Grünkohl richtig pflegen: Von der Jungpflanze bis zur Winterernte
- Jungpflanzen nach dem Keimen hell und kühl stellen und mit höchstens 4 Laubblättern auspflanzen.
- Das Kulturschutznetz kommt am Pflanztag aufs Beet und bleibt bis zur Ernte zu.
- Zwischen Anfang August und Mitte September die Wasserversorgung besonders im Blick behalten.
- Grober Frost-Richtwert: etwa −10 °C, je nach Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung.
- Blattweise von unten ernten, beim ersten Mal mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter stehen lassen.

Grünkohl kommt im Frühsommer ins Beet, geerntet wird er je nach Sorte von Oktober bis März. Dazwischen liegen Sommerwochen, der Spätsommer und die ersten kalten Nächte, und in jeder Phase braucht die Pflanze etwas anderes von dir. Ich pflege meinen Grünkohl deshalb Phase für Phase und nicht nach Gefühl.
Anders als Weißkohl und Rotkohl bildet er keinen geschlossenen Kopf. Seine Blätter erntest du einzeln vom Strunk, solange die Erntezeit deiner Sorte läuft.
Was braucht Grünkohl in welcher Phase?
Die Übersicht zeigt dir, wann welcher Handgriff ansteht. Die genauen Termine verschieben sich mit Aussaat und Sorte.
| Phase | Zeitraum | Was ansteht |
|---|---|---|
| Anzucht | Aussaat von Mai bis Juli | gleichmäßig feucht halten, nach dem Keimen hell und kühl stellen, im Keimblattstadium pikieren |
| Pflanzung | Anfang Juni bis Anfang August | abgehärtet und mit höchstens 4 Laubblättern setzen; 40 bis 50 cm in der Reihe, 50 bis 60 cm Reihenabstand; Netz sofort auflegen |
| Sommer | nach dem Anwachsen | flach hacken, wo nicht gemulcht ist; regelmäßig nachdüngen |
| Spätsommer | Anfang August bis Mitte September | besonders auf ausreichende Bewässerung achten |
| Herbst und Winter | Ernte je nach Sorte von Oktober bis März | blattweise von unten ernten, in rauen Lagen Vlies auflegen |
| Frühjahr | Blüte im April und Mai | Beet räumen, Anbaupause einplanen |
Vor dem Pflanzen: Standort, Boden und Aussaat
Grünkohl steht bevorzugt sonnig, verträgt aber auch Schatten und kommt mit einem nordseitigen Beet zurecht. Wie Licht, Boden und Windschutz zusammenpassen, zeigt der Ratgeber zur Standortwahl für Grünkohl.
Der Boden soll fruchtbar, tiefgründig und gut durchlässig sein; schwere Böden bevorzugt Grünkohl sogar, solange sich keine Staunässe bildet. Ein bestehendes Beet lockere ich mit dem Sauzahn, statt es umzugraben. Welcher pH-Wert passt und wie du eine Bodenprobe nimmst, steht im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden.
Gesät wird Grünkohl von Mai bis Juli, anschließend setzt du die vorgezogenen Jungpflanzen ins Beet. Saattiefe und Keimung erklärt der Ratgeber, wie du Grünkohl von der Aussaat bis zur Ernte anbaust. Alle Kohl-Termine hast du mit dem druckbaren Aussaatkalender für Kohl auf einem Blatt.
Wie pflegst du Grünkohl-Jungpflanzen?
Halte die Aussaaterde gleichmäßig feucht, ohne dass sich Staunässe bildet. Die Abdeckung nimmst du ab, sobald die ersten Keimlinge erscheinen. Stehen die Sämlinge zu dicht, werden sie lang und schwach. Grünkohl aus der Schale lässt sich schon im Keimblattstadium pikieren.
Die Anzucht steht warm auf der Fensterbank, aber das Licht reicht nicht. Dann bilden die Sämlinge lange, weiche Triebe. Stell sie nach dem Keimen heller und kühler, damit sie nicht übermäßig in die Länge wachsen.
Auch Jungpflanzen, die noch im Topf stehen, können von Kohlschädlingen angeflogen werden. Ich spanne deshalb schon über die Anzuchttöpfe ein feines KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen.. Bevor sie ins Beet ziehen, gewöhnst du die Jungpflanzen an draußen: Mehrere Tage lang stehen sie tagsüber im Freien.
Zum AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. stelle ich die Töpfe zuerst an einen windgeschützten, schattigen Platz und hole sie abends wieder herein. Direkte Sonne bekommen sie erst nach und nach.
Ins Beet kommen die Jungpflanzen mit höchstens 4 Laubblättern. Die Abstände in der Reihe und zwischen den Reihen findest du in der Übersicht oben.
Sommer: hacken, mulchen, gießen und nachdüngen
Nach dem Anwachsen geht es darum, BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. kleinzuhalten und die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Auf Beeten ohne Mulch hacke ich regelmäßig flach; das hält Beikräuter zurück und bremst die Verdunstung. Wo ich mulche, nehme ich angetrockneten Rasenschnitt. Den lege ich nur bodendeckend aus und ergänze ihn lieber öfter. Unter einer Mulchdecke verdunstet im Sommer weniger Wasser, und die Oberfläche verschlämmt nicht so leicht.
Wächst zwischen den jungen Kohlpflanzen noch eine schnelle ZwischenkulturEine Zwischenkultur ist eine schnell wachsende Gemüsekultur, die gleichzeitig mit einer langsam wachsenden Hauptkultur auf dem Beet steht, meist in Reihen dazwischen. Sie ist geerntet, bevor die Hauptkultur den ganzen Platz braucht., erntest du sie, bevor sie den Grünkohl bedrängt. Welche Nachbarn zueinander passen, prüfst du im Mischkultur-Planer.
Wie viel Wasser Grünkohl braucht, hängt von Wetter, Boden, Sonne und Wind am Standort ab. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt Hobbygärtnern eher einen gründlichen Gießgang pro Woche mit rund 14 Litern je Quadratmeter als tägliches Nachgießen. Wie du gezielt an die Wurzel gießt, erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Gießen.
Reifen Kompost arbeitest du schon beim Vorbereiten des Beets ein, danach düngst du Grünkohl über die KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. regelmäßig nach. Den Stickstoffbedarf von Gemüse kann Kompost allein nicht decken, organischen Stickstoff liefern zum Beispiel Hornspäne. Wie viel und wann du düngst, erklärt der Ratgeber zum Nährstoffbedarf von Grünkohl und zur richtigen Düngung.
Spätsommer: Warum braucht Grünkohl jetzt genug Wasser?
Fehlt Grünkohl Wasser, können seine Blätter gelb werden. Zwischen Anfang August und Mitte September behältst du die Wasserversorgung deshalb besonders im Blick. In diesen Wochen prüfe ich mit dem Finger, ob die Erde unter der Oberfläche noch feucht ist, und schaue mir die Blattfarbe an. Gelbe Blätter können auf Wassermangel hindeuten, sie können aber auch andere Ursachen haben.
Wie viel Frost Grünkohl später verträgt, hängt auch von seinem Entwicklungszustand und seiner Gesundheit ab. Wer im Spätsommer für gleichmäßige Feuchtigkeit sorgt, bereitet die Pflanzen also schon auf den Winter vor.
Schädlinge und Krankheiten: Netz und Vorbeugung
Ab Juli erscheint die neue Generation der KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite., dazu kommen Raupen wie die des Kohlweißlings. Ich lege deshalb direkt nach dem Pflanzen ein Kulturschutznetz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite auf und halte es bis zur Ernte geschlossen. Der KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. beugst du vor, indem du Staunässe meidest und die Anbaupause einhältst, befallene Pflanzen gehören samt Wurzeln in den Restmüll. Kontrolle und Eingreifen behandelt der Kohl-Ratgeber unter Schädlinge und Pflanzenschutz, biologische Verfahren der Beitrag über Grünkohl nach Bio-Grundsätzen.
Herbst und Winter: Geschmack, Frost und Vlies
„Grünkohl schmeckt erst nach Frost.“ Bei vielen Sorten steigt der Zuckergehalt schon bei kühlen Temperaturen, und der Geschmack wird milder. Frost ist dafür nicht nötig.
Als grober Richtwert verträgt winterlicher Grünkohl etwa −10 °C. Eine feste Grenze ist das nicht, denn Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung spielen mit. Mehr dazu liest du im Beitrag, wie Kälte den Geschmack von Grünkohl verändert.
In rauen Lagen lege ich im Winter Vlies über den Grünkohl, gegen Kahlfrost und eisigen Wind. Unter Vlies ist überwinterndes Gemüse gegen starke Kälte geschützt und genauso gegen die Wintersonne.
Steigen die Temperaturen stark an, nimm das Vlies ab. Unter einer wärmehaltenden Abdeckung kann sich sonst Hitze stauen.
Frost verträgt Palmkohl ‘Nero di Toscana’ nur bedingt. Steht er neben deinem Grünkohl, plane für ihn im Winter Schutz ein.
Grünkohl im Kübel: Wasser im Sommer, Wurzelschutz im Winter
Für den Kübel eignen sich vorzugsweise niedrige Sorten. Die niedrigen Grünkohlformen wachsen ungefähr 25 bis 30 cm hoch. Achte auf freie Ablauflöcher im Gefäßboden, sonst staut sich Wasser an den Wurzeln. Je kleiner das Gefäß, desto öfter musst du gießen, im Hochsommer unter Umständen mehrmals täglich. Bleibt Kohl länger im Gefäß, braucht er im Sommer je nach Versorgung unter Umständen eine stickstoffbetonte Nachdüngung.
Mindestens 25 l Gefäßvolumen, eine Pflanze pro Topf und 30 cm Topfdurchmesser sind die Empfehlung für Grünkohl im Kübel.
Im Kübel gefriert der Wurzelballen im Winter früher als die Erde im Gartenbeet. Dazu kommt, dass Wurzeln Minusgrade schlechter vertragen als Blätter und Stängel. Ich isoliere deshalb Topfwand, Oberfläche und Gefäßboden, lasse aber Gießen und Wasserabfluss weiter möglich.
Grünkohl ernten: blattweise von unten nach oben
Die Ernte beginnt je nach Sorte im Oktober und reicht bis in den März. Auf den ersten Frost musst du dafür nicht warten. Ich nehme die älteren Blätter einzeln von unten nach oben ab. Beim ersten Erntegang lässt du mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk stehen. Die jungen Blätter isst du roh oder gegart, ältere werden unter Umständen zäh. Woran du den passenden Moment erkennst und wie die Blätter knackig bleiben, zeigt der Ratgeber, wie du Grünkohl blattweise erntest und frisch hältst.
Im feuchten Tuch hält frischer Grünkohl im Kühlschrank 4 bis 5 Tage. Vor dem Einfrieren blanchiereBlanchieren heißt, gewaschenes und klein geschnittenes Gemüse für wenige Minuten in sprudelnd kochendes Wasser zu geben und sofort in Eiswasser abzukühlen. So bereitest du die meisten Gemüsesorten auf das Einfrieren vor. ich die Blätter 3 Minuten. Mehr zur Lagerung steht im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.
Nach der Saison: Beet räumen und Anbaupause planen
Im Frühjahr kommt Grünkohl in die Blüte, sie fällt in den April und Mai. Danach räume ich das Beet und plane dort für mindestens vier Jahre keinen Kohl ein. Zur Anbaupause zählen auch andere Kreuzblütler wie Radieschen, Rettich und Senf. Wo welcher Kohl stand, hältst du im Beetplaner für deine Gartenbeete fest.





