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Tabakanbau im Hobbygarten: Reiz, Risiken und Alternativen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Echter Tabak ist einjährig, nicht winterhart und wird 150 bis 200 cm hoch.
  • Tabak ist Lichtkeimer: Die Samen kommen bei der Vorkultur im Haus auf die Erdoberfläche.
  • Ausgepflanzt wird ab etwa Mitte Mai an einen sonnigen, nicht windexponierten Platz, geerntet von August bis Oktober.
  • Tabak enthält von Natur aus Nikotin; Hautkontakt mit den Blättern kann die Grüne Tabakkrankheit auslösen.
  • Der Konsum ist auch bei selbst angebautem Tabak gesundheitsschädlich, und Tabak ist keine Küchenpflanze.
  • Tabakwaren aus selbst angebautem Rohtabak für den eigenen Bedarf sind von Tabaksteuer und Verpackungszwang befreit.
  • Als Zierpflanze passt Tabak in Beete und Kübel; Nikotinbrühe gegen Schädlinge kann für Menschen lebensgefährlich sein.

Tabak anbauen reizt viele Hobbygärtner, weil die Pflanze ungewohnt ist und im Beet 150 bis 200 cm hoch wird. Ich frage mich vor jeder Tabak-Aussaat zuerst, wofür die Pflanzen da sein sollen. Denn Tabak enthält von Natur aus Nikotin, und das betrifft dich schon beim Anfassen der Blätter, nicht erst beim Rauchen.

Hier wäge ich ab, was für Tabak als Hobby spricht und womit du rechnen musst. Dazu kommen die Gesundheitsfragen, die ethische Seite und Nutzungen jenseits des Rauchens. Die Anbauschritte fasse ich nur kurz zusammen.

Lohnt sich Tabakanbau als Hobby?

Als Gartenprojekt kann sich Tabak lohnen, wenn dich eine anspruchsvolle Anzucht und eine große Pflanze im Beet reizen. Als Weg zu einem gesünderen Genussmittel lohnt er sich nicht. Der Konsum von Tabakerzeugnissen schadet der Gesundheit auch dann, wenn der Ausgangstabak aus deinem Garten stammt. Wer kleine Kinder im Garten hat, wägt besonders genau ab.

Tabak anbauen: die Eckdaten in Kürze

Echter Tabak, botanisch Nicotiana tabacum, ist einjährig und nicht winterhart, du säst ihn also jedes Jahr neu. Weil Tabak ein Lichtkeimer ist, kommen die Samen bei der Vorkultur im Haus auf die Erdoberfläche und werden nur angedrückt. Ins Freie pflanzt du ihn ab etwa Mitte Mai, wenn keine Spätfröste mehr drohen, an einen sonnigen Platz, der nicht im Wind liegt.

Eckdaten Echter Tabak
Lebensdauer einjährig, nicht winterhart
Kulturstart Februar bis April
Saattiefe 0 bis 0,5 cm, Lichtkeimer
Keimtemperatur 18 bis 22 °C
Keimdauer 7 bis 14 Tage
Auspflanzen ab etwa Mitte Mai, nach Ende der Spätfrostgefahr
Abstand 50 cm in der Reihe bei 60 cm Reihenabstand, jede Pflanze einzeln gesetzt
Wuchs 150 bis 200 cm hoch, 50 bis 60 cm breit
Erntezeit August bis Oktober

Pikieren, Auspflanzen, Boden und laufende Pflege beschreibt Schritt für Schritt der Ratgeber, wie du Tabak im Hausgarten anziehst, auspflanzt und pflegst.

Rechtslage und Herkunft in Kürze

In Deutschland sind Tabakwaren aus selbst angebautem Rohtabak, die du für den eigenen Bedarf verwendest, von Tabaksteuer und Verpackungszwang befreit. Die Grundlage dafür ist § 30 Absatz 1 Nummer 2 TabStG. Die Befreiung ist ausdrücklich an den eigenen Bedarf gebunden.

Die lange Kulturgeschichte des Tabaks ist ein eigenes Thema und für die Entscheidung im Garten zweitrangig. Was für Tabak unter Küche und Sicherheit gilt und woher die Exoten dieses Bereichs stammen, steht im Exoten-Überblick unter Küche und Sicherheit.

Was für Tabak im Hobbygarten spricht

Eine Anzucht, bei der du genau hinschaust

Tabak ist ein Lichtkeimer mit winzigen Samen, und genau das macht die Anzucht lehrreich. Das Aussaatsubstrat bleibt feucht, aber nicht nass. Sobald die Sämlinge groß genug sind, werden sie pikiert oder einzeln eingetopft. Ich säe in eine flache Schale und prüfe die Feuchte mit dem Finger, bevor ich gieße. Mehr zu Saatgut und Keimung steht im Beitrag, wie du Tabaksamen keimfähig aufbewahrst und zum Keimen bringst.

Eine große Pflanze für Beet, Kübel und Wintergarten

Echter Tabak eignet sich auch als Zierpflanze. Er passt in Beete und Rabatten, in Bauerngärten und Kübel, aber auch ins Gewächshaus oder in den Wintergarten. Mit 150 bis 200 cm Höhe fällt schon eine einzelne Pflanze im Beet deutlich auf. Ab etwa Mitte Mai darf Tabak auch in einen Balkonkübel, wenn der Platz sonnig ist und nicht im Wind liegt.

Was der Eigenanbau nicht leistet

Ein oft genannter Vorzug ist die volle Kontrolle über jeden Schritt, von der Samenwahl bis zum fertigen Blatt. Diese Kontrolle hast du tatsächlich. Sie ändert aber nichts an dem, was die Pflanze selbst mitbringt.

Mythos-Check

„Selbst angebauter Tabak ist harmloser, weil keine Zusätze drin sind.“ Das stimmt nicht. Nikotin steckt von Natur aus in der Pflanze, und der Konsum von Tabakerzeugnissen ist auch bei selbst angebautem Ausgangstabak gesundheitsschädlich.

Womit du beim Tabakanbau rechnen musst

Eine lange Saison

Echter Tabak hat eine Kulturdauer von 182 bis 196 Tagen. Ins Freie darf er aber erst ab etwa Mitte Mai, nach dem Ende der Spätfrostgefahr. Zusammen heißt das: Deine Tabaksaison beginnt auf der Fensterbank, lange bevor ein Beet frei sein muss, und läuft bis zur Ernte von August bis Oktober. In dieser Zeit braucht die Anzucht Licht und Platz im Haus, später belegen die Pflanzen ihren Beetplatz bis in den Herbst.

Wärme und Standort

Für Wachstum und Reife liegt der günstige Temperaturbereich bei Tabak zwischen 25 und 35 °C. Dazu kommt ein sonniger Platz, der nicht im Wind liegt. Ob dein Garten das bietet, entscheidet mit, ob Freiland oder Gewächshaus besser passt. Die Vor- und Nachteile vergleicht der Beitrag, wie sich Tabak im Freiland und im Gewächshaus bei Ertrag, Aufwand und Kosten unterscheidet. Fällt die Wahl aufs Gewächshaus, zeigt ein weiterer Ratgeber, wie du Klima, Substrat und Kulturführung für Tabak unter Glas steuerst. Außerdem gibt es einen Beitrag dazu, wie du den Tabakanbau an die Folgen des Klimawandels anpasst.

Pflege, Gießen und Schädlinge in Kürze

Während der Wachstumszeit düngst du Tabak flüssig, und der Boden soll feucht, aber gut durchlässig sein. Welche Schädlinge und Krankheiten Tabak treffen können und wie du vorbeugst, zeigt der Ratgeber, wie du Tabakpflanzen vor Schädlingen und Krankheiten schützt. Die artübergreifenden Grundlagen zu Gießen, Düngen und Pflanzenschutz stehen im Exoten-Überblick.

Ernte und Verarbeitung

Geerntet werden die Blätter von August bis Oktober. Danach folgen Nachreifen, Trocknung und Fermentation, und jeder dieser Schritte braucht Platz, Zeit und Aufmerksamkeit. Wie das im Einzelnen abläuft, beschreibt der Beitrag, woran du reife Tabakblätter erkennst und wie du sie erntest.

Gesundheit: Nikotin steckt schon in der Pflanze

Tabak enthält von Natur aus Nikotin, und in hohen Dosen wirkt Nikotin als starkes Nervengift. Das betrifft nicht erst das fertige Produkt, sondern schon die Arbeit im Beet.

Achtung

Hautkontakt mit nikotinhaltigen Tabakblättern kann die Grüne Tabakkrankheit auslösen, mit Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Fass die Blätter deshalb nur mit Handschuhen an. Nach der Gartenarbeit wäschst du die Hände mit Seife unter fließendem Wasser und trocknest sie sorgfältig ab.

Geerntet werden beim Tabak die Blätter, und genau der Kontakt mit diesen Blättern kann die Beschwerden auslösen. Die Ernte ist deshalb der Arbeitsschritt, bei dem ich am meisten aufpasse: Ich arbeite dann mit Handschuhen und langen Ärmeln.

Tabak ist außerdem keine Küchenpflanze. Kein Teil davon gehört in Speisen oder Getränke, auch nicht versuchsweise. Der Konsum bleibt gesundheitsschädlich, egal ob der Tabak gekauft ist oder aus deinem Beet kommt.

Alternative Nutzungen: Zierpflanze, Schädlingssud, Parfüm

Tabak als Zierpflanze

Wer Tabak nur fürs Auge zieht, hat eine große Blattpflanze, die von August bis September blüht. Beim Rauchtabak werden Blüten und junge Seitentriebe ausgebrochen, wodurch der Nikotingehalt der Blätter steigt. Für die Zierpflanze heißt das: Du lässt die Blüten stehen, denn sie sind hier der Zweck, und das Ausbrechen würde nur nikotinreichere Blätter bringen.

Kompakter Ziertabak für Kübel und Balkon

Für Kübel und Blumentöpfe eignet sich Ziertabak wie „Scharlachkönig“. Er gehört zu Nicotiana × sanderae und blüht dunkelscharlachrot. Seine Wuchshöhe liegt bei etwa 60 cm. Echter Tabak erreicht dagegen 150 bis 200 cm, auf einem kleinen Balkon ist der Ziertabak deshalb die handlichere Wahl. Auch beim Ziertabak ziehe ich zum Ausputzen Handschuhe an.

Tabaksud gegen Schädlinge

Einem Sud aus Tabakblättern wird nachgesagt, gegen Schädlinge zu helfen, weil die Blätter Nikotin enthalten. Ich setze so einen Sud nicht an und rate dir davon ab.

Achtung

Nikotinbrühe kann für Menschen lebensgefährlich sein. Setz deshalb keinen Sud aus Tabakblättern an und bewahre keinen auf.

Tauchen an deinen Pflanzen Schädlinge auf, setzt du bei Vorbeugung und Absammeln an. Der Schädlings-Ratgeber zum Tabak geht darauf ein.

Tabak als Duftnote

Tabak kennt man auch als Duftnote aus Parfüms. Für den Hobbygarten folgt daraus aber kein Projekt, das ich dir empfehle. Wer frische Blätter für eigene Duftversuche verarbeitet, hat genau den Hautkontakt, der die Grüne Tabakkrankheit auslösen kann.

Die ethische Abwägung: für wen Tabak als Hobby passt

Privat Tabak anzubauen lässt sich als Teil gärtnerischer Selbstbestimmung sehen: Du entscheidest, was in deinem Garten wächst. Die andere Seite ist die Verantwortung für das, was aus den Blättern wird. Sie gilt für dich selbst und für alle, denen du etwas davon gibst.

Bei Kindern wird die Abwägung konkret. Giftige Gewächse sollten aus einem Garten mit Kindern möglichst verschwinden, und Tabak enthält Nikotin, das in hohen Dosen als starkes Nervengift wirkt. Wer kleine Kinder im Garten hat, lässt den Tabak deshalb besser weg. Kleinkinder behältst du beim Spielen im Garten ohnehin immer im Auge.

Ich schreibe mir vor der Aussaat auf, wofür die Pflanzen gedacht sind: als Zierde, als Lernprojekt oder als Rohtabak für den eigenen Bedarf.

Marias Erfahrung

Für Tabak habe ich ein eigenes Paar Gartenhandschuhe, das nur dafür da ist und getrennt von den anderen hängt. Die Saatschalen stehen bei mir an einem Platz, an den kleine Besucher nicht herankommen.

Mini-Checkliste

Bevor du Tabak säst, klär diese Punkte:

  • Du weißt, wofür die Pflanzen da sind.
  • Du hast geklärt, ob kleine Kinder in deinem Garten spielen.
  • Handschuhe liegen bereit, und nach der Arbeit wäschst du die Hände mit Seife.
  • Ein sonniger Platz, der nicht im Wind liegt, ist bis zur Ernte frei.
  • Für Nachreifen, Trocknung und Fermentation hast du Platz und Zeit eingeplant, falls du Rohtabak willst.
  • Ein Sud aus Tabakblättern ist für dich kein Thema.
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Häufige Fragen

Lohnt sich Tabakanbau als Hobby?
Als Gartenprojekt kann sich Tabak lohnen, wenn dich eine anspruchsvolle Anzucht mit winzigen Lichtkeimer-Samen und eine 150 bis 200 cm hohe Pflanze reizen. Echter Tabak eignet sich auch als Zierpflanze für Beete, Bauerngärten und Kübel. Als gesündere Alternative zu gekauftem Tabak taugt der Eigenanbau dagegen nicht, denn der Konsum ist auch bei selbst angebautem Ausgangstabak gesundheitsschädlich.
Welche Regel gilt in Deutschland für Tabak aus eigenem Anbau?
Tabakwaren, die du aus selbst angebautem Rohtabak herstellst und für den eigenen Bedarf verwendest, sind von Tabaksteuer und Verpackungszwang befreit. Grundlage ist § 30 Absatz 1 Nummer 2 TabStG. Die Befreiung ist ausdrücklich an den eigenen Bedarf gebunden.
Ist Tabak im eigenen Garten gefährlich?
Tabak enthält von Natur aus Nikotin, das in hohen Dosen als starkes Nervengift wirkt. Schon Hautkontakt mit nikotinhaltigen Blättern kann die Grüne Tabakkrankheit mit Übelkeit, Erbrechen und Schwindel auslösen. Arbeite deshalb mit Handschuhen und wasch dir danach die Hände mit Seife unter fließendem Wasser. Aus einem Garten mit Kindern sollten giftige Gewächse möglichst ganz verschwinden.
Ist Tabakanbau als Hobby zeitaufwendig?
Ja, Echter Tabak hat eine Kulturdauer von 182 bis 196 Tagen. Die Kultur startet zwischen Februar und April mit der Vorkultur im Haus, ins Freie kommen die Pflanzen ab etwa Mitte Mai. Geerntet wird von August bis Oktober, und wer Rohtabak möchte, braucht danach noch Zeit für Nachreifen, Trocknung und Fermentation.
Was unterscheidet Ziertabak vom Echten Tabak?
Echter Tabak, botanisch Nicotiana tabacum, wird 150 bis 200 cm hoch und blüht von August bis September. Ziertabak wie „Scharlachkönig“ gehört zu Nicotiana × sanderae und blüht dunkelscharlachrot. Mit etwa 60 cm Wuchshöhe ist er deutlich kompakter und eignet sich für Kübel und Blumentöpfe.
Wofür lässt sich Tabak im Garten außer zum Rauchen nutzen?
Echter Tabak eignet sich als Zierpflanze für Beete und Rabatten, Bauerngärten, Kübel sowie Gewächshaus und Wintergarten. Für kleine Gefäße gibt es kompakten Ziertabak. Einen Sud aus Tabakblättern gegen Schädlinge setzt du besser nicht an, denn Nikotinbrühe kann für Menschen lebensgefährlich sein.
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