Rinderdung oder Pferdedung: Was ist besser für deinen Garten?
- Beim Stickstoff liegen Pferde- und Rindermist im Tabellenmittel nah beieinander, Rindermist sogar leicht vorn.
- Pferdemist bringt je Tonne Frischmasse deutlich mehr Kaliumoxid mit, beim Phosphat sind beide fast gleichauf.
- Pferdemist gibt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam frei und ist kein schnell wirkender Stickstoffdünger.
- Als Stallmist verbessern beide sandige Böden beim Wasserhalten und schwere Lehmböden bei der Durchlüftung.
- Mehr als 3 kg Mist je m² sollten es wegen des Phosphats nicht sein, und für Kulturheidelbeeren ist Mist ungeeignet.

Am Reitstall liegt Pferdemist, beim Hof nebenan Rindermist, und du willst wissen, welcher in dein Beet gehört. Wenn ich Mist abhole, frage ich zuerst, wie lange er schon liegt, und erst danach, von welchem Tier er stammt. Bei den Nährstoffen liegen beide Mistarten näher beieinander, als ihr Ruf vermuten lässt. Wichtiger sind Reife, Herkunft und das, was deine Bodenprobe zeigt.
Wer von Pferde- oder Rinderdung spricht, meint im Garten meist StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe.: Kot und Harn zusammen mit Einstreu, meist Stroh. Wie bei jedem organischen Dünger müssen seine organisch gebundenen Nährstoffe erst mineralisiert werden, bevor Pflanzenwurzeln sie aufnehmen können. Wie sich Mist neben HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab., Kompost und Mineraldünger einordnet, zeigt der Überblick über Düngerarten und Düngerformen.
Rinderdung oder Pferdedung: Was ist besser?
Einen klaren Sieger gibt es nicht. Beim GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist. liegt Rindermist im Tabellenmittel leicht vorn, Pferdemist bringt dafür deutlich mehr KaliumoxidKaliumoxid (K2O) ist die chemische Form, in der der Kaliumgehalt von Düngern und Bodenproben angegeben wird. Die Angabe bezieht sich auf die Verbindung aus Kalium und Sauerstoff, nicht auf reines Kalium. mit. Als Stallmist verbessern beide die Wasserhaltefähigkeit sandiger Böden und die Durchlüftung schwerer Lehmböden. Den Ausschlag geben drei Fragen: Ist der Mist gut abgelagert? Kennst du die Herkunft der Tiere? Und was braucht dein Beet laut Bodenprobe?
Für Kulturheidelbeeren und Lavendel stellt sich die Frage gar nicht, dort bleibt Mist weg.
Nährstoffe: Pferdemist und Rindermist im Vergleich
Die Werte in der Tabelle sind Durchschnitts- und Vergleichswerte. Einzelne Chargen weichen ab, deshalb ersetzen sie keine Untersuchung des Mists, den du tatsächlich holst.
| Kennwert | Pferdemist | Rindermist |
|---|---|---|
| Gesamtstickstoff, durchschnittlicher Tabellenwert | etwa 0,4 % | etwa 0,5 % |
| Gesamtstickstoff, Spanne veröffentlichter Tabellenmittel | 0,4 bis 0,57 % | 0,5 bis 0,6 % |
| Gesamtstickstoff je Tonne Frischmasse | etwa 3,6 bis 5,7 kg | etwa 3,7 bis 6 kg |
| Phosphat (P₂O₅) je Tonne Frischmasse | 2,7 kg | 2,5 kg |
| Kaliumoxid (K₂O) je Tonne Frischmasse | 9,3 kg | 5,9 kg |
| TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. im Vergleichswert | 30 % | 18,5 % |
Phosphat, Kaliumoxid und Trockenmasse sind LfL-Vergleichswerte, der Wert für Rindermist gilt für gering eingestreuten Mist.
Beim Stickstoff überschneiden sich die Spannen, und im Mittel liegt Rindermist sogar leicht vorn. Beim Phosphat sind beide fast gleichauf. Den größten Abstand zeigt das Kalium: Je Tonne Frischmasse liefert Pferdemist erheblich mehr Kaliumoxid.
Ein Teil dieses Abstands kann am Wasser liegen. Die Nährstoffgehalte von Mist schwanken mit dem Wasseranteil, und der Vergleichswert für Pferdemist enthält deutlich mehr Trockenmasse als der für gering eingestreuten Rindermist. In einer Tonne Pferdemist steckt also mehr feste Substanz, die Nährstoffe tragen kann.
„Pferdemist ist der stickstoffreiche Schnellstarter.“ Im Tabellenmittel enthält Pferdemist etwa 0,4 % Gesamtstickstoff, Rindermist etwa 0,5 %. Pferdemist und Pferdemistkompost setzen ihren Stickstoff zudem vergleichsweise langsam frei. Auch kompostierter Rindermist gibt seine Nährstoffe langsam ab, eine schnelle Stickstoffquelle ist also keiner von beiden.
Warum dein Mist anders ist als die Tabelle
Mist hat keine feste, überall gleiche NPK-Zusammensetzung. Die Gehalte verschieben sich mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil. Bei Pferdemist kommen Haltungsform, Tieralter sowie Art und Dauer der Lagerung hinzu. Ich schreibe mir beim Abholen deshalb auf, aus welchem Stall der Mist stammt und seit wann er liegt. So weiß ich bei der nächsten Bodenprobe, welches Beet welche Fuhre bekommen hat.
Struktur und Freisetzung: Warum Pferdemist Zeit braucht
Pferdemist hat häufig ein C/N-Verhältnis über 30:1. Das kann die Rotte verlangsamen und vorübergehend pflanzenverfügbaren Stickstoff binden. Auch ein niedriger Ammoniumgehalt kann seine Zersetzung bremsen, weil den Mikroorganismen dann leicht verfügbarer Stickstoff fehlt.
Das C/N-Verhältnis beschreibt, wie viel KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. im Material auf einen Teil Stickstoff kommt. Für Kompost gilt ein Ausgangsverhältnis von etwa 25:1 bis 35:1 als günstig. Bauen Mikroorganismen strohiges Material ab, können sie dem Boden dabei Stickstoff entziehen.
Für die gezielte Kompostierung von Pferdemist wird im Ausgangsmaterial ein C/N-Verhältnis von etwa 25:1 angestrebt. Frischer Pferdemist liegt mit seinen häufig über 30:1 darüber, er gehört also erst abgelagert an Pflanzenwurzeln.
Beim Rindermist zeigt der Vergleichswert vor allem mehr Wasser: Gering eingestreut enthält er deutlich weniger Trockenmasse als Pferdemist. Wann die Nährstoffe aus beiden Mistarten frei werden, entscheidet auch das Wetter. Bei Frost, Trockenheit oder Staunässe setzen organische Dünger wenig frei, feuchtwarme Bedingungen können dagegen starke Schübe auslösen. Eine weitere Gabe auf kalten oder trockenen Boden behebt das akute Problem deshalb nicht zuverlässig.
Bodenwirkung: Was Mist auf Sand und Lehm leistet
Hier liegt die eigentliche Stärke von Mist. Stallmist verbessert die Wasserhaltefähigkeit leichter Sandböden und den Lufthaushalt schwerer Lehmböden. Er dient BodenorganismenBodenorganismen sind die Lebewesen im Boden: winzige Bakterien, Pilze und Algen ebenso wie Bodentiere vom Einzeller über den Regenwurm bis zu Wirbeltieren. Zusammen bilden sie das Bodenleben. als Nahrung, und bei ihrer Arbeit entstehen Ausgangsstoffe für die Humusbildung. Kompostierter Mist verbessert so die Bodenstruktur, fördert das Bodenleben und gibt seine Nährstoffe langsam frei.
Das gilt für Stallmist allgemein, also für Pferde- wie Rindermist. Eine feste Zuordnung nach dem Muster „Pferdemist auf Lehm, Rindermist auf Sand“ brauchst du deshalb nicht. Welche Mikroorganismen im Mist arbeiten und was sie für den Humus leisten, ist ein eigenes Thema.
Wie gut dein Boden mit Phosphor, Kalium und Magnesium versorgt ist, zeigt eine Bodenanalyse. Die gängige Standardanalyse erfasst diese Nährstoffe und den pH-Wert, Stickstoff muss gesondert bestimmt werden. Wie Humus, Bodenleben und Bodenprobe zusammenhängen, steht im Düngen-Überblick im Abschnitt „Boden kennen“.
Welcher Mist zu welchem Boden und welcher Kultur passt
Über die Wahl zwischen Pferd und Rind entscheidet weniger die Bodenart als die Bodenprobe. Pferdemist liefert je Tonne Frischmasse deutlich mehr Kaliumoxid. Bei der sehr hohen VersorgungsstufeDie Versorgungsstufe zeigt im Prüfbericht einer Bodenuntersuchung, wie gut dein Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Die Stufen reichen von A (sehr niedrig) über C (anzustreben) bis E (sehr hoch) oder F (überhöht). E kann die Düngung mit einem Nährstoff vorübergehend ganz entfallen. Steht dein Beet bei Kalium schon in Stufe E, bringt Pferdemist also mehr von genau dem Nährstoff, den es gerade nicht braucht. Vor jeder Mistgabe schaue ich deshalb in die letzte Bodenprobe, vor allem auf Phosphat und Kalium.
| Beet oder Kultur | Mist geeignet? | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Starkzehrer wie Kohl, Tomaten, Gurken, Zuckermais | ja, abgelagert | im Frühjahr vor der Pflanzung flach einarbeiten |
| Gemüsebeete allgemein | ja, kompostiert | im zeitigen Frühjahr zur Beetvorbereitung geben |
| Zierpflanzen und Gehölze | ja, kompostiert | im Herbst als Schutz für den Boden ausbringen |
| Obstgehölze | ja, verrottet | keinen zusätzlichen Volldünger daneben, das kann zu Überdüngung führen |
| Kulturheidelbeeren | nein | Kalkgehalt von Mist meist zu hoch |
| Lavendel | nein | Mist kann zu weichem, instabilem Wuchs führen |
Das Mistbeet ist für Starkzehrer gedacht. Erbsen und Bohnen brauchen weniger Stickstoff als Tomaten und können mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Welche Beete in diesem Jahr Starkzehrer tragen, kannst du im Beetplaner nach Zehrer-Einstufung planen. Trockenheitsliebende mediterrane Stauden brauchen magere Böden, für sie ist nicht einmal Kompost sinnvoll.
Pferdemist an Heidelbeeren geben, weil er angeblich den Boden sauer macht. Kulturheidelbeeren brauchen sauren Boden mit pH 4 bis 5. Für sie ist Mist ungeeignet, weil sein Kalkgehalt meist zu hoch ist.
Herkunft: Was du beim Abholen klärst
Bei Pferdemist fehlen Angaben zu Behandlungen der Tiere häufig. Hol ihn deshalb möglichst aus bekannten Haltungen, denn er kann Tierarzneimittelrückstände enthalten. Rückstände von Antiparasitika, also Mitteln gegen Parasiten, können bodenlebende Protozoen und wirbellose Tiere beeinträchtigen. Damit können sie genau das Bodenleben treffen, das der Mist eigentlich füttern soll. Im Reitstall frage ich deshalb, ob und womit die Pferde zuletzt behandelt wurden, und notiere die Antwort zur Fuhre.
Hast du keinen Stall in der Nähe, gibt es Mist auch getrocknet, pelletiert oder als Fertigkompost. Welche dieser Handelsformen zu Gemüse, Zierpflanzen, Obst und Rasen passt, klärt ein eigener Ratgeber.
Schau in die Bodenprobe, vor allem auf Phosphat und Kalium. Frag nach Herkunft und Behandlungen der Tiere. Gib nur gut abgelagerten Mist ins Beet. Prüf vorher, ob die Kultur Mist verträgt: Heidelbeeren und Lavendel bekommen keinen.
Lagern, dosieren, absichern: das Wichtigste in Kürze
Lagern und reifen lassen
Für den Gemüsegarten sollte Stallmist mindestens ein Jahr gelagert sein, zusätzlich empfiehlt sich eine Kompostierung mit Pflanzenresten. Beim Kompostieren wird Mist mürbe und entwickelt sich zu einem meist angenehm riechenden Kompost. Wie aus frischem Mist durch Lagern und Kompostieren ein gebrauchsfertiger Dünger wird, zeigt ein eigener Ratgeber, auch für Hochbeet und Kübel.
Wann und wie viel
Als Dünger kommt abgelagerter Mist bevorzugt im Frühjahr ins Beet, denn so mindern sich Auswaschungsverluste gegenüber einer Herbstgabe. Wegen der Phosphatzufuhr sollten es im Garten höchstens 3 kg Rinder- oder Pferdemist je m² sein. Auf derselben Fläche gibst du entweder Kompost oder Mist, und wie du Menge, Zeitpunkt und Einarbeitung an deinen Bodentyp anpasst, zeigt ein eigener Ratgeber.
Risiken und Hygiene
Frischer Pferde- und Rindermist kann keimfähige Unkrautsamen, Tierarzneimittelrückstände und Krankheitserreger enthalten, und auch lange Rotte macht ihn nicht nachweislich keimfrei. Trag beim Umgang mit Mist Handschuhe, wasch dir danach die Hände und wasch geerntetes Gemüse gründlich. Wie reif Mist vor dem Ausbringen sein muss und was hilft, wenn zu viel oder unreifer Mist im Beet gelandet ist, erklären eigene Ratgeber.
Umwelt
Mist als organischer Dünger kann gegenüber synthetischen Düngemitteln Ressourcen und Herstellungsenergie einsparen. Zu hohe Gaben können aber auch bei organischen Düngern Boden und Grundwasser belasten. Wie Pferde- und Rindermist im Bio-Anbau ökologisch und wirtschaftlich abschneidet, vertieft ein eigener Ratgeber.
