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Phytosanierung: Was Pflanzen im Boden leisten und was die Liebeshainblume kann

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 4 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Phytoextraktion entzieht dem Boden Schadstoffe, Phytostabilisierung verringert ihre Verlagerung durch Auswaschung und Erosion.
  • Ob eine Phytoextraktion wirkt, zeigen gemessene Biomasse, Schadstoffgehalte in Pflanze und Boden und daraus berechnete Entzugsraten.
  • Belastete Pflanzenmasse aus einer Phytoextraktion wird gesammelt und fachgerecht entsorgt, nicht kompostiert.
  • Bei Verdacht auf Schadstoffe im Gartenboden ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig.
  • Die Liebeshainblume ist eine einjährige Sommerblume und Nahrungsquelle für Insekten; als Sanierungsmaßnahme planst du sie nicht ein.
Himmelblaue Blüten der Hainblume (Nemophila menziesii) mit weißem Zentrum
Foto: Sureshbup · CC BY-SA 3.0 · Ausschnitt · Quelle ↗

Wer nach Phytosanierung sucht, hat meist einen Boden vor Augen, dem er nicht traut. Dabei stößt man schnell auf die Aussage, die Liebeshainblume ziehe Schwermetalle aus der Erde. Ich säe Liebeshainblumen an Beetränder und in Töpfe, aber bei einem Boden mit Schadstoffverdacht verlasse ich mich nicht auf sie. Der Grund steckt darin, wie Phytosanierung funktioniert und woran man ihren Erfolg misst.

Was ist Phytosanierung?

Phytosanierung, auch Phytoremediation genannt, setzt Pflanzen gegen Schadstoffe im Boden ein. Dahinter stehen zwei Grundprinzipien mit unterschiedlichen Zielen. Wer sie verwechselt, erwartet von einer Pflanzung etwas, das sie gar nicht leisten soll.

Phytoextraktion: Schadstoffe verlassen den Boden

Bei der Phytoextraktion entziehen Pflanzen dem Boden Schadstoffe. Die Stoffe stecken danach in der Pflanzenmasse. Erst wenn diese Masse geerntet ist und die Fläche verlassen hat, ist der Entzug abgeschlossen.

Phytostabilisierung: weniger Verlagerung statt Entzug

Die Phytostabilisierung verfolgt ein anderes Ziel. Hier sollen Pflanzen die Verlagerung der Schadstoffe durch Auswaschung und Erosion verringern. Eine stabilisierende Pflanzung kann also die Ausbreitung bremsen. Den Vorrat im Boden zu senken, ist dagegen die Aufgabe der Extraktion.

Empfehlungen für den Garten

Standort und Boden

Standort

Geeignet ist nährstoffreicher, feuchter, gut durchlässiger Boden. Sonne oder Halbschatten sind geeignet; in sommerlichen Trockenperioden zur Blütenförderung wässern.

Bodenart

Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.

Bodenreaktion

Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.

Substrat

Geeignet ist nährstoffreicher, feuchter, gut durchlässiger Boden.

Anbauort

Die angebotenen Sorten lassen sich im Hochbeet und im Topf ziehen.

Aussaat und Vermehrung

Vermehrung

Direkt am endgültigen Standort säen.

Saattiefe

Das angebotene Saatgut etwa 0,5 - 1 cm tief säen.

Pflege

Pflege

In trockenen Sommerphasen gießen, um die Blüte zu fördern; kein Rückschnitt erforderlich.

Düngung

Vor dem Pflanzen in Gartenränder oder Gefäße Kompost einarbeiten.

Lebensform und Verwendung

Lebensform

Die Pflanze ist einjährig.

Verwendung

Die angebotenen Sorten bieten Nützlingen und Insekten Nahrung.

Aussaatkalender Hainblume
GartenkalenderVorkultur: März, April; Aussaat: April, Mai, Juni, September; Blüte: Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: SeptemberBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberVorkulturAussaatBlüte

Woran misst man, ob eine Pflanze Schadstoffe entzieht?

Dass eine Pflanze auf belastetem Boden gut wächst, sagt noch nichts über den Entzug. Zur Kontrolle einer Phytoextraktion werden deshalb die Biomasse und die Schadstoffgehalte in Pflanzen und Boden erfasst. Aus diesen Messwerten werden anschließend die Entzugsraten berechnet.

Kurz erklärt

Die Entzugsrate gibt an, wie viel Schadstoff eine Pflanzung dem Boden entzieht. Berechnet wird sie aus der gebildeten Biomasse und den gemessenen Gehalten, deshalb taugt keiner der beiden Werte allein als Nachweis.

Die Pflanzenmasse spielt danach noch eine zweite Rolle. Bei einer Phytoextraktion muss die belastete Biomasse gesammelt und fachgerecht entsorgt werden. Kompost bringst du im Garten wieder auf die Beete aus. Belastetes Kraut auf dem eigenen Komposthaufen würde die entzogenen Stoffe also zurück in die Erde tragen.

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Was leistet die Liebeshainblume bei der Phytosanierung?

Die Liebeshainblume, botanisch Nemophila menziesii, ist eine einjährige Sommerblume. Die Pflanze ist nicht winterhart und wird 10 bis 20 cm hoch. Von Juni bis September trägt sie blaue Blüten und dient Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle. Damit passt sie an Beetränder, in Lücken und in Gefäße.

Für eine Bodensanierung fehlt mir bei ihr das Entscheidende: gemessene Schadstoffgehalte im Kraut und daraus berechnete Entzugsraten. Ohne diese Werte lässt sich weder sagen, ob und welche Stoffe sie aufnimmt, noch wie viel sie einem Boden entzieht. Ich plane sie deshalb als Sommerblume ein und nie als Sanierungsmaßnahme.

Mythos-Check

Verlass dich zur Sanierung belasteter Böden nicht auf die Liebeshainblume. Ein blühendes Beet auf belastetem Grund ist deshalb noch kein saniertes Beet.

Was die Pflanze im Beet tatsächlich bietet, ist eine niedrige, blühende Decke über offenem Boden. Wie du sie dafür nutzt, zeigt der Ratgeber, wie du die Liebeshainblume als Bodendecker einsetzt.

Ob die Liebeshainblume Umweltveränderungen anzeigen kann, ist eine eigene Frage. Professionelle Bioindikation arbeitet mit festgelegten Erhebungsverfahren und lässt sich durch Untersuchungen der Schadstoffbelastung von Pflanzen ergänzen. Mehr dazu steht im Ratgeber, wie sich die Liebeshainblume als Bioindikator einordnen lässt.

Was tust du bei Schadstoffverdacht im eigenen Garten?

Eine Standarduntersuchung von Gartenboden erfasst üblicherweise Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Für eine Schadstoffbelastung oder einen entsprechenden Verdacht ist dagegen die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Der übliche Bodentest aus der Gartenpflege klärt deinen Verdacht also nicht, deine Ansprechstelle ist die Behörde. Bekomme ich Erde unbekannter Herkunft, frage ich nach ihrer Vorgeschichte, bevor sie in ein Beet kommt.

Für die normale Pflege ist eine Bodenuntersuchung vor der Neuanlage eines Beets vorgesehen und danach alle 3 bis 5 Jahre. Vor der Probenahme düngst du nicht. Wie Boden, Standort und Düngung bei Sommerblumen zusammenhängen, erklären die Grundlagen zu Standort und Boden von Sommerblumen.

Jetzt dran

Hast du einen konkreten Verdacht, wende dich an die untere Bodenschutzbehörde, bevor du auf der Fläche mit einer Pflanzung experimentierst.

Wie säst du die Liebeshainblume als Sommerblume?

Als Sommerblume säst du die Liebeshainblume direkt an den endgültigen Standort. Die Samen kommen in Reihen oder breitwürfig in die Erde. Nach der Keimung vereinzelst du die Sämlinge rechtzeitig, und den Saattermin passt du an dein örtliches Klima an.

Kulturdaten Liebeshainblume
Aussaat direkt ins Freiland, April bis Juni sowie im September
Saattiefe etwa 0,5 bis 1 cm
Keimdauer 7 bis 14 Tage
Abstand nach dem Vereinzeln 10 cm in der Reihe, 20 cm zwischen den Reihen, niedriger und frei wachsender Bestand
Wuchsbreite 15 bis 30 cm
Kulturdauer 84 bis 126 Tage
Licht sonnig bis halbschattig

Bevor die Liebeshainblume ins Beet kommt, arbeitest du Kompost in den Boden ein. Der Boden sollte nährstoffreich, feucht und gut durchlässig sein. Für den pH-Wert nennt die britische RHS saure, neutrale und alkalische Böden als geeignet. In trockenen Sommerphasen gießt du, das fördert die Blüte. Einen Rückschnitt braucht die Pflanze nicht, und auch im Topf lässt sie sich ziehen.

Marias Erfahrung

Ich säe die Liebeshainblume lieber in Reihen als breitwürfig. So erkenne ich die Sämlinge beim Vereinzeln leichter zwischen aufkeimendem Unkraut.

Wann andere Sommerblumen an der Reihe sind, siehst du im Aussaatkalender für Sommerblumen zum Ausdrucken.

Passt dazu

Welche Rolle die Kapuzinerkresse bei der Bodensanierung spielt, beschreibt der Ratgeber zur Kapuzinerkresse in der Phytoremediation.

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Häufige Fragen

Was ist Phytoremediation und wie funktioniert die natürliche Bodensanierung durch Pflanzen?
Phytoremediation, auf Deutsch Phytosanierung, setzt Pflanzen gegen Schadstoffe im Boden ein. Bei der Phytoextraktion entziehen Pflanzen dem Boden Schadstoffe, bei der Phytostabilisierung verringern sie deren Verlagerung durch Auswaschung und Erosion. Bei der Extraktion wird die belastete Pflanzenmasse anschließend gesammelt und fachgerecht entsorgt. Ob das Verfahren wirkt, zeigen gemessene Biomasse, Schadstoffgehalte in Pflanze und Boden und die daraus berechneten Entzugsraten.
Worin unterscheidet sich die Phytoextraktion von der Phytostabilisierung bei der biologischen Reinigung?
Die Phytoextraktion entzieht dem Boden Schadstoffe, die danach in der Pflanzenmasse stecken und mit ihr gesammelt und fachgerecht entsorgt werden. Die Phytostabilisierung zielt nicht auf diesen Entzug, sondern verringert die Verlagerung der Schadstoffe durch Auswaschung und Erosion. Die Extraktion soll die Belastung also aus dem Boden herausholen, die Stabilisierung soll ihre Ausbreitung bremsen.
Stimmt es, dass alle Pflanzen zur Phytoremediation geeignet sind und beliebige Schadstoffe aufnehmen können?
Davon kannst du nicht ausgehen. Ob eine Pflanze einem Boden Schadstoffe entzieht, zeigt erst eine Erfolgskontrolle mit gemessener Biomasse, Schadstoffgehalten in Pflanze und Boden und daraus berechneten Entzugsraten. Ohne solche Messwerte ist auch eine kräftig wachsende Pflanze keine Sanierungsmaßnahme. Bei Verdacht auf einen belasteten Gartenboden ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig.
Welche praktischen Schritte sind bei der Aussaat und Kultivierung von Liebeshainblumen für Sanierungszwecke zu beachten?
Eine Sanierung planst du nicht auf eigene Faust: Bei Verdacht auf Schadstoffe im Boden ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Eine Phytoextraktion verlangt außerdem Messungen und die fachgerechte Entsorgung der belasteten Pflanzenmasse. Als Sommerblume säst du die Liebeshainblume direkt an den endgültigen Standort, etwa 0,5 bis 1 cm tief. Nach der Keimung vereinzelst du die Sämlinge rechtzeitig und gießt in trockenen Sommerphasen.
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