pH-Wert im Pflanzsubstrat: was Torf, Kokos, Blähton und Hydrokultur mitbringen
- Kultursubstrate ohne Moorbeetkulturen sollten bei pH 5,0 bis 6,5 liegen, Mischungen mit Rindenhumus eher im oberen Bereich.
- Unaufbereiteter Weißtorf hat etwa pH 3 bis 4 und wird für Kultursubstrate erst eingestellt.
- Kokosfasern liegen bei pH 4,5 bis 6,5 und puffern nur gering.
- Perlit puffert schwach, Blähton hat nahezu keine Kationenaustauschkapazität.
- Hartes Gießwasser kann den Substrat-pH anheben, ammoniumbetonte Düngung wirkt versauernd.
- Miss im feuchten Substrat mit einer kalibrierten Glaselektrode, nicht mit einer Metallsonde.

Im Topf haben die Wurzeln nur das, was du ihnen gibst: Substrat, Gießwasser und Dünger. Werden junge Blätter trotz Düngung gelb, kann ein verschobener pH-Wert im Substrat dahinterstecken. Bei jeder neuen Erde lese ich deshalb zuerst die Deklaration mit Ausgangsstoffen, pH-Wert und Salzgehalt. Hier erfährst du, welchen pH-Wert Torf, Kokos, mineralische Substrate und HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze. mitbringen und wie du ihn im Gefäß im Zielbereich hältst.
Welcher pH-Wert für Pflanzen im Topf passt
Für Kultursubstrate außerhalb der Moorbeetkulturen gilt pH 5,0 bis 6,5 als anzustrebender Bereich. Mischungen mit Rindenhumus sollten dabei eher im oberen Teil liegen. Viele Pflanzen bevorzugen in Blumenerde pH 5,5 bis 6,5, besondere Ansprüche einzelner Kulturen gehen aber vor. Die Übersicht zeigt die Werte für typische Kübelkulturen.
| Kultur im Gefäß | Substrat-pH | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Kultursubstrate ohne Moorbeetkulturen | 5,0 bis 6,5 | rindenhumushaltige Mischungen eher im oberen Bereich |
| viele Pflanzen in Blumenerde | 5,5 bis 6,5 | besondere Kulturansprüche berücksichtigen |
| Rhododendron im Kübel | 4,5 bis 5,5 | obere Erweiterung bis 6,0 genannt, kalktolerante Unterlagen gesondert beurteilen |
| Kulturheidelbeere im Kübel | etwa 4,0 bis 5,0 | kalkarmes Gießwasser verwenden |
| Zitruspflanzen im Kübel | 5,0 bis 5,5 | Spezialsubstrat wählen |
| Hortensie, blau zu halten | etwa 4 bis 5,5 | nur geeignete Sorten; ab etwa pH 6,0 blühen umfärbbare Sorten rosa |
Für kalkempfindliche Kübelpflanzen nimmst du ein an ihre Ansprüche angepasstes Azaleen- oder Moorbeetsubstrat. Auch torffreie Erden für Rhododendren und Heidelbeeren müssen einen niedrigen pH-Wert haben. Wie der pH-Wert in Spezialerden die Nährstoffaufnahme beeinflusst, liest du in einem eigenen Ratgeber.
Was der pH-Wert im Substrat bewirkt
Werte unter 7 gelten als sauer, Werte darüber als alkalisch. Der pH-Wert beeinflusst, wie gut Nährstoffe verfügbar sind und wie aktiv das Bodenleben arbeitet. Passt er nicht, kann er Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen. Die Grundlagen zu pH-Wert und Kalk, nach dem Prinzip erst messen und dann handeln, findest du im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost.
Im Gartenboden richtet sich der passende Bereich nach Bodenart, Humusgehalt und Kultur. Was der pH-Wert im Gartenboden bedeutet und wie du ihn misst und einstellst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Gelbe junge Blätter mit grünen Adern können auf Eisenmangel hindeuten, lassen sich aber nicht immer sicher von ManganmangelManganmangel ist eine Unterversorgung der Pflanze mit dem Spurenelement Mangan. Er zeigt sich zuerst an jüngeren Blättern, etwa als abgestorbene Punkte oder Streifen, und entsteht oft, weil Mangan bei hohem pH-Wert oder Trockenheit für die Wurzeln nicht verfügbar ist. unterscheiden. Solche Eisenchlorosen entstehen häufig, weil Eisen bei zu hohem pH schlechter verfügbar ist, und nicht, weil zu wenig davon vorhanden ist. Trockenheit, Staunässe und Wurzelschäden können ähnliche Symptome verursachen, deshalb misst du, bevor du eingreifst.
Torfsubstrate: sauer als Rohstoff, eingestellt im Sack
Unaufbereiteter Weißtorf liegt etwa bei pH 3 bis 4. Hochmoortorf ist von Natur aus nährstoffarm und sauer und speichert als Substratausgangsstoff Wasser gut. In eingestellten torfbasierten Kultursubstraten werden viele Zierpflanzen bei pH 5,5 bis 6,5 kultiviert. Zwischen Rohstoff und fertiger Erde liegt also eine deutliche Anhebung, und wer selbst mischt, muss sie selbst treffen. Den genauen Kalkbedarf einer Mischung aus mehreren Komponenten bestimmt dabei nur eine Analyse.
Ob deine Erde Torf enthält, verrät die Deklaration. Als torfreduziert oder torfarm bezeichnete Blumenerden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Auch die Bezeichnung Bio garantiert keinen Torfverzicht, entscheidend sind die Angaben torffrei oder ohne Torf. Torfabbau und die dafür nötige Entwässerung zerstören Moorlebensräume und setzen gespeicherten KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. als Treibhausgas frei.
Eine etwa 1 m dicke Torfschicht braucht ungefähr 1.000 Jahre, bis sie gebildet ist. In menschlichen Zeiträumen ist Torf deshalb nicht erneuerbar.
Kokossubstrate: mittlerer pH-Wert, wenig Puffer
KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. bringen als Substratbestandteil einen pH-Bereich von 4,5 bis 6,5 mit. Ihre Pufferkapazität ist gering, sie fangen pH-Änderungen also kaum ab. Kokosfasern verbessern vor allem die Luftversorgung, das feinere KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. speichert mehr Wasser. Hartes Gießwasser kann den Substrat-pH anheben, und Kokos setzt dem wenig entgegen. In Kokossubstraten lohnt deshalb der genaue Blick auf das Wasser, mit dem du gießt.
„Kokos hält den pH-Wert stabil.“ Kokosfasern haben nur eine geringe Pufferkapazität, keine gute. Verlass dich deshalb nicht auf den Wert beim Kauf, sondern miss im laufenden Gebrauch nach.
Kokosbasierte Torfersatzstoffe können trotz langer Transportwege insgesamt weniger Treibhausgase verursachen als Torf.
Mineralische Substrate: Blähton, Perlit und Vermiculit
Mineralische Bestandteile geben einem Substrat vor allem Struktur. Beim pH-Wert und bei der Nährstoffspeicherung verhalten sie sich sehr unterschiedlich.
| Material | Puffer und Nährstoffspeicher | Weitere Eigenschaft |
|---|---|---|
| Blähton | nahezu keine Kationenaustauschkapazität, weil das Brennen die Tonstruktur verändert | nimmt selbst bei kleiner Körnung höchstens 25 Volumen-% Wasser auf |
| Perlit | puffert pH-Wert und Nährstoffe nur schwach | strukturstabil |
| VermiculitVermiculit ist ein natürliches Mineral, das durch starkes Erhitzen zu einem leichten, porösen Granulat aufgebläht wird. Als Zusatz in Anzucht- und Pflanzerden lockert es das Substrat und speichert Wasser sowie gelöste Nährstoffe. | hohe Pufferkapazität für Nährstoffkationen wie Kalium, Ammonium und Magnesium | Blähvermiculit ist mechanisch wenig stabil und fühlt sich selbst wassergesättigt noch trocken an |
Für langlebige Kübel- und Gehölzsubstrate werden 30 bis 40 Volumen-% Blähton als strukturstabilisierende Beimischung beschrieben. Tonhaltige Böden fangen pH-Änderungen besser ab als Sandböden. Auch tonhaltige Kultursubstrate puffern aber nur begrenzt, deshalb gehört die CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. deines Gießwassers in die Düngerauswahl.
Blähton für Bauzwecke in den Kübel füllen. Für Bauzwecke spielt sein Salzgehalt keine Rolle, für Pflanzen sollte Blähton die RAL-Höchstwerte einhalten.
Hydrokultur: Nährlösung und Gießwasser bestimmen den Wert
In erdelosen Kulturen musst du sämtliche benötigten Nährstoffe gezielt dosieren. Dafür gibt es flüssige Spezialdünger und Nährstoffbatterien für Hydrokultur, deren Dosierung du nach der Packungsangabe richtest. Organische Flüssigdünger verwendest du im Innenbereich nur in Erdkulturen, damit in der Hydrokultur keine Geruchsprobleme entstehen.
Die Nährstoffversorgung von Topfpflanzen hängt neben dem Nährstoffgehalt auch von Substrat-pH, Austauschkapazität und Gießwasserqualität ab. Blähton bringt nahezu keine Austauschkapazität mit. In der Hydrokultur mit Blähton fällt einer dieser drei Faktoren also praktisch weg, sodass pH-Wert und Wasserqualität umso stärker zählen.
Hydrogencarbonatreiches Gießwasser kann den pH-Wert erhöhen. Ammoniumernährung säuert eher an, Nitraternährung begünstigt eher einen Anstieg. Miss deshalb auch die NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln. mit einer kalibrierten Glaselektrode und schreib die Werte auf, damit du die Richtung erkennst.
Bei meinen Hydropflanzen notiere ich jede Messung mit Datum, Wasserart und Dünger. Erst wenn ich sehe, wohin sich der Wert bewegt, ändere ich etwas.
Torffreie Erden: Rindenhumus und Kompost verschieben den Bereich
Torffreie Erden ersetzen Torf durch Mischungen aus Holzfasern, Rindenhumus, Substratkompost und Kokosmaterial. Rindenhumus ist nicht durchgehend sauer, sein pH-Wert hängt von der verwendeten Baumart ab. Zusammen mit Kompost kann er zudem hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzwerte einbringen. Gewöhnlicher Gartenkompost hat typischerweise pH 6,5 bis 7,5 und eignet sich auch wegen seines Kalkgehalts nicht für Moorbeetpflanzen. Selbst gemischte komposthaltige Substrate sind wegen ihres häufig hohen pH-Werts oft auch für Zitrusgewächse ungeeignet.
Bei hohen Rindenhumusanteilen solltest du pH-Werte unter 6 vermeiden, weil erhöhte Manganaufnahme einen Eisenmangel auslösen kann. Der allgemeine Zielbereich für Kultursubstrate beginnt zwar bei pH 5,0. In torffreien Substraten mit manganreichen Bestandteilen können aber schon bei pH 5,0 bis 5,5 Eisenmangelchlorosen durch Manganüberschuss auftreten. Der untere Teil des Zielbereichs passt also nicht zu jeder Mischung. Wie organische und mineralische Bestandteile den pH-Wert der Pflanzerde prägen, vertieft ein eigener Ratgeber.
pH-Wert im Substrat messen
Für direkte Messungen im Substrat brauchst du eine geeignete, kalibrierte Glas-Einstichelektrode. Einfache Metallsonden erreichen keine ausreichende Genauigkeit, und sehr trockenes Substrat liefert unzuverlässige Werte. Glaselektroden brauchen außerdem Pflege. Bevor ich messe, kalibriere ich die Elektrode und feuchte trockenes Substrat an.
Kalibriert wird die Elektrode mit Pufferlösungen bei pH 4 und pH 7. Wird in Calciumchloridlösung statt in Wasser gemessen, kann der Wert bis zu eine pH-Stufe niedriger liegen.
Vergleiche deshalb nur Werte, die mit derselben Methode gemessen wurden. Wie du im Beet misst, beschreibt der Ratgeber zum pH-Wert im Gartenboden.
So hältst du den pH-Wert im Gefäß im Zielbereich
Das Gießwasser prüfen
Gießwasser mit hoher Carbonathärte kann den pH-Wert im Substrat anheben und die Verfügbarkeit von Eisen und weiteren Spurenelementen vermindern. Kalkempfindliche Rhododendren gießt du deshalb bevorzugt mit Regenwasser, Kulturheidelbeeren mit kalkarmem Wasser. Auch für blau zu haltende Hortensien hilft Regenwasser, den niedrigen pH-Wert im Substrat zu erhalten. Für meine Moorbeetkübel fange ich Regenwasser in einer abgedeckten Tonne auf.
Regenwasser von Kupfer- oder Zinkdächern und von herbizidhaltigen Dachbahnen ist für die Bewässerung ungeeignet oder nur eingeschränkt geeignet.
Die Stickstoffform im Dünger kennen
Ammoniumbetonte Ernährung wirkt physiologisch versauernd, nitratbetonte physiologisch basisch. Moorbeet- und Zitrusdünger wirken zusätzlich versauernd. Moorbeetdünger sind deshalb nicht ohne Prüfung für andere Kulturen austauschbar. Wie du Düngerwahl und Düngezeitpunkt am pH-Wert ausrichtest, steht in einem eigenen Ratgeber.
Den Wert senken oder anheben
Wie viel Schwefel ein Kultursubstrat zum Absenken braucht, lässt sich nur durch eine Probesäuerung im Labor bestimmen. In schwefelbehandelten Substraten können weiches Gießwasser und ammoniumbetonte Düngung danach einen weiteren starken pH-Abfall auslösen. Regenwasser ist weich, und gerade damit gießt du säureliebende Kübelpflanzen. Nach einer Schwefelbehandlung kontrollierst du den Verlauf deshalb besonders genau. Den genauen Kalkbedarf einer selbst gemischten Substratmischung bestimmt ebenfalls nur eine Analyse.
Holzasche verwendest du weder als Dünger noch zum Anheben des pH-Werts: Wegen möglicher Schwermetall- und Schadstoffbelastungen gehört sie abgekühlt in den Hausmüll. Wie du den pH-Wert von Blumenerde für säureliebende oder kalkliebende Pflanzen hebst oder senkst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Erde auswählen und richtig lagern
Achte beim Kauf auf die Deklaration: Sie nennt die Ausgangsstoffe in absteigenden Volumenanteilen und macht Angaben zu pH-Wert, Nährstoffen und Salzgehalt. Blumenerden mit RAL-Gütezeichen werden regelmäßig von unabhängigen Laboren unter anderem auf einen geeigneten pH-Wert kontrolliert. Bei längerer Lagerung kann sich der pH-Wert von Blumenerde verändern, ebenso Salzgehalt und Struktur. Angebrochene Säcke verschließt du deshalb gut und lagerst sie kühl und schattig. Länger gelagerte Erde mischst du bei Weiterverwendung frischer Erde bei.
Bevor du einen Kübel neu bepflanzt, prüfst du diese Punkte.
- Deklaration gelesen: Ausgangsstoffe, pH-Wert, Salzgehalt
- Zielbereich der Kultur bekannt
- Gießwasser eingeordnet: hart oder weich
- Stickstoffform im Dünger geprüft: ammonium- oder nitratbetont
- Glaselektrode kalibriert, Substrat feucht
