Winterraps: Krankheiten und Schädlinge früh am Schadbild erkennen
- Bei Kohlhernie wuchert die Wurzel unregelmäßig und gefurcht; glatte Gallen mit Fraßgang und Käferlarve sprechen für den Kohlgallenrüssler.
- Gelbliche Flecken mit weißgrauem Zentrum und kleinen schwarzen Punkten an Blättern und Wurzelhals können auf Phoma hindeuten.
- Bei Sklerotinia werden die Stängel weiß, innen können weißliches Pilzmyzel und später schwarze Dauerkörper sitzen.
- Rapserdflöhe fressen schon ab dem Keimblattstadium Löcher in die Blätter, Rapsglanzkäfer in noch geschlossene Knospen.
- Bei Kohlhernieproblemen an Kohl: fünf bis sechs Jahre Fruchtwechsel und keine Kreuzblütler als Gründüngung, also auch kein Raps.
Wucherungen an der Wurzel, gelbliche Flecken am Blatt, ein Stängel, der weiß wird: Im Winterraps lassen sich manche Schadbilder leicht verwechseln. Das hat Folgen für dein Beet, denn Raps ist ein KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. wie Kohl, Rettich und Radieschen. KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. etwa verändert die Planung eines Beets auf Jahre, eine falsche Einordnung also auch. Ich sehe mir deshalb jede auffällige Pflanze von unten nach oben an: erst die Wurzel, dann WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. und Blätter, dann Stängel, Knospen und Schoten.
Die Schadbilder sind dieselben, ob dein Raps als Gründüngung im Beet steht oder bis zur Samenreife bleibt. Was an Knospen und Schoten frisst, betrifft dich allerdings nur, wenn der Bestand so lange stehen darf.
Schadbilder im Überblick: von der Wurzel bis zur Schote
| Wo du nachsiehst | Was du siehst | Worauf es hindeuten kann |
|---|---|---|
| Wurzel | unregelmäßige, gefurchte Wucherungen | Kohlhernie |
| Wurzel | glatte Gallen mit Fraßgang und Käferlarve | Kohlgallenrüssler |
| Blätter und Wurzelhals | gelbliche Flecken mit weißgrauem Zentrum und kleinen schwarzen Punkten | Phoma |
| Blätter, schon ab dem Keimblattstadium | Lochfraß | Rapserdfloh |
| Blattstiele und Stängel | fressende Larven | Larven des Rapserdflohs |
| Stängel | Lochfraß, Verkrümmungen, braunköpfige Larven im Stängelmark | Großer Rapsstängelrüssler |
| Stängel | weiße Färbung, innen weißliches Pilzmyzel und hellgraue, später schwarze Dauerkörper | Sklerotinia |
| Knospen | Löcher in noch geschlossenen Knospen, abgeworfene Knospen | Rapsglanzkäfer |
| Schoten | Schote bleibt trotz Befall zunächst geschlossen | Kohlschotenrüssler |
| Schoten | Vergilben und Aufplatzen | Larven der Kohlschotenmücke |
Ein Schadbild ist ein Hinweis, keine Diagnose. Den Verdacht prüfst du an der Pflanze selbst, oft mit einem Schnitt durch Wurzel oder Stängel.
Drei Krankheiten und woran du sie unterscheidest
Kohlhernie: Wucherungen an der Wurzel
Bei Kohlhernie wuchert die Wurzel unregelmäßig und gefurcht. Sichtbar wird das erst, wenn du eine Pflanze ziehst. Ich nehme dafür eine, die im Wuchs zurückbleibt, und spüle die Wurzel ab.
Nicht jede Verdickung ist Kohlhernie. Der Kohlgallenrüssler hinterlässt glatte Gallen, in denen ein Fraßgang und eine Käferlarve stecken. Schneide die Verdickung mit dem Messer auf: Findest du Gang und Larve, spricht das für den Rüssler. Ist die Wucherung unregelmäßig, gefurcht und ohne Fraßgang, kann das auf Kohlhernie hindeuten.
Eine Verdickung an der Wurzel wird ungeprüft als Kohlhernie eingeordnet. Erst der Schnitt zeigt, ob darin ein Fraßgang mit Käferlarve sitzt. Dann spricht der Befund für den Kohlgallenrüssler.
Vorbeugen kannst du an drei Stellen: mit ausreichendem Abstand zwischen Kreuzblütlerkulturen, mit einem Boden ohne Staunässe und mit einem standortgerechten Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht.. Den pH-Wert schätze ich nicht, ich lasse ihn mit einer Bodenprobe bestimmen. Gekalkt wird nur, wenn der Wert für die Bodenart zu niedrig ist. Diese Schritte senken das Risiko, eine Garantie sind sie nicht.
Gibt es im Beet bereits Kohlhernie, gelten strengere Regeln. Bei Kohlhernieproblemen an Kohl rät die Hausgartenberatung zu fünf bis sechs Jahren Fruchtwechsel und zum Verzicht auf Kreuzblütler, auch als Gründüngung. Winterraps scheidet für dieses Beet dann aus. Ich säe dort stattdessen Phacelia, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Wann sie und andere Arten gesät werden, zeigt der Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Befallene Pflanzen gehören nicht auf den Gartenkompost. Ich gebe sie in die Biotonne, weil ein kleiner Gartenkomposter keine sichere Hygienisierung gewährleistet. Die Pause behalte ich im Blick, indem ich die Belegung meiner Beete im Beetplaner plane.
Phoma: Flecken an Blatt und Wurzelhals
Phoma hinterlässt gelbliche Flecken mit weißgrauem Zentrum und kleinen schwarzen Punkten. Du findest sie an den Blättern und am Wurzelhals. Schau deshalb auch auf die Stelle, an der der Stängel in die Wurzel übergeht. Ich nehme eine Lupe mit, weil die schwarzen Punkte klein sind.
Kranke Pflanzenreste verwende ich nicht als Mulch. Beim Gießen halte ich mich an eine einfache Routine: morgens und direkt am Wurzelbereich, damit die Blätter nicht lange nass bleiben.
Sklerotinia: weiße Stängel mit Dauerkörpern
Ein Stängel, der weiß wird, kann auf Sklerotinia hindeuten. Brich ihn auf: Im Inneren können weißliches Pilzmyzel und Dauerkörper sitzen, die zunächst hellgrau und später schwarz sind.
Sklerotinia betrifft nicht nur Kreuzblütler. Raps gilt wegen der gemeinsamen Anfälligkeit als ungeeignete VorfruchtDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. für Sonnenblumen. Perserklee ist als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. ungeeignet, wenn eine Gemüsefruchtfolge Sklerotinia vermeiden soll. Wer nach einem Befall nur die Kreuzblütler pausiert, hat die übrigen anfälligen Arten also noch nicht bedacht.
Im Feldrapsanbau unterstützt das Prognosemodell SkleroPro die Bewertung des Sklerotiniarisikos für den einzelnen Schlag. Grundlage sind Witterung, Entwicklungsstadium, Fruchtfolge und Wirtschaftlichkeitsdaten, das Modell ist also auf den Acker zugeschnitten. Im Garten bleibt dir der Blick in den Stängel. Befallene Pflanzen gehören auch hier nicht auf den Gartenkompost.
Schädlinge: wer wann und wo frisst
Die Schädlinge im Raps lassen sich nach Pflanzenteil und Entwicklungsstand ordnen. So weißt du bei jedem Kontrollgang, wonach du suchst.
Rapserdfloh: Lochfraß ab dem Keimblatt
Schon ab dem Keimblattstadium fressen Rapserdflöhe Löcher in die Blätter. Die Larven fressen in Blattstielen und Stängeln. Sobald die KeimblätterKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. stehen, beginnt deshalb meine Kontrolle: Ich gehe in die Hocke und sehe mir die Blätter einzeln an.
Großer Rapsstängelrüssler: verkrümmte Stängel
Drei Zeichen können auf den Großen Rapsstängelrüssler hindeuten: Lochfraß, verkrümmte Stängel und Larven mit braunem Kopf im Stängelmark. Einen krummen Stängel schneide ich der Länge nach auf. Larven im Stängel können allerdings auch vom Rapserdfloh stammen.
Der Längsschnitt lohnt sich doppelt. Die Larven des Stängelrüsslers sitzen im Stängelmark, und auch Myzel und Dauerkörper der Sklerotinia liegen im Inneren des Stängels. Mit einem Schnitt durch einen auffälligen Stängel prüfst du also beide Verdachtsfälle.
Rapsglanzkäfer: Löcher in geschlossenen Knospen
Der Rapsglanzkäfer geht an die noch geschlossenen Knospen und frisst Löcher hinein. Die Pflanze kann solche Knospen abwerfen, der Schaden entsteht also vor der Blüte. Ich zähle dann die Käfer an einzelnen Pflanzen und verlasse mich nicht auf den Eindruck im Vorbeigehen.
Eine Gelbschale ist eine gelbe, mit Wasser gefüllte Schale im Bestand. Die Schale zeigt Zuflug und Flugaktivität von Rapsschädlingen an. Wie viele Käfer auf einer Pflanze sitzen, sagt sie dir nicht. Das Zählen an der Pflanze bleibt nötig.
Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke: Schäden an der Schote
Hat der Kohlschotenrüssler eine Schote befallen, bleibt sie zunächst geschlossen. Larven der Kohlschotenmücke können dagegen bewirken, dass Schoten vergilben und aufplatzen. Eine gelbe, aufgeplatzte Schote spricht also eher für die Mücke, während eine äußerlich unauffällige Schote den Rüssler nicht ausschließt.
Schoten bildet nur ein Bestand, der blühen und reifen darf. Bei Körnernutzung wird Winterraps in Deutschland gewöhnlich Mitte Juli des Folgejahres geerntet. Eine Gründüngung mähst du dagegen vor der Samenbildung, im Hausgarten gewöhnlich kurz vor der Blüte. Dann gibt es keine Schoten, an denen diese beiden Arten fressen könnten. Die Knospen, an die der Rapsglanzkäfer geht, entstehen allerdings schon vor der Blüte.
So gehe ich bei der Kontrolle vor
Meine Kontrollgänge richte ich nach der Pflanze aus, nicht nach dem Kalender. Mit jedem Entwicklungsschritt kommt ein anderer Verursacher in Frage, also gehe ich dann durch den Bestand. Messer und Lupe habe ich dabei, und ich sehe mir Pflanzen am Rand und in der Mitte der Fläche an. Auffälliges notiere ich mit Datum und Stelle, damit ich beim nächsten Gang vergleichen kann.
Blätter ab dem Keimblatt: Lochfraß? Blätter und Wurzelhals: gelbliche Flecken mit weißgrauem Zentrum und schwarzen Punkten? Wurzel einer zurückbleibenden Pflanze: Wucherung oder Galle, im Schnitt mit Fraßgang? Stängel: weiß, verkrümmt, innen Larven oder Dauerkörper? Knospen: Löcher, abgeworfene Knospen? Schoten: vergilbt, aufgeplatzt?
Was du tun kannst, wenn du etwas findest
Bestimme zuerst, dann handle. Ein Loch im Blatt oder eine einzelne krumme Pflanze sagt noch wenig über den ganzen Bestand.
Bei einer Gründüngung musst du keine Ernte retten, denn der Bestand wird ohnehin vor der Samenbildung gemäht. Gemähte Gründüngung bleibt sonst als Mulch liegen oder wird flach eingearbeitet. Kranke Pflanzen gehören aber weder in den Mulch noch auf den Kompost. Bei einem kranken Bestand fällt der übliche Weg also aus, und die befallenen Pflanzen kommen in die Biotonne.
Nützlinge kannst du fördern. Blüten direkt bei den Gemüsekulturen unterstützen erwachsene Nützlinge, deren Nachwuchs sich dort von Blattläusen ernährt. Das setzt voraus, dass du Beutetiere in begrenztem Umfang duldest und die Nützlinge beim Pflanzenschutz schonst. Für die Käfer im Raps ist damit nichts zugesagt.
Hausmittel wie SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. werden im Garten gegen viele Insekten genannt. Der Seife wird nachgesagt, Tiere zu treffen, die offen auf der Pflanze sitzen. Larven im Stängelmark liegen aber im Inneren der Pflanze. Ich verlasse mich im Raps deshalb nicht darauf.
Ein chemisches Pflanzenschutzmittel ist das letzte Mittel. Wenn du eines einsetzt, dann nur ein für den Haus- und Kleingarten zugelassenes und genau nach Gebrauchsanweisung: mit Schutzkleidung, mit Einhaltung der Wartezeit und mit vorschriftsmäßiger Entsorgung der Reste. Ein solches Mittel kann auch Nützlinge treffen.
Unkraut im Raps ist ein eigenes Thema. Der Nachbarartikel zeigt, wie du Unkraut im Winterraps mechanisch, biologisch und über die Kulturführung bekämpfst.
Vorbeugen vor der nächsten Saat: drei kurze Einordnungen
Die Pflanze. Winterraps gehört zu den Kreuzblütlern und ist als starkzehrend und tiefwurzelnd eingestuft. Für Krankheiten zählt vor allem die Familie, weil sie ihn mit Kohl, Rettich und Radieschen verbindet. Die Grundlagen stehen im Gründünger-Überblick, im Abschnitt darüber, was Gründüngung im Boden leistet.
Die Fruchtfolge. Raps zählt wie Senf und Ölrettich in die Kreuzblütlerpause, und als Anbaupause sind für Winterraps 4 Jahre angesetzt. Vor Kohl, Rettich oder Radieschen steht besser kein Kreuzblütler als Gründüngung. Wie du die Familien über die Jahre verteilst, erklärt dort der Abschnitt zu Fruchtfolge und Mischkultur.
Boden und Saat. Als Bodenart wird für Winterraps Lehm genannt, und schwere Lehm- und Tonböden neigen stärker zu Staunässe. Weil das Vermeiden von Staunässe zur Kohlhernie-Vorbeugung gehört, prüfe ich vor der Saat, ob das Wasser auf der Fläche abzieht. Gesät wird Winterraps als Gründüngung von Mitte August bis Anfang September in ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett. Welche Art auf welchen Boden passt, steht dort im Abschnitt zu Standort und Boden.





