Futterkohl im Garten: Was er für deinen Boden tut und was nicht
- Markstammkohl nimmt viel Stickstoff auf, Luftstickstoff bindet Futterkohl aber nicht, weil Kreuzblütler keine Knöllchensymbiose bilden.
- Als Gründüngung hält ein Bestand Nährstoffe aus dem Bodenwasser vorübergehend in seiner Masse fest.
- Markstammkohl wurzelt kräftig, aber flach: Die Hauptwurzel verzweigt sich in der Ackerkrume.
- Mit Mykorrhizapilzen geht Futterkohl keine arbuskuläre Symbiose ein.
- Ein Bestand beschattet den Boden und vermindert Verschlämmung und Erosionsgefahr.
- Humus aus Gründüngung kann leichte Böden mehr Wasser speichern und schwere durchlässiger werden lassen.
Ich säe Futterkohl gern auf Beete, die nach der Ernte sonst offen lägen. Dabei begegnen mir immer wieder dieselben Versprechen: Er hole Stickstoff aus der Luft, wurzle besonders tief und arbeite mit Mykorrhizapilzen zusammen. Keins davon trifft zu, und wer sich darauf verlässt, erwartet von der Pflanze das Falsche. Was Futterkohl im Boden tatsächlich tut, lässt sich klar benennen: Er nimmt viel Stickstoff auf und hält Nährstoffe in seiner Masse fest, er beschattet den Boden, und aus seiner Masse kann Humus werden.
Futterkohl ist ein Kreuzblütler wie Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen. Angebaut werden unter anderem Markstammkohl, der einen verdickten Trieb und viel Blattmasse bildet, und Furchenkohl.
Was Futterkohl im Boden bewirkt: die Übersicht
Jede Wirkung hat eine Grenze. Die Tabelle stellt beides nebeneinander, die Abschnitte darunter zeigen, was du im Beet daraus machst.
| Bereich | Was Futterkohl tut | Wo die Grenze liegt |
|---|---|---|
| Nährstoffe | nimmt viel Stickstoff auf und hält Nährstoffe aus dem Bodenwasser vorübergehend fest | bindet keinen Luftstickstoff |
| Wurzel | Markstammkohl bildet eine kräftige Hauptwurzel, die sich in der Ackerkrume verzweigt | reicht wenig in die Tiefe |
| Bodenleben | liefert organische Masse, aus der Humus werden kann | keine arbuskuläre MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. |
| Erosion | beschattet den Boden und vermindert VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Erosionsgefahr | entwickelt sich anfangs langsam |
| Wasser | Humus kann leichte Böden mehr Wasser speichern und schwere durchlässiger werden lassen | zu viel Wasser kann die Wurzeln schädigen |
Nährstoffe: Futterkohl hält fest, statt anzureichern
Markstammkohl hat ein hohes Stickstoffaufnahmevermögen. Als Gründüngung nimmt ein Bestand die vorhandenen Nährstoffe aus dem Bodenwasser auf und hält sie vorübergehend in seiner Masse fest. Wann sie wieder bereitstehen, hängt unter anderem von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab. Einen festen Termin für die Freigabe gibt es deshalb nicht.
Kreuzblütler wie Futterkohl bilden keine stickstoffbindende Knöllchensymbiose. Zusammen mit dem hohen Aufnahmevermögen heißt das: Futterkohl bringt keinen neuen Stickstoff ins Beet, er sammelt den, der schon im Boden ist.
„Futterkohl reichert den Boden mit Stickstoff aus der Luft an.“ Das stimmt nicht. Luftstickstoff binden Leguminosen wie Klee: Bakterien an ihren Wurzeln legen ihn in organischer Form fest. Kreuzblütler gehen diese Partnerschaft nicht ein. Wer Stickstoff aus der Luft ins Beet holen will, plant dafür Leguminosen ein.
Bei der Versorgung des Kohls selbst hilft Kompost, als allgemeine Grunddüngung deckt er den Stickstoffbedarf von Gemüse aber nicht vollständig. Wie du Futterpflanzen nach Gruppen düngst, steht in den Grundlagen zum Gießen und Düngen von Futterpflanzen.
Wohin die Nährstoffe gehen, wenn du erntest
Arbeitest du den Kohl ein, bleibt das Gebundene auf der Fläche. Erntest du Blätter oder ganze Pflanzen als Frischfutter, nimmst du einen Teil davon mit. Im Ökolandbau verbindet der Kreislauf aus Futterpflanzen, Tierhaltung und organischen Düngern den Futterbau mit der Bodenfruchtbarkeit. Ich lege deshalb vor der Saat fest, ob ein Beet Futter liefern soll oder Bodendecke, und plane den Rückweg über Kompost gleich mit.
Verfütterst du Kohl im Herbst, denk an die Futtersicherheit: Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko sein. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht.
Die Wurzel: kräftig, aber in der oberen Schicht
Markstammkohl bildet eine kräftige Hauptwurzel. Die Wurzel reicht wenig in die Tiefe und verzweigt sich in der Ackerkrume, also in der bearbeiteten Oberschicht. Das Bild einer tiefen PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche., die verdichtete Unterböden aufbricht, passt dazu nicht. Für eine verdichtete Schicht weiter unten solltest du dich deshalb nicht auf Futterkohl verlassen.
Ich ziehe im Herbst eine Pflanze mit der Grabegabel heraus und schaue mir an, wo sich die Wurzeln verzweigen. So sehe ich an meinem eigenen Boden, welche Schicht der Kohl durchzieht.
Bodenleben: organische Masse statt Pilzpartnerschaft
Für das Bodenleben zählt beim Futterkohl vor allem, was er an Masse hinterlässt. Blätter und verdickte Triebe bleiben nach dem Einarbeiten im Boden, und aus Gründüngung kann Humus entstehen. Frische Masse arbeitest du nur flach ein, denn tief eingegraben kann sie unter Luftabschluss faulen.
Eine Partnerschaft mit Bodenpilzen gibt es dagegen nicht: Kreuzblütler wie Futterkohl gehen keine arbuskuläre Mykorrhizasymbiose ein. KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. fehlen ebenfalls. Rechne beim Bodenleben deshalb mit dem, was organische Masse und eine bedeckte Oberfläche leisten, und nicht mit einer Sonderwirkung des Kohls.
Ich arbeite Kohlreste nur in die obere Spatenhälfte ein und lege den Rest locker zwischen die Reihen. Beim nächsten Umgraben schaue ich nach, wie weit die Reste zersetzt sind.
Erosionsschutz: Blätter über offenem Boden
Ein Futterkohlbestand beschattet den Boden. Wie jeder Gründüngungsbewuchs vermindert er damit Verschlämmung und Erosionsgefahr. Verschlämmung heißt: Die Krümel an der Oberfläche zerfallen unter Regen und bilden eine dichte, glatte Schicht. Markstammkohl bringt für diesen Schutz viel Blattmasse an einem verdickten Trieb mit.
Der Schutz hat eine Lücke am Anfang. Markstammkohl entwickelt sich anfangs langsam und braucht in dieser Phase Unkrautregulierung. Weil die Wirkung vom Bewuchs ausgeht, liegt der Boden zwischen den Reihen gerade dann noch offen. Beim Gartensaatgut vereinzelst du kräftige Jungpflanzen auf 30 cm in der Reihe oder pflanzt sie in diesem Abstand aus. Zwischen den Reihen bleiben 50 cm.
In dieser Anfangszeit mulche ich die offenen Streifen zwischen den Reihen. Für Gartenbeete gilt eine Mulchschicht von etwa 2 bis 3 cm als allgemeiner Richtwert. Feinen Rasenschnitt trägst du nur locker, angetrocknet und dünn auf. Wie du Futterkohl säst und vereinzelst, zeigt die Anleitung, wie du Futterkohl Schritt für Schritt anbaust. Die Saattermine hast du mit dem Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken im Blick.
Über den Winter: Frost bestimmt, wie lange der Boden bedeckt bleibt
Bodendecke gibt es nur, solange der Bestand steht. Für eine Winterdecke zählt deshalb, wie viel Frost die Pflanzen vertragen. Die Angaben hängen von Kulturform und Entwicklungsstand ab:
| Angabe | Kältetoleranz |
|---|---|
| Markstammkohl, Gartensaatgut | −10 °C |
| Markstammkohl, voll ausgewachsene Pflanzen | −12 °C |
| Futterkohl auf dem Wildacker, an Kälte gewöhnt | bis −15 °C |
Im Sommerzwischenfruchtanbau wird die Sorte Camaro mit hohem Ertrag und mittlerer Frostempfindlichkeit bewertet. Furchenkohl schneidet dort mit geringer Frostempfindlichkeit, aber sehr geringem Ertrag ab. Für eine Winterdecke achte ich auf die Frostempfindlichkeit und nicht auf den Ertrag.
Wasserhaushalt: Humus speichert, Nässe schadet
Humus aus Gründüngung kann die Wasserspeicherung leichter Böden verbessern. Auf schweren Böden kann er die Durchlässigkeit verbessern. Dazu kommt der Schatten der Blätter, denn ein bewachsener Boden verschlämmt weniger.
Die nutzbare Feldkapazität ist der Wasservorrat im Boden, den Pflanzen nutzen können. Dieser Vorrat liegt zwischen dem Welkepunkt und der Feldkapazität. Speichert ein leichter Boden durch Humus mehr Wasser, kann das diesem Vorrat zugutekommen.
Weil sich die Wurzeln in der Ackerkrume verzweigen, holt Futterkohl sein Wasser vor allem aus der oberen Schicht. Dein Gießwasser muss also dort ankommen, wo die Wurzeln sitzen. Ich gieße früh morgens und bodennah. Eine feste Gießmenge für Futterkohl gibt es nicht, deshalb stecke ich vor dem Gießen einen Finger in die Erde und prüfe, ob die obere Schicht trocken ist.
1 mm Niederschlag entspricht 1 l/m². Am Regenmesser liest du also direkt ab, wie viele Liter pro Quadratmeter gefallen sind. Wie viel deine Gießbrause liefert, misst du aus: Stopp die Zeit, bis ein Gefäß mit bekanntem Volumen voll ist.
Bei der Saat zählt der Bodenschluss. Feinsamige Kulturen wie Markstammkohl brauchen ein feinkrümeliges, sorgfältig vorbereitetes Saatbett, damit die Keimlinge beim Auflaufen Wasser bekommen. In trockenen Keimphasen kann wiederholtes Gießen nötig sein.
Welkende Pflanzen sofort gießen. Zu viel Wasser kann Wurzeln schädigen, und geschädigte Wurzeln lassen Pflanzen ähnlich welken wie Wassermangel. Fühl deshalb zuerst den Boden: Ist er nass, hilft weiteres Wasser nicht.
Boden messen statt schätzen
Ob sich pH-Wert und Nährstoffe in deinem Beet verändern, zeigt eine Bodenuntersuchung. Ich nehme die Probe immer von derselben Fläche, damit ich die Werte über die Jahre vergleichen kann.
So nimmst du eine Bodenprobe im Gemüsebeet.
- Beprobe die Schicht von 0 bis 25 cm.
- Stich auf derselben Fläche 10 bis 15 Einzelproben.
- Misch sie zu einer MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. und schick diese zur Untersuchung.
Für Futterkohl auf dem Wildacker wird auf durchlässigen Böden eine pH-Spanne von 4,5 bis 8 genannt. Gemeint ist, was die Pflanze aushält, nicht ihr Optimum. Für Blattkohl im Gemüsebeet liegt der bevorzugte Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. bei 6,5 bis 6,8. Liegt dein Messwert über dem Zielbereich deiner Bodenart, gibst du weder Kalk noch kalkhaltigen Dünger.
Die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen., eine Krankheit der Kohlpflanzen, infiziert besonders stark bei 20 bis 25 °C und wird durch feuchte, staunasse und saure Böden begünstigt. Welkender Kohl kann auch auf Wurzelfraß der KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. hindeuten; wie du vorbeugst, steht im Futterpflanzen-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.
Fruchtfolge, Gründüngung und Mischkultur in Kürze
Für Futterkohl im ökologischen Zwischenfruchtanbau gilt eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern, also auch zu Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen. Passende Vor- und Nachfrüchte zeigt der Ratgeber zur Fruchtfolge mit Futterkohl, Saatzeit und Einarbeitung der Beitrag, wie du Futterkohl als Gründüngung nutzt, und die Futternutzung der Ratgeber zu Futterkohl als Zwischenfrucht. Mischkultur kann Fläche besser ausnutzen, ihre günstigen Nachbarwirkungen sind aber oft schwer nachweisbar; Nachbarn prüfst du im Mischkultur-Planer, Grundlagen im Futterpflanzen-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur.




