Kräuter · Kräuter · Wissen

Kresse als Sprossen oder ausgewachsen: zwei Kulturen aus einem Samen für Garten und Küche

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Sprossen wachsen ohne Substrat und werden nach 2–4 Tagen geerntet; Microgreens erst, wenn neben den Keimblättern mindestens zwei grüne Blättchen stehen.
  • Auf der Fensterbank keimt Kresse in 2–4 Tagen und ist je nach Quelle nach 4–8 Tagen schnittreif.
  • Im Beet: Lichtkeimer, 0–0,5 cm tief, in Reihen mit 5 cm in der Reihe und 20 cm Reihenabstand direkt gesät, Keimung bei 15–20 °C in 3–5 Tagen.
  • Bodennah abgeschnittene Kresse treibt in der Regel nicht wieder aus – für laufende Ernte säst du alle drei Wochen nach.
  • Ausgewachsene Kresse wird etwa 10–40 cm hoch (quellenabhängig), bildet stärker geteilte Blätter und weiße bis rötliche Blüten.
Kressesprossen mit geoeffneten Keimblaettern und feinen weissen Wurzeln keimen auf einem feuchten Wattepad
Foto: Marek Piwnicki · Pexels License · Quelle ↗

Auf meiner Fensterbank steht fast immer eine Schale Kresse, im Beet läuft parallel eine Reihe für die ausgewachsenen Blätter. Es ist derselbe Samen, aber es sind zwei völlig verschiedene Kulturen: Die eine ist nach wenigen Tagen erledigt und braucht nicht einmal Erde, die andere steht Wochen im Boden, bildet echte Blätter und irgendwann Blüten. Wer beides durcheinanderbringt, ärgert sich – zum Beispiel, weil die abgeschnittene Schale nicht wieder austreibt oder weil das Beet im Hochsommer schosst, bevor ein Blatt in der Küche war. Hier sortiere ich dir die Stadien, die Handgriffe und den passenden Einsatz auf dem Teller.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Sprossen, Microgreens und ausgewachsener Kresse?

Kurz erklärt

Sprossen wachsen ohne Substrat und werden bereits nach 2–4 Tagen geerntet – du isst Stängel und Keimblätter. Microgreens sind das nächste Stadium: Sie werden erst geschnitten, wenn neben den beiden Keimblättern mindestens zwei weitere grüne Blättchen stehen. Die ausgewachsene Pflanze trägt stärker geteilte untere Blätter und weiße bis rötliche Blüten.

Gartenkresse (Lepidium sativum) ist ein einjähriges Kraut aus der frisch-feuchten Kräuter-Welt: Sie läuft in einer Saison von der Saat bis zur Blüte durch und wird jedes Mal neu gesät. Was diese Einordnung für Gießen, Düngen und Beetplanung bedeutet, findest du im Überblick zu den zwei Kräuter-Welten und den drei Lebensläufen der Kräuter. Welche Kresse-Arten es außer der Gartenkresse gibt und wie sie sich in Botanik und Geschmack unterscheiden, behandelt der Artikel zur Vielfalt der Kresse-Arten im Garten – hier geht es nur um die klassische Gartenkresse in ihren Stadien.

Empfehlungen für den Garten

Standort und Boden

Standort

Im Sommer hilft etwas Schatten, vorzeitigem Schossen entgegenzuwirken.

Bodenart

Für die Kultur ausgewachsener Pflanzen sind viele Böden geeignet; gleichmäßige Bodenfeuchte begünstigt das Wachstum.

Bodenreaktion

Leicht saure, neutrale bis leicht alkalische Böden geeignet.

Substrat

Feuchter Boden fördert eine gute Entwicklung.

Pflege

Pflege

Die Pflanze ist pflegeleicht.

Düngung

Bei kurzer Kultur zur Ernte junger Pflanzen benötigt Gartenkresse keine zusätzliche Düngung; das gilt für Beetreihen und Schalen auf der Fensterbank.

Lebensform und Verwendung

Lebensform

Die Pflanze ist einjährig.

Aussaatkalender Kresse
GartenkalenderVorkultur: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember; Aussaat: April, Mai, Juni, Juli, August, September; Blüte: Juni, Juli; Ernte: Mai, Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: JanuarVorkultur: FebruarVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiVorkultur: JuniVorkultur: JuliVorkultur: AugustVorkultur: SeptemberVorkultur: OktoberVorkultur: NovemberVorkultur: DezemberAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustAussaat: SeptemberBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliErnteErnte: MaiErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberVorkulturAussaatBlüteErnte

Sprossen und Microgreens: die Kultur ohne Erde

Für die schnelle Küchenkultur brauchst du kein Substrat. Ich lege feuchte Watte oder feuchtes Küchenpapier in eine flache Schale, streue die Samen locker darauf und stelle die Schale hell auf. Kresse ist Lichtkeimer, die Samen bleiben also offen liegen. In Zimmerkultur keimt sie in 2–4 Tagen und ist je nach Quelle nach 4–8 Tagen schnittreif.

Das Wichtigste bei dieser Kultur ist die Feuchte: feucht halten, aber nicht nass. Ich taste die Unterlage morgens mit dem Finger ab und tropfe Wasser nach, wenn sie sich trocken anfühlt – stehendes Wasser gieße ich ab. Saatgut darf während und nach der Keimung nicht austrocknen, Nässe dagegen begünstigt Schimmel.

Häufiger Fehler

Die Schale bodennah abschneiden und auf den zweiten Austrieb warten. Junge Gartenkresse treibt nach dem bodennahen Schnitt in der Regel nicht erneut aus. Wer laufend ernten will, säst nach – nicht nachwachsen lassen.

Ob du Sprossen oder Microgreens erntest, hängt vom Zeitpunkt ab. Sprossen sind nach 2–4 Tagen fertig. Für Microgreens wartest du, bis neben den Keimblättern mindestens zwei grüne Blättchen erschienen sind. Geschnitten wird mit einer sauberen Schere, und dann geht es sofort auf den Teller.

Achtung

Zeigt sich in der Anzucht Schimmel, ist die Kultur nicht mehr nutzbar. Nicht auszupfen und weiterziehen, sondern entsorgen, Schale reinigen, frische Unterlage, neu säen.

Mini-Checkliste

Sprossen und Microgreens

  • flache Schale, feuchte Watte oder Küchenpapier
  • Samen locker verteilen, nicht bedecken (Lichtkeimer)
  • hell aufstellen, 15–20 °C sind für die Keimung belegt
  • täglich Feuchte prüfen: feucht, nicht nass
  • Ernte mit sauberer Schere, sofort verwenden
  • danach neu säen statt auf Austrieb warten

Ausgewachsene Kresse: die Kultur im Beet oder Topf

Willst du die Pflanze zu voller Größe bringen, wechselt sie von der Schale in Erde. Im Freiland ist die Aussaat von März bis Oktober möglich, im Topf oder Gewächshaus geht es ganzjährig. Kresse gehört zu den feinen Samen: Sie wird nur 0–0,5 cm tief gesät und höchstens hauchdünn bedeckt. Die allgemeinen Regeln zu Vorkultur, Direktsaat und den feinen Kräutersamen trägt der Kräuter-Überblick; die Termine speziell für Kresse hast du mit dem Aussaatkalender für Kresse zum Ausdrucken griffbereit.

Zahl im Blick

Ich säe direkt in Reihen, ohne Vereinzeln: 5 cm Abstand in der Reihe, 20 cm Reihenabstand, 0–0,5 cm tief. Bei 15–20 °C keimt Kresse in drei bis fünf Tagen und ist als Jungblatt nach ein bis zwei Wochen erntereif.

Der Standort darf sonnig bis halbschattig sein. Im Sommer gebe ich meiner Beetreihe bewusst etwas Schatten, weil Hitze und volle Sonne das vorzeitige Schossen fördern können – dann geht die Pflanze in die Blüte, bevor sie Blattmasse gebildet hat. Der Boden bleibt gleichmäßig feucht; ein festes Gießintervall gibt es nicht, weil Boden und Witterung den Bedarf bestimmen. Ich prüfe stattdessen mit dem Finger unter der Oberfläche, ob es noch feucht ist.

Gedüngt wird nicht: Kresse ist schwachzehrend, und bei der kurzen Kultur bis zur jungen Ernte braucht sie keine zusätzliche Nährstoffgabe – das gilt für die Beetreihe genauso wie für die Schale auf der Fensterbank.

Lässt du die Pflanzen stehen, verändern sie sich sichtbar: Die unteren Blätter werden stärker geteilt, die Höhe reicht je nach Quelle von etwa 10 bis 40 cm, und je nach Saattermin erscheinen zwischen Mai und Oktober weiße bis rötliche Blüten. Winterhart ist Kresse nicht; sie beendet ihren Zyklus in einer Saison. Wie du die Beetkultur über die ganze Saison pflegst und eigenes Saatgut gewinnst, steht im Beitrag zu Standort und Pflege von Gartenkresse im Beet.

Marias Erfahrung

Ich säe im Beet alle drei Wochen eine neue Reihe an und räume die abgeerntete Reihe gleich ab. So liegt neben der schnittreifen Reihe immer eine, die gerade keimt – und ich schaue beim Gießen, welche davon als Nächste dran ist.

Nachbarn und Fruchtfolge

Kresse ist ein Kreuzblütler, und als Nachbarn passen andere Kreuzblütler nicht: Meerrettich, Winterkresse, Löffelkraut, Rauke, Radieschen, Ölrettich, Rettich und Gelbsenf gelten als unverträglich. Mischkultur unterstützt die Pflanzen, garantiert aber nichts – prüfe deine Kombinationen im Mischkultur-Werkzeug. Für den Platzwechsel gilt eine Anbaupause von 4 Jahren zu Kresse selbst; im Beetplaner kannst du das für dein Beet durchrechnen lassen.

Sprossen, Microgreens, ausgewachsen: der direkte Vergleich

Sprossen Microgreens Ausgewachsene Pflanze
Substrat keins, feuchte Watte oder Küchenpapier wie Sprossen oder Erde Erde im Beet, Topf oder Gewächshaus
Erntekriterium nach 2–4 Tagen mindestens zwei grüne Blättchen neben den Keimblättern je nach Bedarf bis zur Blüte
Dauer 2–4 Tage Zimmerkultur je nach Quelle 4–8 Tage bis schnittreif Keimung 3–5 Tage bei 15–20 °C, Jungblatt nach 1–2 Wochen, Kulturdauer 4–30 Tage
Zweiter Austrieb nein nein nein – nachsäen alle drei Wochen
Aussehen Stängel und Keimblätter erste echte Blättchen stärker geteilte Blätter, 10–40 cm (quellenabhängig), weiße bis rötliche Blüten
Verwendung roh, direkt vor dem Servieren roh, Garnitur, Brot, Salat frisch als Würzkraut, roh oder fein gehackt

Der Flächenbedarf ist bei Sprossen und Microgreens minimal und die Kulturdauer extrem kurz – das macht die Schale auf der Fensterbank zur effizientesten Form der Kräuterkultur. Die Beetreihe liefert dafür das, was die Schale nicht kann: größere, kräftigere Blätter.

Was kommt wann in die Küche?

Kresse wird frisch verwendet – als Küchenkraut, im Salat, roh. Ich wasche sie erst unmittelbar vor dem Essen, unzerkleinert und kurz, tupfe sie vorsichtig trocken und schneide dann. Sprossen und Microgreens streue ich zum Schluss über Brot, Salat oder Suppe. Die älteren Blätter der ausgewachsenen Pflanze schmecken bei mir deutlich kräftiger; die hacke ich feiner und nutze sie als Würzkraut. Ihr klassischer Platz ist die Frankfurter Grüne Soße, zu deren sieben Kräutern Kresse neben Borretsch, Kerbel, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch gehört.

Passt dazu

Wer die Grüne Soße komplett aus dem eigenen Garten holen will, braucht neben Kresse auch zuverlässigen Kerbel – wie du Kerbel üppig wachsen lässt, steht im Nachbarartikel.

Vorrat ist bei Kresse kein Thema: Statt zu konservieren, säe ich nach. Wenn Kinder mit ernten, gilt die einfache Regel: erst nach Rücksprache essen, die Ernte mit Trinkwasser waschen und vor dem Essen die Hände reinigen.

Kresse und Gesundheit

Kresse ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel. Ihr traditioneller Ruf als frisches Frühjahrskraut steht ihr zu, Nährwerte oder Wirkungen gehören aber nicht in diesen Anbauartikel. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat. Was Küchenkräuter grundsätzlich können und was nicht, ordnet der Kräuter-Überblick im Abschnitt zu Kräutern und Gesundheit ein.

Nachhaltigkeit: warum die Schale so viel bringt

Eine Kresseschale braucht kaum Fläche, kein Substrat und ist nach wenigen Tagen durch. Genau diese Flächeneffizienz macht Sprossen und Microgreens zur nachhaltigen Einstiegskultur für Fensterbank und Balkon. Mehr zu Kresse jenseits der Gartenkresse und ihrer Verwendung findest du im oben verlinkten Beitrag zur Kresse-Vielfalt.

Jetzt dran

Säe heute eine Schale auf feuchte Watte und gleichzeitig eine Reihe im Beet oder Topf, 5 cm in der Reihe, 20 cm Reihenabstand, kaum bedeckt. In wenigen Tagen erntest du die erste Schale – und siehst am selben Samen, wie unterschiedlich beide Kulturen laufen.

Passendes Saatgutaus dem samen.de Shop
Sperli BIO Gartenkresse
Sperli BIO Gartenkresse
Zum Shop
Sperli Gartenkresse Mega
Sperli Gartenkresse Mega
Zum Shop
Sperli Gartenkresse Einfache Grüne
Sperli Gartenkresse Einfache Grüne
Zum Shop
SPERLI's Kresse Nachfüllpads für Grünsprossen-Anzuchtset
SPERLI's Kresse Nachfüllpads für Grünsprossen-Anzuchtset
Zum Shop

Häufige Fragen

Wie ziehe ich Kresse-Sprossen auf der Fensterbank?
Du säst die Samen auf feuchte Watte oder feuchtes Küchenpapier und hältst die Unterlage feucht, aber nicht nass. In Zimmerkultur keimt Kresse in 2–4 Tagen und ist je nach Quelle nach 4–8 Tagen schnittreif. Geschnitten wird mit einer sauberen Schere, verwendet möglichst sofort.
Wie verhindere ich Schimmel bei der Kresse-Anzucht?
Halte die Anzucht sauber und feucht, aber nicht nass, und säe nicht so dicht, dass die Samen aufeinanderliegen. Bei 15–20 °C keimt Kresse zügig und steht nicht lange im feuchten Milieu. Zeigt sich trotzdem Schimmel, ist die Anzucht nicht mehr nutzbar – entsorge sie und beginne mit sauberer Unterlage neu.
Welche Wachstumsstadien hat Kresse und woran erkenne ich sie?
Sprossen werden ohne Substrat bereits nach 2–4 Tagen geerntet und bestehen nur aus Stängel und Keimblättern. Microgreens sind das nächste Stadium: Sie werden geschnitten, wenn neben den beiden Keimblättern mindestens zwei weitere grüne Blättchen gebildet sind. Die ausgewachsene Pflanze wird je nach Quelle etwa 10–40 cm hoch, trägt stärker geteilte untere Blätter und blüht weiß bis rötlich.
Worin unterscheiden sich Microgreens und ausgewachsene Kresse in der Küche?
Microgreens sind zart und kommen roh aufs Brot, in den Salat oder als Garnitur direkt vor dem Servieren. Die älteren Blätter der ausgewachsenen Pflanze schmecken bei mir deutlich kräftiger, darum hacke ich sie feiner und setze sie als Würzkraut ein – etwa in Kräuterquark oder der Frankfurter Grünen Soße. Beide Stadien werden frisch verwendet und erst kurz vor dem Essen gewaschen und geschnitten.
Wie keimt Kresse am besten?
Kresse ist Lichtkeimer und wird nur 0–0,5 cm tief gesät, also höchstens hauchdünn bedeckt. Bei 15–20 °C keimt sie innerhalb von drei bis fünf Tagen. Entscheidend ist, dass das Saatgut während und nach der Keimung nicht austrocknet – aber auch nicht im Wasser steht.
Wie bewahre ich frisch geerntete Kresse auf?
Am besten gar nicht lange: Junge Kresse wird nach dem Schnitt möglichst sofort verwendet, weil sie schnell an Frische verliert. Statt zu lagern, säe ich lieber im Abstand von drei Wochen nach und ernte immer nur so viel, wie auf den Teller kommt. Waschen und schneiden erfolgt erst unmittelbar vor dem Essen.
Wächst Kresse nur im Sommer?
Nein. Im Freiland ist die Aussaat von März bis Oktober möglich, und auf der Fensterbank lässt sich Kresse ganzjährig starten. Im Sommer gibst du ihr eher etwas Schatten, weil Hitze und volle Sonne das vorzeitige Schossen fördern können. Winterhart ist Kresse allerdings nicht – sie ist einjährig und wird jedes Mal neu gesät.
Zuletzt geprüft:
↑