Kapuzinerkresse zur Bodensanierung: Was sie aufnimmt und wo die Grenzen liegen
- In Feldversuchen nahm Kapuzinerkresse Cadmium in die Blätter auf, Stickstoffdüngung erhöhte den Gehalt.
- Aufgenommene Schwermetalle lassen sich nicht abwaschen. Kresse von belastetem Boden gehört nicht in die Küche.
- Ob ein Boden belastet ist, muss eine Bodenuntersuchung klären. Bei Verdacht ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig.
- Bei der Phytoextraktion wird die belastete Biomasse gesammelt und fachgerecht entsorgt.
- Den Erfolg zeigen nur Messungen von Biomasse, Schadstoffgehalten in Pflanze und Boden und Entzugsraten.
- Kapuzinerkresse ist einjährig und nicht winterhart, kletternde Sorten können mit langen Trieben andere Pflanzen unterdrücken.

Vielleicht soll aus dem Streifen an der alten Garagenzufahrt ein Blumenbeet werden, und du hast gelesen, dass Kapuzinerkresse belasteten Boden reinigt. Bevor du säst, lohnt ein genauer Blick, denn die Kresse ist essbar und wandert schnell in den Salat. Genau dort liegt das Risiko, wenn der Boden Schadstoffe enthält. Wenn mich jemand nach so einer Fläche fragt, will ich zuerst wissen, was dort früher stand.
Was die Kapuzinerkresse nachweislich tut, ist schnell erzählt: Sie nimmt Cadmium in ihre Blätter auf. Daraus entsteht leicht die Geschichte vom grünen Bodenreiniger. Was davon stimmt, wie du bei einem Verdacht vorgehst und wo die Pflanze an Grenzen stößt, zeige ich dir hier.
Phytoremediation kurz eingeordnet
Phytoremediation heißt, belastete Böden mit Hilfe von Pflanzen zu sanieren. Wie das grundsätzlich funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Liebeshainblume als Helferin bei der Bodensanierung. Hier geht es um die Frage, was die Kapuzinerkresse dazu beitragen kann.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Bodenart
Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffarmer, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Je nach Sorte ist die Kultur im Hochbeet, im Topf oder im Kübel möglich.
Pflege
- Pflege
Trockenheit vermeiden. Sehr nährstoffreicher Boden fördert üppige Blätter, aber weniger Blüten; ärmerer Boden begünstigt die Blütenbildung.
- Düngung
Für reichen Blütenflor nährstoffarm kultivieren; zu nährstoffreicher Boden fördert Blätter auf Kosten der Blüten.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist einjährig.
- Verwendung
Je nach Sorte: Die Pflanze eignet sich für Beet und Balkon. Die Pflanze dient Nützlingen und Insekten als Nahrungsquelle.
Was Kapuzinerkresse mit Schadstoffen im Boden macht
In Feldversuchen erhöhte Stickstoffdüngung auf beiden untersuchten Standorten den Cadmiumgehalt in Kapuzinerkresseblättern. Die Pflanze holt das Schwermetall also aus dem Boden in genau die Blätter, die du sonst für Salat oder Kräuterquark erntest. Waschen hilft dagegen nicht, denn Schwermetalle, die eine Pflanze aus dem Boden aufgenommen hat, lassen sich nicht abwaschen. Ob dein Boden überhaupt Schadstoffe enthält, muss eine Bodenuntersuchung klären. Ich säe Kapuzinerkresse für die Küche deshalb nur auf Beeten, deren Boden ich kenne.
Junge Blätter, Blüten und Knospen der sicher bestimmten Kapuzinerkresse sind essbar. Von belastetem oder verdächtigem Boden gehören sie trotzdem nicht auf den Teller, weil Schadstoffe über Pflanzen in Lebensmittel gelangen können. Auch als Tierfutter taugt Schnittgut von solchen Flächen nicht.
Hyperakkumulation: Das Prinzip der Schadstoffanreicherung
Hinter dem Begriff steckt die Idee, dass eine Pflanze Schadstoffe in ihren erntbaren Teilen anreichert und man sie mit dem Schnittgut vom Boden wegbringt. Ob das gelingt, zeigt nicht der Blick ins Beet, sondern die Messung. Zur Kontrolle werden die Biomasse, die Schadstoffgehalte in Pflanze und Boden und die daraus berechneten Entzugsraten erfasst. Ein hoher Gehalt in den Blättern sagt deshalb allein wenig darüber, wie viel eine Fläche verliert. Die Entzugsrate ergibt sich erst zusammen mit der Masse, die geerntet und abgefahren wird. Mehr zum Prinzip steht im Liebeshainblumen-Ratgeber.
„Ein Beet voll Kapuzinerkresse zieht die Schwermetalle aus dem Gartenboden.“ Gezeigt ist, dass die Kresse Cadmium in ihre Blätter aufnimmt. Wie viel davon den Boden tatsächlich verlässt, hängt an Erntemasse, Gehalten und fachgerechter Entsorgung und zeigt sich nur in Messungen. Das Beet ersetzt keine Bodenuntersuchung.
Anwendungsbereiche und Methoden: entziehen oder festhalten
Pflanzen können auf zwei Wegen mit belastetem Boden arbeiten. Phytoextraktion entzieht dem Boden Schadstoffe, Phytostabilisierung verringert deren Verlagerung durch AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. und Erosion. Was über die Kapuzinerkresse bekannt ist, betrifft den ersten Weg.
Phytoextraktion: Schadstoffe mit dem Schnittgut abfahren
Bei der Phytoextraktion zählt, was in die erntbaren Pflanzenteile wandert. Für die Kapuzinerkresse ist das Cadmium in den Blättern. Diese schadstoffbelastete Biomasse muss gesammelt und fachgerecht entsorgt werden, sonst verlassen die Schadstoffe die Fläche nicht. Kletternde Sorten können bis zu 2,5 m lange Triebe bilden, und jeder davon gehört am Ende mit zur Ernte. Weil die Kresse einjährig und nicht winterhart ist, säst du eine Fläche jedes Jahr neu, wenn sie länger bepflanzt bleiben soll.
Phytostabilisierung: den Boden an Ort und Stelle halten
Bei diesem Weg geht es nicht um Entzug. Ziel ist, dass Schadstoffe weniger ausgewaschen und weniger mit abgetragenem Boden verlagert werden. GrüneinsaatenGrüneinsaat ist die Aussaat einer Gründüngung, etwa Gelbsenf, Phacelia oder Ackerbohne, auf einem abgeernteten Beet. Die Pflanzen halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt, schützen ihn und verbessern seine Struktur. über Winter schützen geräumte Beete vor Abschwemmung und halten den Boden mit ihren Wurzeln locker. Kapuzinerkresse ist nicht winterhart, als schützender Bewuchs für den Winter fällt sie damit aus.
Wo der Einsatz im Hausgarten endet
Schadstoffe aus belasteten Böden können über Pflanzen in Lebensmittel oder Tierfutter gelangen. Ein Beet, auf dem Kapuzinerkresse zur Sanierung wächst, ist deshalb kein Küchenbeet und kein Futterbeet. Bei einer Schadstoffbelastung des Bodens oder einem entsprechenden Verdacht ist die untere Bodenschutzbehörde zuständig. Dort fragst du nach, bevor du auf eigene Faust etwas versuchst. Professionelle Bioindikation arbeitet mit festgelegten Erhebungsverfahren. Sie kann durch Untersuchungen der Schadstoffbelastung von Pflanzen ergänzt werden, und genau dieses Messprogramm fehlt einem Kressebeet im Garten.
Praktische Umsetzung: so gehst du bei einem Verdachtsbeet vor
Erst klären, dann säen
Am Anfang steht die Bodenuntersuchung, denn ob ein Gartenboden mit Schadstoffen belastet ist, muss eine Untersuchung klären. Die Kapuzinerkresse selbst ersetzt sie nicht. Eine einzelne Zeigerpflanze erlaubt noch keine verlässliche Standortbeurteilung. Schon für Nährstoffe und pH-Wert liefert eine Laboranalyse genauere Angaben als die Beobachtung von Zeigerpflanzen. Welche Hinweise ihr Wachstum auf pH-Wert, Nährstoffe und BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. geben kann, steht im Ratgeber zur Kapuzinerkresse als Zeigerpflanze für deinen Gartenboden. Gelbe Blätter können schlicht auf einen zu trockenen Stand hindeuten, einen Schadstoffbefund liest du daraus nicht ab.
Notiere, was früher auf der Fläche stand. Lass den Boden untersuchen. Frag bei Belastung oder Verdacht die untere Bodenschutzbehörde. Entscheide erst danach, ob und wofür du dort säst.
Aussaat und Abstand
Kapuzinerkresse ist stark frostempfindlich, deshalb säst du sie von Mitte Mai bis Ende Juni direkt aus. Bei einer Vorkultur der Sorte ‘Rankende Mischung’ vereinzelst du auf eine Pflanze je Topf. Vorgezogene Kresse setzt du mit dem ganzen Erdballen um, sobald er gut durchwurzelt ist. Die übrigen Eckdaten stehen in der Tabelle.
| Punkt | Kapuzinerkresse |
|---|---|
| DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. | Mitte Mai bis Ende Juni |
| Saattiefe | etwa 1–2 cm |
| Keimdauer | 7–21 Tage |
| Abstand bei der rankenden Sorte ‘Rankende Mischung’ | Sämlinge im Beet auf 30 × 40 cm vereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe., Triebe an Zaun, Spalier oder Pergola führen |
| Trieblänge kletternder Sorten | bis zu 2,5 m |
| Blütezeit | Juni bis Oktober |
| Lebensdauer | einjährig, nicht winterhart |
Wenn du weitere Sommerblumen säst, findest du ihre Saattermine in einem Kalender zum Ausdrucken.
Pflege: wenig Dünger, keine Trockenheit
Für reiche Blüte kultivierst du Kapuzinerkresse nährstoffarm, denn zu nährstoffreicher Boden fördert Blätter auf Kosten der Blüten. Stickstoffdüngung hob in den Feldversuchen zugleich den Cadmiumgehalt der Blätter. Wer auf fraglichem Boden kräftig düngt, bekommt also weniger Blüten und riskiert mehr Cadmium in den Blättern. Trockenheit vermeidest du, weil sich bei zu trockenem Stand gelbe Blätter bilden können. Ausführlich beschreibt ein eigener Ratgeber, wie du Kapuzinerkresse über die Saison pflegst, düngst und schneidest. Die artübergreifenden Grundlagen zu Standort, Boden, Gießen und Düngen von Sommerblumen fasst der Sommerblumen-Ratgeber zusammen.
Ich gieße Kapuzinerkresse bodennah und schaue dabei unter die Blätter. Blattläuse sitzen häufig an Blattunterseiten und Triebspitzen.
Ernten, messen, entsorgen
Auf einer Sanierungsfläche erntest du nicht für die Küche, sondern für die Abfuhr. Phytoextraktion soll dem Boden Schadstoffe entziehen; landet das Schnittgut auf dem Gartenkompost, kommen sie mit dem Kompost zurück ins Beet. Ich sammle Schnittgut von einer fraglichen Fläche deshalb getrennt und gebe es auch nicht an Kaninchen oder Hühner. Wie die belastete Biomasse fachgerecht entsorgt wird, klärst du mit der zuständigen Stelle. Ob sich am Boden etwas verändert hat, zeigt erst eine neue Messung.
Ökologische Aspekte: was die Kresse auf der Fläche sonst bewirkt
Große Kapuzinerkresse gilt als Nahrungsquelle für NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. und Insekten. Wer Bestäubern etwas bieten will, wählt ungefüllte Sorten wie die buschige B51, denn ungefüllte Blüten erleichtern Insekten den Zugang zu Nektar und Pollen.
Kapuzinerkresse kann besonders auf Baumscheiben als Lock- und Zeigerpflanze für schwarze Blattläuse dienen. Bei Befall spülst du die Läuse mit Wasser ab und schneidest dicht besetzte Triebe heraus. Marienkäfer sowie die Larven von Florfliegen und SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. gehören zu den natürlichen Feinden der Blattläuse. Auch die Raupen des Großen Kohlweißlings fressen an der Kresse und hinterlassen Löcher in den Blättern.
Auf einer belasteten Fläche ändert das nichts an der Grenze aus der Küche: Blätter, Blüten und Schnittgut kommen dort weder auf den Teller noch in den Futtertrog. Wie du Kapuzinerkresse auf unbelastetem Boden als BegleitpflanzeEine Begleitpflanze ergänzt im Beet eine auffälligere Leitpflanze; sie ist niedriger und wächst in kleineren Gruppen daneben. Im Gemüsebeet nennt man so auch einen Mischkulturpartner, der neben der Hauptkultur wächst. einsetzt, zeigt der Ratgeber zur Kapuzinerkresse in Mischkultur und Gemüsegarten.
Ist Kapuzinerkresse invasiv?
Im Garten wächst Große Kapuzinerkresse als einjährige Pflanze, die nicht winterhart ist. Sie ist zudem stark frostempfindlich, ihre Saison im Beet endet also mit dem Frost. Über den Sommer kann sie sich trotzdem breitmachen. Kletternde Sorten bilden bis zu 2,5 m lange Triebe und können damit andere Pflanzen unterdrücken. Deshalb planst du schon bei der Aussaat genug Raum für die endgültige Größe jeder Pflanze ein; dabei hilft es, die Beetfläche vorab zu planen. Ich lenke junge Triebe in den ersten Wochen an die Kletterhilfe und befestige sie dort vorsichtig. Eine Anleitung dazu, wie du Kapuzinerkresse an Zaun, Spalier oder Pergola hochziehst, findest du im eigenen Ratgeber.
Kosten, Dauer, Grenzen und Forschung in Kürze
Die allgemeinen Fragen zur Phytoremediation, also Kosten, Zeitbedarf und Forschungsstand, behandelt der Liebeshainblumen-Ratgeber. Hier steht nur, was davon die Kapuzinerkresse betrifft.
Alternative zu technischen Verfahren? Kapuzinerkresse ist schnell gesät, eine Sanierung entsteht aber erst durch Ernte, Abfuhr und Kontrollmessungen. Ansprechpartner für eine belastete Fläche bleibt die untere Bodenschutzbehörde.
Kosten: Zu einem Kressebestand gehören nicht nur Saatgut und Pflege. Ernte, fachgerechte Entsorgung der belasteten Biomasse und die Messungen kommen dazu.
Grenzen: Die Pflanze ist einjährig, nicht winterhart und kann bei zu trockenem Stand gelbe Blätter bilden. Kohlweißlingsraupen fressen an ihr, Blattläuse befallen sie, und weil Blätter und Blüten essbar sind, muss auf einer belasteten Fläche jeder im Haushalt wissen, dass dort nichts geerntet wird.
Forschung: In Feldversuchen erhöhte Stickstoffdüngung an beiden untersuchten Standorten den Cadmiumgehalt der Blätter. Was das für eine konkrete Fläche bedeutet, beantworten nur Messungen vor Ort.





