Düngen mit Tierdung: scharfer Mist, Reifezeit, Horn und Schafwolle
- Frischer Hühnermist enthält im Durchschnitt 1,7 % Stickstoff und damit mehr als Pferde- oder Rindermist.
- Mist für den Garten sollte mindestens ein Jahr gelagert haben, einen Hygienenachweis ersetzt das nicht.
- Horndünger enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff, fein vermahlenes Hornmehl wird schneller umgesetzt als grobe Späne.
- Schafwollgranulat setzte im Pelargonienversuch seinen Stickstoff für die kurze Kulturzeit zu langsam frei.
- Nährstoffe aus Mist zählen mit, wenn du zusätzlich düngst.

Mist vom Reitstall oder aus dem Hühnerstall bringt Stickstoff und organische Masse ins Beet. Frisch ausgebracht kann er aber empfindliche Wurzeln angreifen und mehr Stickstoff liefern, als deine Kultur braucht. Bevor ich Mist abhole, frage ich deshalb zwei Dinge: Von welchem Tier stammt er, und wie lange liegt der Haufen schon?
Tierdung ist dabei nicht gleich Tierdung. Pferd, Rind und Huhn liefern Mist mit unterschiedlichem Stickstoffgehalt, und Hornspäne oder Schafwolle enthalten noch einmal deutlich mehr. Wie scharf welcher Dung ist, wie lange er reifen sollte und wofür sich Horn und Wolle eignen, erkläre ich dir hier der Reihe nach.
Was heißt scharfer Mist?
Als scharf bezeichnen Gärtner frischen, unverrotteten Tierdung, der empfindliche Pflanzenwurzeln angreifen kann. Wie scharf ein Mist ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Seine Nährstoffgehalte schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil, sodass jeder Haufen etwas anders ausfällt. Einen Anhaltspunkt gibt der durchschnittliche Stickstoffgehalt der Tierart.
Mist, Horn und Schafwolle sind organische Dünger. Organisch gebundene Nährstoffe müssen im Boden erst mineralisiert werden, bevor Wurzeln sie aufnehmen können. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe wird dabei wenig bis gar nichts frei, feuchtwarme Bedingungen ermöglichen eine stärkere Freisetzung.
Tierdung im Vergleich: Mist, Horn und Schafwolle
Die Werte sind Durchschnitte oder typische Spannen. Für den Haufen vor deiner Tür sind sie eine Orientierung, kein Messergebnis.
| Dünger | Stickstoff | Wie schnell er wirkt | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Pferdemist | etwa 0,4 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. als Durchschnittswert | muss im Boden erst mineralisiert werden | einzelne Chargen können abweichen; kann BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. und Bodenleben verbessern |
| Rindermist | etwa 0,5 % Gesamtstickstoff als Durchschnittswert | muss im Boden erst mineralisiert werden | einzelne Chargen können abweichen; kann Bodenstruktur und Bodenleben verbessern |
| Frischer Hühnermist | 1,7 % Stickstoff als Durchschnittswert | muss im Boden erst mineralisiert werden | höchster Stickstoffwert der drei Mistarten |
| Hornmehl | typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff | vollständige Umsetzung in etwa 6 Wochen | fein vermahlen, nicht sofort vollständig pflanzenverfügbar |
| Hornspäne | typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff | Umsetzung über mehrere Monate | gröber als Hornmehl |
| Schafwollgranulat | 10 % Stickstoff im Pelargonienversuch | im Versuch für die kurze KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. zu langsam | reines Granulat, tierischer Rohstoff |
Frischer Hühnermist liegt beim Stickstoff klar über Pferde- und Rindermist. Wer ihn mit derselben Gabel verteilt wie Pferdemist, bringt also deutlich mehr Stickstoff aus, und ein hohes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. im Boden kann die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Das ist kein Grund, auf eigenes Gemüse zu verzichten, wohl aber einer, bedarfsgerecht zu düngen.
Ich nehme die Durchschnittswerte als Orientierung und frage beim Abholen nach Fütterung und Nässe des Mists. Worin sich Pferde- und Rinderdung in Struktur und Bodenwirkung unterscheiden und welcher zu deinem Boden und deinen Kulturen passt, klärt ein eigener Ratgeber.
Wie lange muss Mist reifen?
Für die Gartendüngung wird Mist empfohlen, der mindestens ein Jahr gelagert hat. Diese Empfehlung gilt für Pferde- und Rindermist ebenso wie für Hühnermist. Ich mache dabei keinen Unterschied zwischen den Tierarten.
Mindestens ein Jahr Lagerzeit ist eine Empfehlung zur Reife, kein Hygienenachweis. Auch im Gartenkompost sterben Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen nicht zuverlässig ab, weil ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht werden.
An meinem Misthaufen steckt ein Holzschild mit dem Monat, in dem zuletzt frischer Mist dazukam. Ab diesem Datum zähle ich die Lagerzeit, nicht ab dem ersten Eimer.
„Pferdemist ist so mild, dass er frisch im Herbst aufs Beet darf.“ Die Empfehlung, Mist für den Garten mindestens ein Jahr zu lagern, nimmt Pferdemist nicht aus. Auch der Herbst passt schlecht: Auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die freigesetzten Nährstoffe auf, also können sie ausgewaschen werden. Im Garten ist deshalb eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung möglichst vorzuziehen.
Woran du reifen, einwandfreien Pferde- und Rindermist erkennst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Du kannst Mist auch zusammen mit anderem Gartenmaterial kompostieren. Dann gelten die Regeln für jeden Kompost: ein geschützter Platz, ein ausgewogenes Ausgangsmaterial und eine Reifeprüfung vor dem Ausbringen. Wie du Kompost anlegst, pflegst und auf Reife prüfst, steht im Überblick zu Düngen, Boden und Kompost.
Hornspäne und Schafwolle: viel Stickstoff, langsame Freigabe
Horn und Schafwolle bringen ihren Stickstoff auf viel kleinerem Raum mit als Mist. Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl enthalten typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff. Sofort pflanzenverfügbar ist davon nicht alles. Wie schnell der Stickstoff ankommt, hängt an der Körnung: Fein vermahlenes Hornmehl wird schneller umgesetzt als gröbere Hornspäne.
Für die vollständige Umsetzung von Hornmehl im Boden rechnest du mit etwa 6 Wochen. Gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Ich lese deshalb auf der Packung nach, ob Mehl, Grieß oder Späne drin sind, bevor ich den Düngetermin plane.
Schafwolle wird als Granulat oder in Pellets ebenfalls als Stickstoffdünger angeboten. In einem Pelargonienversuch enthielt reines Schafwollgranulat 10 % Stickstoff. Für die kurze Kulturzeit setzte die Wolle diesen Stickstoff aber zu langsam frei. Bei Horn und Wolle lohnt deshalb der Blick darauf, wie lange deine Kultur steht: Horn ist nicht sofort vollständig verfügbar, und die Wolle war im Versuch für eine kurze Kultur zu langsam.
Bei Mist kommt etwas anderes dazu: Er kann neben der Nährstoffzufuhr auch Bodenstruktur und Bodenleben verbessern. Organische Dünger sind übrigens nicht automatisch vegan, denn sie können tierische Rohstoffe wie Horn und Schafwolle enthalten.
Wohin der Mist gehört und was du anrechnest
Tierdung gehört zu Kulturen, die viel Stickstoff brauchen. Tomaten haben zum Beispiel einen höheren Stickstoffbedarf als Erbsen und Bohnen. Buschbohnen können mithilfe von KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. sogar Luftstickstoff nutzen. Bei Lavendel können stark stickstoffhaltige Dünger und Mist dagegen zu weichem, instabilem Wuchs führen. Welche Beete du für Starkzehrer vorsiehst, planst du mit dem Beetplaner, der Zehrer-Einstufung und Anbaupausen berücksichtigt.
Nährstoffe aus Mist und Kompost zählen mit, wenn du zusätzliche Düngung berechnest. Auch organische Dünger lassen sich in zu hoher Menge ausbringen. Bei Obstgehölzen kann zusätzlicher VolldüngerEin Volldünger, auch NPK-Dünger genannt, enthält die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem Produkt. Häufig sind zusätzlich Magnesium, Kalzium oder Schwefel beigemischt. neben Kompost oder verrottetem Mist zu Überdüngung und einseitiger Nährstoffanreicherung führen. Ich trage deshalb jede Mistgabe mit Datum und Beet in mein Gartenheft ein.
Eine Standard-Bodenuntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH liefert keinen Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen.. Den Stickstoffvorrat im Boden lässt du gesondert bestimmen, wenn du ihn genau kennen willst.
Wie viel Pferde- oder Rinderdung aufs Beet kommt, wie du ihn einarbeitest und welche Fehler dabei passieren und wie du sie behebst, steht im Ratgeber zum richtigen Einsatz. Wie du Mist mit Kompost, Gründüngung und Mineraldünger kombinierst und was Bodenanalyse und Düngerecht dabei vorgeben, erklärt ein weiterer Ratgeber.
Bevor Tierdung aufs Beet kommt:
- Der Mist hat mindestens ein Jahr gelagert.
- Du weißt, von welchem Tier er stammt; frischer Hühnermist bringt deutlich mehr Stickstoff mit als Pferde- oder Rindermist.
- Auf dem Beet steht eine Kultur mit hohem Stickstoffbedarf.
- Kompost und andere Dünger dieser Saison hast du mitgerechnet.
- Der Boden ist feucht, damit die Nährstoffe unmittelbar wirken können.
