Mehlige Kartoffeln ernten: So erkennst du die Reife an Kraut und Schale
- Mehlige Kartoffeln lagern Stärke ein, solange ihr Kraut grün ist.
- Lagerkartoffeln erntest du als Faustregel etwa 2 bis 3 Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts.
- Reif ist eine Knolle, wenn sich die Schale nicht mehr leicht mit dem Daumen abreiben lässt und sie sich leicht von den Stolonen löst.
- Ernte bei trockenem Wetter, nimm alle Knollen auf und leg verletzte getrennt.
- Danach kommen die Knollen dunkel und kühl ins Lager, am besten bei 4 bis 6 Grad.

Wer mehlige Kartoffeln zu früh aus dem Damm holt, erntet Knollen mit weicher Schale, die sich nicht lange lagern lassen. Ich grabe deshalb erst, wenn Kraut, Schale und Stolonen zusammen die Reife anzeigen.
Mehligkochende Sorten haben unter den Kochtypen den höchsten Stärkegehalt und zerfallen beim Kochen leichter. Deshalb eignen sie sich besonders für Püree, Suppen und Klöße. Wie Kochtypen, Reifegruppen und Pflanze zusammenhängen, steht im Kurzporträt der Kartoffel mit Sorten und Kochtypen.
Warum mehlige Kartoffeln Zeit im Boden brauchen
Solange das Kraut grün ist, legen die Knollen an Größe zu und lagern weiter Stärke ein. Erst nach dem Absterben des Krauts reift die Schale aus. Einlagern kannst du nur Knollen mit fester Schale, losschalige Knollen halten nicht lange. Wer gräbt, solange das Kraut noch grün ist, verliert also doppelt. Die Knollen haben weniger Stärke eingelagert als möglich, und ihre Schale taugt nicht fürs Lager.
Den Kalender nutze ich nur als groben Rahmen. Die Kulturdauer der Kartoffel reicht von 84 bis 224 Tagen. Unter den mehligkochenden Sorten gibt es frühe wie Gunda, mittelfrühe wie Adretta, Afra und Freya und mittelspäte wie Highland Burgundy Red. Mit welcher Reifegruppe du ungefähr wann rechnen kannst, zeigt der Beitrag zum Erntezeitpunkt früher, mittelfrüher und später Sorten. Den Anbau übers Jahr planst du mit dem Aussaatkalender für Kartoffeln zum Ausdrucken.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Die drei Reifezeichen: Kraut, Schale, Stolonen
Ich prüfe die drei Zeichen nacheinander und grabe erst, wenn alle passen.
| Reifezeichen | So prüfst du es | Reif heißt |
|---|---|---|
| Kraut | Blick aufs Beet, Tag des Absterbens notieren | vollständig abgestorben, danach läuft die Wartezeit |
| Schale | mit dem Daumen kräftig über eine Probeknolle reiben | lässt sich nicht mehr leicht abreiben |
| Stolonen | Knolle vom unterirdischen Trieb abziehen | Knolle löst sich leicht |
Das Kraut: vollständig abgestorben
Gegen Ende der Saison vergilbt das Laub, danach stirbt das Kraut ab. Für Lagerkartoffeln zählt der Tag, an dem es vollständig abgestorben ist. Ich notiere mir diesen Tag im Gartenheft, damit ich die Wartezeit nicht schätzen muss.
Etwa 2 bis 3 Wochen nach dem vollständigen Absterben des Krauts sind Lagerkartoffeln als Faustregel erntereif, sofern die Schale fest ist. In dieser Wartezeit reift die Schale aus.
Die Schale: Daumenprobe
Nimm eine Knolle aus der Probegrabung und reib mit dem Daumen kräftig über die Schale. Lässt sie sich noch leicht abreiben, ist die Knolle nicht reif fürs Lager. Hält die Schale dem Daumen stand, ist sie fest genug zum Einlagern.
Die Stolonen: Knollen lösen sich leicht
Stolonen sind unterirdische Seitentriebe der Kartoffel. An ihren Enden bilden sich die neuen Knollen.
Reife Knollen lösen sich mit leichtem Zug von ihren Stolonen. Hängen sie noch fest daran, spricht das dafür, dass die Pflanze noch Zeit braucht.
Probegraben: So prüfe ich die Reife
Ich grabe zuerst eine einzelne Pflanze aus, statt gleich die ganze Reihe zu öffnen. Die Grabgabel steche ich dafür seitlich in den Damm, damit sie möglichst keine Knollen ansticht. An den freigelegten Knollen mache ich die Daumenprobe und ziehe an den Stolonen. Passt eines von beidem noch nicht, schiebe ich die Erde wieder an den Damm. So bleiben die übrigen Knollen im Dunkeln und ergrünen nicht. Die nächste Probe mache ich an einer anderen Pflanze.
Ist das Kraut vollständig abgestorben? Ist die Wartezeit seitdem abgelaufen? Lässt sich die Schale nicht mehr leicht mit dem Daumen abreiben? Lösen sich die Knollen leicht von den Stolonen? Ist das Wetter trocken? Erst wenn du alles mit Ja beantwortest, erntest du die ganze Reihe.
Kraut stirbt ab: Abreife oder Krautfäule?
Nicht jedes abgestorbene Kraut zeigt Reife an. Bei feuchter Witterung kann KrautfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. das Kraut vorzeitig absterben lassen. Die Zeichen am Laub sind Hinweise, keine sichere Diagnose.
| Was du am Kraut siehst | Kann hindeuten auf | Was ich dann tue |
|---|---|---|
| Laub vergilbt, Kraut stirbt vollständig ab | Abreife | Tag notieren, Wartezeit abwarten, dann Probegrabung |
| Graugrüne bis braune Flecken an Blättern und Stängeln, auf der Blattunterseite teils weißer PilzrasenPilzrasen nennt man den sichtbaren Belag, den ein Pilz auf befallenen Blättern oder Stängeln bildet, etwa den grauen Pilzrasen beim Grauschimmel. Der Begriff beschreibt ein Merkmal des Schadbilds, nicht die Krankheit selbst., feuchte Witterung | Krautfäule | Kraut nicht auf den eigenen Kompost, Knollen bei der Ernte genau prüfen |
| Braune Flecken mit konzentrischen Ringen an älteren Blättern | Alternaria | Reife an Schale und Stolonen prüfen, nicht am Kraut allein |
Die Knollen lagern Stärke ein, solange das Kraut grün ist, und Krautfäule kann das Kraut vorzeitig absterben lassen. Ein früher Befall kann die Zeit der Stärkeeinlagerung deshalb verkürzen. Vorkeimen verlegt einen Teil des Wachstums in die Zeit vor einem möglichen Krautfäulebefall. Wie das bei mehligen Sorten gelingt, beschreibt der Beitrag darüber, wie du mehligkochende Sorten vorkeimst.
Befallene Knollen können außen bleigraue, eingesunkene Flecken und innen braunes Gewebe zeigen. Solche Knollen sortierst du bei der Ernte aus. Bei extremem Befall entsorge ich das Kraut über die Biotonne statt über den eigenen Kompost.
Abgestorbenes Kraut ungeprüft als Reifezeichen werten. Hatten Blätter und Stängel vorher graugrüne bis braune Flecken, kann Krautfäule dahinterstecken. Dann zeigt erst die Probegrabung, wie weit die Knollen sind.
Was die Abreife verzögern kann
Zu viel StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). kann Abreife und Schalenfestigkeit hinauszögern und den Trockenmassegehalt der Knollen senken. Hast du reichlich mit Stickstoff gedüngt, nimm die Daumenprobe besonders genau. Ausgeprägte Trockenschäden können sowohl den Knollenertrag als auch den Stärkegehalt verringern. Auch die Kocheigenschaften einer Sorte können von Jahr zu Jahr schwanken, weil Boden, Witterung, Düngung und Bewässerung sie beeinflussen.
Mehr KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten., mehr Stärke? Mit steigender Kaliumdüngung können Wasser- und Kaliumgehalt der Knollen zunehmen, während TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. und Stärkegehalt abnehmen. Chloridhaltige Kaliumdüngung kann den Stärkegehalt zusätzlich senken.
Wie du Wasser und Nährstoffe über die Saison steuerst, zeigt der Beitrag darüber, wie du den Ertrag mehligkochender Sorten gezielt steigerst. Den Anbau von der Pflanzung an findest du im Artikel über den Anbau mehliger Sorten für Püree und Knödel.
Zu früh oder zu spät gegraben: was dann?
Knollen, deren Schale sich noch abreiben lässt, lagerst du nicht ein. Ich lege sie zur Küchenware und verbrauche sie zuerst. Bei Frühkartoffeln ist das ohnehin der Normalfall: Unreif geerntet halten sie höchstens eine Woche.
Bleiben abgereifte Kartoffeln zu lange im Boden, begünstigt das Rhizoctonia. Ein typischer Hinweis darauf sind schwarze Pocken auf der Schale. Beides zusammen ergibt dein Erntefenster: Die Schale braucht nach dem Absterben des Krauts ihre Wartezeit, danach spricht die Rhizoctonia-Gefahr gegen langes Warten. Ich grabe deshalb, sobald Daumenprobe und Stolonen passen.
Mehlige Kartoffeln schonend ernten
Für den Erntetag warte ich trockenes Wetter ab, denn Lagerkartoffeln sollen trocken und schonend aus dem Boden kommen. So gehe ich vor:
- Graben: Setz die Grabgabel seitlich am Damm an und heb den Stock vorsichtig an.
- Auflesen: Sammle die Knollen mit der Hand auf, statt sie zu werfen.
- Alle Knollen aufnehmen: Nimm auch kleine Knollen mit, das gehört zur Vorbeugung gegen Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen.. Zurückgebliebene Knollen treiben als Durchwuchs aus und können Krankheiten und Schädlingen das Überdauern bis zum nächsten Anbaujahr ermöglichen.
- Sortieren: Verletzte Knollen legst du getrennt und verarbeitest sie bald. Knollen mit bleigrauen, eingesunkenen Flecken kommen gar nicht erst in den Vorrat.
- Nicht waschen: Entferne nur grobe Erdklumpen.
- Abtrocknen: Lass die Knollen rasch abtrocknen, damit anhaftende Feuchtigkeit keinen Verderb begünstigt. Ich lege sie dafür in den Schatten, weil Licht Kartoffeln ergrünen lässt.
Grünlich gefärbte Stellen deuten auf einen erhöhten Gehalt an Glykoalkaloiden wie Solanin hin. Grüne, stark keimende oder bitter schmeckende Knollen isst du nicht. Keime und grüne Stellen schneidest du großzügig weg.
Beim Ernten stehen bei mir zwei Kisten neben der Reihe. In die eine kommen unversehrte Knollen fürs Lager, in die andere alle, die die Gabel erwischt hat. Die Knollen aus der zweiten Kiste verarbeite ich zuerst.
In den Folgekulturen ziehe ich jede Durchwuchskartoffel heraus. Kartoffeln kommen erst nach einer AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von 4 bis 6 Jahren wieder auf dieselbe Fläche. Was vor und nach mehligkochenden Kartoffeln gut aufs Beet passt, zeigt der Beitrag über passende Vor- und Nachkulturen im Fruchtwechsel. Den Wechsel über die Jahre behältst du im Beetplaner für deine Fruchtfolge im Blick.
Nach der Ernte: ab ins Lager
Trockene, schalenfeste Knollen lagerst du danach dunkel und kühl, am besten bei 4 bis 6 Grad. Oberhalb von 8 Grad beginnen sie zu keimen, und Licht lässt sie ergrünen. Die Grundregeln fasst der Kartoffel-Ratgeber im Abschnitt „Lagern: kühl, dunkel und luftfeucht“ zusammen, die Einzelheiten stehen in der Anleitung zur Winterlagerung mehligkochender Kartoffeln.



