Ziergräser im naturnahen Garten: richtig auswählen, Tieren helfen, Ausbreitung bremsen
- Süßgräser bilden keinen Nektar, bieten aber Raupenfutter, Winterquartier und Samen für Vögel.
- Heimisch und wintergrün sind die Wald-Segge (Carex sylvatica) und Carex pendula.
- Halme sommergrüner Gräser bis zum zeitigen Frühjahr stehen lassen, dann bodennah schneiden.
- Die Blau-Segge (Carex flacca) bildet starke Ausläufer und passt nicht zu schwachwüchsigen Nachbarn.
- Gegen Selbstaussaat helfen sterile Sorten wie das Reitgras 'Karl Foerster' oder spät blühendes Chinaschilf.
- Gebietseigenes Wildpflanzensaatgut erhält regionale genetische Vielfalt, Zuchtsaatgut gilt nicht als gebietseigen.

Ein Ziergras kann im naturnahen Garten Raupen als Futter dienen und Nützlingen über den Winter Unterschlupf geben. Es kann sich aber auch über AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. oder Samen ausbreiten und schwächere Nachbarn bedrängen. Ich kläre deshalb vor jedem Kauf drei Fragen: Woher stammt die Pflanze, was bietet sie im Winter, und wie breitet sie sich aus?
Die Auswahl ist groß, vom niedrigen Schwingel bis zum hohen Chinaschilf. Einen Überblick, welche Ziergräser-Arten es gibt und wie sie sich im Lauf des Jahres wandeln, findest du in einem eigenen Ratgeber. Hier geht es um das, was im naturnahen Garten zählt: den Nutzen für Tiere, heimische und wintergrüne Arten und den Umgang mit Gräsern, die sich ausbreiten.
Was Gräser Tieren im naturnahen Garten bieten
Süßgräser werden vom Wind bestäubt und bilden keinen Nektar. Ihren Wert für Tiere haben sie über Blätter, Halme und Samenstände.
Für Nektar suchende Insekten pflanzt du deshalb Blühstauden dazu. Zum Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea) passen unter anderem Rutenhirse und Indianernesseln als Begleiter.
Die Blätter vieler Gräser sind Raupenfutter. Die Raupen des Großen Ochsenauges fressen unter anderem an Knäuelgras, Wiesen-Lieschgras, Wiesen-Rispengras und an Schwingel-Arten. Auch die Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) dient ihnen als Nahrung.
Im Winter zählen die stehenden Halme. Die Zwischenräume von Gräsern dienen Nützlingen als Winterquartier. Abgestorbene Pflanzenteile können Schmetterlingen als Überwinterungsplatz für Eier oder Puppen dienen, deshalb bleiben sie im Herbst zumindest teilweise stehen. Die Samenstände der Rutenhirse (Panicum virgatum) können Vögeln im Winter Nahrung bieten.
Sommergrüne Ziergräser schneidest du ohnehin erst im zeitigen Frühjahr vor dem Neuaustrieb bodennah zurück. Wer den Schnitt bis dahin aufhebt, lässt den Nützlingen ihr Winterquartier in den Halmen, ohne auf den Pflegeschnitt zu verzichten.
Ich schneide meine sommergrünen Grashorste im Herbst nicht ab. Die Halme bleiben stehen, bis im zeitigen Frühjahr der Neuaustrieb ansteht. Einen Teil der dürren Staudenstängel daneben lasse ich das ganze Jahr über stehen, damit Insekten Unterschlupf finden.
Wie du mit Gräsern gezielt die Biodiversität im Garten förderst, liest du im passenden Ratgeber.
Heimische Gräser erhalten: Herkunft und Standort zählen
Für naturnahe Blühmischungen werden Wildpflanzen aus regionaler Herkunft empfohlen, weil sie an die örtlichen Bedingungen angepasst sind. Gebietseigenes Wildpflanzensaatgut unterstützt außerdem den Erhalt der regionalen genetischen Vielfalt. Zuchtsaatgut gilt fachlich nicht als gebietseigen. Ich frage beim Saatgutkauf für meine Wildecke deshalb nach der Herkunft und nicht nur nach der Art.
Pflanzgemeinschaften werden stabiler und pflegeleichter, wenn ihre Arten ähnliche Ansprüche an Boden, Feuchtigkeit, Nährstoffversorgung und Licht haben. Wähle deshalb Gräser, deren Ansprüche zu deinem Boden und zu ihren Nachbarn passen. Die Wald-Segge (Carex sylvatica) ist ein heimisches, wintergrünes Waldgras mit hoher Schattentoleranz. Für sonnige, magere und mäßig trockene Stellen eignet sich das Mittlere Zittergras (Briza media).
| Gras | Standort | Besonderheit |
|---|---|---|
| Wald-Segge (Carex sylvatica) | Schatten, hohe Schattentoleranz | heimisch und wintergrün, sät sich stark selbst aus |
| Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) | sonnig bis halbschattig, nährstoffreich, frisch bis feucht, auch nass | Blatthorste etwa 30 bis 50 cm, BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. ungefähr 1 m; Raupenfutter für das Große Ochsenauge |
| Mittleres Zittergras (Briza media) | sonnig, mager, mäßig trocken | etwa 20 bis 60 cm hoch |
| Wimper-Perlgras | volle Sonne, trockene, durchlässige Kalkböden | passt mit Zittergras und Tauben-Skabiose in kalkhaltige Splitt- und Schotter-Sickermulden |
| Pfeifengras (Molinia caerulea) | frisch bis nass | bevorzugt nährstoffarme Böden |
| Berg-Segge (Carex montana) | auch halbschattig | trockenheitsverträglich |
| Schnee-Hainsimse (Luzula nivea) | halbschattig bis schattig, humos, durchlässig, leicht feucht | wintergrün |
Wintergrüne Gräser: Laub und Struktur im Winter
Wintergrüne Gräser behalten ihr Laub über den Winter und bringen Grün in Beete, in denen sonst nur trockene Halme stehen. Heimisch und wintergrün sind die Wald-Segge und Carex pendula. Die Wald-Segge kommt mit viel Schatten zurecht und eignet sich deshalb für schattige Gartenbereiche. Für halbschattige bis schattige Plätze mit humosem, durchlässigem und leicht feuchtem Boden kommt die wintergrüne Schnee-Hainsimse (Luzula nivea) dazu.
Wintergrüne Gräser schneidest du nicht pauschal bodennah. Winter- und immergrüne Arten nimmst du vom flächigen RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. aus und putzt sie einzeln aus. Beim Frühjahrsputz entfernst du braun gewordene Halme und Blätter, häufig genügt das schon. Hat ein immergrünes Schattengras im Winter starken Schaden genommen, ist im zeitigen Frühjahr auch ein vollständiger Schnitt möglich. Ich zupfe die braunen Blätter meiner Seggen mit der Hand heraus und lasse das grüne Laub stehen.
Struktur im Winter liefern auch sommergrüne Gräser. Das Riesen-Federgras bildet bis zu 2 m hohe Blütenhalme, deren Zierwirkung bis in den Winter anhält.
Ausbreitungsfreudige Gräser im Griff behalten
Gräser breiten sich auf zwei Wegen aus: unterirdisch über Ausläufer und Rhizome oder über Samen. Welcher Weg es ist, entscheidet, wo ein Gras hinpasst und wie viel Arbeit es macht.
Ausläufer und Rhizome
Die Blau-Segge (Carex flacca) breitet sich durch starke Ausläufer aus. In artenreichen Pflanzungen mit schwachwüchsigen Nachbarn passt sie deshalb nicht. Auch die ausläuferbildende Carex foliosissima ‘Ice Dance’ braucht kräftige Nachbarn. Die Mandschurische Breitblatt-Segge breitet sich über flach verlaufende Rhizome kräftig aus. Gut aufgehoben ist sie als BodendeckerBodendecker sind niedrige, flächig wachsende Pflanzen, die in größeren Gruppen gepflanzt eine dichte Pflanzendecke bilden. Sie bedecken den Boden und lassen unerwünschten Wildkräutern wenig Platz. an Plätzen mit viel Falllaub.
Bei Bambus prüfst du vor dem Kauf den Wuchstyp. Je nach Gattung und Art breiten sich seine Rhizome flächig aus oder bilden eher geschlossene Horste. Stark ausläuferbildender Bambus braucht eine widerstandsfähige Rhizomsperre. Das gilt auch für niedrige Bambusse der Gattungen Pleioblastus und Sasa.
Selbstaussaat
Die heimischen wintergrünen Seggen Carex sylvatica und Carex pendula können sich im Garten stark selbst aussäen. Nassella tenuissima ist ein kurzlebiges Gras für sonnige Steppenpflanzungen und erhält sich oft durch SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat.. Bei Chinaschilf der Miscanthus-Sinensis-Gruppe wählst du spät blühende oder sterile Sorten, wenn du seine Selbstaussaat begrenzen willst.
Das Reitgras Calamagrostis × acutiflora ‘Karl Foerster’ ist steril und bleibt durch seine aufrechte Gestalt bis in Herbst und Winter gestalterisch wirksam. Damit bekommst du Struktur über den Winter, ohne dass Sämlinge dieses Grases im Beet auflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen..
Unerwünschte Sämlinge und Ausläufer entfernst du von Hand. Ich ziehe sie heraus oder steche sie aus, gehackt wird zwischen den Horsten nicht. In Staudenmischpflanzungen stört Hacken die Entwicklung der Stauden und den FlächenschlussFlächenschluss ist der Zustand, in dem Stauden, Gräser oder Bodendecker einer Pflanzung so weit zusammengewachsen sind, dass sie eine geschlossene Pflanzendecke bilden und kaum noch offener Boden zu sehen ist.. Neu angelegte Staudenmischpflanzungen brauchen bis zum Bestandsschluss ohnehin Unkrautkontrolle. Welche Nachbarn ein ausläuferbildendes Gras bekommt, legst du vor dem Pflanzen fest, zum Beispiel mit dem Beetplaner.
„Lampenputzergras ist Lampenputzergras.“ Stimmt nicht. Pennisetum alopecuroides braucht eher frischen, nährstoffreichen Boden, Pennisetum orientale kommt mit trockeneren, gut drainierten Böden zurecht. Das Afrikanische Lampenputzergras Pennisetum setaceum kann Dominanzbestände bilden und andere Vegetation verdrängen. Kaufe Gräser deshalb nach dem botanischen Namen.
Vor dem Kauf eines Grases für den naturnahen Garten prüfe ich:
- den botanischen Namen, nicht nur den deutschen
- ob das Gras Horste bildet oder sich über Ausläufer und Rhizome ausbreitet
- ob es sich stark selbst aussät und ob es eine sterile oder spät blühende Sorte gibt
- ob die geplanten Nachbarn kräftig genug sind
- die Herkunft, wenn heimische Arten erhalten werden sollen
Welches Gras für welchen Platz?
Sonnig und trocken
Blau- und Schafschwingel eignen sich für warme, eher trockene, durchlässige Sand- bis Steinböden, wobei Blauschwingel empfindlich auf WinternässeWinternässe ist Nässe in der kalten Jahreszeit, unter der vor allem Pflanzen aus Gebieten mit trockenen Wintern leiden. Bei ungünstiger Witterung können ihre Überwinterungssprosse faulen – auch wenn die Pflanzen als winterhart gelten. reagiert. Chinaschilf will zwar Sonne, aber frische bis feuchte, nährstoffreiche Böden. Welche Gräser für sonnige Standorte infrage kommen und welche mit Trockenheit zurechtkommen, zeigen zwei eigene Ratgeber.
Schattig
Im Schatten wachsen die Wald-Segge, die Schnee-Hainsimse und die Japan-Segge (Carex morrowii), die frischen, humosen Boden braucht. Bei Hakonechloa macra ‘Aureola’ vergrünt das goldbunte Laub tief im Schatten. Was an schattigen, feuchten Plätzen sonst zählt, erklärt der Ratgeber zu Ziergräsern für den Schatten.
Feucht
Pfeifengräser der Arten Molinia arundinacea und Molinia caerulea bevorzugen frische bis feuchte Böden. Die Rasen-Schmiele wächst auch auf nassen oder staunassen Gartenböden, Plattährengras braucht nährstoffreichen, frischen bis feuchten Boden.
Pflanzen, schneiden, überwintern: das Nötigste kurz
Boden
Vor der Pflanzung entfernst du Wurzelunkräuter und beseitigst Bodenverdichtungen, damit ein durchlässiger Pflanzboden entsteht. Wie du den Boden für Ziergräser von der Untersuchung bis zur Verbesserung vorbereitest, steht ausführlich im Ratgeber dazu.
Pflanzzeit und Anwachsen
Gepflanzt wird am besten im zeitigen Frühjahr bei bereits erwärmtem Boden, denn Herbstpflanzungen können schlechter anwachsen. In Weinbaugebieten auf durchlässigem Boden geht auch der Herbst, ausgenommen Pampasgras und Orientalisches Lampenputzergras. Bis die Gräser fest verwurzelt sind, brauchen auch trockenheitsverträgliche Arten verlässlich Wasser; wie du sie vom Einwachsen bis zum Winterschutz pflegst, liest du im Pflegeratgeber.
Düngen
Das Pfeifengras bevorzugt nährstoffarme Böden, das Zittergras magere Standorte. Vor der Düngung einer Pflanzung hilft eine Bodenanalyse, die Nährstoffgabe am Bedarf auszurichten. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber dazu, wann und womit du Ziergräser je nach Art düngst.
Rückschnitt, Teilen und Aussaat
Wann ein Gras geschnitten wird, hängt an Art, Wuchshöhe und Wuchsform; wie du Ziergräser je nach Art richtig schneidest, erklärt ein eigener Leitfaden. Innen verkahlende Horste gräbst du im Frühjahr aus und teilst sie. Wer Gräser aus Samen ziehen möchte, findet die Aussaat von Ziergräsern Schritt für Schritt im passenden Ratgeber.
Winter
Pampasgras ist durch winterliche Nässe gefährdet und braucht einen Platz, an dem Wasser gut abzieht. Für den Winter kannst du es zusammenbinden. Wie du Gräser und Stauden im Jahreslauf schneidest, mulchst und über den Winter bringst, zeigt der Überblick zu Stauden und Ziergräsern.
Gestalten und Sichtschutz
Kombiniere Gräser und Blühstauden nach gleichen Ansprüchen an Licht, Boden und Feuchtigkeit; wie das im Beet aussieht, zeigt der Ratgeber zu Gräsern und Blühpflanzen in gemeinsamer Pflanzung. Hohe Gräser wie Rutenhirse ‘Nordwind’ und Chinaschilf ‘Rotsilber’ bildeten im Versuch erst ab August eine blickdichte Wand. Wie du eine dichte Gräserwand als Sichtschutz planst, steht im Ratgeber dazu.





