Schnittlauch richtig düngen: Kompost im Frühjahr, Nachschub nach dem Schnitt
- Die Grunddüngung ist reifer Kompost im zeitigen Frühjahr, als allgemeine Faustzahl für Gemüsebeete gelten etwa 3 l je m² und Jahr.
- Nach den Ernteschnitten braucht Schnittlauch eine ergänzende Düngung mit Hornmehl oder flüssigem Universaldünger.
- Eine feste Menge oder Häufigkeit ist dafür nicht festgelegt, maßgeblich sind Bodenuntersuchung, Bodenvorrat und der schon gegebene Kompost.
- Horndünger bringst du spätestens Ende August aus, fein gemahlenes Horn setzt Stickstoff schneller frei als grobe Hornspäne.
- Dünger gehört möglichst auf mäßig feuchten Boden, feuchte Schlotten sparst du wegen möglicher Ätzschäden aus.

Wer Schnittlauch von Mai bis November immer wieder schneidet, nimmt dem Horst mit jeder Ernte frisches Grün weg. Häufig geernteter Schnittlauch kann während der Wachstumszeit von ergänzender Düngung profitieren, eine feste Menge oder Häufigkeit gibt es dafür aber nicht. Zu viel schadet allerdings auch: Selbst organische Dünger können Pflanzen bei übermäßiger Anwendung schädigen. Ich arbeite deshalb mit zwei Bausteinen, reifem Kompost im zeitigen Frühjahr und einer ergänzenden Gabe nach den Ernteschnitten.
Wie viel Nährstoff braucht Schnittlauch?
Schnittlauch ist mehrjährig und winterhart. Du düngst also keine Saisonkultur, sondern einen Horst, der über mehrere Jahre an seinem Platz bleibt. Im Garten wünscht er sich fruchtbaren, gut durchlässigen Boden; schwere Tonböden lockerst du für den Wasserabzug mineralisch.
Die ZeigerwerteZeigerwerte sind Kennzahlen, die angeben, unter welchen Standortbedingungen eine Pflanzenart in der Natur bevorzugt vorkommt, etwa bei Licht, Feuchte, Bodenreaktion oder Stickstoff. Umgekehrt kannst du aus wild wachsenden Pflanzen so auf die Bedingungen am Standort schließen. nach Ellenberg beschreiben, unter welchen Bedingungen eine Art in der Natur wächst. Die StickstoffzahlDie Stickstoffzahl ist einer der Zeigerwerte nach Ellenberg, also eine Kennzahl von 1 bis 9. Sie zeigt, ob eine Pflanzenart in der Natur eher auf stickstoffarmen (1) oder stickstoffreichen Standorten (9) wächst. reicht von 1 für stickstoffärmste bis 9 für übermäßig stickstoffreiche Standorte. Schnittlauch hat die Stickstoffzahl 2.
In der Natur wächst Schnittlauch also an stickstoffarmen Standorten, im Garten kann er bei häufiger Ernte von ergänzender Düngung profitieren. Beides zusammen spricht dafür, das Nachdüngen an deiner Ernte auszurichten statt an einem festen Kalender. Wie die übrigen Zwiebelgewächse von der Speisezwiebel bis zum Knoblauch versorgt werden, zeigt der Überblick, wie du Zwiebeln, Lauch und Knoblauch düngst.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein sonniger bis halbschattiger Platz mit nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden; bei Tonböden den Wasserabzug verbessern.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden; schwere Tonböden mit mineralischem Material lockern, damit Wasser abfließen kann.
- Anbauort
Die Kultur ist im Freiland oder Beet, im Balkonkasten und im Topf möglich.
Pflege
- Pflege
Die Pflanze ist pflegeleicht.
- Düngung
Häufig geernteter Schnittlauch kann während der Wachstumszeit von zusätzlicher Düngung profitieren.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist mehrjährig.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich zum Würzen, für Salate und Kräuterbutter.
Im zeitigen Frühjahr: Kompost als Grunddüngung
Die Grunddüngung für Schnittlauch ist Kompost, und sie gehört ins zeitige Frühjahr. Kompost liefert im Gemüsebeet vor allem Phosphor, Kalium und SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe.. Außerdem fördert er Bodenleben und BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten.: Schwere Böden werden lockerer, leichte speichern Wasser und Nährstoffe besser.
Eine eigene Kompostmenge nur für Schnittlauch ist nicht festgelegt. Ich halte mich deshalb an die allgemeine Faustzahl für Gemüsebeete von etwa 3 l reifem Kompost je m² und Jahr. Die Bayerische Gartenakademie empfiehlt diese Menge für Beete mit unbekannten Nährstoffgehalten. Sind Phosphor oder Kalium im Boden stark erhöht, gibst du weniger. Ich verteile den Kompost rund um die Horste und arbeite ihn nur oberflächlich ein.
Frischer Kompost oder tierischer Mist kann bei Zwiebeln den Befall durch die ZwiebelfliegeDie Zwiebelfliege ist ein der Stubenfliege ähnlicher Schädling, dessen weißliche Maden den Blattgrund junger Zwiebelpflanzen zerstören. Befallene Pflanzen welken, färben sich gelblich-grau und lassen sich leicht herausziehen. begünstigen. Ihre Maden (Delia antiqua) können auch an jungen Schnittlauchpflanzen fressen. Deshalb kommt bei mir auch ans Schnittlauchbeet nur vollständig verrotteter Kompost.
Zusätzlichen Stickstoff ergänzt du nach dem Bedarf der Kultur. Beim Schnittlauch ist das der Moment nach den Ernteschnitten.
Nach dem Ernteschnitt: Hornmehl oder flüssiger Dünger
Ich schneide die Schlotten mit einem scharfen Messer auf etwa 3 cm herunter. Danach braucht der Horst eine ergänzende Düngung: Im Beet nehme ich Hornmehl, im Topf flüssigen Universaldünger. Weil die Gabe nach dem Schnitt gebraucht wird und fein gemahlenes Horn seinen Stickstoff schneller freisetzt als grobe Hornspäne, greife ich hier zum Mehl.
HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. enthält je nach Produkt etwa 10 bis 14 % Stickstoff. In 100 g Dünger stecken rechnerisch also 10 bis 14 g GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist..
Wie viel Hornmehl der Schnittlauch bekommt, ist nicht mit einer festen Zahl festgelegt. Die Menge richtest du nach Bodenuntersuchung, vorhandenem Nährstoffvorrat und dem Kompost, den du im Frühjahr schon gegeben hast. Beim flüssigen Universaldünger halte ich mich an die Gebrauchsanweisung. Wie dicht der Horst bis zum nächsten Schnitt nachtreibt, zeigt mir, ob ich bei der nächsten Gabe etwas ändere.
Dünger kommt möglichst auf feuchten Boden, denn erst in mäßig feuchter Erde werden seine Nährstoffe wirksam. Organisch gebundene Nährstoffe wie im Hornmehl werden bei Trockenheit, Frost und Staunässe nur eingeschränkt freigesetzt. Bei feuchtwarmem Wetter nimmt die Freisetzung dagegen zu.
Dünger über den frisch geschnittenen, noch feuchten Horst streuen. Feuchte Pflanzenteile sparst du beim Düngen aus, weil sonst Ätzschäden möglich sind. Ich streue Hornmehl nur auf den Boden zwischen den Horsten und arbeite es oberflächlich ein.
Und Brennnesseljauche?
Pflanzenjauchen sind organische Flüssigdünger mit rasch verfügbaren Nährstoffen. Ihr Gehalt schwankt aber je nach Ausgangspflanzen und Erntezeit. Deshalb gibt es für selbst angesetzte Jauche keine allgemeingültige Ausbringmenge und keinen festen Rhythmus. Wenn ich BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse. gieße, richte ich mich nach dem Bodenvorrat und danach, wie der Schnittlauch nachtreibt.
Wann düngen? Der Ablauf übers Jahr
| Zeitpunkt | Was ich mache |
|---|---|
| Zeitiges Frühjahr | reifen Kompost rund um die Horste verteilen und oberflächlich einarbeiten |
| Frühjahr, alle 2 bis 3 Jahre | Horst teilen, Teilstücke in kompostversorgte Erde setzen |
| Nach den Ernteschnitten | im Beet Hornmehl, im Topf flüssigen Universaldünger, beides auf feuchten Boden |
| Nach dem Abblühen | altes Laub und Blüten entfernen |
| Spätestens Ende August | letzte Gabe Horndünger |
| September bis November | weiter ernten, nicht mehr düngen |
| Winter | keine Düngung |
Die Grenze Ende August gilt für Horndünger allgemein, sogar bei Herbstkulturen. Ich schneide danach weiter bis November, dünge aber nicht mehr nach. Im Winter ruht die Düngung ohnehin, denn bei Frost werden organisch gebundene Nährstoffe nur eingeschränkt freigesetzt.
Beet, Hochbeet oder Topf: was sich ändert
Im Beet
Im Beet trägt der Kompost aus dem Frühjahr die Grundversorgung, Hornmehl kommt nach den Ernteschnitten dazu. Düngst du überwiegend mineralisch, braucht der Boden trotzdem organisches Material für seine Struktur.
Im Hochbeet
Ein klassisch mit Reisig, Kompost und Gartenerde gefülltes Hochbeet setzt im ersten Jahr viel Stickstoff frei. Zusätzlichen Stickstoff gibst du aber nur nach dem Bedarf der Kultur. Im ersten Hochbeetjahr bekommt mein Schnittlauch deshalb erst Hornmehl, wenn er nach dem Schnitt sichtbar schwach nachtreibt. Hochbeeterde erwärmt sich schneller als Bodenbeeterde und trocknet dadurch schneller aus, also prüfe ich vor jeder Gabe die Feuchte.
Im Topf und Balkonkasten
Im Topf hat der Schnittlauch nur die Erde, die du ihm gibst. Für Allium-Küchenkräuter wie Schnittlauch eignen sich Blumen- oder Kübelpflanzenerde und Gefäße mit freiem Wasserablauf, denn stehendes Wasser fördert Wurzelfäulnis. Torffreie Substrate sind aus Gründen des Umweltschutzes vorzuziehen. Ein größeres Gefäß mit mehr Substrat kann die Gießintervalle verlängern.
Nach den Ernteschnitten gebe ich flüssigen Universaldünger mit dem Gießwasser, morgens direkt an die Wurzeln statt über die Blätter. Schnittlauch gilt als trockentolerant, Dünger braucht aber mäßig feuchte Erde, damit seine Nährstoffe wirken. Dass der Horst eine trockene Phase übersteht, heißt also nicht, dass Dünger in trockener Topferde wirkt. Bei torffreier Erde prüfe ich die Feuchte deshalb auch unten im Topf, mit dem Finger oder über das Topfgewicht. Die Oberfläche kann nämlich schon trocken wirken, während es darunter noch feucht ist.
Überdüngung vermeiden: erst messen, dann düngen
„Mit organischem Dünger kann man nicht überdüngen.“ Das stimmt nicht. Auch organische Düngemittel können Pflanzen bei übermäßiger Anwendung schädigen. Nicht benötigter Stickstoff kann außerdem in tiefere Bodenschichten ausgewaschen werden und das Grundwasser belasten.
Was dein Boden schon mitbringt, zeigt eine Bodenuntersuchung. Eine übliche Gartenbodenuntersuchung erfasst Phosphor, Kalium und den pH-Wert. Pflanzenverfügbaren Stickstoff misst erst eine gesondert beauftragte Nmin-Untersuchung. Da Kompost vor allem Phosphor und Kalium liefert, misst die Standarduntersuchung genau die Werte, nach denen du deine Kompostmenge ausrichtest. Kalk gibst du nur nach Messung, denn ob gekalkt werden muss, hängt vom gemessenen pH-Wert sowie von Bodenart und Humusgehalt ab.
So nimmst du eine Bodenprobe nach dem Verfahren der Landwirtschaftskammer NRW.
- 10 bis 15 Einzelproben aus 0 bis 25 cm Tiefe stechen
- die Einzelproben gründlich mischen
- rund 500 g der Mischung einsenden
- Stickstoff bei Bedarf als Nmin-Untersuchung zusätzlich beauftragen
Ich notiere im Gartenheft, wann ich geschnitten und was ich danach gegeben habe. Beim nächsten Schnitt sehe ich nach, wie dicht der Horst nachgetrieben hat, und entscheide dann über die nächste Gabe.
Wenn der Schnittlauch schwächelt
Bevor ich nachdünge, schaue ich mir Schlotten und Erde genau an. Nicht jede Schwäche hat mit Nährstoffen zu tun:
- Längliche orangefarbene Flecken an den Schlotten können auf Rost (Puccinia allii) hindeuten. Dann schneide ich den Horst zurück.
- Fraß an jungen Pflanzen, Welke oder Fäulnis an den Befallsstellen können auf Maden der Zwiebelfliege hinweisen.
- Trockene oder staunasse Erde bremst die Freisetzung organisch gebundener Nährstoffe. Hier prüfe ich zuerst Feuchte und Wasserabzug.
Alle 2 bis 3 Jahre teile ich den Horst im Frühjahr und verjünge ihn so. Bei der Teilung können Virosen übertragen werden, deshalb teile ich nur Horste ohne auffällige Schadbilder.
Neu säen oder pflanzen
Schnittlauch säst du von März bis Mai, die Termine aller Zwiebelgewächse stehen im Aussaatkalender für Zwiebeln und Knoblauch zum Ausdrucken. Wächst vorher eine Gründüngung auf der Fläche, wartest du nach dem flachen Einarbeiten meist zwei bis drei Wochen. Ihren Stickstoff rechnest du bei der späteren Düngung mit an.
Schnittlauch zählt bei der Anbaupause der Zwiebelgewächse mit: Speisezwiebeln sollen nur alle 4 bis 5 Jahre auf derselben Fläche stehen, Porree, Schnittlauch und Knoblauch eingerechnet. Welche Flächen gerade frei von Zwiebelgewächsen sind, behältst du im Beetplaner für deinen Garten im Blick. Nachbarschaftswirkungen im Gemüsebeet sind oft schwer nachzuweisen; welche Partner für Zwiebelgewächse infrage kommen, zeigt der Mischkultur-Planer.





