Rauke richtig düngen: Womit du Rucola versorgst, ohne sie zu überdüngen
- In dauerhaften, sich erneuernden Salatbeständen gilt zusätzliche Düngung für Garten-Senfrauke in der Regel als nicht nötig, ein nachgewiesener Mangel wird trotzdem behoben.
- Die Grundversorgung übernimmt reifer Kompost im Frühjahr, im Gemüsegarten gelten höchstens 3 l je m² und Jahr als Orientierung.
- Muss nachgedüngt werden, passt ein gut dosierbarer Flüssigdünger, zurückhaltend eingesetzt.
- Hornspäne brauchen mehrere Monate bis zur Umsetzung und sind für die kurze Raukekultur zu langsam.
- Reichliche oder zu späte Stickstoffgaben können den Nitratgehalt der Blätter erhöhen.
Rauke wächst schnell, und da liegt der Griff zum Dünger nahe. Zu viel Stickstoff kann aber den Nitratgehalt der Blätter erhöhen, die du roh isst. Ich schaue deshalb zuerst auf die älteren und die jungen Blätter und fühle die Bodenfeuchte, bevor ich überhaupt zum Dünger greife. Hier erfährst du, wann Rauke wirklich Nachschub braucht, welcher Dünger zur kurzen Kultur passt und wie du Mangel von anderen Ursachen unterscheidest.
Braucht Rauke überhaupt Dünger?
Unter dem Namen Rucola werden zwei Arten angeboten: die schmal und stark gezähnt belaubte Wilde Rauke und die breiter, gebuchtet belaubte Gartenrauke. In einem Leitfaden für dauerhafte, sich erneuernde Salatbestände, der Garten-Senfrauke ausdrücklich einschließt, gilt zusätzliche Düngung in der Regel als nicht nötig. Für Gartenrauke und Wilde Rauke auf kleinen Anbauflächen wird ein gut dosierbarer Flüssigdünger empfohlen, zurückhaltend eingesetzt. Das heißt nicht, dass du nie düngst: Ist ein Nährstoffmangel nachgewiesen, bekommt die Rauke, was ihr fehlt.
Wichtig für die Wahl des Düngers ist die kurze KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl.. Im Frühjahr und Herbst steht Rauke etwa 7 Wochen bis zur Ernte. Im Sommer kannst du sie schon nach 3 Wochen ernten. Jede Gabe muss also innerhalb dieser Zeit wirken, sonst kommt sie der Rauke nicht mehr zugute.
Auf welche Nährstoffe es bei Rauke ankommt
Stickstoff unterstützt das Wachstum, Kalium den Wasserhaushalt, Phosphor das Wurzelwachstum und Magnesium die Bildung des Blattgrüns. Bei Rauke achtest du vor allem auf den Stickstoff, weil ein Zuviel davon den Nitratgehalt der Blätter erhöhen kann. Welche Nährstoffe die einzelnen Blattgemüse brauchen und wie sich ihr Bedarf unterscheidet, liest du im Ratgeber zum Nährstoffbedarf von Blattgemüse.
Vor dem Düngen: was der Boden schon liefert
Salat-Rauke braucht einen durchlässigen Boden und kommt mit schwach saurem bis schwach alkalischem Boden zurecht. Wie viel du düngen musst, ergibt sich aus dem Bedarf der Kultur unter Berücksichtigung der Bodenvorräte und dessen, was der Boden nachliefert. Probenahme, Befund und Bodenverbesserung erklärt der Ratgeber, wie du den idealen Boden für Rauke schaffst.
Organisch oder mineralisch: welcher Dünger zu Rauke passt
Organische Dünger setzen ihre Nährstoffe überwiegend erst frei, nachdem Mikroorganismen sie umgesetzt haben. Sie wirken deshalb eher längerfristig. Lösliche Mineraldünger wirken meist schneller, werden aber auch leichter ausgewaschen. Eine Ausnahme bilden mineralische DepotdüngerDepotdünger ist ein mineralischer Dünger, dessen Nährstoffe von einer Hüllschicht ummantelt sind. Durch diese Hülle werden sie nicht auf einmal, sondern langsam nach und nach freigesetzt..
| Dünger | Wie er wirkt | Wann er zu Rauke passt |
|---|---|---|
| Reifer Kompost | organisch, längerfristig nach Umsetzung im Boden | als Grundversorgung im Frühjahr, Bodenvorrat berücksichtigt |
| Hornmehl | organisch, nach etwa 6 Wochen umgesetzt | wenn Stickstoff fehlt und der Satz im Frühjahr oder Herbst steht |
| Hornspäne | organisch, mehrere Monate bis zur Umsetzung | für die kurze Raukekultur zu langsam |
| Gut dosierbarer Flüssigdünger | lässt sich genau abmessen | zurückhaltend bei sichtbarem Bedarf, auf kleinen Flächen und im Topf |
| Mineralischer Stickstoffdünger | meist schnell verfügbar, leichter ausgewaschen | wenn Phosphat und Kali schon hoch sind und nur Stickstoff fehlt |
Kompost für die Grundversorgung
Die Grundversorgung übernimmt reifer Kompost, den du im Frühjahr leicht einarbeitest. Als allgemeine Orientierung im Gemüsegarten gelten höchstens 3 l je m² und Jahr. Die vorhandene Bodenversorgung berücksichtigst du dabei, und den Stickstoff beurteilst du gesondert.
Hornmehl statt Hornspäne
Fehlt Stickstoff, kommt es auf die Form des Horndüngers an. Hornmehl ist nach etwa 6 Wochen umgesetzt, grobe Hornspäne brauchen dafür mehrere Monate. Weil Rauke im Frühjahr nur etwa 7 Wochen steht, liefern Hornspäne ihren Stickstoff größtenteils erst nach der Ernte.
Flüssigdünger bei sichtbarem Bedarf
Für Nachgaben während der Kultur ist ein gut dosierbarer Flüssigdünger die passende Form. Miss die Menge ab, statt nach Gefühl aus der Flasche zu gießen. Danach beobachtest du die neu austreibenden Blätter, bevor du über eine weitere Gabe entscheidest. Selbst angesetzte Pflanzenjauche zählt ebenfalls zu den Flüssigdüngern und gehört nur ins Beet, wenn die Rauke Bedarf zeigt.
Mineralisch nach Befund
Mineralische Dünger setzt du bei Rauke gezielt nach einem Bodenbefund ein. Sind Phosphat und Kali im Boden schon hoch, kommen für den verbleibenden Stickstoffbedarf reine organische oder mineralische Stickstoffdünger infrage. Weist die Analyse einen Nährstoff im Überschuss und einen anderen im Mangel aus, ergänzt du nur den fehlenden mit einem EinzelnährstoffdüngerEin Einzelnährstoffdünger enthält nur einen einzigen Pflanzennährstoff, zum Beispiel nur Stickstoff oder nur Kalium. Ein Mehrnährstoffdünger liefert dagegen mehrere Nährstoffe als Mischung..
Ich notiere mir für jedes Beet, wann und womit ich es versorgt habe. Vor der nächsten Raukeaussaat lese ich zuerst diese Notizen und entscheide danach, ob überhaupt etwas dazukommt.
Rauke düngen in den einzelnen Wachstumsphasen
Vor der Aussaat
Salat-Rauke säst du von März bis August. Mit dem Aussaatkalender zum Ausdrucken planst du die Sätze übers Jahr. Vor jedem Satz prüfst du, was das Beet schon bekommen hat, und legst zur Saat nur nach, wenn der Befund es verlangt.
Keimung und junge Pflanzen
Rauke keimt am besten bei 15 bis 20 °C. Die Aussaat hältst du mäßig feucht und gießt mit feinem Strahl an, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Ich gebe in dieser Phase keinen Dünger und kontrolliere stattdessen mit dem Finger, ob die Saatreihe feucht, aber nicht nass ist.
Hauptwachstum
Rauke wurzelt flach und braucht eine gute Wasserversorgung ohne Staunässe. Bei schwachem Wuchs prüfst du deshalb zuerst die Bodenfeuchte, bevor du an Dünger denkst. Wie du Rauke je nach Wetter und Boden richtig gießt, erklärt ein eigener Ratgeber.
Hellen die älteren Blätter insgesamt auf und bleibt das Wachstum schwach, kann das auf Stickstoffmangel hindeuten. Dann gibst du zurückhaltend Flüssigdünger und beobachtest die nächsten neuen Blätter, bevor du nachlegst. Eine BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. kann einen vorübergehenden Engpass überbrücken. Mit einer einzelnen Anwendung deckt sie aber gewöhnlich nur einen kleinen Teil des Bedarfs.
Im Sommer liefern gut mit Humus versorgte, warme und ausreichend feuchte Gartenböden häufig genügend Nährstoffe nach, auch für neue Kulturen. Sommer-Rauke kann schon nach 3 Wochen erntereif sein. Hornmehl braucht für seine Umsetzung etwa 6 Wochen und wäre, zur Saat gegeben, bei der Ernte eines Sommersatzes noch nicht vollständig umgesetzt. Außerdem bevorzugt Rauke im Sommer etwas Schatten. Welches Mikroklima Rauke braucht und wie du es im Garten schaffst, zeigt ein weiterer Ratgeber.
Vor der Ernte
Späte Stickstoffgaben lässt du weg. Nimmt die Pflanze Stickstoff auf, den sie nicht mehr für ihr Wachstum verwertet, kann sich Nitrat anreichern. Die letzte Gabe gehört deshalb in die Zeit, in der die Rauke noch kräftig wächst.
Bevor du nachdüngst, klärst du diese Fragen. Ist die Erde im Wurzelbereich feucht, aber nicht nass? Hellen die älteren Blätter insgesamt auf, oder sind es die jungen? Hat das Beet im Frühjahr schon Kompost bekommen? Wächst die Rauke noch kräftig, oder steht die Ernte an?
Nährstoffmangel erkennen, ohne vorschnell zu düngen
Blattsymptome sind Hinweise, keine Diagnose. Die Übersicht zeigt dir, was du zuerst prüfst.
| Was du siehst | Kann hindeuten auf | Was du zuerst prüfst |
|---|---|---|
| Ältere Blätter insgesamt aufgehellt, schwacher Wuchs | Stickstoffmangel | Bodenfeuchte, danach zurückhaltend Flüssigdünger |
| Junge Blätter gelb, Adern bleiben grün | Eisenmangel | pH-Wert und BodengefügeDas Bodengefüge beschreibt, wie die festen Teilchen im Boden angeordnet sind und zusammenhalten, etwa lose als Einzelkörner oder zu Krümeln verklebt. Davon hängt ab, wie viele Hohlräume für Luft, Wasser und Wurzeln bleiben., bevor du Dünger gibst |
| Welke Blätter | Trockenstress oder beginnende Wurzelfäule | Bodenfeuchte, bevor du gießt |
Bei vermutetem Eisenmangel oder anderem Spurenelementmangel prüfst du pH-Wert und Bodengefüge. Sind genug Nährstoffe vorhanden, aber schlecht verfügbar, rechtfertigt das keinen weiteren Bodendünger. Den verfügbaren Stickstoff erfasst die übliche Bodenuntersuchung nicht automatisch. Willst du ihn genau kennen, lässt du ihn gesondert messen.
Welke Rauke sofort gießen und düngen. Welke Blätter können auch bei beginnender Wurzelfäule auftreten. Prüf deshalb erst die Bodenfeuchte, bevor du Wasser oder Dünger gibst.
Überdüngung vermeiden: Stickstoff und Nitrat
Zu viel Stickstoff kann die Nitratanreicherung fördern und Pflanzen anfälliger für Krankheiten und Schädlinge machen. Rucola gehört wie Spinat zu den Blattgemüsen, die viel Nitrat enthalten können. Weil ein reichliches StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. den Nitratgehalt von Blattgemüse zusätzlich erhöhen kann, gibst du Rauke Stickstoff nur bei sichtbarem Bedarf.
Nitrat kann bei unsachgemäßer Lagerung durch Mikroorganismen zu Nitrit werden. Lagere geerntete Rauke deshalb gekühlt und sauber. In feuchtes Küchenpapier gewickelt, bleibt sie im Gemüsefach etwa 2 bis 3 Tage frisch. Eine abwechslungsreiche Gemüseküche bleibt dabei die Empfehlung.
„Viel hilft viel” stimmt bei Rauke nicht. Empfohlen wird für Gartenrauke und Wilde Rauke ein zurückhaltender Einsatz von Flüssigdünger, und zu viel Stickstoff kann Nitrat anreichern.
Rauke im Topf und Balkonkasten düngen
Rauke eignet sich auch für Töpfe und Kästen. Als Erde passen faserreiche, möglichst torffreie Kompostsubstrate, die Luft, Wasser und Nährstoffe gut speichern. Bestandteile torffreier oder torfreduzierter Topferden können allerdings Stickstoff binden und so zusätzlichen Bedarf verursachen. Hellen die älteren Blätter im Kasten insgesamt auf, kann das auf Stickstoffmangel hindeuten.
Im Gefäß ist ein gut dosierbarer Flüssigdünger praktisch, weil du die Menge für die kleine Fläche genau abmessen kannst. Das Gefäß braucht Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser abläuft und keine Staunässe entsteht.
Steck ein Etikett in den Kasten und notiere darauf, wann du zuletzt gedüngt hast. So siehst du vor der nächsten Gabe, ob seitdem neue Blätter nachgekommen sind.
Fruchtfolge und Gründüngung
Rauke gehört zu den Kreuzblütlern, und für Salat-Rauke ist auf derselben Fläche eine Anbaupause von 6 Jahren vorgesehen. Leguminosen wie Klee binden mit KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Luftstickstoff, und ihre verrottete Pflanzenmasse kann die Versorgung der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. verbessern. Wie Pausen und Nachbarschaften zusammenpassen, liest du unter Fruchtfolge und Mischkultur bei Salaten und Blattgemüse, dein Beet planst du im Beetplaner.





