Kakteendünger selber machen: Jauche, Komposttee und ihre Grenzen
- Pflanzenjauche setzt du mit 1 kg frischem, zerkleinertem Kraut auf 10 l Wasser an.
- Fertig ist sie nach etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme nach etwa 14 Tagen: dunkel und ohne Schaum.
- Für Kakteen verdünnst du fertige Jauche 1:10 und gießt sie nur auf bereits feuchte Erde.
- Komposttee setzt du aus reifem Kompost für jede Anwendung frisch an.
- Küchenreste kommen auf den Kompost, Holzasche gehört in den Hausmüll.
- Gekaufter Kakteendünger nennt seine Gehalte auf dem Etikett; dosiert wird nach Packungsanweisung.

Kakteendünger selber machen klingt nach wenig Aufwand: Kraut in den Eimer, Kompost ins Wasser, fertig. Das Risiko steckt in der Menge. Bei einem selbst angesetzten Dünger weißt du nie genau, wie viel Nährstoff in der Gießkanne landet, und zu hohe Gaben schnell wirkender Flüssigdünger können SalzschädenSalzschäden sind Schäden an Pflanzen durch zu viel Salz im Boden oder Substrat, etwa nach zu hohen Düngergaben oder durch Streusalz. Typisch sind Blätter, die vom Rand her braun werden, und ein gehemmtes Wachstum. an den Wurzeln verursachen. Ich setze meine natürlichen Dünger deshalb nach festen Ansätzen an, verdünne sie und schaue mir die Kakteen danach genau an.
PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. und KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. lassen sich für Kakteen nutzen, wenn du die Jauche verdünnst und beides nur auf feuchte Erde gibst. Bei Küchenresten, Asche und selbst gemischten Nährsalzen sieht die Sache anders aus.
Was Kakteen an Nährstoffen brauchen
Kakteen brauchen dieselben mineralischen HauptnährstoffeHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund. wie andere Pflanzen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft., dazu SpurennährstoffeSpurennährstoffe sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in geringen Mengen aufnehmen, auf die sie aber trotzdem angewiesen sind. Dazu zählen etwa Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän. wie Eisen und Mangan. Ihre Wurzeln nehmen diese Stoffe in mineralisch gelöster Form auf, ganz gleich, ob sie aus Jauche, Kompost oder einer Düngerflasche stammen. Welche Düngerart für Kakteen besser passt, vergleicht ein eigener Ratgeber; was hinter NPK, Spurenelementen und Pflanzenbedarf steckt, erklärt der Grundlagenteil zu Düngen, Boden und Kompost.
Wann Dünger in den Kakteentopf gehört
Kakteendünger gibst du deinen Topfkakteen während der Wachstumszeit mit dem Gießwasser, selbst angesetzte Flüssigdünger eingeschlossen. In der winterlichen Ruhephase schränkst du die Düngung von Zimmerpflanzen stark ein, winterblühende Pflanzen behandelst du dabei gesondert. Wie oft und in welcher Form du Kakteen über die Saison düngst, zeigt der Ratgeber zu Flüssig- und Festdünger; Grundsätzliches zu Menge und Zeitpunkt steht unter Düngen nach Bedarf.
Welche natürlichen Zutaten sich eignen
Nicht alles, was im Haushalt anfällt, gehört als Dünger an einen Kaktus. Die Übersicht zeigt, wie du die üblichen Zutaten verwendest.
| Zutat | So nutzt du sie | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Frisches oder getrocknetes Kraut, etwa Brennnesseln | als vergorene Pflanzenjauche, verdünnt gegossen | Nährstoffgehalt schwankt von Ansatz zu Ansatz |
| Reifer Kompost | als Komposttee | für jede Anwendung frisch ansetzen |
| Kaffeesatz | getrocknet und in die Erde eingearbeitet | nur als ergänzende Gabe |
| Obst- und Gemüsereste, Eierschalen | als Bestandteil des Gartenkomposts | Umweg über den Kompost |
| Holzasche | gar nicht | gehört in den Hausmüll |
Pflanzenjauche für Kakteen ansetzen und verdünnen
Für Pflanzenjauche gibt es feste Eckdaten vom Ansatz bis zur Verdünnung. Brennnesseln sind dafür das bekannteste Kraut.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Ansatz mit frischem Kraut | 1 kg frisches, zerkleinertes Kraut auf 10 l Wasser |
| Ansatz mit getrocknetem Kraut | 100 bis 200 g getrocknetes Kraut auf 10 l Wasser |
| Gärzeit | etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme etwa 14 Tage |
| Fertig, wenn | dunkle Färbung und kein Schäumen mehr |
| Verdünnung zur Wurzeldüngung | 1:10 mit Wasser |
Ich setze die Jauche im Freien an und lege ein luftdurchlässiges Gitter über den Eimer, damit keine Tiere hineinfallen. Einen geschlossenen Deckel verwende ich nicht. Einmal täglich rühre ich den Ansatz kräftig um. Wie der Ansatz im Garten allgemein funktioniert, beschreibt der Grundlagenabschnitt zu Mulchen, Gründüngung und natürlichen Düngemethoden.
Verdünnen und auf feuchte Erde gießen
Fertig vergorene Jauche verdünnst du zur Wurzeldüngung 1:10 mit Wasser. Gib die Lösung nur auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. Ich gieße meine Kakteen dafür zuerst mit klarem Wasser an und gebe die verdünnte Jauche danach. Hast du gerade in eine Mischung mit vorgedüngter Erde umgetopft, rechnest du deren Vorrat an, bevor du zusätzlich düngst.
Eine allgemeingültige Menge oder Häufigkeit gibt es für Pflanzenjauche nicht, weil Pflanzenbedarf und vorhandene Nährstoffe verschieden sind. Zudem schwankt der Nährstoffgehalt selbst angesetzter Jauche mit Pflanzenart, Pflanzenzustand und Erntezeit. Dasselbe Verhältnis von 1:10 bringt also je nach Ansatz unterschiedlich viel Nährstoff an die Wurzeln. Deshalb taste ich mich heran und schaue mir nach dem Düngen Farbe und Wuchs genau an.
Ich beschrifte jeden Eimer mit dem verwendeten Kraut und dem Ansatzdatum. So weiß ich beim Verdünnen, aus welchem Ansatz die Jauche stammt, und mische keine alten und neuen Ansätze zusammen.
Jauche, Komposttee und Düngerlösungen stelle ich außer Reichweite von Kindern ab. Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Blumendünger aufgenommen, ruf ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an.
Komposttee: nur aus reifem Kompost und immer frisch
Komposttee verwertet Kompost, den du ohnehin im Garten hast. Nimm dafür nur reifen Kompost. Den Reifegrad prüfe ich mit dem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.: Ich säe Kresse in Kompost und zum Vergleich in Gartenerde. Ist der Aufwuchs im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, lasse ich ihn weiter reifen.
Für den Tee rühre ich reifen Kompost in Wasser, lasse ihn ziehen und seihe die Flüssigkeit durch ein Tuch ab. Komposttee setzt du für jede Anwendung neu an, Reste hebe ich nicht auf. Gegossen wird wie bei der Jauche nur auf bereits feuchte Erde.
Kompost liefert Stickstoff, Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe. Seine Gesamtgehalte sind aber nicht mit dem gleichzusetzen, was sofort pflanzenverfügbar ist. Wie viel dein Tee tatsächlich liefert, siehst du ihm deshalb nicht an, also beobachte deine Kakteen nach dem Gießen.
Bedenke außerdem: Gartenkompost tötet Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil die nötigen RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht werden. Ich setze den Tee deshalb draußen an und gieße ihn direkt auf die Erde.
Kaffeesatz, Obstreste, Asche: was aus der Küche taugt
Kaffeesatz kannst du als ergänzende Düngegabe verwenden. Trockne ihn vorher und arbeite ihn in kleinen Mengen in die Erde ein. Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz und Eierschalen eignen sich außerdem als Bestandteile eines gemischten Gartenkomposts, und dort landen sie bei mir. Rohe Küchenreste lege ich nicht in den Kakteentopf.
Organisch gebundene Nährstoffe müssen erst mineralisiert werden, bevor Wurzeln sie aufnehmen können. Bei Trockenheit setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Für Topfkakteen aus Trockengebieten eignet sich aber ein rasch abtrocknendes Substrat aus mineralischen Bestandteilen wie Blähton, Lava und Bims mit organischen Komponenten. Rohe Reste im Kakteentopf liegen also oft in trockener Erde und geben dort kaum etwas ab. Wie du Substrat und Dünger bei Kakteen aufeinander abstimmst, beschreibt der Ratgeber zum Kakteensubstrat.
Holzasche taugt nicht als Kakteendünger. Sie kann mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet sein und gehört deshalb weder als Dünger in Garten oder Topf noch auf den Kompost. Abgekühlt kommt sie in den Hausmüll, ohne dass du dabei Staub aufwirbelst.
Bokashi und Wurmkompost: der Weg führt über den Kompost
Bokashi ist eine milchsäurebasierte Vorbehandlung von Küchenabfällen; bevor das feste Material als Dünger taugt, folgt noch eine Kompostierungsphase. Wurmkompost aus der Wurmkiste ist je nach Feuchtigkeit, Temperatur und Ausgangsmaterial nach etwa 3 bis 6 Monaten fertig. Wie Wurmkiste und Bokashi-Eimer funktionieren, steht im Grundlagenabschnitt Kompost pflegen, prüfen und verwenden.
Nährsalze selbst mischen: hier ziehe ich die Grenze
Manche mischen ihren Kakteendünger aus einzelnen Nährsalzen selbst. Eine natürliche Alternative ist das nicht, und ich mache es nicht. Mineraldünger liefern Nährstoffe meist als Salze. Zu hohe Gaben sofort wirksamer Flüssigdünger können Salzschäden bis zum Absterben von Wurzeln verursachen.
Dazu kommt das Abmessen. Dünger unterscheiden sich im Schüttgewicht, deshalb werden Düngermengen abgewogen und nicht nach Volumen geschätzt. Wer Salze nach Augenmaß in die Kanne gibt, kombiniert also eine ungenaue Menge mit einem Stoff, der schnell wirkt. Auch ein Leitfähigkeitsmessgerät löst das nicht: Es zeigt den Gesamtsalzgehalt einer Lösung, aber nicht, wie viel davon Stickstoff oder Kalium ist.
Ein gekaufter Kakteendünger nimmt dir diese Rechnung ab. Seine Gehalte stehen auf dem Etikett, Spurennährstoffe sind gesondert aufgeführt. Maßgeblich ist die Dosierungsanweisung der Packung.
Selbst angesetzt oder gekauft?
Ich nutze verdünnte Jauche und Komposttee als Ergänzung in der Wachstumszeit. Wenn ich eine planbare Versorgung brauche, greife ich zum gekauften Kakteendünger und halte mich an die Packung. Die Unterschiede im Überblick:
| Punkt | Selbst angesetzt (Jauche, Komposttee) | Gekaufter Kakteendünger |
|---|---|---|
| Nährstoffgehalt | schwankt mit Pflanzenart, Pflanzenzustand und Erntezeit | auf dem Etikett angegeben, Spurennährstoffe gesondert |
| Dosierung | Jauche 1:10 verdünnt, keine allgemeingültige Menge oder Häufigkeit | Dosierungsanweisung der Packung |
| Wirkung | organisch gebunden, muss erst mineralisiert werden; bei Trockenheit kaum Freisetzung | mineralischer Flüssigdünger: leicht lösliche Nährstoffe, rasch verfügbar |
| Risiko | auch organische Dünger lassen sich überdosieren | zu hohe Gaben können Salzschäden an den Wurzeln verursachen |
Natürlich heißt automatisch schonend? Nein. Auch organische Dünger können bei übermäßiger Anwendung Pflanzen und Umwelt belasten. Natürlich sagt etwas über die Herkunft, nicht über die richtige Menge.
Wenn es zu viel war
Einen kranken Kaktus regst du nicht mit Dünger zum Wachstum an. Steht er nass und sind die Wurzeln noch nicht verfault, gibst du bis zum Abtrocknen weder Wasser noch Dünger. Ein durch Überdüngung erhöhter Salzgehalt kann die Wasseraufnahme der Pflanze beeinträchtigen.
Bei bestätigter Überdüngung stellst du das Düngen ein und spülst den Wurzelballen langsam durch, während das Wasser frei abfließen kann. In schweren Fällen topfst du um und tauschst dabei einen Teil der alten Erde aus. Das neue Gefäß nimmt das Wurzelsystem auf und hat ein Abzugsloch.
Verdünnte Jauche auf völlig trockenes Kakteensubstrat gießen. Auf trockener Erde kann eine hohe Salzkonzentration die Wurzeln schädigen, deshalb feuchtest du die Erde vorher an. Weihnachts- und Osterkakteen lässt du ohnehin das ganze Jahr nicht vollständig austrocknen.
Mehr Blüten durch Phosphat?
Ob ein Kaktus blüht, hängt wesentlich von seinem Alter und einer passenden kühlen Überwinterung ab. Eine zusätzliche Phosphatbetonung ist dagegen kein allgemeiner Weg zu mehr Blüten. Ein phosphatreicher Selbstansatz ersetzt also nicht den kühlen Winterplatz; wer Blüten möchte, plant zuerst die Überwinterung.
Auch für andere Pflanzen lassen sich natürliche Dünger selbst ansetzen. Wie du Lavendel mit selbst angesetztem Dünger versorgst, erklärt der Ratgeber zum Lavendel.
