Blumen · Wildblumen · Wissen

Ökologischer Mehrwert von Blumenmischungen: Was sie Insekten, Boden und Wasser bringen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 9 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Ungefüllte Blüten und ein vom Frühjahr bis in den Spätherbst gestaffeltes Blütenangebot versorgen Bestäuber.
  • Heimische Wiesenpflanzen ernähren auch spezialisierte Insekten; ob eine Mischung sie enthält, zeigt die Artenliste, nicht der Name.
  • Schwebfliegen brauchen Blüten, ihre Larven fressen Blattläuse: Nützlinge können Befall bremsen, garantieren aber nichts.
  • Stehen gelassene Stängel dienen Insekten als Winterquartier und Eiablageplatz.
  • Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen, eine feste Schutzleistung einer bestimmten Mischung folgt daraus nicht.
Dicht blühende Blumenwiese mit Klatschmohn, Kornblumen, Cosmeen und Ringelblumen zwischen grünen Gräsern. Die bunten Blüten füllen das gesamte Bild bis in die Tiefe.
Foto: Anna Lupa · Pexels License · Quelle ↗

Du hältst eine Tüte Blumenmischung in der Hand und fragst dich, ob sie deinem Garten mehr bringt als ein paar bunte Wochen. Sie kann es: Blüten versorgen Bestäuber, Nützlinge finden Nahrung, und bewachsener Boden ist besser vor Abschwemmung geschützt. Ob dieser Nutzen ankommt, entscheiden die Artenliste auf der Packung und der Umgang mit der Fläche über das Jahr. Ich lese deshalb bei jeder Mischung zuerst die Artenliste und schaue erst danach auf das Bild vorne drauf.

Was kann eine Blumenmischung ökologisch leisten?

Der Nutzen hat mehrere Seiten, und jede hat ihre Grenze. Die Übersicht stellt beides nebeneinander.

Bereich Was die Mischung beitragen kann Wo die Grenze liegt
Bestäuber Ungefüllte Blüten und ein Blütenangebot, das vom Frühjahr bis in den Spätherbst gestaffelt ist Hitze und Trockenheit können das Pollen- und Nektarangebot vermindern
Spezialisierte Insekten Heimische Wiesenpflanzen als Nahrung, etwa Glockenblumen für einzelne Scherenbienenarten Die Bezeichnung „Wildblumenmischung“ garantiert keine heimischen Arten
Nützlinge Blütennahrung für erwachsene Schwebfliegen, deren Larven Blattläuse fressen Mehr Nützlinge führen nicht zuverlässig zu mehr Ertrag
Überwinterung Stehen gelassene Stängel als Winterquartier und Eiablageplatz Einjährige Sommerblumenflächen werden im Spätherbst abgemäht
Boden Eine Bedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen Keine feste Schutzleistung für eine bestimmte Mischung
Wasser Angewachsene, standortgerechte Wiesen kommen im Sommer normalerweise ohne zusätzliches Gießen aus Nach der Aussaat braucht die Fläche gleichmäßige Feuchte

Wie hilft eine Blumenmischung Bienen und anderen Bestäubern?

Insektenfreundliche Pflanzungen setzen auf zwei Dinge: ungefüllte Blüten und ein Blütenangebot, das sich vom Frühjahr bis in den Spätherbst staffelt. Eine heimische Blumenwiese hat ihren Hauptblühzeitraum häufig im Frühsommer, etwa im Mai und Juni. Für die Wochen davor und danach braucht es weitere Arten. Welche Mischung wann blüht und wie du Blühzeiten aneinanderreihst, liest du im Ratgeber zur Blütenfolge von Mischungen über das ganze Jahr.

Heimische Arten für spezialisierte Insekten

Manche Insekten sind auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen. Einzelne Scherenbienenarten sammeln ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen und brauchen diese Pflanzen deshalb im Blütenangebot. Heimische Wiesenpflanzen ernähren solche Spezialisten mit. Die Bezeichnung „Wildblumenmischung“ garantiert allerdings keine heimischen Wiesenarten. Wer solche Spezialisten versorgen will, sucht deshalb in der Artenliste nach Glockenblumen und nach der Angabe „heimisch“, denn der Name der Mischung reicht als Hinweis nicht.

Welche einzelnen Blumenarten sich für Insekten eignen und wie du daraus eine standortgerechte Blütenfolge baust, zeigt der Ratgeber über insektenfreundliche Einzelarten für Beet und Wiese.

Auch abends: Blüten für Nachtfalter

Manche Mischungen sind für die Dämmerung zusammengestellt. Die Saatmischung „Fledermaus & Nachtfalter“ enthält 5 % Gemeine Nachtkerze, deren gelbe Blüten sich am Abend öffnen. Kombiniert ist sie dort unter anderem mit Gewöhnlicher Nachtviole und Weißer Lichtnelke. Nach der Blüte sollen die Pflanzen in dieser Mischung Fruchtstände ausbilden dürfen, du schneidest sie also nicht gleich ab. Die Nachtkerze selbst steht gern sonnig und verträgt keine stauende Nässe.

Marias Erfahrung

An warmen Tagen gehe ich langsam an meiner Blühfläche entlang und schaue, welche Blüten gerade angeflogen werden. Die Ecke mit den Nachtkerzen sehe ich mir am Abend an, weil sich deren Blüten erst dann öffnen.

Können Nützlinge aus der Blumenmischung Schädlinge bremsen?

Schwebfliegen zeigen, wie Blüten und Pflanzenschutz zusammenhängen. Bei blattlausfressenden Schwebfliegenarten ernähren sich die erwachsenen Tiere von Blüten, während ihre Larven Blattläuse fressen. Ohne Blüten in der Nähe fehlt also der einen Hälfte dieses Lebenslaufs die Nahrung.

Siehst du an jungen Triebspitzen Blattläuse, streifst du sie als erste mechanische Maßnahme vorsichtig mit behandschuhten Fingern ab. Ich sehe mir befallene Triebe vorher genau an und achte dabei auch auf Schwebfliegenlarven zwischen den Läusen.

Mythos-Check

„Mit einem Blühstreifen erledigen sich Blattläuse von selbst.“ So einfach ist es nicht. Im Projekt FlowerBeet gab es neben Blühstreifen mehr Nützlinge und teilweise weniger Blattläuse, ein höherer Zuckerrübenertrag folgte daraus aber nicht zuverlässig. Eine Blumenmischung kann Befall bremsen, garantieren kann sie nichts.

Warum gehören Stängel, Gräser und ungemähte Streifen dazu?

Blüten allein ergeben noch keinen Lebensraum. Ein insektenfreundlicher Garten braucht auch Nistplätze, Überwinterungsräume und Nahrungspflanzen für die Entwicklungsstadien der Tiere. In artenreichen Wiesen bieten dabei nicht nur die Kräuter, sondern auch die Gräser Nahrung und Deckung. Totholz, Laub- und Steinhaufen oder eine Trockenmauer ergänzen das Blütenangebot um Brutplätze für verschiedene Insekten.

Über den Winter

Stehen gelassene Pflanzenstängel können Insekten als Winterquartier und Eiablageplatz dienen. Bei geeigneten Blühmischungen bleiben die Stängel deshalb über Winter stehen und werden erst im Frühjahr zurückgeschnitten. Abgestorbene Karden- oder Distelstängel können in Randbereichen für bestimmte Wildbienen sogar zwei Jahre stehen bleiben. Die Fruchtstände der Wilden Karde kannst du außerdem für Vögel über Winter stehen lassen.

Einjährige Sommerblumenflächen werden dagegen im Spätherbst abgemäht und im Frühjahr neu angelegt. Winterquartiere in Stängeln entstehen also dort, wo ein mehrjähriger Bestand über Winter stehen bleiben darf.

Rückzugsräume beim Mähen

Beim Mähen lasse ich immer einen Teil der Fläche stehen: Eine zeitlich versetzte Mahd von Teilflächen und ungemähte Altgrasstreifen erhalten Rückzugsräume sowie Nist- und Überwinterungsstrukturen. Eine Schnitthöhe von 10 cm schont Lurche und andere Tiere, und ein Balkenmäher mit Messerschneidwerk gefährdet weniger Tiere als ein Rotationsmäher. Mehr dazu, wie du eine Blühfläche für Insekten anlegst und über das Jahr pflegst, findest du in einem eigenen Ratgeber.

Was tut eine Blumenmischung für den Boden?

Schutz vor Abschwemmung

Für den Erosionsschutz zählt, wie viel Boden bedeckt ist. Bodenverdichtung und Verschlämmung können dagegen die Wasseraufnahme und die Wasserspeicherung vermindern und den Oberflächenabfluss verstärken. Gießt du mit Brause oder Gießkanne, unterbrichst du die Wasserzufuhr an einer Stelle, sobald die Oberfläche zu verschlämmen beginnt.

Zahl im Blick

Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen. Eine feste Schutzleistung für eine bestimmte Blumenmischung lässt sich daraus nicht ableiten.

Klee, Stickstoff und magerer Boden

Leguminosen wie Weißklee und Rotklee tragen an ihren Wurzeln Knöllchenbakterien. Diese können Luftstickstoff in eine Form umwandeln, die Pflanzen aufnehmen können. Das klingt nach kostenlosem Dünger, ist auf einer Blumenwiese aber kein Selbstzweck. Auf einer artenreichen, mageren Wiese verzichtest du bewusst auf Düngung, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Mehr verfügbarer Stickstoff ist dort also kein Gewinn an sich, auch wenn er vom Klee stammt. Abgeräumtes Mähgut entzieht der Wiese dagegen Nährstoffe und unterstützt einen magereren Standort.

Achtung

Auch Kompost und Stallmist sind Dünger und können bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern. Eine dauerhafte, artenreiche Blumenwiese bekommt deshalb weder vor der Aussaat Kompost noch später eine routinemäßige Düngung.

Humus und Kohlenstoff

Pflanzen nehmen CO2 aus der Luft auf und binden den Kohlenstoff in ihrer Biomasse. Aus abgestorbenen Pflanzenteilen kann Humus entstehen. Auf 120 untersuchten Grünflächen des Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasen. Auch die frühere Nutzung der Flächen beeinflusste den Vorrat, der Unterschied geht also nicht allein auf die Wiese zurück. Grünflächen sind zudem nicht automatisch Speicher: Im Münchner CO2-Flussmodell gaben Grasflächen im Jahresmittel mehr CO2 ab, als sie aufnahmen, weil ihre Bodenatmung die Photosynthese überstieg. Ob dein eigener Boden Kohlenstoff hinzugewinnt, zeigt nur eine Messung, und Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.

Was bringt eine Blumenmischung für Wasser und Kleinklima?

Bewachsener Boden kann durch die Verdunstung von Wasser die unmittelbare Umgebung abkühlen. Ist eine standortgerecht zusammengesetzte Blumenwiese angewachsen, braucht sie kaum noch Bewässerung, höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung. Wo du in der Startphase gießen musst, schont gesammeltes Regenwasser die Trinkwasservorräte.

Überstehen heißt allerdings nicht, dass die Wiese in jeder Phase gleich viel bietet. Hitze und Trockenheit können Blüten schneller verblühen lassen und das Pollen- und Nektarangebot vermindern. Eine Wiese, die eine Trockenphase ohne Gießen übersteht, bietet Insekten in dieser Zeit also womöglich weniger Futter.

Wie viel Wasser dein Boden für die Pflanzen bereithält, hängt an ihm selbst. Sandige Böden halten wenig pflanzenverfügbares Wasser, und auch die Bodentiefe bestimmt das Speichervolumen. Böden mit hohem Tonanteil lassen Regen dagegen nur eingeschränkt versickern, weil sich Wasser stauen kann.

Kurz erklärt

Die nutzbare Feldkapazität ist die Wassermenge, die ein Boden für Pflanzen verfügbar speichern kann. Ein Teil des eingesickerten Regens bleibt so im Boden oder verdunstet wieder, statt das Grundwasser zu erreichen.

Wie du deine Blühflächen mit passenden Mischungen auf Hitze, Trockenheit und Starkregen einstellst, liest du im Ratgeber zu klimaangepassten Blumenmischungen.

Wo im Garten kommt der Nutzen an?

Eine Blumenmischung muss nicht den ganzen Garten einnehmen. Wichtig ist, dass Mischung und Standort zusammenpassen.

Statt Rasen: Wiese, Kräuterrasen und Blumeninseln

Eine hohe Wiese ist nur eine Möglichkeit. Ein Kräuterrasen bis zu 20 cm Höhe bleibt betretbar und bietet trotzdem Blüten statt kurzem Zierrasen. Blumeninseln lassen sich in einen bestehenden Rasen setzen und durch regelmäßig gemähte Ränder einfassen. Auch einen vorhandenen Rasen kannst du stellenweise öffnen und standortgerechte Wildblumen in die Lücken säen. Ein Blumenrasen mit Gänseblümchen wird je nach Aufwuchs etwa 3- bis 6-mal im Jahr gemäht und weder gedüngt noch vertikutiert.

Wo du eine hohe Wiese anlegst, fängt ein mindestens 50 cm breiter Rasenstreifen entlang von Wegen und Beeten umfallende Halme auf. Wege, Spiel- und Sitzplätze hältst du innerhalb der Wiese durch regelmäßiges Kurzmähen frei.

Im Gemüse- und Obstgarten

Im Nutzgarten geht es um Nahrung für Nützlinge wie die Schwebfliegen. Eine Möglichkeit, Blüte und Gründüngung zu verbinden, ist Phacelia: Sie gilt als nützlingsfreundlich und lässt sich im Garten als Gründüngung säen. Im gemüsebaulichen Anbau wird sie nach etwa 3 Monaten und stets vor der Samenbildung geschlegelt, also zerkleinert, oder man lässt sie abfrieren. Das geschieht bei stärkeren Frösten von etwa −7 bis −6 °C. Nach dem Einarbeiten wartest du vor der nächsten Aussaat oder Pflanzung meist etwa 2 bis 3 Wochen, und im Beetplaner legst du fest, was danach ins Beet kommt.

Für die Nachbarschaft der Gemüse selbst prüfst du im Mischkultur-Planer, welche Kulturen gut nebeneinander passen. Mischkultur und Blüten am Beetrand unterstützen das Gleichgewicht im Beet, eine Garantie gegen Schädlinge sind sie nicht.

Schattige Ecken

Unter dichten Bäumen und an stark beschatteten Stellen passt die übliche mehrjährige Blumenwiese nicht. Dort eignen sich schattenverträgliche Stauden oder Saummischungen, die eigens für Gehölzränder zusammengestellt sind. Eine Schattsaum-Mischung für das Ursprungsgebiet 11 enthält zum Beispiel Frühlings-Platterbse, Nesselblättrige Glockenblume und Rote Lichtnelke. Weil einzelne Scherenbienenarten ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen sammeln, kann auch so eine Schattenecke diesen Spezialisten Pollen bieten. Geduld gehört dazu: Bei der Mischung LUX-Schattsaum brauchen manche Arten 3 bis 4 Jahre bis zur vollen Blühreife. Mehr dazu, wie du Wildblumen mit Gehölzen und Staudenbeeten kombinierst, steht in einem eigenen Ratgeber.

Sonnige, trockene Stellen

Für sonnige, eher trockene Siedlungsflächen wie Steingärten gibt es eigene regionale Mischungen, etwa „Blumen aus dem Biosphärengebiet für trockene Standorte“. Einzelne Arten bringen dafür passende Eigenschaften mit. Die Gewöhnliche Nachtkerze gilt als stark trockenheitstolerant, und die Kranz-Lichtnelke verträgt trockene bis sehr trockene Bedingungen.

Passt dazu

Du suchst eine Mischung für Beet, Rabatte, Kübel oder Balkonkasten? Dann lies, welche Mischung zu Sonne, Halbschatten oder feuchtem Boden passt.

Blumenmischung als Samen kaufen, säen und pflegen: kurz gefasst

Saatgut wählen: Willst du eine dauerhafte Wiese, prüfst du vor dem Kauf die Artenliste und die ausdrücklichen Angaben „heimisch“ und „mehrjährig“. Für gebietseigenes Saatgut ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt, also frag nach, aus welchem eine Mischung stammt. Als Herkunftsnachweis dienen die Zertifikate VWW Regiosaaten und Regiozert.

Einjährig oder mehrjährig: Einjährige Sommerblumenflächen werden jedes Jahr neu eingesät, mehrjährige Garten-Blühmischungen können 10 Jahre und länger bestehen. Welche Arten von Mischungen es gibt und wofür du sie einsetzt, erfährst du in einem eigenen Überblick.

Aussaat: Feines Kräutersaatgut streust du auf die Bodenoberfläche und walzt es an, statt es einzuarbeiten. Eine frisch gesäte Blumenwiese hältst du danach etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht.

Pflege und Entwicklung: Eine Garten-Blumenwiese wird je nach Wüchsigkeit und Standort 1- bis 3-mal im Jahr gemäht, das Mähgut räumst du ab. Ihr Bild ändert sich von Jahr zu Jahr, und zu seltenes Mähen kann auf Dauer die Gräser fördern. Zeitfenster, Saatmenge, Schröpfschnitt und Mahd im Jahreslauf erklärt der Wildblumen-Ratgeber in den Abschnitten zu Aussaat, Mischungswahl sowie Mähen und Pflege.

Beliebt im Shopaus dem samen.de Shop
Kiepenkerl Nature niedrigwachsender Kräuterrasen
Kiepenkerl Nature niedrigwachsender Kräuterrasen
Zum Shop
ReNatura Regio Blütenzauber Ost 275 g
ReNatura Regio Blütenzauber Ost 275 g
Zum Shop
ReNatura Regio Blütenzauber West 275 g
ReNatura Regio Blütenzauber West 275 g
Zum Shop
ReNatura Blumenwiese
ReNatura Blumenwiese
Zum Shop

Häufige Fragen

Was sind Blumenmischungen und wie unterscheiden sie sich von einzelnen Blumenarten?
Eine Blumenmischung ist Saatgut aus mehreren Arten, das gemeinsam ausgesät wird. Die einjährige Mischung Veitshöchheimer Sommertöne kombiniert zum Beispiel Schmuckkörbchen mit Kornblume, Ringelblume, rotem Lein und weiteren Arten. Eine einzelne Art blüht nur in ihrem eigenen Zeitfenster, das Schmuckkörbchen etwa von Juni bis Oktober. In einer Mischung können sich Arten mit unterschiedlichen Blühzeiten ergänzen und das Blütenangebot für Insekten verlängern.
Welche Rolle spielen Blumenmischungen für die Biodiversität im Garten?
Sie liefern Pollen und Nektar, vor allem wenn sie ungefüllte Blüten haben und ihr Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Spätherbst gestaffelt ist. Heimische Wiesenpflanzen ernähren dabei auch spezialisierte Insekten, etwa einzelne Scherenbienenarten, die ihren Pollen ausschließlich an Glockenblumen sammeln. In artenreichen Wiesen bieten Gräser und Kräuter Tieren außerdem Nahrung und Deckung. Für einen insektenfreundlichen Garten zählen neben Blüten auch Nistplätze und Überwinterungsräume, zum Beispiel stehen gelassene Stängel.
Wie fördern Blumenwiesen Bestäuber und Nützlinge?
Viele Nützlinge brauchen Blüten in einem bestimmten Lebensabschnitt: Bei blattlausfressenden Schwebfliegen ernähren sich die erwachsenen Tiere von Blüten, ihre Larven fressen Blattläuse. Eine zeitlich versetzte Mahd in Teilflächen lässt den Tieren ungemähte Rückzugsräume. Im Projekt FlowerBeet gab es neben Blühstreifen mehr Nützlinge und teilweise weniger Blattläuse, ein höherer Ertrag folgte daraus aber nicht zuverlässig. Eine Blumenwiese kann Befall also bremsen, garantieren kann sie nichts.
Wie funktioniert die natürliche Bodenverbesserung durch Blumenmischungen?
Bewachsener Boden ist besser vor Abschwemmung geschützt: Eine Bodenbedeckung ab etwa 30 % wirkt Wassererosion entgegen. Eine feste Schutzleistung für eine bestimmte Mischung lässt sich daraus nicht ableiten. Pflanzen binden Kohlenstoff aus der Luft in ihrer Biomasse, und aus abgestorbenen Teilen kann Humus entstehen. Auf dem Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasen, wobei auch die frühere Nutzung der Flächen eine Rolle spielte.
Welche Rolle spielen Leguminosen in Blumenmischungen für die Bodenfruchtbarkeit?
Leguminosen wie Weißklee und Rotklee tragen an ihren Wurzeln Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff in pflanzenverfügbaren Stickstoff umwandeln können. Auf einer artenreichen, mageren Blumenwiese ist mehr Fruchtbarkeit aber nicht das Ziel: Dort wird nicht gedüngt, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Aus demselben Grund gehört dort auch kein Kompost hin, denn Kompost ist ebenfalls Dünger und kann bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern.
Welche besonderen Eigenschaften haben mehrjährige Mischungen gegenüber einjährigen?
Auf Dauer angelegte mehrjährige Garten-Blühmischungen können 10 Jahre und länger bestehen, einjährige Sommerblumenflächen werden dagegen jedes Jahr neu eingesät. Mehrjährige Mischungen brauchen etwa 1 bis 2 Minuten Pflege je m² und Jahr. Bei einjährigen sind es etwa 5 bis 8 Minuten je m² und Jahr. Bei geeigneten mehrjährigen Mischungen dürfen die Stängel über Winter stehen bleiben und Insekten als Winterquartier und Eiablageplatz dienen.
Worauf achtest du beim Kauf von Wildblumensamen für eine Bienenweide?
Lies zuerst die Artenliste, denn die Bezeichnung Wildblumenmischung allein garantiert keine heimischen Arten. Für eine dauerhafte Wiese sollte die Mischung ausdrücklich als heimisch und mehrjährig ausgewiesen sein. Achte außerdem auf ungefüllte Blüten und auf Arten, deren Blüte sich vom Frühjahr bis in den Spätherbst staffelt. Als Herkunftsnachweis für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut dienen die Zertifikate VWW Regiosaaten und Regiozert.
Welche regionalen Unterschiede gibt es bei der Auswahl von Blumenmischungen in Deutschland?
Für gebietseigenes Saat- und Pflanzgut krautiger Arten ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt. Frag beim Kauf, aus welchem Ursprungsgebiet eine Mischung stammt, und gleiche es mit deiner Region ab. Auch innerhalb einer Region zählt der Standort: Für nährstoffreichen Gartenboden gibt es angepasste Wiesenmischungen, für stark beschattete Flächen eher Saummischungen statt der üblichen Blumenwiese.
Zuletzt geprüft:
↑