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Rübensamen gewinnen: So kommst du in zwei Jahren zu eigenem Saatgut

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Rüben sind zweijährig: Im ersten Jahr wächst die Rübe, erst im zweiten Jahr blüht die Pflanze und bildet Samen.
  • Für sortentypisches Saatgut wählst du samenfeste Sorten, denn Nachkommen von F1-Hybriden können unterschiedliche Eigenschaften entwickeln.
  • Rote Bete wird durch Wind bestäubt, Mai-, Herbst- und Steckrüben durch Insekten. Mai- und Herbstrübe gehören zur selben Speiserübe und können sich kreuzen, wenn sie gleichzeitig blühen.
  • Samenträger müssen gesund und unverletzt sein und kommen frostfrei durch den Winter.
  • Im Frühjahr pflanzt du sie aus, sobald es der Frost erlaubt, und stützt die schweren Samenstände.
  • Bei Herbstrüben erntest du die Samenstände, wenn sich die Schoten gelb zu färben beginnen, und trocknest sie schattig und luftig nach.
  • Saatgut lagerst du kühl und trocken, älteres Saatgut prüfst du vor der Aussaat mit einer Keimprobe.

Wer Rübensamen selbst gewinnen will, plant über zwei Gartenjahre. Eine Rübe blüht erst im Jahr nach ihrer Aussaat, dazwischen liegt der Winter. Ich entscheide deshalb schon bei der Ernte, welche Rüben in die Küche gehen und welche als Samenträger im Frühjahr zurück ins Beet kommen. Hier gehst du den Weg Schritt für Schritt, von der samenfesten Sorte bis zur Keimprobe mit deinem eigenen Saatgut.

Warum Rübensamen zwei Jahre brauchen

Rote Bete, Herbstrübe und Steckrübe sind zweijährige Pflanzen. Speiserüben erntest du üblicherweise im ersten Jahr, bevor sie im Folgejahr Blüten bilden. Für Saatgut überwinterst du ausgewählte Pflanzen, damit sie im zweiten Jahr blühen und Samen ansetzen.

Kurz erklärt

Zweijährig beschreibt die Lebensdauer der Pflanze, nicht die Zeit bis zur Ernte. Die Rübe holst du wie gewohnt im ersten Jahr aus dem Beet. Nur wer Samen will, bringt ausgewählte Pflanzen ins zweite Jahr.

Die Rüben unterscheiden sich darin, wer sie bestäubt und wie viel Kälte sie vertragen. Das entscheidet später über Winterquartier und Sortenreinheit.

Rübe Pflanzenfamilie Bestäubung Samenträger im Winter
Rote Bete Fuchsschwanzgewächse Wind nicht winterhart, vor Frost ernten
Mairübe und Herbstrübe Kreuzblütler Insekten Herbstrübe unverletzt und frostfrei bis zum Frühjahr lagern
Steckrübe Kreuzblütler Insekten verträgt leichte Fröste, nicht verlässlich winterhart

Schritt 1: Eine samenfeste Sorte wählen

Für Saatgut, das die Merkmale deiner Sorte weiterträgt, brauchst du eine samenfeste Sorte. Bei F1-Hybriden können die Nachkommen dagegen unterschiedliche Eigenschaften entwickeln. Ich prüfe deshalb schon beim Saatgutkauf, ob eine Rübensorte als F1 ausgewiesen ist. Plane außerdem, dass je Pflanzenart nur eine Sorte zur Blüte kommt; Mai- und Herbstrübe zählen dabei zusammen, wie Schritt 5 zeigt.

Häufiger Fehler

Samen von einer F1-Rübe nehmen, weil sie im Beet besonders schön war. Deren Nachkommen können sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. Sortentypisches Saatgut bekommst du nur von einer samenfesten Sorte.

Schritt 2: Samenträger im ersten Jahr ziehen

Die Samenträger ziehst du im ersten Jahr genau wie deine Speiserüben. Herbstrüben säst du direkt ins Beet, weil sie sich schlecht verpflanzen lassen. Die Tabelle zeigt, wann du im ersten Jahr säst und erntest.

Rübe Aussaat Ernte der Rübe
Rote Bete April bis Juli Juli bis Oktober
Herbstrübe Mai bis August Oktober bis Dezember
Steckrübe April bis Juni September bis Ende November
Passt dazu

Im Aussaatkalender für Wurzelgemüse zum Ausdrucken siehst du die Aussaatmonate deiner Rüben auf einem Blatt.

Bei Roter Bete sind für die Einlagerung vollreife Rüben vorgesehen, etwa vier Monate nach der Aussaat. Zugleich muss sie vor Frost aus dem Beet, weil die Rüben sonst schnell weich werden. Wer Rote Bete als Samenträger zieht, sät also so, dass die Rüben vor dem ersten Frost ausgereift sind.

Samenträger auswählen

Die Samenträger suchst du bei der Rübenernte aus. Geeignet sind gesunde Rüben ohne Verletzungen, Schimmel oder Fäulnis, die Form und Farbe deiner Sorte zeigen. Ich hebe sie an einem trockenen Tag mit der Grabegabel aus dem ringsum gelockerten Boden. Bei Roter Bete drehe ich die Blätter ab und lasse zwei Fingerbreit Stiele stehen, die die Rübe schützen.

Mini-Checkliste

Samenfeste Sorte, kein F1. Rübe gesund, ohne Schimmel oder Fäulnis. Beim Ernten unverletzt geblieben. Form und Farbe typisch für die Sorte. Mehrere Samenträger je Sorte.

Marias Erfahrung

Ich lege die Samenträger schon beim Ernten in eine eigene Kiste und beschrifte sie mit Sorte und Jahr. Rüben aus dieser Kiste kommen bei mir nicht in den Kochtopf.

Schritt 3: Frostfrei über den Winter

Deine Samenträger lagerst du frostfrei, so wie beim traditionellen Herbstrüben-Samenbau in Osttirol, wo unverletzte Samenrüben bis zum Frühjahr aufbewahrt werden. Wie du Rüben in Sand einschlägst, liest du in der Anleitung zum Ernten und Einlagern von Rüben, die Grundregeln stehen im Wurzelgemüse-Überblick unter kühl, feucht und ohne Laub lagern. Faule oder schimmelnde Rüben sortierst du sofort aus, denn ins Beet kommen nur gesunde Samenträger.

Schritt 4: Im Frühjahr auspflanzen und stützen

Die überwinterten Rüben kommen im Frühjahr ins Beet, sobald es der Frost erlaubt. So hält es der Osttiroler Herbstrüben-Samenbau, und ich richte mich bei allen Rüben danach. Wann es bei dir so weit ist, hängt von der Lage ab: Klimatisch ungünstige Lagen sind später bestellbar als Weinbaulagen.

Speise- und Steckrüben planst du dabei gemeinsam mit den anderen Kreuzblütlern in der Fruchtfolge. Meide für sie verdichtete und staunasse Stellen, weil hohe Bodentemperatur zusammen mit hoher Bodenfeuchte die Kohlhernie begünstigt. Die Samenträger belegen ihr Beet vom Auspflanzen bis zur Samenreife. Ich trage sie deshalb gleich im Beetplaner ein und plane die Folgekultur von dort aus.

Bei Herbstrüben fällt die Blüte in den Mai. Die Samenstände werden schwer und brauchen Halt. Ich stecke die Stäbe gleich beim Auspflanzen und binde die Blütentriebe locker an, sobald sie in die Höhe gehen.

Schritt 5: Bestäubung und Sortenreinheit

Rüben sind Fremdbefruchter, ihre Blüten werden also mit Pollen anderer Pflanzen befruchtet. Bei Roter Bete trägt der Wind den Pollen, bei Mai-, Herbst- und Steckrüben übernehmen das Insekten. Ich bringe deshalb immer mehrere Samenträger einer Sorte durch den Winter und nie nur einen.

Mythos-Check

„Rüben brauchen Bienen.” Für Rote Bete stimmt das nicht, sie wird durch den Wind bestäubt. Durch Insekten bestäubt werden Mai-, Herbst- und Steckrüben.

Mairüben und Herbstrüben gehören zur selben Speiserübe, und beide werden von Insekten bestäubt. Blühen sie gleichzeitig in deinem Garten, können sie sich also kreuzen. Ich lasse deshalb in einem Jahr nur eine Sorte Speiserübe blühen, egal ob Mai- oder Herbstrübe, und halte es bei der Roten Bete genauso. Pollen kann auch aus Nachbargärten kommen, darum frage ich nebenan nach, ob dort gerade Rüben blühen.

Schritt 6: Samen ernten und nachtrocknen

Beim traditionellen Herbstrüben-Samenbau in Osttirol werden die Samenstände geerntet, wenn sich die Schoten gelb zu färben beginnen. Lässt du sie zu lange stehen, verlieren überreife Schoten ihre Samen. Nach dem Schnitt trocknen die Samenstände schattig und luftig nach.

Ich schneide die ganzen Samenstände ab und hänge sie an einem schattigen, luftigen Platz auf. Darunter lege ich Papier, das ausfallende Samen auffängt. Die Samenstände der Roten Bete trockne ich genauso nach. Sind sie durchgetrocknet, reibe ich sie über einer Schüssel zwischen den Händen aus und siebe grobe Pflanzenteile ab.

Tipp

Schreib schon beim Aufhängen Sorte und Erntejahr an jeden Samenstand. Dann bleibt die Zuordnung auch beim Ausreiben klar.

Schritt 7: Saatgut aufbewahren und mit der Keimprobe prüfen

Gemüsesaatgut bewahrst du kühl und trocken auf, damit es keimfähig bleibt. Ich fülle die gereinigten Rübensamen in Papiertüten und beschrifte sie mit Sorte und Erntejahr.

Vor der Aussaat von älterem Saatgut lohnt sich eine Keimprobe. Dafür säst du eine genau abgezählte Zahl Körner probeweise aus. Die Probe beobachtest du zwei bis drei Wochen lang. Keimen nur wenige Körner, kommen dichtere Aussaat oder frisches Saatgut infrage.

Bei Roter Bete zählst du anders. Die meisten Sorten tragen mehrsamige Knäuel, aus einem Saatkorn können also mehrere Pflanzen wachsen. Zähl deshalb, wie viele der ausgesäten Knäuel keimen, und nicht, wie viele Keimlinge erscheinen.

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Häufige Fragen

Was bedeutet der zweijährige Lebenszyklus der Rüben für die Samengewinnung?
Rote Bete, Herbstrübe und Steckrübe sind zweijährige Pflanzen: Im ersten Jahr bilden sie die Rübe, Blüten und Samen folgen erst im Jahr darauf. Für die Samengewinnung wählst du deshalb bei der Ernte Samenträger aus und bringst sie über den Winter. Im Frühjahr pflanzt du sie wieder aus, damit sie im zweiten Jahr blühen und Samen ansetzen.
Stimmt es, dass Hybride grundsätzlich schlechter sind als samenfeste Sorten?
Nein, darum geht es beim Samenbau nicht. Entscheidend ist, dass die Nachkommen von F1-Hybriden unterschiedliche Eigenschaften entwickeln können. Für Rübensamen, die die Merkmale deiner Sorte weitertragen, wählst du deshalb eine samenfeste Sorte.
Welche Methoden gibt es zur Überwinterung von Samenträgern?
Die Samenträger lagerst du frostfrei: Beim traditionellen Herbstrüben-Samenbau in Osttirol kommen unverletzte Samenrüben so bis zum Frühjahr. Rote Bete ist nicht winterhart, und Steckrüben vertragen zwar leichte Fröste, sind aber nicht verlässlich winterhart. Faule oder schimmelnde Rüben sortierst du aus, ins Beet kommen nur gesunde Samenträger.
Müssen Samenstände von Rüben gestützt werden?
Ja, die Samenstände werden schwer. Im traditionellen Osttiroler Herbstrüben-Samenbau werden sie nach dem Auspflanzen im Frühjahr gestützt. Ich stecke die Stäbe gleich beim Auspflanzen und binde die Blütentriebe locker an, sobald sie in die Höhe gehen.
Wie führe ich einen Keimtest bei Rübensamen richtig durch?
Säe eine genau abgezählte Zahl Körner probeweise aus und beobachte die Probe zwei bis drei Wochen lang. Keimen nur wenige Körner, kommen dichtere Aussaat oder frisches Saatgut infrage. Bei Roter Bete zählst du keimende Knäuel statt Keimlinge, weil aus einem Knäuel mehrere Pflanzen wachsen können.
Gibt es regionale Unterschiede bei der Rübensamengewinnung?
Ja, zum Beispiel beim Auspflanzen im Frühjahr. Die Samenträger kommen ins Beet, sobald es der Frost erlaubt, und klimatisch ungünstige Lagen sind später bestellbar als Weinbaulagen. Richte dich deshalb nach der Witterung in deinem Garten statt nach einem festen Datum.
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