Lein als Gründünger: Nährstoffe, Bodenanalyse und Düngung im Gemüsebeet
- Lein, auch Flachs genannt, ist keine Leguminose und bindet keinen Luftstickstoff.
- Er nimmt gelöste Nährstoffe aus dem Boden auf und gibt sie beim Verrotten wieder frei.
- Eine Standardanalyse wie die des Hessischen Landeslabors erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert, Stickstoff wird häufig gar nicht mitgemessen.
- Stickstoff rechnest du pauschal nach der Aufwuchshöhe an, bei Beständen über 30 cm mit 6 g/m².
- Bei erhöhten Phosphor- und Kaliumvorräten kommt der Großteil der Leinmasse vom Beet.

Wer nach Lein die Düngung kürzt, weil Lein angeblich Stickstoff sammelt, düngt die Folgekultur womöglich zu knapp. Lein, vielen als Flachs bekannt, ist keine Leguminose wie Klee oder Lupine. Er holt keinen Stickstoff aus der Luft, sondern nimmt auf, was im Boden schon gelöst ist. Ich plane die Düngung nach Lein deshalb nach dem Befund der Bodenanalyse und nach der Höhe meines Bestands am Schnitttag.
Hier liest du, welche Nährstoffe in einem Leinbestand stecken, was davon bei der Folgekultur ankommt und wie du die Düngung daran anpasst.
Lein und Flachs: dieselbe Pflanze
Lein und Flachs bezeichnen dieselbe einjährige Pflanze, Linum usitatissimum aus der Familie der Leingewächse. Im Gemüsebeet wird sie wie Phacelia oder Klee als Gründünger auf freie Flächen gesät. Wie sich die Arten unterscheiden und was Gründüngung im Boden leistet, zeigt der Gründünger-Ratgeber im Überblick.
Wozu dient die Nährstoffanalyse nach Lein?
Lein bindet Nährstoffe in seiner Pflanzenmasse. Nach dem Einarbeiten liefert er dem Boden organisches Material, und beim Verrotten werden die gespeicherten Nährstoffe wieder frei. Wie viel davon wann bei deinem Gemüse ankommt, siehst du dem Beet nicht an.
Eine Bodenuntersuchung ermittelt die pflanzenverfügbaren Nährstoffe in deinem Boden. Mit dem Befund legst du Art und Menge einer notwendigen Düngung fest. Das Ziel ist also nicht, dem Lein eine Leistung nachzuweisen. Der Befund zeigt dir, was die Folgekultur im Boden vorfindet und was du ergänzen musst.
Beim Stickstoff hat die Analyse eine Grenze. Sein Gehalt im Boden schwankt stark und wird häufig gar nicht mitgemessen, deshalb erlaubt eine übliche Gartenbodenanalyse dazu keine dauerhafte Aussage. Für den Stickstoff aus der Gründüngung gibt es stattdessen eine pauschale Rechenhilfe nach der Aufwuchshöhe. Du brauchst also beides: den Laborbefund für Nährstoffe wie Phosphor und Kalium und den Zollstock für den Stickstoff.
Welche Nährstoffe stecken im Lein?
Was Lein dem Beet liefert, ist organisches Material. Die Nährstoffe darin hat er vorher aus dem Boden aufgenommen. Lein gilt als schwachzehrend und wurzelt flach. Deshalb rechne ich bei ihm nicht mit Nährstoffen aus tiefen Bodenschichten.
Stickstoff: gebunden, nicht gesammelt
Alle Gründüngungspflanzen binden vorhandenen Bodenstickstoff. Zusätzlichen Stickstoff aus der Luft bringen nur Leguminosen ein, zum Beispiel Klee, Wicken und Lupinen mit ihren Wurzelbakterien. Lein gehört zu den Leingewächsen und nutzt, was im Boden vorhanden ist.
„Lein reichert den Boden mit Luftstickstoff an.” Das trifft nicht zu. Luftstickstoff binden nur Leguminosen in Symbiose mit Knöllchenbakterien. Lein nimmt vorhandenen Bodenstickstoff auf, speichert ihn in seiner Pflanzenmasse und gibt ihn beim Verrotten zurück.
Wertlos ist das nicht. Zwischenfrüchte können Reststickstoff aufnehmen und so die Gefahr verringern, dass Nitrat über Winter ausgewaschen wird.
Für den Lein selbst ist eine üppige Versorgung ungünstig. Ich dünge ihn nicht eigens, denn zu hohe Bodenfruchtbarkeit kann besonders auf sehr leichten Böden übermäßiges Längenwachstum und Umknicken fördern. Aus demselben Grund können Leguminosen im Ölleinanbau eine ungünstige Vorfrucht sein: Deren hohe Stickstoffnachwirkung erhöht die Gefahr, dass der Bestand umknickt.
Phosphor und Kalium: aufgenommen und zurückgegeben
Phosphor und Kalium nimmt Lein aus dem gelösten Vorrat im Boden auf. Mit den Pflanzenresten kehren beide zurück, wenn die Masse auf dem Beet bleibt.
Lein kann arbuskuläre MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. bilden. Diese Pilze können die Phosphor- und Wasseraufnahme ihrer WirtspflanzenWirtspflanzen sind die Pflanzen, die ein bestimmter Schädling oder Krankheitserreger befällt und von denen er lebt. Ein Schädling oder Erreger hat oft mehrere Wirtspflanzen, darunter auch verwandte Wildkräuter. verbessern und erhalten dafür Zucker. Zum Wachsen und Vermehren brauchen sie lebende Wirtspflanzen, und Kreuzblütler wie Senf zählen zu den Nichtwirten. Ein Leinbestand bietet diesen Pilzen in der Anbaulücke also einen Wirt, ein Senfbestand nicht.
Eine bessere Phosphatversorgung der Folgekultur ist damit nicht zugesagt. Selbst eine hohe Phosphatmobilisierung durch Zwischenfrüchte führt nicht automatisch zu besserer Verfügbarkeit für die Folgekultur.
Calcium, Magnesium und Schwefel
Calcium, Magnesium und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. gehören wie Stickstoff, Phosphor und Kalium zu den Hauptnährstoffen der Pflanzen. SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. sind sie nicht. Magnesium findest du im Befund einer Standardanalyse, wie sie das Hessische Landeslabor anbietet. Auch bei diesen Nährstoffen enthält Lein nur, was er aus deinem Boden aufnehmen konnte.
Spurenelemente
Spurenelemente nimmt Lein ebenfalls nur auf, soweit sie gelöst vorliegen, und gibt sie beim Verrotten zurück. Eine eigene Quelle ist er nicht. Kompost liefert vor allem Phosphor, Kalium und Spurenelemente, deshalb ergänze ich Spurenelemente über reifen Kompost und nicht über die Gründüngung.
Organische Substanz
Organisches Material ist der eigentliche Beitrag des Leins zum Boden. Bakterien, Pilze und Regenwürmer zersetzen die Reste und tragen so zur Humusbildung bei. Ein Teil der organischen Substanz wird dabei weiter umgesetzt, ein stabilerer Anteil bleibt länger als Dauerhumus im Boden. Die Humusbildung kann das Wasserhalte- und Nährstoffspeichervermögen deines Bodens verbessern.
Für die Düngung zählt das Alter des Bestands. Junge Pflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis, also weniger KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. je Teil Stickstoff, und werden schneller umgesetzt als ältere. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Lein kann nach der Blüte gemäht werden. Je holziger seine Stängel dann sind, desto später kommt der Stickstoff bei der Folgekultur an.
Was kommt bei der Folgekultur an?
Die im Lein gespeicherten Nährstoffe werden bei der Zersetzung der Pflanzenreste wieder für die Folgekultur verfügbar. Wie viel wann frei wird, hängt unter anderem von Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab. Der Stickstoff aus der Pflanzenmasse steht der Folgekultur je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung.
Stickstoff nach Aufwuchshöhe anrechnen
Für die Düngeplanung im Garten gibt es eine pauschale Rechenhilfe. Du misst die Aufwuchshöhe deines Bestands und rechnest der Folgekultur den passenden Stickstoffwert an.
| Aufwuchshöhe der Gründüngung | Anrechenbarer Stickstoff |
|---|---|
| unter 5 cm | 1 g/m² |
| 5–14 cm | 2 g/m² |
| 15–30 cm | 4 g/m² |
| über 30 cm | 6 g/m² |
Lein wird 20–100 cm hoch. Ein ausgewachsener Bestand fällt damit in eine der beiden oberen Stufen. Ich messe trotzdem mit dem Zollstock nach, bevor ich mähe, und notiere Höhe, Datum und Beet.
Um den abgelesenen Wert kürzt du die Stickstoffgabe für die Folgekultur. Ein Zugewinn ist das bei Lein nicht, denn der angerechnete Stickstoff stammt aus deinem Boden.
Nach einem üppigen Leinbestand die Düngung der Folgekultur ganz streichen. Eine Gründüngung ersetzt zusätzliche Düngung nicht automatisch, und die Rechenhilfe ist eine pauschale Orientierung, kein Messwert.
Der Zeitpunkt entscheidet mit
Die Stickstoffmenge im Aufwuchs bestimmt die Versorgung der Folgekultur nicht allein. Die Freisetzung muss zeitlich zum Bedarf des Gemüses passen. Frische Reste arbeitest du nur oberflächlich ein, danach vergehen meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Saat oder Pflanzung. Wann du mähst, was als Mulch liegen bleibt und wie die Wartezeit zustande kommt, erklärt der Gründünger-Ratgeber im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten.
Welches Gemüse nach Lein passt
Als Gründünger passt Lein zu Tomaten, Paprika, Auberginen, Kürbis, Melonen, Kartoffeln und Mais. Mais hat einen hohen Nährstoffbedarf. Bei solchen Kulturen bemisst du den Stickstoff nach dem Bedarf der Gemüsekultur und ziehst nur den Wert aus der Rechenhilfe ab. Welche Gründünger sonst zu deinem Gemüse passen, kannst du im Mischkultur-Werkzeug nachschlagen.
Bodenanalyse in der Praxis: von der Probe zur Düngung
Wann und wie du die Probe nimmst
Eine Gartenbodenanalyse ist vor der Neuanlage eines Beets sinnvoll und danach alle 3–5 Jahre. Günstig ist der Herbst nach der Ernte oder das Frühjahr vor der Düngung. Ich nehme meine Proben im Frühjahr, bevor ich dünge, und beschrifte jede Tüte mit dem Beet.
10–20 Teilproben über das einheitlich bewirtschaftete Gemüsebeet verteilt entnehmen. Dabei den gesamten Oberboden bis etwa 25–30 cm Tiefe erfassen. Alle Teilproben mischen und 300–500 g davon ans Labor schicken.
Wie du den Befund liest
Eine Standardanalyse, wie sie das Hessische Landeslabor anbietet, erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Humus und Schwermetalle musst du gesondert beauftragen.
Die Nährstoffe sind im Befund in Gehaltsklassen eingeordnet. Klasse E steht für eine sehr hohe Versorgung, dann ist eine weitere Düngung mit dem betreffenden Nährstoff nicht erforderlich. Den pH-Wert liest du zusammen mit deiner Bodenart, denn gekalkt wird nur, wenn er für diese Bodenart zu niedrig ist. Lein selbst bevorzugt einen pH-Bereich von 5 bis 7.
Erwarte vom Befund keinen Vorher-Nachher-Beweis für den Lein. Phosphor und Kalium bringt er nicht mit, und über den Stickstoff sagt die übliche Analyse wenig aus.
Wie du die Düngung der Folgekultur anpasst
Mit Befund und Zollstockmaß gehst du in dieser Reihenfolge vor:
- Phosphor, Kalium und Magnesium nach Befund düngen. In GehaltsklasseDie Gehaltsklasse ist eine Einstufung im Bodenuntersuchungsbefund, die angibt, wie gut der Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Sie reicht von A für niedrige bis E für besonders hohe Versorgung. E lässt du den betreffenden Nährstoff weg.
- Über die Leinmasse entscheiden. Bei erhöhten Phosphor- und Kaliumvorräten räumst du den Großteil der Gründüngungsmasse vom Beet. Die Masse kann auf geringer versorgten Beeten oder im Kompost weitergenutzt werden.
- Stickstoff nach Aufwuchs anrechnen. Den Wert aus der Rechenhilfe ziehst du vom Bedarf der Gemüsekultur ab und düngst nur den Rest.
- Kompost nach Vorrat bemessen. Für Gemüsebeete werden im Frühjahr etwa 3 l reifer Kompost je m² oberflächlich eingearbeitet. Zeigt der Befund Nährstoffüberschüsse, schränkst du die Gabe ein.
- Nur nach Befund kalken. Kalk kommt nur aufs Beet, wenn der pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist.
Fruchtfolge mitdenken
Bei der Fruchtfolgeplanung werden Pflanzenfamilie und Stickstoffbedarf der Folgekultur gemeinsam berücksichtigt. Für Lein gilt eine Anbaupause von 6 Jahren, die du mit dem Beetplaner einplanen kannst. Zu kurze Pausen können zu Leinmüdigkeit führen; wie du Lein als Vor- und Zwischenfrucht in die Fruchtfolge einbaust und was er für Bodenstruktur und Pflanzengesundheit bedeutet, steht in der Anleitung zur Lein-Fruchtfolge.
Lohnt sich das? Aufwand und Nutzen im Gemüsebeet
Ob sich eine ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. rechnet, hängt unter anderem von Saatgut, Aussaatverfahren und Arbeitsaufwand ab. Dazu kommt, ob du die Biomasse nutzt, abräumst oder einarbeitest. Ich gehe diese Posten für jedes Beet einzeln durch, bevor ich Saatgut bestelle.
Zum Aufwand gehören das Saatgut, die Aussaat, die Unkrautkontrolle am Anfang und der Schnitt. Die Saatmenge liest du von der Tüte deiner Sorte ab. Rechne auch das Wasser mit: Lebende Gründüngung vermindert die Bodenverdunstung, verbraucht beim Wachsen aber selbst Wasser. Bei trockener Witterung kann besonders in der Keimphase wiederholtes Gießen nötig sein.
Der Nutzen liegt bei Lein nicht in mitgebrachtem Dünger. Du sparst, weil du nach Befund und Aufwuchs nur noch düngst, was fehlt. In Gehaltsklasse E entfällt der betreffende Nährstoff, und den angerechneten Stickstoff ziehst du vom Bedarf ab. Ohne Bodenanalyse erfährst du von dieser Einsparung nichts.
Am Ende der Kultur kann Lein Arbeit sparen, denn er ist nicht winterhart. Friert ein spät gesäter Bestand ab, bleibt er über Winter als Mulch liegen. Winterharte Bestände musst du dagegen vor der nächsten Kultur aktiv beenden, und das kann viel Handarbeit erfordern.
Auf lange Sicht zählt der Humus. Die zusätzliche Humusspeicherung durch regelmäßigen Zwischenfruchtanbau ist begrenzt und kann wieder verloren gehen, wenn du ihn aufgibst. Der langfristige Nutzen hängt also daran, dass Gründüngung in deinem Beet zur Gewohnheit wird.
Nicht überall lohnt der Aufwand. Im Hochbeet ist Gründüngung sinnvoll, wenn es mehrere Wochen oder über Winter ungenutzt bleibt. In kleinen Gefäßen ist sie meist wenig sinnvoll, weil sich die Erde dort einfach austauschen lässt. Welche Gründüngung in welches Saatfenster passt, zeigt dir der Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Wie säe ich Lein und was leistet er sonst im Boden?
Gesät wird Lein von April bis August, direkt und breitwürfig auf freie Beetflächen. Junge Leinpflanzen haben wenig Konkurrenzkraft, deshalb kontrolliere ich den Bestand anfangs besonders auf Unkraut. Wie du Lein säst, pflegst und einarbeitest, wie er je nach Bodentyp wirkt und wie er im Vergleich mit anderen Gründüngern abschneidet, steht in der Anbauanleitung zu Lein.
Über die Nährstoffe hinaus schützt eine Gründüngungsdecke den Boden vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Was Gründüngung für Bodenschutz und Humusbilanz leistet, vertieft der Gründünger-Ratgeber im Abschnitt zur Wirkung im Boden.



