Chicorée-Anbau im Klimawandel: So stellst du dich auf Hitze, Trockenheit und Starkregen ein
- Chicorée wächst in zwei Phasen: erst die Rübe im Freiland, dann die Sprosse beim Treiben im Dunkeln.
- Über 20 °C drohen bei Chicorée-Samen Keimhemmungen, deshalb legst du die Saat im Mai auf kühlere Tage.
- Trockenheit beeinträchtigt die Rübenbildung, doch auch anhaltende Nässe ist für Chicorée ungünstig.
- Gieße morgens durchdringend im Wurzelbereich und prüfe die Bodenfeuchte auch in der Tiefe.
- Mulch vermindert die Verdunstung und schützt die Bodenoberfläche vor Verschlämmung und starker Erwärmung.
- Gelagerte Rüben treibst du portionsweise und verteilst so die Sprossernte über Monate.

Ob du Chicorée-Sprosse ernten kannst, entscheidet sich lange vorher auf dem Beet. Die Sprosse wachsen zwar im Dunkeln, doch die Rübe, aus der sie treiben, steht vorher 18 bis 20 Wochen im Freiland. In dieser Zeit können Hitze, Trockenheit und Starkregen sie treffen. Ich plane meinen Chicorée deshalb von diesen drei Wetterlagen her und schaue, wo ich jeweils eingreifen kann.
Chicorée-Anbau in Landwirtschaft und Garten: erst die Rübe, dann die Sprosse
Ob auf dem Acker oder im Gemüsebeet: Chicorée wird in zwei Phasen angebaut. Zuerst wächst im Freiland eine Rübe heran. Danach wird sie im Dunkeln getrieben und bildet die essbaren Sprosse. Für die Anpassung an Wetterextreme zählt vor allem die erste Phase, denn nur sie läuft unter freiem Himmel.
Treiben heißt beim Chicorée, dass die gerodete Rübe in völliger Dunkelheit neue Sprosse bildet. Diese Sprosse sind der Chicorée, der in die Küche kommt.
| Phase | Wo | Richtwert | Worauf es ankommt |
|---|---|---|---|
| Aussaat | Freiland | Mai, im Hausgarten etwa Mitte Mai | Samen keimen am besten bei 16 bis 20 °C, darüber drohen Keimhemmungen |
| Rübenwachstum | Freiland | 18 bis 20 Wochen bis zum Roden | tiefgründiger, unverdichteter Boden ohne anhaltende Nässe oder Trockenheit |
| Roden | Freiland | gleichmäßig geformte Rüben mit 3 bis 6 cm Durchmesser und etwa 15 cm Länge | nur solche Rüben eignen sich für die Treiberei |
| Lagern | in Sand eingeschlagen | 0 bis 3 °C, bis zu 8 Monate | Rüben vorher an einem luftigen Ort abtrocknen lassen |
| Treiben | im Dunkeln | 12 bis 18 °C, bei 16 °C nach etwa 3 Wochen erntereif | völlige Dunkelheit |
Wo Hitze, Trockenheit und Starkregen den Chicorée treffen
Hitze zur Saatzeit
Chicorée-Samen keimen am besten bei 16 bis 20 °C. Unter diesen Bedingungen keimen sie in rund zwei Wochen. Wird es wärmer als 20 °C, drohen Keimhemmungen. Eine Hitzeperiode kurz nach der Saat trifft den Chicorée also schon beim Start.
Trockenheit während der Rübenbildung
Während der Wurzelanzucht beeinträchtigt Trockenheit die Rübenbildung. Für die Treiberei eignen sich aber nur Rüben mit einem Durchmesser von 3 bis 6 cm. Ein trockener Sommer kann dich deshalb genau die Rüben kosten, die du später treiben willst.
Starkregen und anhaltende Nässe
Chicorée braucht einen Boden ohne anhaltende Nässe, nicht nur ohne Trockenheit. Starkregen kann außerdem die Bodenoberfläche verschlämmen. Trocknet sie danach zu einer Kruste ab, dringt der nächste Regen schlechter ein, und der Wasserhaushalt des Beets leidet.
Hitze lässt Chicorée schießen? Beim Chicorée können kühle Temperaturen zusammen mit mehr als 14 Stunden Tageslänge schon im ersten Jahr die Blütenbildung auslösen. Kälte gehört hier also zum Auslöser. Hitze setzt ihm an anderen Stellen zu: bei der Keimung und, wenn es dazu trocken bleibt, bei der Rübenbildung.
Anbauzeiten anpassen: früher säen, später säen oder beim Mai bleiben?
Wer der Sommerhitze ausweichen will, denkt zuerst an einen anderen Saattermin. Für Chicorée hat sich der Mai als Aussaatmonat bewährt, im Hausgarten liegt der empfohlene Termin etwa Mitte Mai. Ganzjähriger Anbau wäre theoretisch möglich, doch jede Verschiebung bringt eigene Risiken mit.
Eine frühere Saat bringt die jungen Pflanzen eher in kühle Phasen, während die Tage schon länger werden. Weil kühle Temperaturen zusammen mit langen Tagen schon im ersten Jahr Blüten auslösen können, tauschst du so womöglich das Hitzerisiko gegen ein Schossrisiko. Eine spätere Saat verschiebt dagegen das Roden nach hinten, denn die Rübe braucht 18 bis 20 Wochen Wachstum.
Ich bleibe deshalb beim Mai und passe lieber an, was im Beet passiert. Kündigt sich zur Saat eine Hitzeperiode an, lege ich die Saat innerhalb des Mai auf kühlere Tage. Danach halte ich das Saatbett mäßig feucht und gieße mit feinem Strahl, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Wie du den Termin nach Region und Erntewunsch festlegst, erklärt der Ratgeber zum richtigen Aussaatzeitpunkt für Chicorée. Die Saatmonate vieler Salate und Blattgemüse findest du im druckbaren Aussaatkalender für Salate und Blattgemüse.
Welche Sorte hält Hitze und Trockenheit aus?
Steht auf einer Samentüte ein Hinweis auf Hitze- oder Trockenheitstoleranz, säe ich die Sorte zur Probe neben meiner bisherigen aus. Mehr Gewicht gebe ich trotzdem dem, was ich im Beet selbst steuere: Termin, Boden und Wasser.
Gießen, wenn der Sommer trocken bleibt
Beim Chicorée gießt du für die Rübe, nicht für die Blätter.
Durchdringend gießen und nachgraben
Wie oft du gießen musst, hängt von Bodenart und Witterung ab. Ob ein Gießgang gereicht hat, zeigt dir vorsichtiges Nachgraben, denn so siehst du, wie tief das Wasser eingedrungen ist. Eine treibfähige Rübe ist etwa 15 cm lang, und Wassermangel beeinträchtigt ihre Bildung. Feuchte Erde nur an der Oberfläche hilft ihr deshalb wenig. Vor einer größeren Wassergabe prüfe ich die Bodenfeuchte darum auch in 20 cm Tiefe.
1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m² Beetfläche. Für einen durchdringenden Gießgang im Gemüsebeet dienen etwa 20 bis 25 l je m² als allgemeine Orientierung, nicht als Wochenmenge für eine bestimmte Art. Ist ergiebiger Regen angekündigt, kannst du eine geplante Gabe verschieben, solange die Pflanzen bis dahin ausreichend versorgt sind.
Tropfschlauch, Perlschlauch oder Brause?
TröpfchenbewässerungBei der Tröpfchenbewässerung gelangt das Wasser langsam aus einzelnen Tropfstellen in Schläuchen oder Tropfern direkt in den Wurzelbereich der Pflanzen. Dabei geht nur wenig Wasser durch Verdunstung verloren. spart Wasser und bringt es gezielt an die einzelnen Pflanzen. Plane dabei einen Filter ein, denn Tropfer können durch Verstopfung oder Verkalkung ausfallen. Ein Perlschlauch kann das Wasser entlang des Schlauchs ungleich abgeben. Die passende Laufzeit ermittelst du deshalb am Beet selbst, indem du nach dem Gießen an mehreren Stellen nachgräbst.
Die Brause mit feinem Strahl nehme ich nur für das Saatbett, weil sich für Aussaaten eine flächige Benetzung eignet. Überkopfberegnung erhöht dagegen BlattnässeBlattnässe ist Wasser, das als Film oder Tropfen auf den Blättern steht, etwa nach Regen, Tau oder Gießen über die Blätter. Hält sie länger an, können Pilzerreger die Blätter leichter infizieren. und KrankheitsdruckKrankheitsdruck beschreibt, wie groß die Gefahr ist, dass Pflanzen von Krankheitserregern befallen werden. Er steigt zum Beispiel bei feucht-warmem Wetter, das besonders Pilzkrankheiten fördert.. Gegossen wird deshalb möglichst morgens direkt im Wurzelbereich, sodass weniger Wasser verdunstet und Pflanzen und Boden tagsüber abtrocknen.
Schlappe Blätter am heißen Nachmittag sofort wässern. Welke Blätter können bei TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. auftreten, aber auch bei beginnender Wurzelfäule. Prüfe deshalb zuerst die Bodenfeuchte, bevor du zusätzlich gießt.
Welche Fehler Einsteigern beim Chicorée sonst passieren, zeigt der Ratgeber zu typischen Anfängerfehlern beim Chicorée-Anbau.
Regenwasser sammeln
Gesammeltes Regenwasser eignet sich zum Gießen, wenn es von unproblematischen Dachflächen stammt. Abläufe von Kupfer- und Zinkdächern sowie von herbizidbehandelten Bitumendächern nutzt du nicht. Leitungswasser ist grundsätzlich hochwertiges Gießwasser, das du trotzdem nicht verschwenden solltest.
Den Boden gegen Hitze und Starkregen schützen
Für die Wurzelanzucht braucht Treibchicorée einen tiefgründigen, steinfreien und humosen Boden ohne Verdichtungen. Im Frühjahr lockere ich das Beet erst, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet ist, und nehme dafür Grabgabel oder Krail. Kompost kann zusätzlich das Wasserhaltevermögen des Bodens verbessern.
Mulch gegen Verdunstung und Verschlämmung
Eine Mulchdecke vermindert die Verdunstung und schützt die Bodenoberfläche vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und starker Erwärmung. Außerdem vermindert sie den Abtrag von Boden durch Wind und Wasser. Damit setzt Mulch bei Hitze, Trockenheit und Starkregen zugleich an.
Das frisch gesäte Beet bleibt zunächst ohne Mulch, und später lasse ich Saatreihen und Jungpflanzen frei. Rasenschnitt lasse ich vorher antrocknen und verteile ihn so dünn, dass der Boden noch leicht durchscheint. Für Gartenbeete dient eine Mulchschicht von 2 bis 3 cm als allgemeine Orientierung, feiner Rasenschnitt kommt dünner. In feuchten Phasen mulche ich dünner als bei Trockenheit.
Rindenmulch gehört nicht ins Gemüsebeet, weil seine GerbstoffeGerbstoffe sind natürliche Inhaltsstoffe von Pflanzen, die zum Beispiel reichlich in Baumrinde stecken. Im Garten begegnen sie dir vor allem im Rindenmulch, wo sie das Wachstum von Gemüse, aber auch von Unkraut hemmen. das Pflanzenwachstum hemmen können. Kranke Pflanzenreste und samenhaltige Unkräuter taugen ebenfalls nicht als Mulch. Grobe Strohreste räume ich vor der nächsten Bodenbearbeitung ab, weil ihr Einarbeiten Stickstoff für den Abbau bindet.
Bildet sich nach einem Starkregen eine Kruste, hackst du sie oberflächlich auf. Das verbessert das Eindringen des nächsten Regens und verringert den ungünstigen Einfluss der Kruste auf den Wasserhaushalt.
Nach dem Roden
Nach dem Roden lasse ich das Beet nicht nackt liegen. Eine GrüneinsaatGrüneinsaat ist die Aussaat einer Gründüngung, etwa Gelbsenf, Phacelia oder Ackerbohne, auf einem abgeernteten Beet. Die Pflanzen halten den Boden über Herbst und Winter bedeckt, schützen ihn und verbessern seine Struktur. bedeckt die freie Fläche und schützt den Boden besonders über Winter. Chicorée selbst kommt erst nach 3 bis 4 Jahren wieder auf dieselbe Fläche, und vorher dort stehende Zichorien, Radicchio oder Endivien zählen dabei mit. Die Wechsel über mehrere Jahre kannst du im Beetplaner für dein ganzes Beet festhalten. Wie Chicorée in ein Permakultur-Beet passt, zeigt der Beitrag darüber, welche Rolle Chicorée in der Permakultur spielt.
Düngen und Pflanzenschutz bei Wetterextremen
An der Düngung ändere ich in trockenen Jahren nichts Grundsätzliches. Chicorée bekommt im Frühjahr oder vor der Aussaat eine GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. mit 3 l gut verrottetem Kompost je m². Übermäßige Stickstoffgaben vermeide ich, weil sie die spätere Treibqualität verschlechtern können. Mengen, Zeitpunkte und die Pflege bis zur Treiberei findest du im Ratgeber, wie du Chicorée bedarfsgerecht pflegst, düngst und treibst.
Nach Starkregen und unter dauerhaftem Mulch lohnt ein Blick nach Schnecken, denn dauerhaftes Mulchen kann den Schneckenbesatz erhöhen. Schnecken fressen überwiegend nachts und bei feuchter Witterung auch tagsüber. Wie du vorbeugst, kontrollierst und eingreifst, steht im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge im Ratgeber für Salate und Blattgemüse.
Lagern und Treiben: die Ernte über Monate verteilen
Nach dem Roden lässt du die Rüben an einem luftigen Ort abtrocknen und schlägst sie dann in Sand ein. Gelagert werden sie bei 0 bis 3 °C. So halten sie sich bis zu acht Monate. Getrieben wird dann bei 12 bis 18 °C in völliger Dunkelheit.
Eine Treibrunde braucht nur einen kleinen Teil der möglichen Lagerzeit, wie die Tabelle oben zeigt. Ich hole die Rüben deshalb portionsweise aus dem Sand und verteile die Sprossernte so über Monate. Beim Chicorée übernimmt das die Rolle der Folgesätze, mit denen du beim Kopfsalat die Ernte am Laufen hältst. Die Treiberei Schritt für Schritt beschreibt der Pflege-Ratgeber für Chicorée.





