Schleierkraut: vom Sämling zur Blütenpracht, einjährig wie mehrjährig
- 'Schneekönigin' (Gypsophila elegans) ist einjährig und nicht winterhart, 'Alba' (Gypsophila paniculata) ist mehrjährig.
- 'Alba' pikierst du gleich nach der Keimung einzeln in Töpfe, weil sich rasch eine Pfahlwurzel bildet.
- Gypsophila elegans mag lockere, nährstoffarme Erde und bekommt 25 cm Pflanzabstand.
- Nach früher Märzaussaat blüht Gypsophila elegans von Juni bis Oktober.
- Für laufenden Schnitt kannst du im Abstand von 4 Wochen nachsäen.
- Für die Vase schneidest du Schleierkraut mit voll geöffneten Blüten, morgens bei trockenem Wetter.
- 'Elsa' hält in der Vase etwa 7 Tage, eignet sich aber nicht zum Trocknen.

Schleierkraut gibt es im Samenhandel als zwei verschiedene Pflanzen, als einjähriges Gypsophila elegans und als mehrjähriges Gypsophila paniculata. Sobald die ersten Sämlinge stehen, brauchen beide andere Handgriffe, und auch im Winter behandelst du sie verschieden. Ich lese deshalb als Erstes den botanischen Namen auf der Samentüte und plane danach Töpfe, Beet und Vase.
Botanisch gehören beide zur Gattung Gypsophila. Wie sich Sommerblumen nach Lebensdauer und Herkunft einordnen lassen, zeigt das Kurzporträt der Sommerblumen mit Lebensdauer und Herkunft.
Einjährig oder mehrjährig: welches Schleierkraut hast du?
Die Sorte ‘Schneekönigin’ ist eine einjährige Form von Gypsophila elegans. Diese Art wächst einjährig und ist nicht winterhart, du säst sie also jedes Jahr neu. Das als ‘Alba’ angebotene Schleierkraut gehört dagegen zu Gypsophila paniculata und ist mehrjährig. Zur selben Art gehört die Sorte ‘Elsa’, die beim Schnitt für die Vase noch einmal vorkommt.
Schon bei der Anzucht unterscheiden sich die beiden Formen:
| Merkmal | ‘Schneekönigin’ (Gypsophila elegans) | ‘Alba’ (Gypsophila paniculata) |
|---|---|---|
| Lebensdauer | einjährig, nicht winterhart | mehrjährig |
| Saatgut | leicht angedrückt, nicht mit Erde bedeckt | bei der Vorkultur dünn mit Erde bedeckt |
| Keimung | bei 15 °C in 14 bis 20 Tagen | bei 15 bis 20 °C in 7 bis 14 Tagen |
| Nach der Keimung | Aussaat weiter feucht halten | sofort einzeln in Töpfe pikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. |
„Schleierkraut ist winterhart.“ Für Gypsophila elegans stimmt das nicht, denn die Art wächst einjährig und ist nicht winterhart. Mehrjährig ist das Schleierkraut ‘Alba’ aus der Art Gypsophila paniculata.
Nach der Keimung: pikieren, Licht und Abhärten
Wann und mit welcher Methode du säst, erklärt der Ratgeber zur Aussaat von Schleierkraut und zur sicheren Keimphase. Hier geht es ab dem ersten Grün weiter.
‘Alba’ gleich einzeln in Töpfe
Mehrjähriges Schleierkraut ‘Alba’ bildet rasch eine PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche.. Deshalb pikierst du es unmittelbar nach der Keimung einzeln in Töpfe. Auf die ersten echten Blattpaare, nach denen sonst bei der Anzucht pikiert wird, wartest du bei ‘Alba’ also nicht.
Ich fasse jeden Sämling an einem KeimblattKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen., ohne daran zu ziehen, und setze die Wurzel gerade ein, nicht umgebogen. Danach schließe ich das Pflanzloch seitlich, gieße an und drücke die Erde leicht an.
Pikieren heißt, Sämlinge aus der Saatschale einzeln in eigene Töpfe umzusetzen. So bekommt jede Jungpflanze eigene Erde und eigenen Platz für ihre Wurzeln.
‘Schneekönigin’ feucht halten und vereinzeln
Bei ‘Schneekönigin’ hältst du die Aussaat feucht, denn Saatgut darf während und unmittelbar nach der Keimung nicht austrocknen. Liegt eine Folie über der Schale, lüftest du sie täglich und nimmst sie nach der Keimung ab. Sämlinge aus der Schale pikierst du, sobald die ersten echten Blattpaare entwickelt sind. Nach einer Direktsaat im Beet vereinzelst du sie stattdessen auf 25 cm Pflanzabstand.
Licht und Temperatur
Nach der Keimung senkst du die Temperatur, weil viel Wärme bei Lichtmangel lange, weiche Triebe begünstigt. Werden die Jungpflanzen lang, instabil und hellgrün, kann das auf zu wenig Licht hindeuten. Ich stelle meine Anzuchtschalen an das hellste Fenster und drehe sie, sobald sich die Sämlinge zur Scheibe neigen.
Abhärten vor dem Auspflanzen
Vorgezogene Jungpflanzen gewöhnst du vor dem Auspflanzen schrittweise an das Freiland. Bei mildem Wetter stehen sie zuerst geschützt im Schatten, erst danach auch in der Sonne. Werden die Nächte kalt, holst du sie wieder in den Schutz.
Der Platz im Beet: lockere, magere Erde und genug Abstand
Gypsophila elegans bevorzugt lockere, nährstoffarme Erde. Wie dein Boden beschaffen ist, zeigt eine Fingerprobe mit leicht feuchter Erde. Sandboden fühlt sich körnig an und zerfällt, Tonboden lässt sich gut formen und klebt.
Ein hoher Tonanteil verringert die Wasserdurchlässigkeit und begünstigt Staunässe. Weil Gypsophila elegans lockere Erde bevorzugt und Ton zu Staunässe neigt, verbesserst du auf schwerem Boden zuerst die Struktur. Ich arbeite dafür gewaschenen Sand ohne Feinanteile ein. Bestehende Beete lockere ich mit dem Sauzahn, so bleiben die Bodenschichten an ihrem Platz. Danach betrete ich die Fläche möglichst nicht, damit Poren und Wasserspeicherfähigkeit erhalten bleiben.
In schwere Gartenböden können je nach Ausgangszustand 2 bis 5 Liter gewaschener Sand ohne Feinanteile je m² eingearbeitet werden.
Kalk gebe ich nur, wenn eine Messung zeigt, dass der pH-Wert für die Bodenart zu niedrig liegt. Eine Bodenuntersuchung zeigt dir zugleich, ob dein Boden mit Kalk und Nährstoffen unter- oder überversorgt ist.
Gypsophila elegans bekommt 25 cm Pflanzabstand. Ich setze die Pflanzen in lockeren Gruppen und halte diesen Abstand zu jeder Nachbarpflanze ein. Wie viele Pflanzen auf deine Fläche passen, rechnest du mit dem Beetplaner aus.
Pflege bis zur Blüte: gießen, mulchen, düngen
Ich gieße bodennah, so kommt das Wasser an die Wurzeln und weniger davon verdunstet. Wo es geht, nehme ich gesammeltes Regenwasser, weil es sich als umwelt- und pflanzenverträgliches Gießwasser eignet. Vor dem Gießen stecke ich einen Finger in die Erde und prüfe, ob sie auch unter der Oberfläche trocken ist.
Eine Mulchdecke vermindert die Verdunstung aus dem Boden und auch seine Aufheizung. Bei feuchtem Wetter und Schneckengefahr lege ich den Mulch nur dünn aus.
Gypsophila elegans bevorzugt nährstoffarme Erde, und ob dein Beet überhaupt Dünger braucht, zeigt eine Bodenprobe vor dem Düngen. Wann und womit du Schleierkraut düngst und wie du Düngefehler erkennst, steht in einem eigenen Ratgeber. Die allgemeinen Regeln zum Gießen und Düngen nach Phase und Bedarf findest du im Sommerblumen-Ratgeber.
Blütezeit: Juni bis Oktober, mit Folgesaaten
Nach einer frühen Aussaat im März blüht Gypsophila elegans von Juni bis Oktober. Wer laufend Stiele für die Vase schneiden will, kann im Abstand von 4 Wochen nachsäen. Ich trage die Termine für die Folgesaaten in den Aussaatkalender für Sommerblumen zum Ausdrucken ein und säe jedes Mal ein neues Stück Beet ein.
Während der Blüte gehe ich durch das Beet und nehme kranke oder geknickte Stiele heraus.
Schleierkraut für die Vase schneiden
Für die Vase schneidest du Schleierkraut, wenn die Blüten voll geöffnet sind. Ich ernte morgens bei trockenem Wetter und nehme einen Eimer mit Wasser mit ins Beet. Die frisch geschnittenen Stiele kommen sofort bis zu den Blüten ins Wasser. Danach stehen sie 2 Stunden an einem kühlen, schattigen Platz.
Vor dem Einstellen in die Vase schneidest du jeden Stiel mit einem scharfen Messer frisch an. Alle Blätter, die unter Wasser stünden, entfernst du. Schnittblumen der Sorte ‘Elsa’ halten in der Vase etwa 7 Tage.
Jedes Schleierkraut für den Trockenstrauß einplanen. Die Sorte ‘Elsa’ eignet sich nicht zum Trocknen, deshalb lese ich vor dem Aufhängen die Sortenbeschreibung.
Woran du Probleme erkennst
Beim Kontrollgang schaue ich auf Wuchs, Blattfarbe und Triebspitzen. Was du dabei siehst, ist ein Hinweis und noch keine Diagnose.
| Was du siehst | Das kann hindeuten auf | Was ich dann tue |
|---|---|---|
| Sämlinge lang, instabil und hellgrün | zu wenig Licht, oft zusammen mit zu viel Wärme | heller stellen und die Temperatur senken |
| Pflanze im Topf welkt | Trockenheit, aber auch Dauernässe oder abgestorbene Wurzeln | erst die Feuchte im Substrat prüfen, dann über das Gießen entscheiden |
| grauer Schimmelbelag in dichtem Bestand oder an geknickten Stielen | GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. | befallene Teile entfernen und Abstand einhalten |
Ein sehr dichter Bestand begünstigt bei Beet- und Balkonpflanzen die Ausbreitung von Grauschimmel. Sitzen Blattläuse an den Trieben, spüle ich sie bei schwachem Befall zuerst mit einem kräftigen Wasserstrahl ab. Nach der Arbeit an kranken Pflanzen reinige ich Schere und Handschuhe, bevor ich gesunde Pflanzen anfasse.
Bei Sommerschnittblumen gehören das Absammeln von Schädlingen und das Entfernen erkrankter Pflanzenteile zu den mechanischen Pflegemaßnahmen. Allgemeine Regeln zur Vorbeugung und zum Umgang mit Befall stehen im Sommerblumen-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.
Mehrjähriges Schleierkraut über den Winter bringen
Über den Winter bringst du nur mehrjähriges Schleierkraut wie ‘Alba’. Gypsophila elegans ist nicht winterhart, deshalb räume ich die Pflanzen nach der Blüte ab und säe im nächsten Jahr neu. Vorher lasse ich einzelne Blüten bis zur SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. stehen.
Im Beet setze ich ‘Alba’ nicht in ungelockerten Ton, weil ein hoher Tonanteil Staunässe begünstigt. Steht ‘Alba’ im Kübel, friert der WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. dort schneller durch als im Gartenboden. Bei stärkerem Frost oder Dauerfrost stellst du das Gefäß an einen geschützteren Platz. Geht das nicht, umwickelst du es mit Kokosmatten. An milden, sonnigen Wintertagen prüfst du, ob die Erde im Kübel Wasser braucht.
Verjüngen mit jungen Pflanzen
Zum Verjüngen ziehe ich junge ‘Alba’-Pflanzen aus eigenen Samen nach und pikiere sie gleich nach der Keimung einzeln. So hat jede Pfahlwurzel von Anfang an ihren eigenen Topf.
Samen ernten und selbst nachziehen
Für die eigene Nachzucht lässt du einzelne Blüten bis zur Samenreife stehen. Geerntet wird bei trockenem Wetter, und gesammelt werden nur braune, ausgereifte Samen. Ich lege sie zum Nachtrocknen auf Papier und trenne sie danach von den Pflanzenresten. Beschriftet lagern sie kühl, dunkel und trocken bis zur nächsten Aussaat.
Stammt dein Saatgut von einer Hybridsorte, können die Nachkommen anders aussehen als die Mutterpflanze. Ob gelagerte Samen noch keimen, prüfst du vor der Aussaat mit einer KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt.. Dafür legst du sie auf feuchtes, nicht nasses Küchenpapier und deckst es gegen Austrocknung ab.
Ich schreibe auf jede Samentüte den botanischen Namen und die Sorte. So weiß ich im Frühjahr gleich, ob nach der Keimung eine Schale reicht oder ob einzelne Töpfe bereitstehen müssen.
Schleierkraut im Garten und im Kübel einsetzen
Sommerblumen eignen sich als Lückenfüller im Staudenbeet und als Folgebepflanzung nach frühblühenden Zwiebelgewächsen. Genau dort setze ich einjähriges Schleierkraut ein. Bei den Nachbarn plane ich zuerst den Platz, denn in einer Mischkultur rechnest du schon bei der Aussaat mit der endgültigen Größe jeder Pflanze. Listen mit guten Nachbarn nehme ich nur als Anregung, weil behauptete positive Effekte im Gemüsebeet häufig widersprüchlich sind und von Standort und Pflege abhängen. Welche Pflanzen in einem Mischkulturbeet zusammenpassen, prüfst du in der Mischkultur-Übersicht.
Steht Steinkraut im selben Beet, zeigt dir ein eigener Ratgeber, wie du Steinkraut durch Ausputzen und Rückschnitt pflegst. Warum Schleierkraut als BienenweideAls Bienenweide bezeichnet man Blütenpflanzen, die Honig- und Wildbienen reichlich Nektar und Pollen bieten. Auch eine Fläche, die mit solchen Pflanzen bepflanzt oder eingesät ist, heißt Bienenweide. gilt, erklärt der Ratgeber dazu, wie du mit Schleierkraut einen insektenfreundlichen Garten gestaltest.
Im Kübel und im Balkonkasten
Im Gefäß bleiben die Ansprüche dieselben: lockere, nährstoffarme Erde und genug Abstand zwischen den Pflanzen. Die Abzugslöcher bleiben frei, das Substrat ist strukturstabil, und unter dem Gefäß kann Wasser abfließen. Ein größeres Erdvolumen kann mehr Wasser bevorraten. Bei torffreier Erde prüfe ich den Gießbedarf mit dem Finger im unteren Bereich des Topfs. Wassergefüllte Untersetzer leere ich nach Regen, damit an den Wurzeln keine Nässe steht. Vom Wind geknickte Blätter und Blütenstiele können bei Balkonpflanzen zu Befallsstellen für Grauschimmel werden, deshalb schneide ich sie ab.




