstfutter, und nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko darstellen. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht.
Und beim Verfüttern?
Markstammkohl eignet sich für Rinder, Schafe und Ziegen als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen. Was er als Futter mitbringt, wie du die Tiere langsam umstellst und ob sich das Silieren für dich rechnet, ordnet der Ratgeber zum Futterwert von Futterkohl ein. Den Einsatz je Tierart beschreiben die Ratgeber dazu, für welche Nutztiere sich Futterkohl eignet und wie du ihn in der Rinderfütterung einsetzt.




