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Witwenblumen in der Blumenwiese: Acker- und Wald-Witwenblume ansiedeln und erhalten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Für Wiesen zählen zwei Witwenblumen: die Acker-Witwenblume für trockene, sonnige Standorte und die Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) aus Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren.
  • Die Acker-Witwenblume säst du von März bis Mai oder im Herbst, einzeln 1 cm tief; sie keimt unregelmäßig über mehrere Wochen.
  • Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei stehen mit ihr in heimischen Wiesenmischungen, Tauben-Skabiose und Rundblättrige Glockenblume blühen bis in den Herbst.
  • Mähe Teilflächen mit Witwenblumen erst nach der Samenreife und lass das Mähgut kurz liegen, bevor du es abräumst.
  • Eine artenreiche Wiese bleibt ungedüngt, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden.
Eine Hummel sammelt Nektar auf einer violetten Acker-Witwenblume.
Foto: Ivar Leidus · CC BY-SA 4.0 · Ausschnitt · Quelle ↗

Ob sich Witwenblumen über Jahre in deiner Blumenwiese halten, entscheidet sich an drei Stellen: an der Art, am Standort und am Mähtermin. Ich kläre deshalb zuerst, welche Witwenblume zu meiner Fläche passt, und plane den Schnitt so, dass ihre Samen reifen können. Erst danach säe ich.

Witwenblumen bilden die botanische Gattung Knautia. Zwei Arten stehen hier im Mittelpunkt, weil ihre Ansprüche weit auseinanderliegen: die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) und die Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia). Du erfährst, wie du sie in eine neue oder bestehende Wiese bringst, womit du sie kombinierst und wie du ihre Selbstaussaat steuerst.

Welche Witwenblume passt zu deiner Wiese?

Bevor du Saatgut kaufst, vergleiche die beiden Arten mit deinem Boden. Die wichtigsten Werte im Überblick:

Merkmal Acker-Witwenblume Wald-Witwenblume
Botanischer Name Knautia arvensis Knautia dipsacifolia
Höhe 30–80 cm in der beschriebenen Kultur 20–100 cm
Blüte Juli und August in der Saatgutkultur Juni bis September
Natürlicher Standort trockene, sonnige Standorte Wälder, Fettwiesen, Hochstaudenfluren
Aussaat März bis Mai, auch im Herbst; einzeln 1 cm tief keine Angabe

Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)

Die Acker-Witwenblume ist mehrjährig und trägt lilafarbene Blütenköpfe. Sie zählt zu den Wildblumen für trockene, sonnige Standorte, gemeinsam mit Arznei-Thymian, Taubenkropf-Leimkraut und Wilder Möhre. In heimischen Wiesen- und Saumblumenmischungen steht sie zusammen mit Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei.

Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia)

Die Wald-Witwenblume wächst von Natur aus in Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren. Standörtlich darfst du sie deshalb nicht pauschal wie eine Pflanze der Trockenwiese behandeln.

Auch nährstoffreichere Böden tragen eigene Wiesengesellschaften, und für sie gibt es angepasste Wiesenmischungen. Die Wald-Witwenblume kommt in Fettwiesen vor, die Acker-Witwenblume zählt zu den Arten trockener, sonniger Plätze. Auf nährstoffreicherem Gartenboden liegt deshalb die Wald-Witwenblume näher, auf magerem, trockenem Boden die Acker-Witwenblume.

Häufiger Fehler

Alle Witwenblumen wie Trockenwiesenpflanzen behandeln. Für die Acker-Witwenblume passt das, die Wald-Witwenblume dagegen stammt aus Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren. Wähle ihre Mischung deshalb nach deinem tatsächlichen Boden.

Und die Mazedonische Witwenblume?

Die dunkelrot blühende Mazedonische Witwenblume (Knautia macedonica) wird ebenfalls als Witwenblume angeboten. Für eine dauerhafte heimische Wiese prüfst du bei ihr wie bei jeder Art, ob Mischung oder Etikett sie ausdrücklich als heimisch und mehrjährig ausweisen. Die Bezeichnung Wildblume allein garantiert das nicht.

So bringst du Witwenblumen in die Wiese

Mischung mit Witwenblumen auswählen

Steht auf einer Saatguttüte Wildblumen, garantiert das weder heimische Arten noch eine dauerhafte Wiese. Ich lese deshalb die Artenliste und suche Knautia arvensis oder Knautia dipsacifolia beim botanischen Namen. Für gebietseigenes Saatgut ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete eingeteilt, und die Kennzeichnungen VWW-Regiosaaten und RegioZert weisen diese Herkunft nach.

Aussaat in einer neuen Wiese

In einer neuen Wiese kommen Witwenblumen mit der Mischung auf die Fläche. Feines Kräutersaatgut verteilst du dabei auf der Bodenoberfläche und walzt es an, die Saatmenge gibt die Mischung vor. Für die Acker-Witwenblume ist als Saatzeit März bis Mai beschrieben, eine Herbstaussaat ist ebenfalls möglich. Säst du sie einzeln, gilt eine Saattiefe von 1 cm.

Nach der Aussaat hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht. Läuft aus dem Samenvorrat des Bodens rasch Beikraut auf, ist ein Schröpfschnitt etwa 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat vorgesehen. Wie Saatbett, Gießen und dieser erste Pflegeschnitt ineinandergreifen, zeigt der Überblick zur Aussaat und zu den ersten Wochen einer Wildblumenwiese.

Die Acker-Witwenblume keimt unregelmäßig über mehrere Wochen, und in mehrjährigen Wildpflanzenmischungen blühen einzelne Arten erst im zweiten Lebensjahr. Bleibt die Witwenblumenblüte im ersten Sommer aus, ist die Aussaat damit noch nicht gescheitert. Ich grabe eine solche Fläche nicht um, sondern beobachte sie weiter.

Nachsaat in eine bestehende Wiese oder einen Rasen

Eine vorhandene Wiese reicherst du an, indem du ihre Narbe öffnest. Die Berliner Ansaatanleitung sieht vor, etwa 50 % der Vegetationsdecke zu öffnen, damit die Samen auf offene Erde gelangen. Für lückige, nährstoffarme Bestände gibt es einen Weg ohne Umbruch: Du mähst den Altbewuchs kurz, raust den Boden kräftig auf und drückst das aufgestreute Saatgut an. Danach hältst du das vorhandene Gras kurz, bis die neuen Kräuter Rosetten gebildet haben.

Auch einen Rasen kannst du stellenweise öffnen und standortgerechte Wildblumen in die Lücken säen. Die beschriebene Kräuternachsaat setzt allerdings einen Bestand ohne Obergräser voraus, für Sportrasen ist sie ausgeschlossen.

Mini-Checkliste

Artenliste der Mischung auf Knautia prüfen. Altbewuchs kurz mähen. Boden kräftig aufrauen. Saatgut aufstreuen und andrücken. Gras kurz halten, bis die neuen Kräuter Rosetten zeigen.

Jungpflanzen für einzelne Lücken

Für einzelne Lücken säe ich Acker-Witwenblumen in Töpfe, die im Freien stehen. Gegen Vogelfraß lege ich Maschendraht darüber. Die Sämlinge pikiere ich, sobald Keimblätter und erste Folgeblätter entfaltet sind. Vor dem Auspflanzen härte ich sie mit mehr Belüftung und niedrigerer Temperatur ab. In die Wiese setze ich sie erst als kräftige Jungpflanzen, an Stellen mit geöffneter Narbe.

Mit welchen Arten du Witwenblumen kombinierst

Das Grundgerüst: Margerite und Wiesen-Salbei

Acker-Witwenblume, Wiesen-Margerite und Wiesen-Salbei werden gemeinsam in heimischen Wiesen- und Saumblumenmischungen eingesetzt. Weiße Margeriten und blau blühender Salbei blühen dabei gleichzeitig und bilden einen klaren Farbkontrast. Wie du die Wiesenmargerite selbst in die Wildblumenwiese einbindest, steht in einem eigenen Ratgeber. Auf lehmigem Wiesenboden kommen beispielsweise Wiesenmargerite, Wiesenflockenblume, Rote Lichtnelke und Wiesenglockenblume infrage.

Partner für eine lange Blühfolge

Partner Blüte Höhe Standort
Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) Mai bis Oktober 60–80 cm sonnig bis halbschattig
Wiesen-Salbei Mai bis Juli 20–60 cm Magerrasen und Magerwiesen
Rundblättrige Glockenblume Juni bis Oktober 15–50 cm, je nach Standort keine Angabe
Tauben-Skabiose Juli bis November als Wildart keine Angabe kalkreiche Trocken- und Halbtrockenrasen, mäßig trockene bis wechseltrockene Wiesen
Wilde Möhre im zweiten Jahr, nach der Blattrosette keine Angabe trockene, sonnige Standorte

Die Hauptblüte einer heimischen Blumenwiese liegt häufig im Mai und Juni. Für die Acker-Witwenblume ist in der Saatgutkultur eine Blüte im Juli und August angegeben, die Tauben-Skabiose blüht als Wildart bis in den November. Gemeinsam tragen sie das Blütenangebot der Wiese über den Hauptflor hinaus bis in den Herbst.

Gräser, die Platz lassen

Gräser gehören in eine Wiesenmischung, doch die konkurrenzstarken Arten Weidelgras und Wiesenrispe solltest du meiden. Eine dokumentierte Mischung für das Ursprungsgebiet 9 enthält zum Beispiel Ruchgras, Zittergras, Weide-Kammgras und Horst-Rotschwingel.

Wie du Witwenblumen über Jahre in der Wiese hältst

Mehrjährige Garten-Blühmischungen können 10 Jahre und länger bestehen. Eine mehrjährige Kräuterwiese kann bis zu 3 Jahre brauchen, um sich zu entwickeln. Auch danach verändert sich ihr Bild im Jahresverlauf und von Jahr zu Jahr.

Den Schnitt nach den Samen richten

Der Mahdzeitpunkt einer Blumenwiese richtet sich nach der Samenbildung ihrer blühenden Pflanzen. Wie oft du mähst, hängt von Standort und Wüchsigkeit ab: Für Garten-Blumenwiesen sind 1 bis 3 Mähgänge im Jahr beschrieben. Ich mähe nie die ganze Fläche auf einmal. Teilflächen mit Witwenblumen lasse ich stehen, bis ihre Köpfe ausgereift sind, und nehme sie erst beim nächsten Durchgang mit.

Bei jeder Mahd bleiben 10 bis 20 % der Fläche als Rückzugsraum für Kleintiere stehen, jedes Jahr an anderer Stelle. Für eine kleintierschonende Pflege wird eine Schnitthöhe von mindestens 10 cm empfohlen.

Marias Erfahrung

Vor dem ersten Schnitt stecke ich dünne Stäbe neben die Witwenblumen. So sehe ich beim Mähen sofort, welche Teilflächen bis zur Samenreife stehen bleiben.

Das Mähgut darf kurz auf der Fläche liegen, damit die Samen ausfallen. Danach räumst du es vollständig ab. Dauerhaft liegendes Mähgut bildet eine Filzschicht. Samen sollen aber auf offene Erde gelangen, deshalb wird beim Anreichern einer Wiese sogar die Narbe geöffnet. Bleibt das Mähgut liegen, deckt es also genau den Boden zu, den ausgefallene Witwenblumensamen erreichen sollen.

Selbstaussaat fördern oder bremsen

Wie stark sich Witwenblumen über Samen ausbreiten, steuerst du über den Schnitt. Willst du mehr Witwenblumen, lässt du ihre Samenstände ausreifen und mähst die Teilfläche erst danach. An Stellen, an denen du keine Sämlinge willst, schneidest du die verblühten Köpfe ab, bevor sie reifen. Sämlinge am falschen Platz jäte ich im Frühjahr, solange sie sich leicht ziehen lassen.

Für gezielte Nachsaaten sammle ich reife Samen bei trockenem Wetter, sobald sie sich leicht aus ihren Hüllen lösen. Vollständig nachgetrocknet lagere ich sie in beschrifteten Tüten, trocken, kühl und dunkel.

Vergrasung vorbeugen

Zu seltenes Mähen kann auf Dauer die Gräser fördern und die Blütenvielfalt einer Wiese verringern. Dünger wirkt in dieselbe Richtung, denn zu hohe Gaben schnell verfügbaren Stickstoffs fördern Gräser und hochwüchsige Kräuter. Eine magere, artenreiche Wiese bleibt deshalb ungedüngt. Regelmäßiges Abräumen des Mähguts kann eine wüchsige Fläche bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren abmagern. Fest einplanen kannst du das aber nicht.

Gießen, Pflege und Insekten in Kürze

Gießen, Düngen, Rückschnitt, Winterschutz und Schädlinge an Witwenblumen behandelt ein eigener Ratgeber: wie du Witwenblumen als Bienen- und Schmetterlingsweide pflegst und gesund hältst. Für die etablierte Wiese gilt: Sie braucht im Sommer normalerweise kein zusätzliches Wasser. Für Insekten zählt, dass es unter den Wildbienen spezialisierte Arten gibt, die auf Knautien und Skabiosen angewiesen sind.

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Häufige Fragen

Was sind Witwenblumen und wie werden sie botanisch eingeordnet?
Witwenblumen bilden die botanische Gattung Knautia. Zwei Arten, die in Blumenwiesen eine Rolle spielen, sind die mehrjährige Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) und die Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia). Die Acker-Witwenblume eignet sich für trockene, sonnige Standorte und wird in Kultur 30 bis 80 cm hoch. Die Wald-Witwenblume wächst in Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren und erreicht 20 bis 100 cm.
Wie lange blühen Witwenblumen und wann ist ihre Hauptblütezeit?
Das hängt von der Art ab. Die Wald-Witwenblume blüht von Juni bis September, für die Acker-Witwenblume wird in der Saatgutkultur eine Blüte im Juli und August angegeben. Beide blühen damit über den Hauptflor einer heimischen Blumenwiese hinaus, der häufig im Mai und Juni liegt.
Können sich Witwenblumen durch Selbstaussaat vermehren und wie funktioniert das?
Witwenblumen können sich in einer Wiese über ihre Samen erhalten, wenn die Samenstände vor der Mahd ausreifen dürfen. Lass dafür Teilflächen bis nach der Samenreife stehen und das Mähgut nach dem Schnitt kurz liegen, damit die Samen ausfallen. Danach räumst du es ab, weil dauerhaft liegendes Mähgut eine Filzschicht bildet. Rechne mit Geduld, denn die Acker-Witwenblume keimt unregelmäßig über mehrere Wochen.
Stimmt es, dass Witwenblumen nur in mageren Böden gut gedeihen?
Pauschal stimmt das nicht. Die Acker-Witwenblume zählt zu den Arten für trockene, sonnige Standorte, die Wald-Witwenblume kommt dagegen in Fettwiesen vor und darf nicht wie eine Trockenwiesenpflanze behandelt werden. Für nährstoffreicheren Gartenboden gibt es angepasste Wiesenmischungen. Gedüngt wird eine artenreiche Blumenwiese trotzdem nicht routinemäßig, weil zu viel Stickstoff Gräser und hochwüchsige Kräuter fördert.
Was unterscheidet Witwenblumen von Skabiosen in Bezug auf Standortansprüche?
Das lässt sich nur Art für Art beantworten. Die heimische Tauben-Skabiose wächst in kalkreichen Trocken- und Halbtrockenrasen sowie in mäßig trockenen bis wechseltrockenen Wiesen. Die Acker-Witwenblume eignet sich ebenfalls für trockene, sonnige Standorte, während die Wald-Witwenblume in Wäldern, Fettwiesen und Hochstaudenfluren vorkommt.
Warum sind Witwenblumen wertvoll für Insekten?
Unter den Wildbienen gibt es spezialisierte Arten, die auf Knautien und Skabiosen angewiesen sind. Heimische Wiesenpflanzen dienen auch spezialisierten Insekten als Nahrung. Bleiben Witwenblumen über Jahre in der Wiese, steht dieses Angebot jedes Jahr wieder bereit.
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