Tabakanbau in Deutschland: Freiland oder Gewächshaus im Vergleich
- Echter Tabak ist nicht winterhart und kommt erst ab etwa Mitte Mai nach dem Ende der Spätfrostgefahr ins Freie.
- Für Wachstum und Reife gilt bei Tabak ein Bereich von 25 bis 35 °C als günstig.
- Echter Tabak wird 150 bis 200 cm hoch, im Gewächshaus entscheidet deshalb die Firsthöhe mit.
- Im Beet hilft der Regen beim Gießen, im Gewächshaus kommt alles Wasser von dir.
- Hautkontakt mit nikotinhaltigen Blättern kann die Grüne Tabakkrankheit auslösen.
Echter Tabak ist nicht winterhart und wird 150 bis 200 cm hoch. Diese beiden Eigenschaften entscheiden mit, ob er bei dir ins Beet oder ins Gewächshaus gehört. Ich ziehe Tabak an beiden Orten und beschrifte jede Pflanze mit Standort und Pflanzdatum, damit ich sie über den Sommer auseinanderhalte. Hier bekommst du die Abwägung: was für das Freiland spricht, was für das Gewächshaus und was dich beide Wege an Arbeit und Geld kosten.
Freiland und Gewächshaus auf einen Blick
| Kriterium | Freiland | Gewächshaus |
|---|---|---|
| Pflanztermin | ab etwa Mitte Mai, nach dem Ende der Spätfrostgefahr | früher nur, wenn du das Gewächshaus frostfrei hältst |
| Wärme | bringt der Sommer mit | staut sich unter Glas, Lüften gehört dazu |
| Wind und Regen | Platz darf nicht im Wind liegen | Pflanzen stehen geschützt |
| Wasser | Regen hilft mit | alles Wasser kommt von dir |
| Platz | so viel, wie dein Beet hergibt | Grundfläche und Firsthöhe begrenzen die Pflanzenzahl |
| Kosten | Saatgut, Erde, Wasser | zusätzlich Anschaffung und bei früher Pflanzung Heizenergie |
| Arbeit | Gießen in Trockenzeiten, Beet frei halten | Lüften, Gießen, Thermometer und HygrometerEin Hygrometer ist ein Messgerät für die Luftfeuchtigkeit. Beim Gärtnern zeigt es dir, wie feucht die Luft im Gewächshaus, unter der Anzuchthaube oder bei deinen Zimmerpflanzen ist. ablesen |
Was Tabak braucht, egal wo er steht
Für Wachstum und Reife gilt bei Tabak ein Temperaturbereich von 25 bis 35 °C als günstig. Dazu braucht er einen sonnigen Platz, der nicht im Wind liegt. Für den Boden eignet sich nährstoffreiche, feuchte, gut durchlässige und leicht saure Erde. Wie du deinen eigenen Boden einschätzt, findest du im Exoten-Überblick unter Standort und Boden.
Beide Wege beginnen mit der VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. im Haus. Tabak ist ein LichtkeimerLichtkeimer sind Pflanzen, deren Samen zum Keimen Licht brauchen. Bei der Aussaat werden sie deshalb nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt; ob eine Art dazugehört, steht meist auf der Samentüte. und wird nur 0 bis 0,5 cm tief gesät, die feinen Samen drückst du also vor allem an. Bei Echtem Tabak dauert die Keimung 7 bis 14 Tage. Wie es danach weitergeht, zeigt der Ratgeber, wie du Tabak von der Aussaat bis zur Ernte anbaust.
Tabak im Freiland: Vor- und Nachteile
Was für das Beet spricht
Im Beet brauchst du weder Gewächshaus noch Heizung. Der Regen übernimmt einen Teil des Gießens. Vor allem hast du Platz: Wie viele Pflanzen du setzt, begrenzt nur deine Beetfläche.
Echter Tabak steht in der Reihe 50 cm auseinander, zwischen den Reihen bleiben 60 cm. Jede Pflanze wächst frei stehend ohne Rankhilfe, wird 50 bis 60 cm breit und 150 bis 200 cm hoch. Für die Sorte ‘Virginia Gold’ sind 40 cm Pflanzenabstand und 40 bis 60 cm Reihenabstand vorgesehen.
Wo die Tabakreihen über die Jahre in deine Beete passen, legst du im Beetplaner für deine Gartenflächen fest.
Was gegen das Beet spricht
Ins Freie darf Tabak erst ab etwa Mitte Mai, wenn keine Spätfröste mehr drohen. Ob dein Platz danach den günstigen Wärmebereich erreicht, entscheidet der Sommer und nicht du. Wind und Regen treffen die Pflanzen ohne Schutz, deshalb zählt die geschützte Lage.
Ich lege im Mai ein Minimum-Maximum-Thermometer an den geplanten Platz und notiere die Höchst- und Tiefstwerte. Damit sehe ich, wie warm es dort tatsächlich wird, bevor die Pflanzen einziehen. Was du bei Hitze- und Trockenphasen anpassen kannst, zeigt der Ratgeber, wie du deinen Tabakanbau an den Klimawandel anpasst.
Tabak im Gewächshaus: Vor- und Nachteile
Was für das Gewächshaus spricht
Unter Glas stehen die Pflanzen geschützt vor Wind und Regen, und die Wärme staut sich. Tabak eignet sich auch für Gewächshaus und Wintergarten. Mit einem Minimum-Maximum-Thermometer und einem Hygrometer behältst du Temperaturverlauf und Luftfeuchte im Kleingewächshaus im Blick. Selbst wenn deine Pflanzen später ins Beet ziehen, nützt dir das Gewächshaus, weil die Jungpflanzen dort bis zum Auspflanzen stehen und abgehärtet werden können.
Was gegen das Gewächshaus spricht
Das erste Hindernis ist die Höhe. Echter Tabak wird 150 bis 200 cm hoch, also miss die Firsthöhe deines Gewächshauses, bevor du pflanzt. Grundfläche und Höhe begrenzen dann, wie viele Pflanzen hineinpassen.
Mindestens ein Viertel der Gewächshausfläche sollte sich zum Lüften öffnen lassen. Lüften ist Arbeit, die im Beet entfällt, und das Gießwasser kommt komplett von dir.
Tabak ist nicht winterhart, und ein unbeheiztes Kleingewächshaus kann bei tieferen Außentemperaturen ebenfalls durchfrieren. Früh ins kalte Gewächshaus zu pflanzen, bringt deshalb keinen sicheren Vorsprung. Wer früher pflanzen will, muss das Gewächshaus frostfrei halten.
Dazu kommen die Anschaffung und bei früher Pflanzung die Heizenergie. Außerdem belegt jede Tabakpflanze Platz unter Glas, den sonst andere wärmeliebende Kulturen nutzen könnten. Wie du das Gewächshaus für Tabak einrichtest und Klima, Substrat und KulturführungKulturführung bezeichnet alle Pflegearbeiten, mit denen du angebaute Pflanzen während ihres Wachstums begleitest. Dazu gehören vor allem Bewässerung, eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung, Unkrautregulierung und vorbeugender Pflanzenschutz. steuerst, zeigt der Ratgeber, wie du im Gewächshaus hohe Tabakerträge erzielst.
Der Vergleich: Ertrag, Qualität, Aufwand, Ökologie und Kosten
Ertrag
Beim Tabak erntest du Blätter, also zählen Pflanzenzahl und Blattentwicklung. Im Beet setzt du so viele Pflanzen, wie deine Fläche hergibt, im Gewächshaus geben Grundfläche und Firsthöhe die Grenze vor. Die Wärme für Wachstum und Reife hältst du unter Glas leichter, im Freiland liefert sie der Sommer oder eben nicht. Der Ertrag je Pflanze hängt an Sorte, Sommer und Pflege.
Qualität
Ob Blätter aus dem Freiland oder aus dem Gewächshaus besser werden, lässt sich nicht pauschal sagen. Sorte, Sommer, Pflege, Erntezeitpunkt und die Behandlung nach der Ernte beeinflussen das Ergebnis mit. Im Beet bekommen die Blätter alles Wetter ab, unter Glas bleiben sie davon verschont. Woran du die Blätter selbst beurteilst, liest du weiter unten bei den Qualitätsmerkmalen.
Arbeitsaufwand
Im Freiland gießt du vor allem in Trockenzeiten und hältst das Beet frei von Unkraut. Im Gewächshaus kommen Lüften, Gießen und das Ablesen von Thermometer und Hygrometer dazu. An beiden Orten gehört beim Rauchtabak das Entfernen von Blüten und jungen Seitentrieben zur Pflege. Dabei fasst du die Blätter oft an, und Hautkontakt mit nikotinhaltigen Blättern kann die Grüne Tabakkrankheit auslösen. Ich trage deshalb bei jeder Arbeit an den Blättern Handschuhe und wasche mir danach die Hände mit Seife unter fließendem Wasser.
Ökologie
Im Beet arbeitet dein Tabak mit Regen und Sonne, im Gewächshaus kommen Gießwasser und bei früher Pflanzung Heizenergie hinzu. Wer biologisch gärtnert, setzt auf Kompost, GründüngungGründüngung ist eine Bodenpflegemaßnahme: Auf freie Beete säst du Pflanzen, die den Boden schützen und verbessern sollen. Sie werden meist nicht geerntet, sondern abgemäht, als Mulch liegen gelassen oder flach eingearbeitet. zwischen den Kulturen und AnbaupausenDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. für dieselbe Pflanzenfamilie, auch in MischkulturMischkultur bedeutet, dass verschiedene Gemüsearten nebeneinander auf einem Beet wachsen. So nutzt du die Fläche besser aus, und der Boden bleibt während der Saison weitgehend bedeckt.. Beim Rauchtabak fallen die Blüten weg. Hummeln lassen sich im Garten durch ein vielseitiges Blütenangebot fördern, also plane Blüten an anderer Stelle ein. Mehr dazu steht im Exoten-Überblick unter FruchtfolgeFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt. und Mischkultur.
Kosten
Das Freiland kostet dich Saatgut, Erde und Wasser. Ein Gewächshaus kostet zusätzlich die Anschaffung und gegebenenfalls Heizenergie. Dafür kannst du es vor und nach der Tabaksaison für andere Kulturen nutzen. Kaufst du eins nur für Tabak, trägt eine einjährige Kultur die ganze Anschaffung.
Qualitätsmerkmale: Woran du selbst angebauten Tabak beurteilst
Bei eigenen Pflanzen siehst du schon vor der Ernte, was du bekommst. Ich achte auf drei Dinge: ob die Blätter ganz sind, ob sie Flecken oder Fraßspuren zeigen und wie gleichmäßig sich die Blätter einer Pflanze entwickeln. Flecken und Fraßspuren können auf Krankheiten oder Schädlinge hindeuten, eine Diagnose sind sie noch nicht.
Das Entfernen von Blüten und jungen Seitentrieben lässt beim Rauchtabak den Nikotingehalt der Blätter steigen. Mehr Nikotin ist aber kein Gütezeichen, denn Nikotin wirkt in hohen Dosen als starkes Nervengift.
Mit Handschuhen nehme ich von einer Freiland- und einer Gewächshauspflanze je ein Blatt aus derselben Höhe und lege beide nebeneinander. Dann notiere ich Größe, Risse und Flecken und beschrifte die Blätter nach Standort. Beim Trocknen hänge ich die Bündel getrennt auf, damit meine Notizen später zu den Blättern passen.
„Selbst angebaut ist weniger schädlich als gekauft.“ Das stimmt nicht. Der Konsum von Tabakerzeugnissen ist auch dann gesundheitsschädlich, wenn der Ausgangstabak aus dem eigenen Garten stammt.
Ressourceneffizienz: Wasser, Wärme und Fläche
Beim Wasser unterscheiden sich die Orte deutlich: Im Beet trägt der Regen einen Teil, im Gewächshaus kommt alles aus der Gießkanne. Wie viel Wasser Tabak braucht, hängt von Art und Sorte, Witterung, Boden sowie Sonne und Wind am Standort ab. Tropfbewässerung führt das Wasser gezielt an die Pflanze und kann Wasser sparen. Die Tropfer brauchen allerdings einen Filter, weil sie verstopfen oder verkalken können.
Wärme kostet unter Glas vor allem dann Energie, wenn du früher pflanzen willst, als es draußen frostfrei ist. Pflanzt du im Gewächshaus zum selben Termin wie im Beet, nutzt du nur die Wärme, die sich unter Glas sammelt.
Auch die Fläche zählt. Im Beet belegt Tabak Platz, den du im Folgejahr anders nutzen kannst. Im Gewächshaus belegt er knappen, geschützten Platz bis zur Ernte im Herbst.
Ziehst du Tabak im Balkonkübel, nimm aus Umweltschutzgründen torffreie Erde. Die Grundsätze dazu stehen im Exoten-Überblick unter Kübel und Balkon.
Pflege, Schädlinge und Ernte in Kürze
Gießen und Düngen
Tabak mag feuchten, aber gut durchlässigen Boden. In der Gartenkultur düngst du Echten Tabak während der Wachstumszeit flüssig. Die Grundsätze stehen im Abschnitt Gießen und Düngen im Überblick zu Exoten und Gemüse-Raritäten.
Schädlinge und Krankheiten
Kontrolliere die Blätter an beiden Standorten, wenn du ohnehin an den Pflanzen arbeitest. Welche Schädlinge und Krankheiten Tabak treffen können und wie du vorbeugst, zeigt der Ratgeber, wie du Tabakpflanzen vor Schädlingen schützt.
Ernte und Nachernte
Geerntet wird Tabak von August bis Oktober. Wie du reife Blätter erkennst, erntest und nachreifen lässt, zeigt der Ratgeber zur Tabakernte und dem richtigen Erntezeitpunkt. Beim Trocknen, Fermentieren und Lagern halte ich Blätter aus Freiland und Gewächshaus getrennt, damit der Vergleich nachvollziehbar bleibt.
Sorten
Für die Sorte ‘Virginia Gold’ ist die Vorkultur ab März im Haus vorgesehen. Wer Tabak nur als Zierpflanze möchte, findet im Ziertabak ‘Scharlachkönig’ aus Nicotiana × sanderae eine dunkelscharlachrot blühende Pflanze, die mit etwa 60 cm Wuchshöhe in Kübel und Blumentöpfe passt. Mehr zur Sortenwahl steht im Ratgeber von der Aussaat bis zur Ernte.
Tabakanbau in Deutschland: Rechtslage und Sicherheit
In Deutschland sind Tabakwaren aus selbst angebautem Rohtabak, die du für den eigenen Bedarf verwendest, nach § 30 Absatz 1 Nummer 2 TabStG von Tabaksteuer und Verpackungszwang befreit. Die Befreiung bezieht sich auf den eigenen Bedarf. Die Einordnung dazu findest du im Exoten-Überblick unter Küche und Sicherheit.
Welche Vorzüge, Gesundheitsrisiken und ethischen Fragen an diesem Hobby hängen, zeigt der Ratgeber, ob sich Tabakanbau im Hobbygarten lohnt.
Tabak ist keine Küchenpflanze. Er enthält von Natur aus Nikotin, das in hohen Dosen als starkes Nervengift wirkt. Hautkontakt mit nikotinhaltigen Blättern kann die Grüne Tabakkrankheit mit Übelkeit, Erbrechen und Schwindel auslösen. Setz keine Nikotinbrühe als Gartenmittel an, denn sie kann für Menschen lebensgefährlich sein. Giftige Gewächse gehören möglichst nicht in einen Garten mit Kindern, und Kleinkinder behältst du beim Spielen immer im Auge.
Beides kombinieren: Anzucht unter Glas, Sommer im Beet
Du musst dich nicht für einen Ort entscheiden. Vor dem Auspflanzen härtest du vorgezogene Jungpflanzen ab, indem du die Temperatur senkst und lüftest, und dafür eignet sich das Gewächshaus. Ab etwa Mitte Mai setze ich einen Teil der Pflanzen ins Beet und behalte einzelne im Gewächshaus, wenn die Firsthöhe reicht. Eine Pflanze kann auch in einen Balkonkübel an einen sonnigen Platz, der nicht im Wind liegt.
Diese Fragen klären, wohin dein Tabak gehört.
- Hast du einen sonnigen Platz, der nicht im Wind liegt? Dann kommt das Beet in Frage.
- Reicht die Firsthöhe deines Gewächshauses für Pflanzen von 150 bis 200 cm?
- Lässt sich mindestens ein Viertel der Gewächshausfläche zum Lüften öffnen?
- Willst du pflanzen, bevor die Spätfrostgefahr vorbei ist? Dann muss das Gewächshaus frostfrei bleiben.
- Hast du im Sommer Zeit, unter Glas zu lüften und zu gießen?
Miss die Firsthöhe deines Gewächshauses und die freie Fläche in deinem Beet. Mit beiden Maßen und den Abständen aus dem Kasten oben weißt du, wie viele Pflanzen an welchen Ort passen.





