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Futterkohl in der Rinderfütterung: Fütterungsformen, Umstellung und Kombinationen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Markstammkohl kommt als frische Ganzpflanze oder als Ganzpflanzensilage in die Rinderfütterung.
  • Als Zweitfrucht wird er ab Mitte Oktober für Frischfutter oder Silage geerntet.
  • Für den Erntezeitpunkt ist ein Trockensubstanzgehalt von 12 bis 15 % angegeben.
  • Für Zwischenfruchtfutter bei Wiederkäuern wird eine langsame Umstellung über 8 bis 14 Tage empfohlen.
  • Heu oder Stroh können bei Bedarf den Strukturausgleich übernehmen, die Ration rechnest du mit einer Futteruntersuchung.
  • Nitratreiches Herbstfutter kann für Wiederkäuer gefährlich werden, eine pauschal sichere Menge gibt es nicht.

Wer Futterkohl an Rinder verfüttern will, sucht meist zuerst eine Kilozahl pro Tier. Ich fange bei einer anderen Frage an: Was steckt in genau diesem Kohl, und was steht sonst in der Ration? Als Zweitfrucht kommt Markstammkohl ab Mitte Oktober vom Feld, und nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer zum Risiko werden. Hier bekommst du deshalb keine Pauschalmengen, sondern den Weg zu einer Ration, die zu deinem Futter passt: die passende Fütterungsform, eine langsame Umstellung und sinnvolle Kombinationen.

Was mit Futterkohl gemeint ist

Wenn ich hier von Futterkohl spreche, meine ich vor allem den Markstammkohl. Er stammt aus dem Mittelmeerraum und bildet einen verdickten Trieb mit viel Blattmasse. Wie er sich neben Grünland, Rüben und Zichorie einordnet, zeigt dir der Überblick über Futterpflanzen von Grünland über Futterkohl bis Zichorie.

Wie viel Futterkohl darf ein Rind bekommen?

Die passende Menge hängt an den Inhaltsstoffen deines Kohls und an allem, was sonst in der Ration steht. Diese Werte liefert dir eine Futteruntersuchung, und mit ihnen planst du die Ration. Für nitratreiches Herbstfutter gibt es außerdem keine pauschal sichere Menge.

Ich lasse den Kohl untersuchen, bevor ich überhaupt eine Rationsrechnung anfange. Mit den Werten setze ich mich dann an die Planung, bei Unsicherheit zusammen mit einer Fütterungsberatung oder dem Tierarzt.

Niedrig wachsende Sorten haben höhere Trockenmassegehalte als stängelige. Eine Kilomenge Frischkohl aus einem fremden Bestand sagt dir deshalb wenig darüber, wie viel Trockenmasse deine Tiere aus deinem Kohl bekommen.

Häufiger Fehler

Kilomengen aus Foren oder vom Nachbarbetrieb übernehmen. Sie passen zu dessen Kohl und dessen Ration, nicht zu deinem Futter.

Frisch oder als Silage: die beiden Fütterungsformen

Markstammkohl kannst du als frische Ganzpflanze verfüttern oder als Ganzpflanzensilage konservieren. Genutzt werden die Blätter, und ganze Pflanzen gehen als Frischfutter oder als Silage in die Fütterung.

Frischfutter Ganzpflanzensilage
Was verfüttert wird Blätter und ganze Pflanzen, frisch ganze Pflanzen, siliert
Ernte als Zweitfrucht ab Mitte Oktober ab Mitte Oktober
Angegebener Erntezeitpunkt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz bei 12 bis 15 % Trockensubstanz

Frisch füttern im Herbst

Als Zweitfrucht angebauter Markstammkohl wird ab Mitte Oktober für Frischfutter geerntet. Für Markstammkohl reichen die Angaben zur Frostverträglichkeit von etwa −10 bis −12 °C, der tiefere Wert gilt für voll ausgewachsene Pflanzen. Für an Kälte gewöhnten Futterkohl auf dem Wildacker werden sogar bis −15 °C angegeben. Weil die Ernte erst im Herbst beginnt und die Pflanzen Frost bis zu dieser Grenze überstehen, musst du den Bestand nicht beim ersten Frost auf einmal abernten.

Bei der Sortenwahl musst du abwägen. Für den Sommerzwischenfruchtanbau wird Camaro mit hohem Ertrag und mittlerer Frostempfindlichkeit bewertet, Furchenkohl dagegen mit sehr geringem Ertrag und geringer Frostempfindlichkeit. Wie sich der Kohl als Zwischenfrucht entwickelt, liest du im Ratgeber darüber, was Futterkohl als Zwischenfrucht bis zur Ernte als Winterfutter leistet.

Silieren

Für die Silage wird die ganze Pflanze geerntet und als Ganzpflanzensilage eingelagert. Ich lege den Silagetermin nach dem Bestand fest und nicht nur nach dem Kalender, weil der Erntezeitpunkt über die Trockensubstanz angegeben ist. Gärung, Verdichtung und luftdichten Verschluss erklärt der Ratgeber, wie du Futterkohl fachgerecht silierst.

Marias Erfahrung

Ich entscheide schon vor der Aussaat, welcher Teil des Bestands frisch in den Trog geht und welcher in die Silage. Danach plane ich Erntetage, Lagerplatz und den Heuvorrat für den Ausgleich.

So stellst du deine Rinder auf Futterkohl um

Kommt dein Kohl aus dem Zwischenfruchtanbau, gilt er als Zwischenfruchtfutter. Für Wiederkäuer wird dabei eine langsame Futterumstellung über 8 bis 14 Tage empfohlen. Ich plane diesen Zeitraum fest ein und beginne erst, wenn die Futteruntersuchung vorliegt. In der Umstellungszeit beobachte ich, wie die Tiere fressen. Wirkt ein Tier auffällig, hole ich den Tierarzt dazu, statt selbst an der Ration herumzuprobieren.

Mini-Checkliste

Die Futteruntersuchung liegt vor. Die Ration ist mit diesen Werten gerechnet. Der Umstellungszeitraum steht im Kalender. Heu oder Stroh für den Strukturausgleich liegen bereit und sind auf Kreuzkraut durchgesehen.

Womit du Futterkohl in der Ration kombinierst

Markstammkohl eignet sich für Rinder als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen. Er ergänzt also das Grundfutter und ersetzt es nicht. Heu oder Stroh können bei Bedarf als Strukturausgleich dienen. Ob du diesen Ausgleich brauchst und in welchem Umfang, zeigt dir die Rationsrechnung mit deinen Futterwerten.

Ich lege Heu oder Stroh für den Ausgleich bereit, bevor die Kohlernte beginnt. Dabei sehe ich die Ballen auf Kreuzkraut durch. Welche weiteren Komponenten in deine Ration gehören, ergibt sich aus der Futteruntersuchung und dem Bedarf deiner Tiere.

Auch Schafe und Ziegen können Markstammkohl als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen bekommen. Wie der Einsatz bei diesen und weiteren Tierarten aussieht, beschreibt der Ratgeber, für welche Nutztiere sich Futterkohl eignet.

Futterwert, Futtersicherheit und Lagerung in Kürze

Futterwert. Beim Markstammkohl gibt es blattarme und blattreiche Typen. Tabellenwerte beschreiben Inhaltsstoffe und keine Wirkung auf die Gesundheit deiner Tiere. Protein, Energie, Mineralstoffe und Verdaulichkeit ordnet der Ratgeber zum Futterwert von Futterkohl mit Protein, Energie und Mineralstoffen ein.

Futtersicherheit. Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko sein, weil Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden und die Bildung von Methämoglobin begünstigen kann. Markstammkohl kann viel Stickstoff aufnehmen und wird als Zweitfrucht im Herbst geerntet, deshalb gehört die Nitratfrage in jede Rationsplanung mit ihm. Kreuzkraut kann über seine Pyrrolizidinalkaloide auch in Heu oder Silage Rinder schwer bis tödlich vergiften und gehört nicht ins Futter.

Lagerung. Schimmelpilzgifte können Futter schon auf dem Feld oder erst während der Lagerung belasten, bei Kohlsilage genauso wie beim Heu daneben. Als lagerstabil gilt Heu mit weniger als 14 % Wassergehalt. Wie du Futter sauber lagerst, beschreibt der Abschnitt Lagern und Futterhygiene im Futterpflanzen-Überblick.

Wann der Kohl für die Fütterung bereitsteht

Wann du füttern kannst, entscheidet sich schon bei der Aussaat. Als Hauptfrucht wird Markstammkohl im April und Mai gesät. Als Sommerzwischenfrucht ist eine frühe Julisaat vorgesehen, die letzten Termine reichen je nach Empfehlung von Mitte bis Ende Juli. Für Futterkohl im ökologischen Zwischenfruchtanbau gilt eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern. Dazu zählen auch Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen.

Ich trage die Saattermine in den Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken ein. Die Kohlflächen notiere ich im Beetplaner, damit ich die Kreuzblütler-Pause über die Jahre im Blick behalte. Standort, Aussaat, Abstände und Pflege beschreibt der Ratgeber, wie du Futterkohl Schritt für Schritt anbaust.

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Häufige Fragen

Was ist Futterkohl und welche botanischen Eigenschaften zeichnen ihn aus?
Futterkohl gehört zu den Kreuzblütlern, und zu ihm zählt der Markstammkohl, der aus dem Mittelmeerraum stammt. Markstammkohl bildet einen verdickten Trieb mit hoher Blattmasse und eine kräftige Hauptwurzel, die sich in der Ackerkrume verzweigt und wenig in die Tiefe reicht. Auf dem Wildacker kann Futterkohl bis zu 2 m hoch werden. Anders als Klee und Luzerne bildet er keine stickstoffbindende Knöllchensymbiose.
Wie frosthart ist Futterkohl und was bedeutet das für die Nutzung?
Für Markstammkohl reichen die Angaben zur Frostverträglichkeit von etwa −10 bis −12 °C, wobei der tiefere Wert für voll ausgewachsene Pflanzen gilt. Für an Kälte gewöhnten Futterkohl auf dem Wildacker werden bis −15 °C angegeben. Als Zweitfrucht wird Markstammkohl ab Mitte Oktober für Frischfutter oder Silage geerntet. Frost innerhalb dieser Grenzen zwingt dich also nicht, den ganzen Bestand auf einmal einzufahren.
Welche praktischen Schritte sind bei der Rationsgestaltung mit Futterkohl zu beachten?
Am Anfang steht eine Futteruntersuchung, denn sie liefert die Inhaltsstoffwerte, mit denen du die Ration planst. Für Zwischenfruchtfutter bei Wiederkäuern wird eine langsame Umstellung über 8 bis 14 Tage empfohlen. Markstammkohl ergänzt rohfaserreiche Rationen, und Heu oder Stroh können bei Bedarf den Strukturausgleich übernehmen. Feste Kilomengen pro Tier ersetzen diese Rechnung nicht, und für nitratreiches Herbstfutter gibt es keine pauschal sichere Menge.
Wie wird Futterkohl für die Rinderfütterung konserviert?
Markstammkohl lässt sich als Ganzpflanzensilage konservieren oder als frische Ganzpflanze direkt verfüttern. Für die Ernte ist ein Zeitpunkt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz angegeben. Saubere Ernte und Lagerung zählen, weil Schimmelpilzgifte Futter schon auf dem Feld oder erst im Lager belasten können. Kreuzkraut gehört weder in die Silage noch ins Heu, denn es kann Rinder über beide Wege schwer bis tödlich vergiften.
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