Blattkohl anbauen: Gewächshaus oder Freiland? Was wohin gehört
- Im Gewächshaus kannst du Blattkohl vorziehen: Grünkohl von Anfang Mai bis Mitte Juni in Schalen oder Töpfen, Palmkohl 'Nero di Toscana' schon ab März an einem warmen Platz.
- Bei stärkerem oder länger anhaltendem Frost kannst du dich auf ein ungeheiztes Gewächshaus nicht als frostfreien Platz verlassen.
- Draußen hält Grünkohl häufig bis etwa −10 °C aus, je nach Sorte, Entwicklungszustand, Gesundheit, Standort und Witterung; Palmkohl der Sorte 'Nero di Toscana' hält Frost nur bedingt aus.
- Unter Glas gehört Lüften dazu: Heiße Luft ziehst du über das Dach ab, fehlt dort eine Öffnung, lüftest du gegenüber der Tür.
- Für süßeren, milderen Grünkohl genügt bei vielen Sorten Kälte, auf Frost musst du nicht warten.

Du hast ein Gewächshaus und fragst dich, ob dein Grünkohl darin besser wächst als im Beet. Ich nutze das Glas beim Blattkohl vor allem für den Start: Dort stehen meine Anzuchtschalen und später die Töpfe mit den Jungpflanzen. Den Winter plane ich anders, denn bei stärkerem oder länger anhaltendem Frost bleibt ein ungeheiztes Gewächshaus nicht verlässlich frostfrei. Wer Grünkohl zum Überwintern unter Glas setzt, belegt dort monatelang Platz und bekommt dafür keinen sicheren Frostschutz.
Mit Blattkohl meine ich hier Grünkohl und Palmkohl. Von beiden erntest du nach und nach einzelne Blätter, statt einen ganzen Kopf zu schneiden.
Meine Empfehlung: unter Glas vorziehen, im Beet ernten
Beim Grünkohl teile ich die Kultur auf. Die Jungpflanzen ziehe ich im Gewächshaus vor, dann kommen sie ins Freilandbeet und bleiben dort bis zur letzten Ernte. Beim Palmkohl fange ich früher an, denn die Sorte ‘Nero di Toscana’ lässt sich schon ab März warm vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus.. Seine Ernte plane ich vom Sommer bis in den Spätherbst, weil diese Sorte Frost nur bedingt aushält.
| Punkt | Grünkohl | Palmkohl ‘Nero di Toscana’ |
|---|---|---|
| Säen | Vorkultur von Anfang Mai bis Mitte Juni in Schalen oder Töpfen | ab März warm vorziehen, ins Freiland säen im Mai und Juni |
| Keimung | 14–20 °C, je nach Sorte und Anleitung | bei 16 °C innerhalb von 8–12 Tagen |
| Frost | häufig bis etwa −10 °C, als grober Richtwert | nur bedingt frosthart |
| Ernte | je nach Sorte von Oktober bis März | Blatternte vom Sommer bis in den Spätherbst |
Für die Pinnwand kannst du dir den Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken holen.
Was Gewächshaus und Freiland unterscheidet
Der Ort entscheidet darüber, wie du mit Hitze, Frost, Wasser und Schädlingen umgehst. Die Tabelle stellt beide Wege nebeneinander.
| Merkmal | Ungeheiztes Gewächshaus | Freilandbeet |
|---|---|---|
| Anzucht | geschützter Platz für Schalen und Töpfe; je wärmer der Platz, desto heller muss er sein | Direktsaat ohne Umpflanzen, beim Palmkohl im Mai und Juni |
| Hitze | heiße Luft über die Dachlüftung abführen, ohne Dachöffnung über eine Lüftung gegenüber der Tür | wärmehaltendes Vlies abnehmen, wenn die Temperaturen stark steigen, damit kein Hitzestau entsteht |
| Winter | kann bei stärkerem oder länger anhaltendem Frost auch innen frieren; Heizen bringt hohe Kosten und braucht Wärmedämmung | Grünkohl hält häufig bis etwa −10 °C aus; Vlies gegen starke Kälte und Wintersonne |
| Wasser | kein Regen, du gibst alles Wasser selbst | Regen und Bodenvorrat decken einen Teil, den Rest gießt du zu |
| Schädlinge | 1–2-mal pro Woche kontrollieren, wenn Nützlinge rechtzeitig kommen sollen; viele brauchen mindestens 15–18 °C und sind im ungeheizten Haus häufig erst ab Anfang bis Mitte Mai einsetzbar | KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. gleich nach der Pflanzung auflegen |
Vorkultur unter Glas: Licht, Netz, Abhärten
Im Gewächshaus stehen die Anzuchtgefäße vor Wind und Regen geschützt, doch Licht und Wärme müssen zusammenpassen. Stell die Jungpflanzen heller und kühler, sobald sie nach der Keimung lange, weiche Triebe bilden. Das passiert, wenn es warm und zugleich zu dunkel ist. Säen, PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat. und das Gießen der Anzucht beschreibt die Anleitung, wie du Blattkohl Schritt für Schritt von der Aussaat bis zur Ernte anbaust.
Ein feines Kulturschutznetz kannst du schon über die getopften Grünkohljungpflanzen legen, gegen zufliegende Kohlschädlinge. Die überwinterten KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. sind meist schon ab April unterwegs, die Vorkultur beginnt aber erst im Mai. Das Netz lohnt sich also bereits über den Anzuchttöpfen. Ich lege es auf, solange die Töpfe noch im Gewächshaus stehen.
Gepflanzt wird Grünkohl von Anfang Juni bis Mitte Juli. Beim Auspflanzen sollte er höchstens 4 Laubblätter haben. Welche Arbeiten beim Blattkohl in welcher Jahreszeit anstehen, zeigt dir der Arbeitskalender für Blattkohl durchs Jahr.
Die Jungpflanzen kommen direkt vom Anzuchtplatz ins Beet. Gewöhne Grünkohl vorher an draußen und stell die Töpfe mehrere Tage lang tagsüber ins Freie. Weitere Fehler aus der Anfangszeit findest du bei den typischen Anfängerfehlern im Blattkohlanbau und wie du sie vermeidest.
Sommer unter Glas: Hitze abführen, Blätter abtrocknen lassen
Heiße Luft führst du über die Dachlüftung ab, denn sie wirkt dafür besonders gut. Fehlen Dachöffnungen, sorgst du für eine Lüftung gegenüber der Tür. Ein Minimum-Maximum-Thermometer und ein HygrometerEin Hygrometer ist ein Messgerät für die Luftfeuchtigkeit. Beim Gärtnern zeigt es dir, wie feucht die Luft im Gewächshaus, unter der Anzuchthaube oder bei deinen Zimmerpflanzen ist. zeigen dir, wie warm und feucht es im Haus war. Zusammen mit dem regelmäßigen Lüften sind sie die Grundlage der Klimaführung im Kleingewächshaus.
Um Falschem Mehltau an jungen Kohlpflanzen vorzubeugen, lässt du Luft durchziehen, vermeidest Tau auf den Blättern und sorgst dafür, dass nasse Blätter rasch abtrocknen. Das Lüften hat unter Glas also zwei Aufgaben: Es führt Hitze ab und lässt die Blätter der Anzucht abtrocknen. Die Klimaführung im Detail zeigt dir der Beitrag, wie du Blumenkohl im Gewächshaus mit Klima-, Lüftungs- und Bewässerungssteuerung anbaust.
Mein Min-Max-Thermometer hängt zwischen den Anzuchttöpfen auf Pflanzenhöhe. Ich lese es beim Lüften ab und setze die Werte danach zurück.
Winter: was das Kalthaus leistet und was nicht
Draußen hält Grünkohl häufig bis etwa −10 °C aus. Im ungeheizten Gewächshaus dagegen kann es bei stärkerem Frost auch innen gefrieren. Für die Winterernte bringt dir das Glas beim Grünkohl deshalb keinen verlässlichen Frostschutz. Heizt du das Haus im Winter, kommen hohe Heizkosten hinzu, und es braucht eine Wärmedämmung.
Soll Blattkohl trotzdem über den Winter unter Glas stehen, braucht das Kleingewächshaus einen sonnigen Platz. Gebäude oder immergrüne Gehölze dürfen es bei tief stehender Wintersonne nicht verschatten. Im Beet legst du bei starker Kälte eine Vliesabdeckung auf, die überwinterndes Gemüse auch vor Wintersonne schützt.
Die etwa −10 °C sind beim Grünkohl ein grober Richtwert und keine feste Schadensgrenze. Wie viel Frost deine Pflanzen wirklich aushalten, entscheiden Sorte, Entwicklungszustand, Gesundheit, Standort und Witterung.
Grünkohl schmeckt erst nach Frost? Kühle Temperaturen reichen: Bei vielen Grünkohlsorten lagert sich dann mehr Zucker ein, und der Geschmack wird milder. Auf Frost musst du dafür nicht warten.
Im Freilandbeet: Kompost, Abstand, Anbaupause
Das Beet bekommt vor dem Pflanzen reifen Kompost, und während der Kultur düngst du regelmäßig nach. Grünkohl setzt du als Einzelpflanzen in Reihen, mit 40–50 cm Abstand in der Reihe. Zwischen den Reihen lässt du 50–60 cm frei. Wie viele Pflanzen damit in dein Beet oder dein Gewächshaus passen, rechnest du im Beetplaner für deine Gemüsebeete durch. Passende Nachbarn für den Kohl suchst du im Mischkultur-Planer heraus.
Zwischen zwei Kohlkulturen auf demselben Beet liegen je nach Empfehlung 3–4 bis 4–5 Jahre. Radieschen, Rettich und andere KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. rechnest du in diese Pause ein, ebenso Gelbsenf, Ölrettich und Raps als Gründüngung. Die Pause gilt genauso für das Beet im Gewächshaus.
Und im Kübel?
Ein Kübel für Grün- oder Palmkohl sollte mindestens 25 l fassen. In einen Topf mit 30 cm Durchmesser setzt du nur eine Pflanze, vorzugsweise eine niedrige Sorte. Die niedrigen Formen des Grünkohls wachsen ungefähr 25–30 cm hoch. Auch ‘Nero di Toscana’ kannst du im Kübel ziehen, in durchlässiger, nährstoffreicher Erde. Achte auf freie Ablauflöcher, damit sich kein Wasser staut und die Wurzeln schädigt. Bleibt der Kübel im Winter draußen, packst du Wände, Erdoberfläche und Topfboden ein, lässt aber Platz zum Gießen und für den Wasserablauf.
Was drinnen und draußen gleich bleibt
Boden: Grünkohl wächst gern in tiefgründiger, nährstoffreicher Erde, die Wasser gut speichert, bei einem pH-Wert um 6,8–7,5. Kalk gibst du nur, wenn Bodenart und Bodenuntersuchung dafür sprechen, und nie, wenn der pH-Wert schon über dem Zielbereich liegt. Boden, pH-Wert und Staunässe vertieft der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Standort und Boden.
Gießen: Die Wassermenge richtest du nach Sorte und Wetter, nach Boden oder Substrat und danach, wie viel Sonne und Wind der Platz abbekommt. Von Anfang August bis Mitte September behältst du die Wasserversorgung besonders im Auge, denn Grünkohlblätter können bei Wassermangel vergilben. Mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber unter Gießen.
Schädlinge: Gleich nach Saat oder Pflanzung spannst du ein Kulturschutznetz über das Beet, dessen Maschen enger als 1 mm sind, und schließt die Ränder bis zur Ernte dicht ab. Welche Kohlschädlinge wann auftreten, zeigt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Schädlinge und Pflanzenschutz.
Krankheiten: Der Erreger der KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. hält sich mit seinen DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren. bis zu 20 Jahre im Boden. Befallene Pflanzen holst du deshalb samt Wurzeln heraus und gibst sie in den Restmüll, nicht auf den Kompost; dazu kommen die Anbaupause und ein Beet ohne Staunässe. Kohlhernie und Falschen Mehltau ordnet der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten ein.
Ernte: Beim Palmkohl nimmst du die Blätter einzeln von außen beziehungsweise von unten ab und lässt das Herz stehen, damit die Pflanze weiterwächst. Schneidest du Grünkohl zum ersten Mal, bleiben mindestens die 5–6 jüngsten Blätter am Strunk. Erntezeiten und Lagerung je Art stehen im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.



