Pferde- und Rindermist als Dünger: was drinsteckt und woran du reife Ware erkennst
- Rindermist enthält im Tabellenmittel etwa 0,5 % Gesamtstickstoff; die Gehalte schwanken mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil.
- Pferdemist setzt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam frei und ist kein schnell wirkender Stickstoffdünger.
- Wegen der Phosphatzufuhr ist die Aufwandmenge von Rinder- und Pferdemist im Hausgarten auf 3 kg/m² begrenzt.
- Gut kompostierter Mist ist mürbe und riecht meist angenehm; empfohlen wird mindestens ein Jahr gelagerter Mist.
- Weder Lagerzeit noch Heißrotte ersetzen einen Hygienenachweis; Pferdemist stammt am besten aus bekannter Haltung.

Der Reiterhof nebenan gibt Pferdemist ab, und beim Landwirt liegt Rindermist auf dem Hof. Bevor ich davon etwas auf meine Beete fahre, kläre ich zwei Fragen. Wie viel Dünger steckt tatsächlich im Mist? Und ist die Ladung reif und unbedenklich? Beides kannst du mit einfachen Prüfungen und gezielten Fragen am Stall eingrenzen.
Was steckt in Rindermist und Pferdemist?
Organische Dünger stammen überwiegend aus pflanzlichem oder tierischem Material, Mineraldünger liefern ihre Nährstoffe meist als Salze. Pferde- und Rindermist zählen also zu den organischen Düngern. Wie sich beide Gruppen unterscheiden, erklärt der Abschnitt über Düngerarten und Düngerformen in unserem Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost.
Für den Stickstoffgehalt gibt es Tabellenwerte. Rindermist enthält im Durchschnitt etwa 0,5 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist.. Bei Pferdemist liegt der Tabellenwert bei etwa 0,4 %. Die Gehalte schwanken allerdings mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil. Ein Tabellenwert ersetzt deshalb keine Untersuchung der Charge, die bei dir ankommt.
| Dünger | Stickstoffgehalt | Einordnung |
|---|---|---|
| Rindermist | etwa 0,5 % Gesamtstickstoff | durchschnittlicher Tabellenwert; veröffentlichte Mittelwerte je nach Quelle 0,5 bis 0,6 % |
| Pferdemist | etwa 0,4 % Gesamtstickstoff | durchschnittlicher Tabellenwert; veröffentlichte Mittelwerte je nach Quelle 0,4 bis 0,57 % |
| Frischer Hühnermist | 1,7 % Stickstoff | tabellierter Durchschnitt |
| Hornspäne, Horngrieß, Hornmehl | typischerweise 10 bis 14 % Gesamtstickstoff | nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar |
Gesamtstickstoff meint allen Stickstoff im Material, auch den organisch gebundenen. Pflanzen nehmen Nährstoffe aber in mineralisch gelöster Form über die Wurzeln auf. Organisch gebundene Nährstoffe müssen deshalb im Boden erst mineralisiert werden.
Neben Stickstoff bringt Mist auch Phosphat in den Boden. Deshalb ist die Aufwandmenge von Rinder- und Pferdemist im Hausgarten auf 3 kg/m² begrenzt. Pro Kilogramm enthält Mist also wenig Stickstoff, und die Menge ist wegen des Phosphats gedeckelt: Damit eignet er sich eher als Grundgabe denn als gezielte Stickstoffquelle. Wie scharf Mist von Pferd, Rind und Geflügel ist und wie reif er sein muss, vergleicht ein eigener Ratgeber.
Wie Mist auf Pflanze und Boden wirkt
Kompost und Mist können neben der Nährstoffzufuhr auch BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. und BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf. verbessern. Welche Mikroorganismen im Dung leben und was sie für Nährstoffe und Humus leisten, beschreibt ein eigener Beitrag. Humus, Bodenleben und Bodenanalyse erklärt unser Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost im Abschnitt über den Boden.
Langsam verfügbar und abhängig vom Wetter
Pferdemist und Pferdemistkompost geben ihren Stickstoff vergleichsweise langsam ab. Als schnell wirkender Stickstoffdünger taugen beide nicht. Wie zügig organisch gebundene Nährstoffe frei werden, hängt von Wetter und Bodenfeuchte ab. Bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe setzen organische Dünger kaum Nährstoffe frei. Feuchtwarme Witterung kann dagegen starke Freisetzungsschübe auslösen. Zeigen deine Pflanzen unter solchen hemmenden Bedingungen Mangelsymptome, behebt eine weitere Mistgabe das akute Problem nicht zuverlässig.
Ich notiere mir, wann ich welches Beet mit Mist versorgt habe. Denn die Nährstoffe aus dem Mist zählen mit, wenn ich später weiteren Dünger bemesse.
Was der Stickstoff in der Pflanze bewirkt
Stickstoff braucht die Pflanze vor allem für die Bildung und das Wachstum von Blättern und Trieben. Ein Zuviel kann allerdings schaden. Bei Obstbäumen und Beerensträuchern kann zu viel Stickstoff starkes Triebwachstum zulasten der Blüten- und Fruchtbildung fördern. Außerdem kann es dann zu Frostschäden an unausgereiftem Holz kommen. Lavendel kann auf Mist ebenso wie auf stark stickstoffhaltige Dünger mit weichem, instabilem Wuchs reagieren. Kräuter können bei zu starker Düngung weich und übermäßig wachsen und an Aroma verlieren.
Im Gemüsebeet kann ein hohes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. die Nitratanreicherung im Gemüse fördern. Auf Gemüse musst du deshalb nicht verzichten, aber du düngst nach Bedarf.
Mit Mist gut versorgte Pflanzen sollen weniger Blattläuse haben. Tatsächlich kann eine sehr hohe Stickstoffversorgung Blattläusen günstigere Ernährungsbedingungen bieten. Mehr Mist ist also kein Schutz vor Läusen.
Woran du reifen, einwandfreien Mist erkennst
Ob der Mist vom Stall kommt oder aus dem Sack: Ich prüfe Reife, Herkunft und Kennzeichnung, bevor er ins Beet geht.
Reifemerkmale, die du selbst prüfen kannst
Für die Gartendüngung wird Mist empfohlen, der mindestens ein Jahr gelagert hat. Bei der Kompostierung wird er mürbe und entwickelt sich zu einem meist angenehm riechenden Kompost. Ist er so weit, prüfst du ihn wie jeden anderen Kompost auch. Ein fauliger Geruch deutet auf zu viel Nässe hin. Riecht er nach Ammoniak, spricht das für einen Überschuss an nährstoffreichem Material. In der Hand sollte er sich anfühlen wie ein ausgedrückter Schwamm.
Den Reifegrad prüfe ich zusätzlich mit dem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.. Dazu säe ich Kresse in eine Probe des Mistkomposts und zum Vergleich in Gartenerde. Wächst sie im Kompost nach 5 Tagen schwächer oder gelblich-braun, braucht er noch Reifezeit.
Bevor reifer Mist ins Beet kommt, gehe ich diese Punkte durch.
- Struktur: mürbe
- Geruch: meist angenehm, weder faulig noch nach Ammoniak
- Feuchte: wie ein ausgedrückter Schwamm
- Lagerzeit: mindestens ein Jahr
- Kressetest: Aufwuchs nach 5 Tagen nicht schwächer und nicht gelblich-braun als in Gartenerde
Herkunft: was ich am Stall frage
Pferdemist sollte möglichst aus einer bekannten Haltung stammen. Er kann Rückstände von Tierarzneimitteln enthalten, und Angaben zu Behandlungen fehlen häufig. Am Stall frage ich deshalb, ob die Tiere zuletzt behandelt wurden und wie lange der Haufen schon liegt.
Für den biologischen Selbstversorgergarten können die Regeln der ökologischen Landwirtschaft als Orientierung dienen. Dort darf StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe., auch kompostierter, nicht aus industrieller Tierhaltung stammen. Wer biologisch gärtnern will, fragt also auch nach der Haltungsform.
Ich hole Mist nur dort, wo ich Haltung und Lagerplatz selbst sehen kann. Beim Abholen nehme ich eine Probe aus dem Inneren des Haufens, nicht nur von der Oberfläche. Daran rieche ich, drücke sie in der Hand aus und lege einen Teil für den Kressetest beiseite.
Hygiene: was Lagerzeit und Heißrotte leisten
Die empfohlene lange Lagerzeit ersetzt keinen Hygienenachweis. Auch die Heißrotte gibt keine Garantie. Im Inneren eines ausreichend großen, gut geführten Komposts gelten 60 bis 70 °C als günstige Rottebedingungen. Eine einzelne Messung beweist allerdings keine Hygienisierung. Gartenkompost erreicht ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend, deshalb überleben darin Krankheitserreger für Menschen, Tiere und Pflanzen unter Umständen. Für Mist, den du im eigenen Garten kompostierst, gilt das genauso.
Frischen Mist fasse ich nur mit Handschuhen an und wasche mir danach die Hände. Weder eine bestimmte Lagerzeit noch eine gemessene Rottetemperatur macht Mist sicher keimfrei.
Gütezeichen, Bio-Hinweise und Analysen beim Kauf
Mist direkt vom Stall kommt ohne Etikett, dort zählen deine Fragen nach Herkunft und Lagerzeit. Bei gekaufter Ware lohnt ein genauer Blick auf die Angaben, denn jede belegt nur etwas Bestimmtes.
| Angabe | Was sie dir sagt | Was sie offenlässt |
|---|---|---|
| RAL-Gütezeichen auf Kompost | Ein Prüfzeugnis dokumentiert Eigenschaften und Analysenergebnisse der untersuchten Charge. | Aussagen über andere Chargen |
| Listung in der Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau | Die Verwendbarkeit im Öko-Landbau ist geprüft. | eine geprüfte Düngewirksamkeit |
| Stickstoff-Tabellenwert | den durchschnittlichen Gehalt als Orientierung | die Untersuchung der konkreten Charge |
| Angabe zur Lagerdauer | ob die empfohlene Lagerzeit von mindestens einem Jahr erreicht ist | einen Hygienenachweis |
Das EU-Bio-Logo darf auf biotauglichen Düngemitteln nicht stehen. Ob ein Handelsprodukt gelistet ist, suchst du über den Produkt- oder Firmennamen in der Betriebsmittelliste. Brauchst du genaue Nährstoffwerte, fragst du nach der Analyse der konkreten Charge.
Was das Recht im Hausgarten vorgibt
Die Düngeverordnung regelt vorrangig die Düngung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Andere Flächen erfasst sie nur, soweit sie das ausdrücklich bestimmt. In Wasserschutzgebieten können örtliche Schutzverordnungen oder behördliche Entscheidungen bestimmte Handlungen verbieten oder einschränken. Liegt dein Garten in einem solchen Gebiet, klärst du vor dem Ausbringen, was dort gilt.
Haus-, Nutz- und Kleingärten sind vom Anwendungsbereich der Bioabfallverordnung ausgenommen. Vorschriften des Düngemittel- und Pflanzenschutzrechts bleiben davon unberührt. Für die ökologische Produktion listet Anhang II der Durchführungsverordnung (EU) 2021/1165 die zulässigen Düngemittel und Bodenverbesserer samt ihren Beschränkungen. Wie du Mist mit Kompost, Gründüngung und Mineraldünger kombinierst und was Bodenanalyse und Düngerecht dabei vorgeben, vertieft ein weiterer Ratgeber.
Einsatz, Lagerung und Fehler: die Kurzfassung
Mist gibt es frisch, getrocknet, pelletiert oder als Fertigkompost. Welche Handelsform zu Gemüse, Zierpflanzen, Obst und Rasen passt, klärt ein eigener Beitrag.
Im Hausgarten ist eine Frühjahrsdüngung der Herbstdüngung möglichst vorzuziehen, weil dann weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Wie viel Mist du wann ausbringst und wie du ihn passend zu Bodentyp und pH-Wert einarbeitest, steht in der Anleitung dazu.
Frischer Mist wird erst bei der Kompostierung mürbe. Wie aus frischem Dung durch Lagern und Kompostieren ein gebrauchsfertiger Dünger wird und wie du ihn im Hochbeet, im Kübel oder als Mulch nutzt, zeigt ein eigener Ratgeber.
Auch organische Dünger können in einer pflanzenbaulich oder ökologisch zu hohen Menge ausgebracht werden. Welche Fehler beim Einsatz von Mist passieren und wie du ihre Folgen behebst, fasst ein weiterer Beitrag zusammen, von unreifem Dung bis zur pH-Verschiebung.
Was die Pflanzen nicht aufnehmen, kann ausgewaschen werden. Gelangt zu viel Phosphor in Gewässer, wachsen Algen und Wasserpflanzen stärker, und ihr Abbau verbraucht Sauerstoff im Wasser. Mehr zu AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. und Überdüngung steht in unserem Ratgeber zu Düngen, Boden und Kompost im Abschnitt über Mangel und Überdüngung.
