Gartenpraxis · Düngen, Boden & Kompost · Wissen

Mikrobiologie im Pferde- und Rinderdung: Was Bakterien, Pilze und Einzeller im Mist leisten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bakterien, Pilze und Einzeller zersetzen Mist und setzen dabei mineralische Nährstoffe frei.
  • Pferdemist hat häufig ein C/N-Verhältnis über 30:1 und kann pflanzenverfügbaren Stickstoff vorübergehend binden.
  • Bei der Nitrifikation wandeln Mikroorganismen Ammonium in Nitrat um, das ausgewaschen werden kann.
  • Mikrobielle Schleimstoffe und das Hyphennetz von Mykorrhizapilzen können Bodenkrümel stabilisieren.
  • Frischer Pferde- und Rindermist kann Krankheitserreger, Unkrautsamen und Rückstände von Tierarzneimitteln enthalten.
  • Für eine gute Rotte musst du keine Mikroben zukaufen, sie kommen mit dem Material in den Haufen.
Misthaufen aus Stallmist als organischer Naturdünger
Foto: Antranias · Pixabay Content License · Quelle ↗

Wer frischen Pferdemist direkt ins Beet gräbt, hofft auf Dünger und erlebt womöglich zuerst das Gegenteil. Strohreicher Pferdemist hat häufig ein C/N-Verhältnis über 30:1. Die Mikroben, die ihn zersetzen, können dann pflanzenverfügbaren Stickstoff vorübergehend binden. Wenn ich Mist bei einem Stall abhole, frage ich deshalb zuerst nach der Einstreu und nach Wurmkuren. Beides bestimmt mit, was im Haufen lebt und wann er dem Beet nützt.

Stallmist besteht aus Kot und Harn mit Einstreu, meist Stroh, und Rindermist enthält als durchschnittlicher Tabellenwert etwa 0,5 % Gesamtstickstoff. Für Pferdemist liegt dieser Tabellenwert bei etwa 0,4 %, einzelne Chargen können abweichen. Die Grundlagen findest du im Überblick zu Düngerarten und Düngerformen und im Ratgeber darüber, was in Pferde- und Rindermist steckt und woran du reife Ware erkennst.

Wer lebt im Mist?

Mist ist kein totes Material. Mit dem Kot gelangen Bakterien aus dem Darm der Tiere in den Haufen, mit Einstreu und Pflanzenresten kommen weitere Organismen hinzu. Zum Bodenleben zählen Bakterien, Pilze, Algen und einzellige Eukaryoten. Im Mist übernehmen Bakterien und Pilze den Abbau, Einzeller und Fadenwürmer leben mit ihnen.

Gruppe Was sie leistet Beispiele
Bakterien zersetzen organische Stoffe, setzen mineralische Nährstoffe frei, wandeln Ammonium in Nitrat um Bacillus, Clostridium, Lactobacillus
Pilze durchziehen das Material mit Myzel und zersetzen abgestorbene Bestandteile Aspergillus, Penicillium, Mucor, Pilobolus
Einzeller einzellige Eukaryoten mit Zellkern, fressen unter anderem Bakterien Wimpertierchen, Geißeltierchen
Archaeen stammen aus den Vormägen der Rinder und bilden Methan methanbildende Archaeen

Bakterien zerlegen die Pflanzenfasern

Heu, Gras und Stroh bestehen aus pflanzlichen Zellwänden mit Cellulose, Hemicellulose und Lignin. Bakterien der Gattung Bacillus bilden Enzyme, die solche komplexen Kohlenhydrate aufschließen. Clostridium-Arten bauen Cellulose auch ohne Sauerstoff ab, sie arbeiten deshalb in dichten, luftarmen Zonen des Haufens. Lactobacillus wandelt Zucker in Milchsäure um. Andere Bakterien setzen bei der Mineralisierung organischer Stoffe mineralische Nährstoffe frei, die Wurzeln aufnehmen können.

Kurz erklärt

Mineralisierung heißt, dass Mikroorganismen organisch gebundene Nährstoffe in mineralische Formen überführen. Erst danach können Pflanzenwurzeln sie aufnehmen. Beim Humusabbau machen Mikroben auf diesem Weg Stickstoff, Phosphor und Schwefel pflanzenverfügbar.

Pilze wachsen mit Fäden durchs Stroh

Pilze wachsen mit ihrem Myzel in das Material hinein. Das Myzel ist ein feines Geflecht aus Pilzfäden, über das der Pilz Nährstoffe aufnimmt. So erreichen Pilze auch Faserreste tief im Stroh. Im Dung finden sich unter anderem Schimmelpilze der Gattungen Aspergillus, Penicillium und Mucor. Dazu kommen dungliebende, sogenannte koprophile Pilze wie Pilobolus, der seine Sporen regelrecht abschießt.

Weiße Pilzfäden im Haufen gehören zur Zersetzung. Zeigt sich dagegen starker Schimmel, kann der Haufen zu trocken sein. Dann setzt du ihn um und befeuchtest ihn.

Einzeller und Fadenwürmer fressen mit

Protozoen sind einzellige Eukaryoten mit Zellkern. Amöben gehören zum Beispiel dazu und nicht zu den Bakterien. Im Dung leben Wimpertierchen und Geißeltierchen, die sich unter anderem von Bakterien ernähren. Dabei werden Nährstoffe frei, die anderen Organismen wieder zur Verfügung stehen. Auch Fadenwürmer leben im Mist und fressen Bakterien und Pilze.

Pferd oder Rind: Warum sich die Mikroben im Dung unterscheiden

Pferde und Rinder lassen ihr Futter von Mikroben aufschließen, aber an verschiedenen Stellen im Körper. Pferde sind Dickdarmfermentierer, Rinder verdauen als Wiederkäuer in mehreren Vormägen. Diese Verdauung prägt, welche Mikroben mit dem Kot in den Mist gelangen.

Im Pferdedung arbeiten faserabbauende Bakterien wie Ruminococcus und Fibrobacter. Rinderdung bringt Mikroben aus dem Pansen mit, etwa methanbildende Archaeen und Bakterien, die Harnstoff abbauen. Dazu kommen anaerobe Pilze wie Neocallimastix und Piromyces, die Cellulose ohne Sauerstoff zerlegen.

Für die Rotte von Pferdemist ist ein Wert wichtig: Sein C/N-Verhältnis liegt häufig über 30:1. Das kann die Rotte verlangsamen und pflanzenverfügbaren Stickstoff vorübergehend binden. Ist zudem der Ammoniumgehalt niedrig, kann das die Zersetzung bremsen, weil den Mikroorganismen leicht verfügbarer Stickstoff fehlt. Beides zusammen erklärt, warum Pferdemist und Pferdemistkompost ihren Stickstoff vergleichsweise langsam freisetzen und keine schnell wirkenden Stickstoffdünger sind.

Die Nährstoffgehalte von Mist schwanken außerdem mit Tierart, Fütterung und Wasseranteil, bei Pferdemist auch mit Haltungsform, Tieralter und Lagerung. Welcher Mist zu welchem Boden und welcher Kultur passt, klärt der Vergleich beider Dungarten nach Nährstoffen, Struktur und Bodenwirkung.

Häufiger Fehler

Frischen Pferdemist als schnellen Stickstoffdünger einsetzen. Er gibt seinen Stickstoff vergleichsweise langsam ab, und sein weites C/N-Verhältnis kann pflanzenverfügbaren Stickstoff zunächst binden.

Was die Mikroben aus den Nährstoffen machen

Stickstoff: vom organisch gebundenen Stickstoff zum Nitrat

Pflanzen nehmen Nährstoffe über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form auf. Organisch gebundener Stickstoff im Mist muss deshalb erst mikrobiell umgesetzt werden. Ammonifizierende Bakterien machen daraus zunächst Ammonium. Bei der Nitrifikation wandeln andere Mikroorganismen Ammonium in Nitrat um. Nitrat wird von den überwiegend negativ geladenen Bodenteilchen kaum festgehalten und ist auswaschungsgefährdet.

Das Tempo bestimmt die Witterung. Frost, Trockenheit und Staunässe bremsen die Freisetzung aus organischen Düngern, feuchtwarme Bedingungen lösen dagegen Schübe aus. Auf leeren Beeten nimmt keine Pflanze die freigesetzten Nährstoffe auf, und Nitrat hält der Boden kaum fest. Mist auf einem abgeernteten Herbstbeet kann seinen Stickstoff also verlieren, bevor wieder etwas wächst. Im Hausgarten ist eine Frühjahrsdüngung deshalb möglichst vorzuziehen.

Phosphor und die Pilze an den Wurzeln

Bestimmte Bodenbakterien und Pilze können Phosphor und Stickstoff besser verfügbar machen oder das Wurzelwachstum anregen. Zu den bekannten Partnern der Wurzeln gehören Mykorrhizapilze. Sie versorgen die Pflanze mit Wasser und Nährsalzen und bekommen dafür Zucker aus der Photosynthese. Dabei erschließen sie vorhandene Nährstoffe, eigene bringen sie nicht in den Boden ein.

Mäßige organische Düngung kann das Vorkommen arbuskulärer Mykorrhizapilze im Boden fördern. Eine hohe Phosphorversorgung kann die Mykorrhizierung dagegen vermindern. Da Mist neben Stickstoff auch Phosphat liefert, kann eine reichliche Mistgabe gerade die Pilze bremsen, die vorhandene Nährstoffe erschließen.

Humus und Bodenkrümel: Was nach dem Abbau bleibt

Stallmist dient Bodenorganismen als Nahrung. Bei seiner Verarbeitung entstehen Ausgangsstoffe für die Humusbildung. Humus ernährt wiederum das Bodenleben, und dessen Tätigkeit setzt Nährstoffe frei. Über Regenwurmgänge unterstützt das Bodenleben zudem Durchlüftung und Wasserversickerung.

Für die Krümelstruktur arbeiten mehrere Organismen zusammen. Von Mikroorganismen gebildete Schleimstoffe können Bodenaggregate stabilisieren. Das Hyphennetz von Mykorrhizapilzen kann Krümel ebenfalls festigen und so vor Erosion schützen. Ton, Humus, biologische Aktivität und Durchwurzelung ergeben gemeinsam ein stabiles Bodengefüge.

Im Beet wirkt das je nach Boden verschieden. Stallmist kann die Wasserhaltefähigkeit sandiger Böden verbessern und schwere Lehmböden besser durchlüften. Kompostierter Mist fördert das Bodenleben und gibt Nährstoffe langsam frei. Bevor ich ein Beet mit Mist versorge, mache ich eine Spatenprobe und schaue mir Gefüge, Verdichtungen, Feuchte und Wurzelbild an.

Schutz oder Risiko: Mikroben und Pflanzengesundheit

Im Mist leben nicht nur Helfer. Einige Bodenmikroorganismen können Pflanzen vor Krankheitserregern schützen, andere verursachen selbst Pflanzenkrankheiten. Frischer Pferde- und Rindermist kann außerdem Krankheitserreger und keimfähige Unkrautsamen enthalten. Eine verlässliche Schutzwirkung gegen Pflanzenkrankheiten lässt sich aus dem Mikrobenreichtum des Mistes deshalb nicht ableiten.

Für die Gartendüngung wird mindestens ein Jahr gelagerter Mist empfohlen. Diese Lagerdauer ersetzt aber keinen Hygienenachweis. Auch die Temperatur im Haufen gibt keine Sicherheit. Im Inneren eines ausreichend großen, gut geführten Komposts gelten 60 bis 70 °C als günstige Rottebedingungen, eine einzelne Messung beweist aber keine Hygienisierung.

Auch beim Stickstoff kann ein Zuviel schaden. Eine sehr hohe Stickstoffversorgung kann Blattläusen günstigere Ernährungsbedingungen bieten.

Achtung

Auch ein lange gelagerter Misthaufen ist nicht zuverlässig frei von Krankheitserregern für Menschen, Tiere und Pflanzen. Im Garten erreicht die Rotte die dafür nötigen Temperaturen oft nicht durchgehend. Trag beim Arbeiten Handschuhe, wasch dir danach gründlich die Hände und reinige Gemüse von gemisteten Beeten nach der Ernte gründlich.

Lagerung und Rotte aus Sicht der Mikroben

Wie aus frischem Mist durch Lagern und Kompostieren ein gebrauchsfertiger Dünger wird, zeigt ein eigener Ratgeber Schritt für Schritt. Zusammensetzung und Aktivität der Organismen hängen unter anderem von Feuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab. Im Haufen kommt der Sauerstoff hinzu.

Sauerstoff entscheidet über Rotte oder Fäulnis

Aerobe Mikroben brauchen Sauerstoff und bauen das Material vergleichsweise geruchsarm ab. Wird der Haufen dicht und nass, übernehmen Organismen, die ohne Sauerstoff auskommen. In dicht gelagertem, faulendem Material kann der pH-Wert rasch in einen sauren Bereich fallen, der die Verrottung bremst. Gute Durchlüftung hilft, Geruch und klimaschädliche Methanemissionen zu vermeiden.

Ich rieche an meinem Misthaufen, bevor ich ihn umsetze, und greife mit Handschuhen hinein. Was ich dabei prüfe, steht in der Liste weiter unten in diesem Abschnitt.

pH-Wert und Stickstoffverluste

Rotteorganismen bevorzugen ein Milieu um pH 7. In einer lockeren, strukturreichen Mischung stellt es sich meist ohne zusätzliche Kalkgabe ein. Zu Beginn der Rotte senken organische Säuren den pH-Wert. Werden sie bei ausreichender Sauerstoffversorgung abgebaut, kann er später wieder steigen. Steigen pH-Wert und Temperatur, wächst der Ammoniakanteil und mit ihm das Risiko gasförmiger Stickstoffverluste. Kalk beseitigt übrigens keinen Sauerstoffmangel.

Feuchte und Futterverhältnis

Zahl im Blick

Für die gezielte Kompostierung von Pferdemist werden im Ausgangsmaterial etwa 60 % Feuchte und ein C/N-Verhältnis von etwa 25:1 angestrebt. Für Kompostmaterial allgemein gilt ein Ausgangsverhältnis von etwa 25:1 bis 35:1 als günstig. Pferdemist selbst liegt häufig über 30:1.

Für eine ausgewogene Mischung kombinierst du feuchte mit trockenen, grobe mit feinen und stickstoffarme mit stickstoffreichen Materialien. Meinen Misthaufen mische ich mit Laub oder Häckselgut und staple ihn höchstens 1 m hoch, weil die Mikroben darin viel Wärme entwickeln. Am Ende der Rotte ist der Mist mürbe und riecht meist angenehm. Auch ohne ausgeprägte Heißrotte kann durch Kaltrotte guter Kompost entstehen.

Mythos-Check

Ohne zugekaufte Mikroben rottet Mist schlecht? Bei fachgerechter Kompostierung musst du keine Mikroorganismen zusetzen, denn sie kommen mit dem Material in ausreichender Zahl und Vielfalt in den Haufen. In einem vierjährigen biologischen Feldversuch brachte die Zugabe sogenannter Effektiver Mikroorganismen keinen zusätzlichen Nutzen für Ertrag oder Bodenqualität. Die beobachteten Wirkungen gingen dort auf die Bokashi- und Mistgaben selbst zurück.

Mini-Checkliste

So prüfe ich, ob die Mikroben im Haufen gut arbeiten.

  • Der Haufen riecht nicht faulig, sonst ist er zu nass.
  • Es steigt kein Ammoniakgeruch auf, sonst fehlt es an Laub, Stroh oder Gehölzschnitt.
  • Eine Probe fühlt sich in der Faust an wie ein ausgedrückter Schwamm.
  • Starker Schimmel fehlt, sonst kann der Haufen zu trocken sein.
  • Das Material liegt locker und klebt nicht dicht zusammen.

Herkunft: Was Wurmkuren und Medikamente für das Bodenleben bedeuten

Was im Stall passiert, landet zum Teil im Mist. Frischer Pferde- und Rindermist kann Rückstände und Abbauprodukte von Tierarzneimitteln enthalten. Rückstände von Antiparasitika im Pferdemist können auch bodenlebende Protozoen und wirbellose Tiere beeinträchtigen. Pferdemist sollte deshalb möglichst aus bekannten Haltungen stammen, denn Angaben zu Behandlungen fehlen häufig.

Die Antworten aus dem Stall zu Wurmkuren und anderen Behandlungen schreibe ich auf ein Schild am Haufen, zusammen mit Stall und Datum. So sehe ich später, woher ein Haufen stammt und wie lange er schon liegt.

Mist im Beet und im Ökolandbau

Kompostierter Mist dient im zeitigen Frühjahr zur Vorbereitung von Gemüsebeeten, wobei eine Fläche entweder Kompost oder Stallmist als Grundgabe erhält. Im EU-Ökolandbau darf Stallmist nicht aus industrieller Tierhaltung stammen. Wie viel Pferde- und Rinderdung du wann ausbringst und wie du ihn passend zu Bodentyp und pH-Wert einarbeitest, erklärt der Ratgeber zur Anwendung.

Häufige Fragen

Welche Mikroorganismen leben in Pferde- und Rinderdung?
Den Abbau tragen vor allem Bakterien und Pilze, dazu kommen Einzeller wie Wimpertierchen und Geißeltierchen sowie Fadenwürmer. Bakterien wie Clostridium bauen Cellulose auch ohne Sauerstoff ab, Pilze durchziehen das Material mit ihrem Myzel. Rinderdung bringt Mikroben aus dem Pansen mit, etwa methanbildende Archaeen und anaerobe Pilze. Welche Gruppen aktiv sind, hängt unter anderem von Feuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffangebot ab.
Wie verbessern Mikroorganismen aus Tierdung die Bodenfruchtbarkeit?
Mikroorganismen mineralisieren die organisch gebundenen Nährstoffe im Mist, erst danach können Pflanzenwurzeln sie aufnehmen. Bei ihrer Arbeit entstehen Ausgangsstoffe für die Humusbildung, und ihre Schleimstoffe können Bodenkrümel stabilisieren. Kompostierter Mist fördert so das Bodenleben, verbessert die Bodenstruktur und gibt Nährstoffe langsam frei. Frost, Trockenheit und Staunässe bremsen die Freisetzung, feuchtwarme Bedingungen verstärken sie.
Was unterscheidet Pferdedung von Rinderdung in der mikrobiellen Zusammensetzung?
Pferde verdauen Fasern mithilfe von Mikroben im Dickdarm, Rinder als Wiederkäuer in ihren Vormägen. Rinderdung bringt deshalb Mikroben aus dem Pansen mit, etwa methanbildende Archaeen und anaerobe Pilze wie Neocallimastix. Pferdemist hat häufig ein C/N-Verhältnis über 30:1, das die Rotte verlangsamen und pflanzenverfügbaren Stickstoff vorübergehend binden kann. Die Nährstoffgehalte beider Dungarten schwanken zudem mit Fütterung und Wasseranteil.
Wie entstehen Humus und stabile organische Verbindungen durch Mikroorganismen?
Bodenorganismen nutzen Stallmist als Nahrung, und bei seiner Verarbeitung entstehen Ausgangsstoffe für die Humusbildung. Von Mikroorganismen gebildete Schleimstoffe und das Hyphennetz von Mykorrhizapilzen können Bodenteilchen zu stabilen Krümeln verbinden. Ton, Humus, biologische Aktivität und Durchwurzelung wirken dabei zusammen. Der entstandene Humus ernährt wieder das Bodenleben, speichert Wasser und kann Nährstoffe vor Auswaschung schützen.
Welche Rolle spielen Pilze und Protozoen im mikrobiellen Dung-Ökosystem?
Pilze wachsen mit ihrem Myzel, einem feinen Geflecht aus Pilzfäden, in das organische Material hinein und nehmen darüber Nährstoffe auf. Neben Schimmelpilzen wie Aspergillus und Mucor leben im Dung koprophile Arten wie Pilobolus, der seine Sporen abschießt. Protozoen sind einzellige Eukaryoten mit Zellkern und ernähren sich unter anderem von Bakterien. Rückstände von Antiparasitika im Pferdemist können solche bodenlebenden Protozoen beeinträchtigen.
Welche Faktoren beeinflussen die mikrobielle Aktivität in gelagertem Dung?
Feuchte, Temperatur, pH-Wert, Sauerstoff und das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff bestimmen, wie aktiv die Mikroben sind. Für die gezielte Kompostierung von Pferdemist wird im Ausgangsmaterial ein C/N-Verhältnis von etwa 25:1 angestrebt. Rotteorganismen bevorzugen ein Milieu um pH 7, in dicht gelagertem, faulendem Material sinkt der pH-Wert dagegen rasch. Gute Durchlüftung hilft, Fäulnisgeruch und Methanemissionen zu vermeiden.
Stimmt es, dass frischer Dung schädlich für Pflanzen ist?
Frischer Pferde- und Rindermist kann keimfähige Unkrautsamen, Krankheitserreger und Rückstände von Tierarzneimitteln enthalten. Bei strohreichem Pferdemist kommt hinzu, dass sein weites C/N-Verhältnis pflanzenverfügbaren Stickstoff vorübergehend binden kann. Für die Gartendüngung wird deshalb mindestens ein Jahr gelagerter Mist empfohlen. Diese Lagerdauer ersetzt allerdings keinen Hygienenachweis.
Zuletzt geprüft:
↑