Mikroorganismen in Blumenerde: Was sie für Pflanzen leisten und wie du sie aktiv hältst
- In Blumenerde bauen Mikroorganismen organische Bestandteile und organischen Dünger ab und setzen dabei Nährstoffe frei.
- Beim Abbau von Holzfasern in torffreier Erde können sie Stickstoff vorübergehend binden, der den Pflanzen dann fehlt.
- Bio ist bei Blumenerde kein geschützter Begriff, aussagekräftiger ist die Inhaltsstoffliste.
- Feuchte ohne Staunässe, eine stabile Struktur und ein passender pH-Wert halten die Mikroorganismen im Topf aktiv.
- Weißer Pilzflaum und intensiver Geruch frischer Erde können von Zersetzern stammen und heißen nicht automatisch, dass sie verdorben ist.
- Mikrobielle Präparate brachten in den beschriebenen Versuchen meist keinen sicheren Vorteil, und Mykorrhiza ersetzt keinen Dünger.

Du reißt einen neuen Sack Blumenerde auf, es riecht intensiv, und in einer Ecke liegt weißer Flaum. Oder deine Pflanzen werden in frischer torffreier Erde blass, obwohl sie vorgedüngt ist. In beiden Fällen können Mikroorganismen im Substrat dahinterstecken, und beides ist nicht automatisch ein Grund, die Erde wegzuwerfen.
Wenn ich einen neuen Sack öffne, rieche ich zuerst hinein und lese dann die Inhaltsstoffliste. Kompost, Rindenhumus und Holzfasern sind organische Bestandteile, die Mikroorganismen im Topf weiter abbauen. Dieser Abbau kann Nährstoffe für deine Pflanzen freisetzen, er kann aber auch vorübergehend Stickstoff binden.
Wer in gekaufter Erde lebt und was er leistet
Zu den Bodenmikroorganismen zählen unter anderem Bakterien, Pilze, Algen und einzellige Eukaryoten wie Amöben, die einen Zellkern besitzen und nicht zu den Bakterien gehören. In Blumenerde siehst du manchmal Pilze: Viele davon zersetzen organische Bestandteile und sind für die Pflanzen unbedenklich.
Beim Abbau organischer Stoffe setzen Mikroorganismen mineralische Nährstoffe frei, die Pflanzenwurzeln aufnehmen können. Ihre Schleimstoffe können Bodenkrümel stabilisieren, und Mykorrhizapilze können ihre Wirtspflanzen besser mit Wasser und Mineralstoffen versorgen. Wie die einzelnen Gruppen im Beet zusammenwirken und wie du sie dort förderst, erklärt der Beitrag über die Rolle der Bodenmikroorganismen im Gartenboden.
Im Gartenboden ernährt Humus die Bodenorganismen, deren Tätigkeit Nährstoffe freisetzt und über Regenwurmgänge Durchlüftung und Versickerung unterstützt. Die Grundlagen dazu findest du im Kapitel über Humus, Bodenleben und Bodenanalyse im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost.
Was die Erde im Sack für ihre Mikroorganismen bedeutet
Zusammensetzung und Aktivität der Mikroorganismen hängen unter anderem von Feuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab. Den pH-Wert und das Nährstoffangebot bringt die Erde mit, Feuchte und Temperatur bestimmst du mit Gießkanne und Standort. Wenn du vor allem Allzweckerde verwendest, lies auch, welche Mikroorganismen in Universalerde leben und wie du sie förderst.
Bio oder konventionell: Das Etikett verrät wenig
Bio ist bei Blumenerde kein geschützter Begriff und garantiert nicht einmal Torffreiheit. Auch als Bio-Blumenerde verkaufte Produkte können Torf enthalten. Torfreduziert oder torfarm heißt ebenfalls nicht torffrei, solche Erden können noch bis zu 70 % Torf enthalten. Maßgeblich sind die Angaben torffrei oder ohne Torf, und die prüfst du auf der Inhaltsstoffliste.
Für die Mikroorganismen zählt, was tatsächlich im Sack steckt. Torffreie Erden enthalten zum Beispiel Holzfasern, Rindenhumus, Kompost und Kokosmaterialien, also organische Stoffe, die im Topf weiter abgebaut werden. Eine erprobte torffreie Mischung besteht aus jeweils ungefähr 25 % Holzfasern, KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf., Rindenhumus und gütegesichertem Kompost.
Zwei Zeichen helfen dir bei der Qualität. Das RAL-Gütezeichen steht für regelmäßige unabhängige Kontrollen, unter anderem von pH-Wert, Nährstoffversorgung und Struktur. Der Blaue Engel gilt für torffreie Kultursubstrate und Blumenerden und stellt Anforderungen an Gebrauchstauglichkeit und Schadstoffgehalte.
„Bio-Erde ist lebendiger als konventionelle.“ Am Etikett lässt sich das nicht festmachen, weil Bio bei Blumenerde nicht geschützt ist. Was die Mikroorganismen beschäftigt, sind organische Bestandteile und organischer Dünger, und beides findest du in der Inhaltsstoffliste.
Torffreie Erde: wenn der Abbau Stickstoff bindet
Beim mikrobiellen Abbau organischer Bestandteile torffreier Erde kann Stickstoff vorübergehend gebunden werden. Deinen Pflanzen fehlt er dann, obwohl die Erde eine Grunddüngung enthält. Bei der Herstellung von Holzfasern gilt diese Stickstofffestlegung als wesentliches Qualitätsproblem. Ausgereifter, substratfähiger Rindenhumus bindet dagegen nur noch wenig Stickstoff. Kompostreiche torffreie Erde kann wiederum viel Phosphor und Kalium enthalten.
| Bestandteil | Was im Substrat passiert | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Holzfasern | Beim mikrobiellen Abbau kann Stickstoff vorübergehend gebunden werden. | eher stickstoffbetont düngen, ältere Blätter beobachten |
| Kompost | Liefert Nährstoffe und organische Substanz, die das Bodenleben fördert; kann hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzwerte einbringen. | enthaltenen Phosphor bei der Düngung anrechnen |
| Rindenhumus | Ausgereift bindet er nur noch wenig Stickstoff; beim Kompostieren der Rinde werden wachstumshemmende GerbstoffeGerbstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die zum Beispiel reichlich in Baumrinde stecken. Im Garten begegnen sie dir vor allem im Rindenmulch, wo sie das Wachstum von Gemüse, aber auch von Unkraut hemmen. abgebaut. | bei hohen Anteilen pH-Werte unter 6 vermeiden, weil erhöhte Manganaufnahme Eisenmangel auslösen kann |
| Bims, Splitt, Blähton | Mineralische Zuschläge erhöhen die Strukturstabilität. | in mehrjährigen Kübeln einplanen, damit der untere Topfbereich nicht verdichtet und vernässt |
Nach dem Umtopfen in ausreichend vorgedüngte Blumenerde brauchen Kübelpflanzen üblicherweise 4 bis 6 Wochen keinen zusätzlichen Dünger. Weil der Abbau in holzfaserreicher Erde Stickstoff binden kann, verlasse ich mich dort nicht allein auf diese Frist und schaue früher auf die älteren Blätter. Hellen sie auf, kann das auf Stickstoffmangel hindeuten. Lichtmangel, Temperaturschwankungen und Wasserstress können allerdings ähnliche Vergilbungen auslösen. Bestätigt sich ein Mangel, können mineralische oder flüssige Dünger ihn rasch ausgleichen. Holzreiche Erden brauchen ohnehin eher eine stickstoffbetonte Düngung.
An neuen Torfersatzstoffen wird weiter geforscht, unter anderem an Hopfenrebenhäcksel, Paludikulturmaterial und Faserhanf. In den HOT-Reallaboren verbesserte eine an Gefäß und Substrat angepasste Nährstoffgabe die Versorgung gegenüber einer Düngung, die allein an das Gießwasser gekoppelt war. Mehr zu Torfersatz und Substratbestandteilen steht im Kapitel Erden und Substrate desselben Ratgebers.
Organisch oder mineralisch vorgedüngt
Viele Erden sind vorgedüngt, und die Düngerform bestimmt, ob Mikroorganismen dabei mitarbeiten. Organische Dünger in Blumenerde müssen erst mineralisiert werden, ihre Nährstoffe werden also zeitversetzt verfügbar. In warmer und zugleich feuchter Erde nimmt diese Freisetzung zu, weil die Mikroorganismen aktiver sind. Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger dagegen kaum Nährstoffe frei.
Umhüllte mineralische Depotdünger funktionieren anders. Ihre Freisetzung hängt von Temperatur und Feuchte ab, bei harzumhüllten Produkten gelangen die Nährstoffe durch Diffusion durch die Hülle ins Substrat. Daneben gibt es Langzeitdünger, deren Nährstoffe erst durch chemische oder biologische Umwandlung verfügbar werden.
Feste organische Dünger wie Hornspäne müssen vor der Aufnahme mikrobiell abgebaut werden. In kleinen Gefäßen kann ihre Wirkung deshalb verzögert und unzureichend einsetzen. Hornmehl wird wegen seiner feineren Vermahlung schneller umgesetzt als Hornspäne. Für torffreie Topferde mische ich es schon vor dem Pflanzen unter, statt es später obenauf zu streuen.
Spezialerden für Orchideen, Rhododendron, Kakteen und Zitrus
Spezialsubstrate sind sinnvoll, wenn Pflanzen besondere Ansprüche an pH-Wert oder Struktur haben. Für die Mikroorganismen ändern sich damit der pH-Wert und das Angebot an organischer Substanz, denn in mehrere dieser Erden gehört kein gewöhnlicher Kompost.
| Pflanzen | Passendes Substrat | Organischer Anteil |
|---|---|---|
| Zimmerorchideen wie Phalaenopsis | sehr luft- und wasserdurchlässiges Rindensubstrat | kein Kompost |
| Rhododendron und Azaleen | sauer, pH überwiegend 4,5 bis 5,5, obere ToleranzBei Pflanzensorten bedeutet Toleranz: Die Pflanze wird von einer Krankheit oder einem Schaderreger zwar befallen, verkraftet das aber so gut, dass in der Regel keine Ertragseinbußen zu befürchten sind. bis etwa 6,0 | kein gewöhnlicher Gartenkompost, weil er den pH-Wert anheben kann; als saure Bestandteile kommen kompostierte Rinde, verrottetes Laub und Nadelerde infrage |
| Topfkakteen aus Trockengebieten | rasch abtrocknend, aus Blähton, Lava und Bims mit organischen Komponenten | Mischbeispiel: ein Teil organische auf zwei Teile mineralische Bestandteile |
| Zitruspflanzen im Kübel | Spezialsubstrat mit pH 5,0 bis 5,5 | selbst gemischte komposthaltige Substrate sind wegen ihres häufig hohen pH-Werts oft ungeeignet |
| Zimmerpflanzen allgemein | Topfpflanzenerde | Kompost höchstens etwa 20 Volumen-% |
Auch Rindenhumus und gütegesicherter Kompost können hohe pH-, Phosphor-, Kalium- und Salzgehalte mitbringen, deshalb sind sie keine Garantie für eine saure Rhododendronmischung. Kalkempfindliche Rhododendren gießt du bevorzugt mit Regenwasser.
Hydrokultur: Nährstoffe ohne den Umweg über Mikroorganismen
In HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze. wachsen Pflanzen ohne Erde. Bei solchen erdelosen Kulturen müssen sämtliche Nährstoffe gezielt dosiert werden, dafür gibt es flüssige Spezialdünger und Nährstoffbatterien. Organische Flüssigdünger nimmst du im Haus nur für Erdkulturen, weil sie in Hydrokultur Geruchsprobleme verursachen können.
Organisch gebundene Nährstoffe müssen erst mineralisiert werden, bevor Wurzeln sie aufnehmen können. In Hydrokultur kommen die Nährstoffe dagegen vollständig über den dosierten Dünger. Die Arbeit, die Mikroorganismen in Erde mit organischem Dünger leisten, fällt hier also weg. Bakterienkulturen gebe ich meinen Hydropflanzen nicht dazu, ich halte mich an die vollständige Nährlösung nach Packungsangabe.
Blumenerde selbst mischen
Mischst du Blumenerde selbst, bringt reifer Kompost Nährstoffe und organische Substanz mit, die das Bodenleben fördert. Prüf seine Pflanzenverträglichkeit vorher mit einem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch. und siebe ihn für Blumenerde auf etwa 10 bis 15 mm. Reiner Kompost taugt nicht als Substrat, weil seine hohe Nährsalzkonzentration Keimlingswurzeln Wasser entziehen kann.
Die LWG nennt für selbst gemischtes Freiland-Pflanzsubstrat je ein Drittel Gartenerde, Kompost und Rindenhumus. Eine Balkonkastenerde kann bis zu 30 % vollständig verrotteten Kompost enthalten. Den Rest bilden Rindenhumus, Kokosfaser und gebrochener Blähton zu gleichen Teilen. Gartenboden allein füllst du dagegen nicht in Gefäße, weil er beim Wässern verschlämmen und verdichten kann.
Selbst gemischte Blumenerde: höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteter Kompost. Zimmerpflanzen: höchstens etwa 20 Volumen-% Kompost. Anzuchterde für Aussaat und Stecklinge: meist höchstens 20 Volumen-%. Orchideen und Farne: kein Kompost.
Eigener Gartenkompost ist nicht keimfrei. Die Rotte erreicht oft nicht durchgehend die Temperaturen, die Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen zuverlässig abtöten würden.
Gekaufte Mikroorganismen braucht dein eigener Kompost nicht. Bei fachgerechter Kompostierung kommen sie mit den Abfällen in ausreichender Zahl und Vielfalt hinein, einen neuen Haufen kannst du zusätzlich mit Gartenerde animpfen. Wie du Standort, Material und Miete wählst, steht im Kapitel Kompost anlegen des Ratgebers Düngen, Boden und Kompost.
So hältst du die Mikroorganismen im Topf aktiv
Im Topf bestimmst du die Bedingungen weitgehend selbst. Ein passender pH-Wert allein sorgt noch nicht für günstiges Bodenleben, wenn die Feuchte fehlt. Im Beet gelten andere Handgriffe, dafür lies, wie du Bodenlebewesen im Gartenboden förderst und den Erfolg überprüfst.
Feucht halten, Staunässe vermeiden
Gieß nach der Feuchte im Wurzelraum, nicht nach der Oberfläche. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während es unten im Topf noch nass ist. Ich stecke deshalb vor dem Gießen den Finger tief in die Erde. Ist die Erde ganz ausgetrocknet, benetzt du sie langsam und wiederholt, bis sie wieder Wasser aufnimmt.
Staunässe kann im Wurzelraum Sauerstoffmangel verursachen, Fäulnis auslösen und die Nährstoffaufnahme unterbrechen. Jeder Topf braucht deshalb Abzugslöcher. Angestautes Wasser im Untersetzer gießt du nach starkem Regen zügig ab, und dauerhaft gefüllte Übertöpfe vermeidest du.
Heb einen frisch gegossenen Topf einmal an und merk dir sein Gewicht. Fühlt er sich später deutlich leichter an, prüfst du die Feuchte unten im Topf und gießt.
Struktur erhalten
Für mehrjährige Kübel nimmst du strukturstabile Kübelpflanzenerde, damit der untere Topfbereich nicht verdichtet und vernässt. Mineralische Zuschläge wie Bims, Splitt oder Blähton verbessern diese Strukturstabilität. Ein gutes Kübelsubstrat verbindet kleine Poren, die Wasser speichern, mit größeren Poren für Wasserabzug und Luft. Ist der Ballen stark durchwurzelt oder das Substrat verkrustet und nimmt kaum noch Wasser auf, ist es Zeit zum Umtopfen.
pH-Wert und Gießwasser im Blick
Der pH-Wert beeinflusst die Verfügbarkeit der Nährstoffe und die Aktivität des Bodenlebens. Für Kultursubstrate außerhalb der Moorbeetkulturen gilt pH 5,0 bis 6,5 als anzustreben. Rindenhumushaltige Mischungen sollten eher im oberen Bereich liegen.
Hartes Gießwasser kann den pH-Wert im Substrat anheben. Da der pH-Wert zugleich die Aktivität des Bodenlebens beeinflusst, kann hartes Leitungswasser auch die Lebensbedingungen der Mikroorganismen im Topf verändern. Willst du nachmessen, brauchst du eine kalibrierte Glas-Einstichelektrode. Einfache Metallsonden und sehr trockenes Substrat können unzuverlässige Werte liefern.
Maßvoll düngen
Dosiert wird nach der Gebrauchsanweisung des konkreten Düngers, und Flüssigdünger kommt nur auf bereits feuchte Erde. Überhöhte Gaben versauernder Dünger können den pH-Wert senken und die Lebensbedingungen der Bodenmikroorganismen verändern. Ein durch Überdüngung erhöhter Salzgehalt kann außerdem die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinträchtigen. Weiße Krusten am Topfrand beweisen allein aber keine Überdüngung, denn sie können auch von Salzen aus dem Gießwasser stammen.
Erde lagern und wiederverwenden
Auch im Sack bleibt Erde nicht unverändert. Bei längerer Lagerung torffreier und torfreduzierter Erden können Verpilzung, NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. und Salzgehalt zunehmen. Torffreie Erde verbrauchst du deshalb möglichst bald und lagerst sie bis dahin kühl, trocken und lichtgeschützt in gut verschlossener Verpackung. Länger gelagerte Erde mischst du frischer Erde bei, statt sie allein zu verwenden.
Angebrochene Säcke rolle ich oben fest zusammen, klemme sie zu und stelle sie in den kühlen, dunklen Keller. Auf jeden Sack schreibe ich das Kaufdatum, damit ich die ältere Erde zuerst verbrauche.
Für Balkonkästen und Kübel bis etwa 30 Liter Inhalt kannst du krankheitsfreie Vorjahreserde aufbereiten. Dafür mischst du sie mit etwa einem Drittel frischer Erde. Erde aus Töpfen mit wurzelfaulen Pflanzen verwendest du nicht wieder. Einige Bodenmikroorganismen verursachen selbst Pflanzenkrankheiten, und mit dem alten Substrat könntest du sie in den nächsten Topf tragen.
Pilzflaum, Schimmel und Geruch
Ein intensiver Geruch frisch geöffneter Erde kann von mikrobieller Aktivität stammen und heißt nicht automatisch, dass sie verdorben ist. Sichtbare Pilze können Zersetzer abgestorbener organischer Bestandteile sein und bedeuten nicht automatisch, dass deine Pflanze krank ist.
Erde wegen weißem Flaum sofort entsorgen. Kehrt flaumiger Schimmel auf Zimmerpflanzenerde immer wieder, prüfst du zuerst, ob du zu viel gießt oder der Standort schlecht belüftet ist. Danach nimmst du die oberste Erdschicht ab, und hilft das nicht, topfst du um.
Nimm deinen nächsten Sack Erde zur Hand, lies die Inhaltsstoffliste auf Holzfasern, Kompost und Rindenhumus und schreib das Kaufdatum darauf. Prüf vor dem nächsten Gießen die Feuchte unten im Topf statt an der Oberfläche.
Mikrobielle Präparate: was Versuche gezeigt haben
Im Handel gibt es Mykorrhiza-Inokulum als Pulver, Granulat, Flüssigkeit oder Gel, dazu Effektive Mikroorganismen und bakterielle Biostimulanzien. Auch Wurzelaktivatoren werden als Starthilfe für die Wurzelbildung angeboten. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar, denn bestimmte Bodenbakterien und Pilze können Phosphor und Stickstoff besser verfügbar machen oder das Wurzelwachstum anregen. Ob ein Präparat das in deinem Topf tut, hängt aber von Boden, Klima, der schon vorhandenen Mikrobenpopulation und der Produktqualität ab.
PflanzenstärkungsmittelPflanzenstärkungsmittel sind Stoffe, Gemische oder Mikroorganismen, die allgemein die Gesundheit von Pflanzen erhalten oder sie vor Belastungen schützen sollen, die nicht von Schaderregern ausgehen, etwa vor Frost oder starker Verdunstung. Pflanzenschutzmittel sind sie nicht. gehören zum Pflanzenschutzrecht, brauchen aber keine Zulassung und müssen dem BVL vor dem Verkauf nur mitgeteilt werden. Ihre Listung setzt keinen Wirksamkeitsnachweis voraus, und ihre Unbedenklichkeit wird nicht wie bei Pflanzenschutzmitteln durch Studien geprüft. Bodenhilfsstoffe und Pflanzenhilfsmittel fallen unter das Düngerecht, EU-Pflanzenbiostimulanzien unter das EU-Düngemittelrecht. Auch eine Aufnahme in eine FiBL-Betriebsmittelliste belegt nicht automatisch eine unabhängig geprüfte Wirksamkeit.
Die Ergebnisse aus Versuchen fallen nüchtern aus:
| Versuch | Präparat | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gemüsebauversuche der LWG | Effektive Mikroorganismen | Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen |
| LWG-Gewächshausversuch mit 106 Herbststaudenarten und -sorten | Effektive Mikroorganismen | kein einheitlicher Vorteil bei Wuchs, Bewurzelung und Pflanzengesundheit; bei einzelnen Sorten weniger oder später Mehltau |
| Vierjähriger biologischer Feldversuch | Effektive Mikroorganismen | kein zusätzlicher Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität; beobachtete Effekte gingen auf die Nährstoffzufuhr durch Bokashi und Mist zurück |
| LfL-Winterweizenversuche an vier Standorten über zwei Jahre | zwei bakterielle Biostimulanzien | keine signifikanten Effekte auf Ertrag, Proteingehalt oder Stickstoffertrag |
| Bundesweite Ringversuche an Zierpflanzen | Pflanzenstärkungs- und Hilfsmittel | Qualitätsunterschiede selten, Wirkungen nicht sicher reproduzierbar |
| Untersuchte Stadtbaumpflanzung | Mykorrhizapräparate | kein nachweisbarer Einfluss |
| Agroforstprojekt | MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. zusammen mit Pflanzenkohle | besserer Anwuchs und mehr Höhenwachstum berichtet, ohne getrennte Effektgrößen |
| Gewächshaus-Großversuch mit Tomaten | Mykorrhizapilz Rhizophagus irregularis | Ertrag gleich, Früchte mit mehr Zucker, Lycopin und Aminosäuren |
Ein sicher reproduzierbarer Vorteil für Wuchs oder Ertrag lässt sich daraus nicht ablesen. Im Feldversuch wirkte das organische Material, nicht das Präparat. Im Tomatenversuch änderte sich die Fruchtqualität, der Ertrag blieb gleich.
Was Mykorrhiza braucht
Bei der Mykorrhiza bekommt die Pflanze Wasser und Nährsalze vom Pilz und versorgt ihn im Gegenzug mit Zucker aus der Photosynthese. Arbuskuläre Mykorrhizapilze brauchen eine lebende Wirtspflanze, um zu wachsen und sich zu vermehren. Ein Präparat muss deshalb in die Wurzelzone gelangen, damit der Pilz Kontakt zu seinem Wirt aufnehmen kann.
Nicht jede Pflanze bildet Mykorrhiza. Kohlarten, Raps, Rüben und Spinat gelten bei arbuskulärer Mykorrhiza als Nichtwirte, während Karotten, Zwiebeln und Kürbisse sie bilden. Mykorrhiza erschließt vorhandene Nährstoffe, bringt aber selbst keine in den Boden ein und ersetzt deshalb keinen Dünger. Mäßige organische Düngung kann das Vorkommen arbuskulärer Mykorrhizapilze im Boden fördern.
Eine hohe Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung vermindern, und kompostreiche torffreie Erde kann viel Phosphor enthalten. In frischer, kompostreicher Blumenerde kann eine zusätzliche Beimpfung deshalb wenig ausrichten, zumal sie bei guter Nährstoffversorgung keinen sicheren Wachstumsvorteil bietet.
Wenn ich ein Präparat ausprobiere, behandle ich nur einen Teil der Töpfe und stelle einen unbehandelten Topf derselben Sorte daneben. So sehe ich selbst, ob sich überhaupt etwas unterscheidet.
Bevor du ein Präparat kaufst, beantworte dir fünf Fragen. Unter welches Recht fällt es, und gibt es unabhängige Versuche dazu? Ist deine Pflanze ein Mykorrhiza-Wirt? Ist die Erde frisch und kompostreich, also möglicherweise reich an Phosphor? Kommt das Mittel beim Umtopfen direkt an lebende Wurzeln? Und hast du einen unbehandelten Vergleichstopf?
