Nachhaltige Rasendüngung: Mulchen, Kompost und genau dosieren
- Fein zerkleinertes Schnittgut darf liegen bleiben und gibt bei seiner Zersetzung Nährstoffe an den Rasen zurück.
- Nährstoffe aus Kompost ziehst du vom ermittelten Düngerbedarf ab, denn auch Kompost kann den Boden überversorgen.
- Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit und Staunässe kaum Nährstoffe frei, bei feuchtwarmem Wetter dagegen in starken Schüben.
- Für eine schnell wirkende mineralische Startdüngung im Frühjahr gelten 4 bis 5 g N/m², die du zur Begrenzung der Auswaschung nicht überschreitest.
- Bei großer Hitze und Trockenheit düngst du nicht stickstoffreich, sondern wartest auf Feuchte und sichtbares Wachstum.
Stickstoff, den die Gräser nicht aufnehmen, kann als Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen werden. Das Risiko steigt mit überhöhten Gaben und mit Düngung außerhalb der VegetationsperiodeDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht.. Deshalb beginne ich beim Düngen nicht beim Sack, sondern bei der Frage, was mein Rasen schon bekommt.
Nachhaltig düngen heißt für mich: Schnittgut und Kompost als Nährstoffquelle nutzen, den restlichen Bedarf ausrechnen und abwiegen und nur streuen, wenn Witterung und Wachstum passen.
Schnittgut liegen lassen: Mulchen führt Nährstoffe zurück
Beim Mulchmähen sammelst du das Schnittgut nicht ein. Es wird fein zerkleinert und bleibt auf der Fläche liegen.
Fein zerkleinertes Rasenschnittgut gibt bei seiner Zersetzung Nährstoffe an den Rasen zurück. Damit hast du eine Nährstoffquelle, die du nicht kaufen musst.
Das Schnittgut muss dafür kurz sein und gleichmäßig liegen. In der Hauptwachstumszeit sind beim Mulchmähen deshalb etwa 2 Schnitte pro Woche nötig. Für einen hochwertigen Rasen gilt außerdem, bei einem Mähgang höchstens ein Drittel der aktuellen Wuchshöhe abzuschneiden. Beides greift ineinander, denn der häufige Schnitt hält die Halmstücke kurz und die Drittel-Regel begrenzt, wie viel Schnittgut bei einem Gang anfällt.
Mulchmähen auf nassem Rasen. Das Schnittgut soll gleichmäßig auf möglichst trockenem Rasen liegen bleiben. Nach Regen oder Tau warte ich deshalb, bis die Halme abgetrocknet sind, und gehe erst dann mit dem Mulchmäher los.
Unabhängig vom Mulchen behältst du die Filzschicht im Blick. Rasenfilz sollte spätestens ab einer Schichtdicke von 1 cm entfernt werden. Ich ziehe dazu an einer Stelle die Halme auseinander und messe die Auflage mit dem Zollstock.
Kompost und organische Dünger: was sie bringen und wann sie wirken
Kompost liefert organisches Material für das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf. und kann die Wasserleit- und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessern. Regenwürmer verarbeiten organisches Material zu stabilen Bodenaggregaten. Durch ihre Röhren verbessern sie außerdem Belüftung und Versickerung.
Für bestehenden Rasen gibt es drei Orientierungen, die zu unterschiedlichen Zwecken gehören:
| Zweck | Menge | Zeitpunkt oder Abstand |
|---|---|---|
| Kompostdüngung, die jedes Jahr wiederkehrt | etwa 2 l/m² | jährlich |
| Grundversorgung und Humuszufuhr auf nährstoffarmen Rasenflächen | 5 l gesiebter Kompost je m² | als Frühjahrsgabe |
| gelegentliche Maßnahme auf bestehendem Rasen | etwa 3 bis 5 l/m² feiner RAL-Fertigkompost der Körnung 0/6 | im Abstand von 3 bis 5 Jahren |
Welche Zeile für dich gilt, hängt davon ab, was der Kompost leisten soll. Ich siebe den Kompost, bevor er auf den Rasen kommt, und verteile ihn mit dem Rechen zwischen die Halme. Soll statt Kompost Rasenerde auf die Fläche, findest du eine eigene Anleitung, wie du Rasenerde gleichmäßig aufträgst.
Was Kompost an Nährstoffen mitbringt, ziehst du vom ermittelten Düngerbedarf ab. Das gilt genauso für andere organische Bodenverbesserer. Fehlt der Bedarf, kann auch Kompost den Boden überversorgen.
Organische Dünger hängen an Wärme und Feuchte
Organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe kaum Nährstoffe frei. Bei feuchtwarmer Witterung können sie dagegen starke Freisetzungsschübe auslösen und den Rasen überversorgen. Im Frühjahr erwärmt sich der Boden langsamer als die Luft, sodass organisch gebundene Nährstoffe zunächst verzögert frei werden. Wann die Nährstoffe ankommen, bestimmen also Bodenwärme und Feuchte mit, nicht nur der Tag, an dem du streust; organisch heißt deshalb nicht automatisch bedarfsgerecht.
Für nährstoffarmen Rasen eignet sich HornmehlHornmehl ist fein gemahlenes Horn, das als organischer Stickstoffdünger verwendet wird. Es gibt den Stickstoff im Boden nach und nach frei, aber schneller als die gröberen Hornspäne. als organische Stickstoffergänzung, je 35 bis 40 g pro m² im April und Juni.
Mineralische, organische und LangzeitdüngerEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger. unterscheiden sich darin, wie schnell und wie lange sie Nährstoffe liefern. Rasen-Langzeitdünger können je nach Produkt, Bodenwärme und Bodenfeuchte über 3 bis 6 Monate wirken. Welche Düngerart zu deinem Rasen passt, auch mit Blick auf die Kosten, klärt ein eigener Ratgeber.
Bedarfsgerecht dosieren: erst rechnen, dann streuen
Gartenrasen braucht je nach Nutzungs- und Pflegekonzept etwa 10 bis 25 g N/m² im Jahr. Den Bedarf an Grundnährstoffen klärt eine Bodenuntersuchung, die jeden Nährstoff in eine GehaltsklasseDie Gehaltsklasse ist eine Einstufung im Bodenuntersuchungsbefund, die angibt, wie gut der Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Sie reicht von A für niedrige bis E für besonders hohe Versorgung. einstuft. Für einen Nährstoff in Gehaltsklasse E oder F ist keine weitere Gabe vorgesehen. Wie du die Probe nimmst und welche pH-Zielbereiche für deinen Boden gelten, steht im Rasen-Ratgeber unter Standort und Boden sowie Düngen.
Sind die Nährstoffe unterschiedlich versorgt, führst du gezielt die benötigten Einzelnährstoffe zu, statt einen unpassenden Mehrnährstoffdünger zu streuen. Aus dem Bedarf wird erst mit dem Nährstoffgehalt auf der Packung eine Streumenge.
Düngermenge in g/m² = zu deckender Nährstoffbedarf in g/m² × 100 ÷ deklarierter Nährstoffgehalt in %. Den Nährstoffgehalt liest du auf der Packung ab.
Beim Stickstoff und beim Einwässern helfen dir diese Werte:
| Situation | Wert | Vorbehalt |
|---|---|---|
| Düngekonzept für Gebrauchsrasen mit 20 bis 25 g N/m² im Jahr | Verteilung auf 3 bis 5 Gaben | gedüngt wird in Teilgaben, nicht in einer großen Portion |
| schnell wirkende mineralische Startdüngung im Frühjahr | 4 bis 5 g N/m² | nicht überschreiten, um die AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. zu begrenzen |
| nach einer mineralischen Frühjahrsdüngung | etwa 5 bis 10 l Wasser je m² | hilft, die Düngerkörner aufzulösen |
Teilgaben helfen nur mit Abstand: Stickstoffgaben in zu kurzer Folge erhöhen das Risiko, dass ungenutztes Nitrat ausgewaschen wird, ebenso wie Gaben außerhalb der Vegetationsperiode.
Ich rechne die Menge aus und wiege sie ab, bevor ich den Streuer fülle. Dann teile ich die Fläche in gleich große Stücke und fülle für jedes Stück eine eigene Portion ab. Am Ende jedes Stücks sehe ich, ob die Portion zur Fläche gepasst hat.
Wann gedüngt wird: erst die Witterung, dann der Kalender
Bei großer Hitze und Trockenheit düngst du nicht stickstoffreich. Erst wenn wieder ausreichend Feuchte da ist und der Rasen sichtbar wächst, versorgst du ihn wieder bedarfsgerecht.
Für normalen Hausrasen gilt als Orientierungsplan eine erste Düngung im zeitigen Frühjahr und eine zweite Ende Juni bis Anfang Juli. Eine zusätzliche Herbstdüngung braucht er nicht grundsätzlich, denn ob Kalium ergänzt werden muss, klärt die Bodenprobe. Woran du den richtigen Moment zum Düngen erkennst, hängt von Rasentyp, Nutzungsintensität und Wetterlage ab.
Ich notiere jede Gabe mit Datum, Dünger und abgewogener Menge. Wie du daraus einen dokumentierten Jahres-Düngeplan aufstellst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Präzise ausbringen: Streuwagen, Waage und Wasser
Mit einem Streuwagen verteilst du Rasendünger genauer als von Hand. Streust du doch von Hand, verteilst du die abgewogene Menge in zwei sich kreuzenden Arbeitsgängen. Eine erforderliche Frühjahrsdüngung kann kurz nach dem VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos. folgen, weil die Körner dann leichter den Boden erreichen. Körnigen, schnell wirkenden mineralischen Rasendünger wässerst du nach dem Ausbringen gründlich ein, um Verbrennungen zu vermeiden. Wie du Rasendünger von der Vorbereitung bis zum Wässern danach ausbringst, zeigt eine eigene Anleitung.
Von Haustieren gefressener synthetischer Gartendünger kann Vergiftungen verursachen. Lagere Dünger verschlossen und außer Reichweite deiner Tiere, und kehre verschüttete Körner sofort auf.
Vor jeder Gabe gehe ich diese Punkte durch.
- Liegt das Ergebnis der Bodenuntersuchung vor?
- Ist der Kompost dieses Jahres vom Bedarf abgezogen?
- Ist der Boden nach Hitze wieder ausreichend feucht, und wächst der Rasen sichtbar?
- Ist die Menge ausgerechnet und für gleich große Teilflächen abgewogen?
- Steht Wasser zum Einwässern bereit, wenn du körnigen mineralischen Dünger streust?
Wasser messen statt schätzen
Für bedarfsgerechtes Gießen misst du, wie viel Wasser Schlauch, Brause oder Regner tatsächlich abgeben. Ich stelle dazu einen Regenmesser in die Reichweite des Regners und lese nach dem Wässern ab. Derselbe Regenmesser erfasst auch den Niederschlag und hilft dir einzuschätzen, wie viel du zusätzlich gießen musst. Etablierter Rasen wird durchdringend gewässert, sodass das Wasser 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringt. Nach dem Wässern steche ich an einer Stelle mit dem Spaten ein und schaue, wie tief der Boden feucht ist.
Eine mit Bodenfeuchtesensoren gesteuerte Bewässerung kann die Wassergaben bedarfsgerecht auslösen. Der Fühler muss dafür Boden und Feuchte seines Bewässerungskreises abbilden. Setz ihn also nicht unter einen Baum, wenn er die freie Fläche daneben steuern soll, denn unter Bäumen kann der Rasenboden auch nach Regen trocken bleiben.
Gieß früh am Morgen, weil das die Verdunstung verringert und hilft, Pilzkrankheiten vorzubeugen. Gesammeltes Regenwasser von unproblematischen Dächern eignet sich für die Gartenbewässerung. Ablaufwasser von Kupfer- und Zinkdächern oder herbizidhaltigen Bitumenabdichtungen kann dagegen belastet sein. Örtliche Bewässerungsverbote und Einschränkungen haben Vorrang vor allgemeinen Gießempfehlungen.
Bodenleben füttern statt Präparate kaufen
Zu den Mikroorganismen im Boden zählen Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller. Diese Organismen bauen Pflanzenreste ab und setzen dabei organisch gebundene Nährstoffe in pflanzenverfügbarer Form frei. Wie gut das läuft, hängt von Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffstatus ab. Mykorrhizapilze besiedeln Wurzeln und den umliegenden Boden und unterstützen die Nährstoffaufnahme ihrer WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter..
Ich gebe dem Bodenleben deshalb vor allem organisches Material: liegen gelassenes Schnittgut und gesiebten Kompost.
Zugekaufte Mikroorganismen machen den Rasenboden lebendiger? Darauf verlasse ich mich nicht. In einem Laborversuch mit Wickroggenmaterial bei 12 °C veränderte die Zugabe effektiver Mikroorganismen weder die mikrobielle Biomasse noch die Nährstofflöslichkeit nachweisbar. In einer Untersuchung von 28 kommerziellen Mykorrhizaprodukten führten rund 84 % in kontrollierten Gewächshausversuchen nicht zur gewünschten Wurzelbesiedlung.
Bei Pflanzenkohle hängen die Eigenschaften von Ausgangsmaterial und Herstellungsverfahren ab. Durch ihre hohe Sorption kann sie Nährstoffe zeitweise der Pflanzenverfügbarkeit entziehen, sodass sie den Gräsern vorübergehend fehlen.
Flächen, die ohne Dünger auskommen
Wiesen- und Kräuterrasen auf geeigneten Teilflächen bieten Insekten Nahrung und Lebensraum. Gegenüber intensiv gepflegtem Rasen können sie auch den Pflegeaufwand senken. Auf weniger intensiv genutzten Rasenflächen bieten blühende Kräuter wie Weißklee, Gänseblümchen und Schafgarbe Nahrung für Bienen und andere Insekten. Der extensiv gepflegte Blumen-Kräuter-Klimarasen wird nach der Etablierung weder gedüngt noch vertikutiert.
Magerrasen beherbergen Pflanzen, die an nährstoffarme Bedingungen angepasst sind. Zusätzlicher Stickstoff kann diese Pflanzen von konkurrenzstärkeren Arten verdrängen lassen. Grenzt ein Magerrasen an deine Rasenfläche, streust du an dieser Kante mit dem Streuwagen statt von Hand, weil er genauer verteilt und Stickstoff im Magerrasen die konkurrenzstärkeren Arten begünstigen kann.
Hast du eine bekannte Insektengiftallergie, berücksichtige sie bei der Nutzung blühender Rasenflächen. Bienenstiche können schwere allergische Reaktionen auslösen.






