Kartoffeln ernten und nachbehandeln: nicht waschen, erst abtrocknen, dann einlagern
- Lagerkartoffeln als Faustregel zwei bis drei Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts ernten
- Schalenprobe: Lässt sich die Schale nicht mehr leicht mit dem Daumen abreiben, ist sie fest genug
- Bei trockenem Wetter mit Grabgabel oder Kartoffelhacke ernten und alle Knollen aufnehmen
- Nicht waschen: nur grobe Erdklumpen entfernen und die Knollen rasch abtrocknen lassen
- Verletzte Knollen getrennt legen und bald verbrauchen, den Rest dunkel und kühl bei 4 bis 6 Grad lagern

Frisch gegraben liegen die Knollen im Korb, und an der Schale klebt noch Erde. Der Griff zum Gartenschlauch liegt nahe, doch Kartoffeln für den Vorrat bleiben ungewaschen: Du entfernst nur die groben Erdklumpen. Ich lasse meine Ernte zuerst abtrocknen und sortiere sie, bevor sie in den Keller kommt.
Ob dein Vorrat den Winter übersteht, hängt auch an der Ernte selbst: am richtigen Zeitpunkt, an einer festen Schale und an unverletzten Knollen. Hier geht es um die Schritte zwischen Beet und Lager. Wie du Kartoffeln vom Legen bis zur Ernte Schritt für Schritt anbaust, steht in einem eigenen Beitrag.
Wann sind Lagerkartoffeln reif für die Ernte?
Kartoffeln für den Vorrat erntest du als Faustregel zwei bis drei Wochen, nachdem das Kraut vollständig abgestorben ist. In dieser Zeit reift die Schale aus und wird fest. Bei grünem Kraut ist die Knolle dagegen noch nicht fertig, sie wächst weiter und füllt sich mit Stärke. Wer Lagerkartoffeln bei grünem Kraut aus der Erde holt, beendet also die Stärkeeinlagerung und bekommt Knollen, deren Schale für den Vorrat noch nicht fest genug ist.
Bevor ich eine ganze Reihe aufnehme, grabe ich eine Probepflanze aus und reibe mit dem Daumen über die Schale. Lässt sie sich nicht mehr leicht abreiben, ist die Knolle bereit für die Einlagerung. Reife Knollen lösen sich außerdem leicht von den Stolonen, den unterirdischen Stängeln, an deren Enden sie gewachsen sind. Allzu lange solltest du danach nicht warten, denn eine verspätete Ernte bereits abgereifter Bestände begünstigt Rhizoctonia.
Für den Vorrat kannst du graben, wenn
- das Kraut vollständig abgestorben ist,
- seitdem als Faustregel zwei bis drei Wochen vergangen sind,
- sich die Schale einer Probeknolle nicht mehr leicht mit dem Daumen abreiben lässt,
- die Knollen sich leicht von den Stolonen lösen
- und das Wetter trocken ist.
Wann welche Reifegruppe so weit ist, liest du im Beitrag darüber, wie du den richtigen Erntezeitpunkt je Sorte erkennst. Baust du vor allem mehlige Sorten für Püree, Suppen und Klöße an, findest du eigens beschrieben, wie du mehligkochende Kartoffeln erntest und lagerst.
Frühkartoffeln: portionsweise für die Küche
Für Frühkartoffeln gilt eine andere Regel. Sind die Knollen groß genug, kannst du sie schon bei grünem Kraut ernten, ihre Schale ist dann aber noch dünn und weich. Solche unreif geernteten Knollen verbrauchst du möglichst sofort, denn sie halten höchstens eine Woche. Ich grabe deshalb immer nur so viele Pflanzen aus, wie ich gerade für die Küche brauche. Für eine längere Lagerung eignen sich losschalige Frühkartoffeln nicht.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Wie erntest du Kartoffeln schonend?
Für die Einlagerung gräbst du bei trockenem Wetter und gehst dabei vorsichtig vor. Als Werkzeug eignen sich Grabgabel oder Kartoffelhacke. Ich setze die Grabgabel außen am Damm an und hebe die Erde von der Seite an, damit die Zinken keine Knollen aufspießen. Die Kartoffeln sammle ich mit der Hand auf und lege sie in die Kiste, statt sie hineinzuwerfen.
Nimm dabei alle Knollen aus dem Boden, auch die kleinen. Das dient der Vorbeugung gegen Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen.. Übersehene Knollen können in der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. als Durchwuchs austreiben, und solche Durchwuchskartoffeln ermöglichen Krankheiten und Schädlingen das Überdauern bis zum nächsten Kartoffeljahr.
Kraut mit KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. gehört nicht auf den eigenen Kompost, bei extremem Befall entsorgst du es über die Biotonne. Das geräumte Beet trage ich gleich im Beetplaner für die Fruchtfolge ein, denn auf derselben Fläche gilt für Kartoffeln eine AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von 4 bis 6 Jahren.
Welche Knollen gehören nicht ins Lager?
Beim Aufsammeln sortiere ich gleich am Beet in zwei Kisten: eine für den Vorrat, eine für die Küche. In die Küchenkiste kommen alle Knollen, die beim Graben mechanisch verletzt wurden. Sie gehören nicht in den Lagervorrat, sondern werden bald verarbeitet.
Achte außerdem auf bleigraue, eingesunkene Flecken an der Schale und innen braunes Gewebe. Das kann auf Kraut- und Knollenfäule hindeuten, deshalb sortierst du solche Knollen bei der Ernte aus.
Grüne Stellen deuten auf einen erhöhten Gehalt an Glykoalkaloiden wie Solanin und Chaconin hin, die vor allem in Keimen und Augen sitzen. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht. Bei den übrigen schneidest du Keime und grüne Stellen großzügig weg.
Kartoffeln nach der Ernte waschen oder nicht?
Kartoffeln für den Vorrat wäschst du nicht. Du befreist sie nur von groben Erdklumpen, der Rest der Erde darf an der Schale bleiben. Entscheidend ist, dass die erntefrischen Knollen rasch abtrocknen, weil anhaftende Feuchtigkeit den Verderb begünstigt. Wer wäscht, macht also genau die Schale wieder nass, die vor dem Einlagern trocken werden soll.
Ich lasse die Erde an den Knollen antrocknen und klopfe dann nur die groben Klumpen ab. Danach breite ich die Kartoffeln locker an einem luftigen Platz aus, an den kein Licht kommt. Dort sollen sie abtrocknen, ohne im Licht zu ergrünen.
Die frisch gegrabenen Knollen bleiben zum Trocknen in der prallen Sonne auf dem Beet liegen. Licht lässt Kartoffeln ergrünen. Trockne die Ernte lieber luftig und vor Licht geschützt.
Nachbehandlung: Abtrocknen und Wundheilung vor dem Lager
Zwischen Ernte und Lager liegt die Nachbehandlung, und sie hat zwei Schritte. Zuerst trocknen die Knollen ab, danach sollen kleine Wunden von der Ernte verheilen. In technisch belüfteten Erwerbslagern bekommen gesunde Partien dafür eine eigene Wundheilungsphase.
Im technisch belüfteten Erwerbslager durchlaufen gesunde Kartoffelpartien nach dem Abtrocknen eine Wundheilungsphase von 7 bis 14 Tagen bei 12 bis 16 °C und 95 % relativer Luftfeuchte. Das sind Werte für belüftete Betriebslager, keine Vorgabe für deinen Keller.
Während der Wundheilung brauchen die Knollen Frischluft. Warme Zuluft auf kalten Knollen kann allerdings Kondenswasser verursachen. Dann sitzt wieder Feuchtigkeit auf der Schale, die du beim Abtrocknen gerade losgeworden bist.
Im Garten übernehme ich davon den Ablauf, nicht die Zahlen. Die gesunden, abgetrockneten Knollen bleiben an ihrem luftigen, dunklen Platz, und ich schaue nach, ob die Schale überall trocken ist. Erst dann kommen sie in den kühlen Lagerraum, und beim Lüften achte ich darauf, dass keine warme Luft an kalte Knollen kommt.
Wie kommen die Kartoffeln ins Lager?
Trocken und sortiert kommen die Kartoffeln bei 4 bis 6 Grad ins Lager. Wie du Kartoffeln kühl, dunkel und luftfeucht lagerst, steht im Kartoffel-Ratgeber. Behälter, Kontrollen im Winter und typische Lagerprobleme behandle ich im Beitrag darüber, wie du Kartoffeln über den Winter lagerst.



