Krankheiten an Futterpflanzen: Mehltau, Rost und Blattflecken erkennen und behandeln
- Echter Mehltau lässt sich als weißer Belag von der Blattoberseite abwischen, Falscher Mehltau kann einen nicht abwischbaren Belag auf der Unterseite bilden.
- Haferkronenrost bildet rundliche bis ovale Sporenlager mit pulvrigem, leuchtend orangerotem Inhalt.
- Cercospora macht rundliche rotbraune Flecken auf Rübenblättern und wird durch hohe Feuchtigkeit und Temperaturen von 25 bis 30 °C begünstigt.
- Wer nasse und staunasse Böden meidet, senkt das Risiko für Wurzelbrand an Futterrüben, violette Wurzelfäule an Chicorée und Kohlhernie an Kohl.
- Schimmelpilzgifte können schon auf dem Feld oder erst im Lager entstehen; bei Vergiftungsverdacht holst du sofort tierärztliche Hilfe.
Weißer Belag auf der Zichorie, rotbraune Flecken auf Rübenblättern, welkes Gras trotz feuchtem Boden: Solche Zeichen sehe ich mir erst genau an, bevor ich etwas unternehme. Hinter ähnlichen Bildern können Pilze, Bakterien, Viren, Fraß oder schlicht zu viel Wasser stecken, und jede Ursache verlangt etwas anderes. Bei Futterpflanzen kommt dazu: Was du erntest, landet später im Trog deiner Tiere.
Klee bringt viel Eiweiß und Mineralstoffe ins Feldfutter, Futterrüben liefern vor allem Energie bei wenig Eiweiß. Welche Nährstoffe in welchen Futterpflanzen stecken und wovon ihr Gehalt abhängt, erklärt der Ratgeber zu Nährstoffen in Futterpflanzen und wie du ihren Gehalt bestimmst. Wie Grünland, Futterkohl, Rüben und Zichorie zusammengehören, zeigt der Überblick über Futterpflanzen von Grünland bis Zichorie.
Weißer Belag: Echter oder Falscher Mehltau?
Beim Mehltau klärt ein einfacher Handgriff schon viel. Echter Mehltau bildet typischerweise einen weißen Belag auf der Blattoberseite, und diesen Belag kannst du abwischen. Falscher Mehltau kann dagegen einen weißlichen bis grau-violetten Belag auf der Blattunterseite bilden, der sich nicht abwischen lässt.
An Chicorée kann Echter Mehltau weißliche Beläge auf den Blättern verursachen. Chicorée, Radicchio und Zuckerhut gelten als Blattsalate für die Frischfütterung von Kaninchen und Meerschweinchen, deshalb lohnt hier vor der Ernte ein genauer Blick. Was die Kultur über die Saison braucht, steht im Ratgeber, wie du Futterzichorie gesund durch die Saison bringst.
Ich nehme beim Kontrollgang ein Stück Küchenpapier mit. Damit wische ich über jeden weißen Belag und drehe das Blatt danach um, weil Falscher Mehltau auf der Unterseite sitzen kann. Erst dann entscheide ich, was ich mache.
Orangerote Pusteln und rotbraune Flecken: Rost und Blattflecken
Rost am Hafer
Am Hafer zeigt sich Rost als Haferkronenrost. Er bildet auf Blattspreiten und Blattscheiden rundliche bis ovale Sporenlager mit pulvrigem, leuchtend orangerotem Inhalt. Ich prüfe deshalb nicht nur die Blattfläche, sondern auch die Blattscheiden am Halm.
Für Futtergräser gehört die Wahl möglichst resistenter und regional geeigneter Arten und Sorten zur Vorbeugung gegen Blattkrankheiten. Worauf du bei der Aussaat sonst achtest, steht im Ratgeber, wie du Saatbett, Saatzeitpunkt und Saatgut für Futterpflanzen wählst.
Blattflecken an Hafer und Rüben
Die Septoria-Blattfleckenkrankheit des Hafers kann unregelmäßig runde, rotbraune bis braungraue Flecken verursachen. An Rüben verursacht Cercospora rundliche, rotbraune Blattflecken. Darauf kann ein grau-weißlicher bis grau-silbriger Pilzbelag sichtbar sein. Hohe Feuchtigkeit und Temperaturen von 25 bis 30 °C begünstigen Cercospora. Nach solchen feuchtwarmen Phasen gehe ich gezielt durch die Rübenreihen und sehe mir jedes Blatt mit Flecken aus der Nähe an.
Welke, Wurzelfäule, Vergilbung: wenn die Ursache nicht auf dem Blatt sitzt
Manche Krankheiten zeigen sich erst, wenn eine Pflanze welkt, kümmert oder umfällt. Dann lohnt der Blick auf Wurzel, WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. und Boden.
Bakterienwelke an Futtergräsern
Bei Bakterienwelke an Futtergräsern können zunächst gelbe Streifen entlang des Mittelnervs auftreten. Später kann das Gras welken, obwohl es ausreichend Wasser hat.
Wurzelbrand an jungen Futterrüben
Braun bis schwarz verfärbte Keimlingswurzeln, Einschnürungen am Keimstängel und umfallende Jungpflanzen deuten typischerweise auf Wurzelbrand hin. Zur Vorbeugung meidest du für Futterrüben Böden, die zu Nässe neigen.
Violette Wurzelfäule an Chicorée
Die violette Wurzelfäule überzieht geschädigtes Wurzelgewebe mit einem dunkelvioletten Pilzgeflecht. Wasserstau fördert sie. Kümmert eine Chicoréepflanze, lege ich die Wurzel vorsichtig frei und sehe sie mir an.
Kohlhernie an Futterkohl
Die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. infiziert Kohlpflanzen besonders stark bei 20 bis 25 °C. Feuchte, staunasse und saure Böden begünstigen sie. Futterkohl verträgt auf durchlässigen Wildackerböden zwar einen pH-Wert von 4,5 bis 8. Dass er auf saurem Boden wächst, sagt also nichts darüber, wie hoch dort das Risiko für Kohlhernie ist. Wie sauer dein Boden ist, zeigt dir eine Bodenuntersuchung.
Für die Bodenuntersuchung im Gemüsebeet stichst du die Schicht von 0 bis 25 cm ab. Aus 10 bis 15 Einzelproben derselben Fläche mischst du eine Probe. Liegt der gemessene pH-Wert schon über dem Zielbereich deines Bodens, gibst du keinen Kalk.
Vergilbung an Futterrüben
Die Grüne Pfirsichblattlaus kann bei Futterrüben Viren der Vergilbungskrankheit übertragen. Blattläuse an Rüben behalte ich deshalb besonders im Blick. Gelbe Blätter allein sind aber kein Beweis für Viren, denn bei Futterrüben zeigt sich auch die Reife am Vergilben und Absterben der älteren Blätter.
Nicht jeder Fleck ist eine Krankheit
Fraß, Läuse und Gießfehler hinterlassen Spuren, die einer Krankheit ähneln können. Bevor du von Pilzen ausgehst, schließ diese Ursachen aus.
| Was du siehst | Wo | Kann auch hindeuten auf |
|---|---|---|
| Welke, obwohl der Boden nass ist | Gartenpflanzen allgemein | Wurzeln, die durch zu viel Wasser geschädigt sind |
| Welkende Pflanzen | Kohl | Wurzelfraß der KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. |
| Helle, unregelmäßige Flecken im Blatt | Rüben | Larven der Rübenfliege, die im Blatt minieren |
| Fraßgänge mit Kot und Gespinstfäden an Herzblättern und Rübenkopf | Rüben | Rübenmotte; ihr spätes Schadbild kann einer Herz- und Trockenfäule durch Bormangel ähneln |
| Fraß vom Blattrand aus, dazu silbrige Schleimspuren | viele Kulturen | Schnecken |
| Gekräuselte Blätter | Chicorée | Blattläuse |
| Klebrige Blätter mit Pilzbelag | viele Kulturen | HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. von Blattläusen, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln |
| Weißliche, wachsartige Ausscheidungen am Wurzelhals, Kümmerwuchs | Chicorée | Wurzelläuse |
| Vergilbende und absterbende ältere Blätter | Futterrüben | Reife |
„Eine welke Pflanze hat Durst.“ Das stimmt nicht immer. Zu viel Wasser kann Wurzeln schädigen und eine ähnliche Welke auslösen wie Wassermangel. Bakterienwelke an Futtergräsern kann sogar bei ausreichender Wasserversorgung auftreten. Ich fühle deshalb erst mit dem Finger die Bodenfeuchte, bevor ich zur Gießkanne greife.
Blattoberseite und Blattunterseite ansehen. Weißen Belag mit Papier abwischen. Am Hafer Blattspreiten und Blattscheiden auf orangerote Sporenlager prüfen. Flecken an Rüben auf grauen Pilzbelag ansehen. Vor dem Gießen die Bodenfeuchte fühlen. Bei kümmernden Pflanzen Wurzelhals und Wurzel freilegen. Auf Schleimspuren, Läuse und klebrige Blätter achten.
So beugst du Krankheiten vor
Vorbeugen läuft bei mir über Luft, Wasser und Boden. Gut belüftete, nicht zu dichte Bestände und möglichst wenig BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. beim Gießen gehören zur Vorbeugung gegen Mehltau. Ich gieße deshalb früh morgens und bodennah, damit das Wasser an die Wurzeln kommt und die Blätter trocken bleiben.
Die drei Wurzelkrankheiten von oben hängen alle mit Nässe zusammen: Gegen Wurzelbrand meidest du nasse Böden, die violette Wurzelfäule fördert Wasserstau, und staunasse Böden begünstigen die Kohlhernie. Ein Beet ohne Staunässe senkt das Risiko deshalb bei Rüben, Chicorée und Kohl zugleich. Futterrüben vertragen ohnehin keine Staunässe, und im Kübel brauchst du Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Wie du Standort, Boden und Gießen insgesamt angehst, erklärt die Anleitung, wie du als Tierhalter Futterpflanzen im Garten, Hochbeet oder Kübel selbst anbaust.
Anbaupausen sollen Krankheitszyklen unterbrechen, deshalb denke ich dabei in Pflanzenfamilien: Bei Kohl zählen auch Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen als Kreuzblütler mit. Für die Runkelrübe gilt eine FruchtwechselpauseDie Fruchtwechselpause ist die Zeit, in der auf einem Beet weder dieselbe Gemüseart noch eine verwandte Art aus derselben Pflanzenfamilie wächst, damit sich Krankheitserreger und Schädlinge im Boden nicht so leicht vermehren. von 4 Jahren. Die ganze Folge planst du mit dem Abschnitt Fruchtfolge und Mischkultur im Futterpflanzen-Überblick, und im Beetplaner hältst du fest, was in welchem Jahr wo stand.
Befall entdeckt: Was du jetzt tun kannst
Ist die Ursache halbwegs klar, fange ich bei der KulturführungKulturführung bezeichnet alle Pflegearbeiten, mit denen du angebaute Pflanzen während ihres Wachstums begleitest. Dazu gehören vor allem Bewässerung, eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung, Unkrautregulierung und vorbeugender Pflanzenschutz. an und nicht bei einem Mittel. Bleibt sie unklar, lass sie von einer Fachberatung bestimmen, bevor du irgendetwas spritzt.
Stehen Pflanzen zu dicht, lichte ich aus, damit wieder Luft durch den Bestand kommt. Befallene Blätter nehme ich von Hand ab und verfüttere sie nicht. Bei Futterzichorie nutze ich ohnehin frische, junge Aufwüchse in der vegetativen Phase. Bei der Sorte Spadona wachsen nach einem Schnitt innerhalb von 4 bis 5 Wochen neue erntereife Blätter nach. Den Nachwuchs sehe ich mir dann genau an, bevor er in die Futterschüssel kommt.
Bei Blattläusen kannst du geringen Befall tolerieren und ihn bei Bedarf mit einem Wasserstrahl verringern. Marienkäfer und ihre Larven fressen Blattläuse, deshalb lasse ich sie im Beet ungestört. Schnecken sammle ich in den späten Abendstunden ab oder frühmorgens nach warmem Regen. Kohl deckst du gegen die Kohlfliege unmittelbar nach Saat oder Pflanzung mit einem Kulturschutznetz ab, das an den Rändern dicht schließt. Bedenke dabei, dass ein Netz auch Nützlingen den Zugang verwehren kann.
SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken., Rapsöl, Jauchen, Kaffeesatz oder Bittersalz: Solche Hausmittel werden in vielen Gärten gegen Läuse, Schnecken oder Pilze weitergegeben. Bei Pflanzen, die später im Futtertrog landen, setze ich deshalb zuerst auf Wasserstrahl, Handarbeit, Luft und trockene Blätter.
Chemischen Pflanzenschutz sehe ich bei Futterpflanzen nur als letztes Mittel. Kommt es so weit, nimmst du nur Mittel mit Zulassung für Haus- und Kleingarten und folgst genau der Gebrauchsanweisung. Du trägst Schutzkleidung, hältst die Wartezeit bis zur Ernte ein und entsorgst Reste nach den Vorgaben. Solche Mittel können auch Nützlinge wie Marienkäfer treffen. Auch im ökologischen Landbau sind Pflanzenschutzmittel möglich, die Auswahl zulässiger Mittel ist dort aber eng begrenzt. Mehr dazu liest du im Ratgeber, wie ökologische Tierhalter Futterbau, Weide und Öko-Standards verbinden.
Ich notiere mir, an welcher Kultur, an welcher Stelle im Beet und nach welchem Wetter ich Befall finde. Diese Notizen nehme ich mit in die Planung der nächsten Saison, wenn ich Abstände, Gießweise und Anbaupausen festlege.
Befallenes Futter: ernten, lagern, verfüttern
Mit der Ernte ist das Thema nicht erledigt. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld oder erst während der Lagerung belasten. Ich achte deshalb beim Schnitt und beim Einlagern gleichermaßen auf Schimmel. Was schimmelig riecht oder aussieht, sortiere ich aus und verfüttere es nicht.
Für lagerstabiles, dicht lagerbares Heu gilt ein Wassergehalt von weniger als 14 %. Im Lager schützt du es vor erneutem Wasserzutritt, und ein Luftraum darüber führt feuchtwarme Luft ab. Bei Silage begrenzen gute Verdichtung und eine sorgfältige Folienabdeckung den Sauerstoffzutritt und damit das Risiko von Nacherwärmung und Schimmel. Buttersäure ist ein Hinweis auf schlechte Silierung, besonders bei nassem und stark verschmutztem Siliergut.
Futterrüben lagern optimal bei 2 bis 4 °C in Mieten und Scheunen. Bei etwa 5 °C sind frische Futterrüben nur begrenzt lagerfähig. Wärme fördert das Austrocknen, und gefrorene Rüben können nach dem Auftauen faulen.
Kreuzkraut gehört nicht ins Futter. Seine Pyrrolizidinalkaloide können auch über Heu oder Silage bei Rindern und Pferden schwere bis tödliche Vergiftungen verursachen. Auch die Giftstoffe der Herbstzeitlose bleiben nach Trocknung, Silierung und Lagerung erhalten. Bei Vergiftungsverdacht holst du sofort tierärztliche Hilfe.





