Palmenerde selber machen: Grundrezept und passende Mischung je Palmenart
- Palmenerde selber machen: Die Mischung muss langfristig Wasser speichern, überschüssiges Wasser ableiten und den Wurzeln Luft lassen.
- Für die Bergpalme Chamaedorea elegans eignet sich Einheitserde mit Sandbeimischung; beschrieben ist ein Substrat-pH von 5 bis 6,5, für Wohnräume enger 5 bis 5,5.
- Der Palmfarn Cycas revoluta ist keine echte Palme und bekommt ein gut durchlässiges Gemisch aus Einheitserde und Sand.
- Handelsübliche Fertigsubstrate für den Großteil der Zierpflanzen sind auf pH 5,5 bis 6,5 eingestellt, eine selbst gemischte Erde misst du nach.
- Der neue Topf hat am oberen Rand mindestens 2 cm mehr Durchmesser als der alte; übergroße Gefäße erhöhen das Risiko vernässter Erde.
- Nach dem Umtopfen in vorgedüngte Erde brauchen Kübelpflanzen während der ersten 4 bis 6 Wochen gewöhnlich keinen zusätzlichen Dünger.

Bevor ich eine Palme in neue Erde setze, nehme ich die alte in die Hand und prüfe, ob sie noch locker krümelt oder schon verdichtet ist. Die Erde entscheidet mit darüber, ob die Wurzeln genug Luft bekommen. Bleibt ein Ballen zu lange nass, leiden die Wurzeln unter Sauerstoffmangel und können faulen. Palmenerde kannst du gut selbst mischen, wenn du weißt, welche Zutat im Topf welche Aufgabe übernimmt.
Was Palmenerde grundsätzlich leisten muss
Eine geeignete Palmenerde speichert langfristig Wasser, leitet Überschuss ab und lässt den Wurzeln Luft, dafür braucht sie kleine und größere Poren. Für torffreie GefäßkulturGefäßkultur ist der Anbau von Pflanzen in Töpfen, Kübeln, Kästen oder Kisten statt direkt im Gartenboden. So kannst du Gemüse, Kräuter oder Blumen auch auf Balkon und Terrasse ziehen. greifst du zu einer Qualitätserde mit mindestens 3 verschiedenen Torfersatzstoffen. Auch als Bio-Erde bezeichnetes Substrat kann Torf enthalten. Woran du gute Erde allgemein erkennst, zeigt der Ratgeber dazu, wie du das passende Substrat für deine Zimmerpflanzen auswählst.
Palmenerde selber machen: mein Grundrezept
Mein Grundrezept hat drei Teile: eine Basiserde, einen mineralischen Zuschlag und bei Bedarf einen organischen Stickstoffvorrat. Als Basis nehme ich Einheitserde und mische Sand darunter. Für eine torffreie Mischung nimmst du als Basis eine torffreie Qualitätserde. Für mehr Luft im Topf kommt Perlit dazu, in großen Kübeln zusätzlich Lava für eine stabile Struktur. Hornspäne mische ich vor dem Pflanzen ein, wenn ich Stickstoff auf Vorrat geben will.
| Zutat | Aufgabe in der Mischung | Darauf achte ich |
|---|---|---|
| Einheitserde | Basis der Mischung | mit Sand mischen |
| torffreie Qualitätserde | Basis für eine torffreie Mischung | mindestens 3 verschiedene Torfersatzstoffe |
| Sand | macht das Gemisch durchlässiger | gehört bei Bergpalme und Palmfarn dazu |
| Perlit | erhöht Luftkapazität und StrukturstabilitätStrukturstabilität beschreibt, wie dauerhaft eine Blumenerde oder ein Substrat locker bleibt. Strukturstabile Erde gibt den Wurzeln Halt, ohne mit der Zeit zusammenzusacken oder zu verdichten. | für den Gartenbau geeignete Ware; Wirkung hängt von der beigemischten Menge ab |
| Lava, Bims | verbessern die Strukturstabilität | Bims speichert zusätzlich Wasser |
| Zeolith | kann Wasser speichern | mineralischer Zuschlag |
| KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf. | fördern Struktur und Luftzufuhr | gröber als KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. |
| Kokosmark | speichert mehr Wasser als Kokosfasern | für Mischungen, die zu schnell austrocknen |
| Rindenhumus, Holzfasern, Substratkompost | ersetzen Torf in Mischungen | Rinde nur aufbereitet, Kompost nie pur |
| Hornspäne | Stickstoffvorrat, vor dem Pflanzen eingemischt | wirken erst nach dem Abbau durch Mikroorganismen |
Die Anteile am Ergebnis ausrichten
Wie stark Perlit die Luft im Substrat erhöht, hängt von der beigemischten Menge ab. Ich lege deshalb keine festen Anteile fest, sondern richte die Mischung am Ergebnis aus. Dazu fülle ich eine Probe in einen Topf mit Abzugslöchern und gieße sie durchdringend. Läuft das Wasser unten zügig ab und bleibt oben keine Pfütze stehen, ist die Mischung durchlässig genug. Steht Wasser auf der Oberfläche, kommt mehr Mineralisches hinein.
Industriell hergestellte Erden haben eine technisch geregelte Zusammensetzung, damit die Anteile ihrer Ausgangsstoffe gleich bleiben. Deiner eigenen Mischung fehlt diese Regelung, und die genaue Kalkmenge für ein Gemisch aus mehreren Komponenten lässt sich nur per Substratanalyse bestimmen. Deshalb messe ich bei jeder neuen Partie den pH-Wert, bevor eine Palme einzieht.
Kalibriere die pH-Elektrode vor dem Messen mit Pufferlösungen bei pH 4 und pH 7. Erst dann sind die Werte aus deiner Erdprobe verlässlich.
- Basiserde bereitstellen: Einheitserde, für torffreie Mischungen eine torffreie Qualitätserde
- Sand untermischen, für mehr Luft Perlit, in großen Kübeln Lava
- Hornspäne einmischen und die Grunddüngung der Basiserde mitrechnen
- Gefäß mit funktionierenden Abzugslöchern bereitstellen
- Probe durchgießen, dann den pH-Wert messen
Fertig kaufen oder selbst mischen?
Eine unabhängige Gütesicherung gibt dir beim Kauf von Erde Orientierung, hochwertige Erden gibt es aber auch ohne Siegel. Mischst du selbst, entscheidest du über jede Zutat und trägst dafür die Kontrolle selbst. Übrige Erde lagere ich dunkel, kühl und trocken. Bei torffreien und torfreduzierten Erden können mit längerer Lagerung Verpilzungen, NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. und Salzgehalt zunehmen. Ich mische deshalb nur so viel, wie ich für die anstehenden Töpfe brauche. Erde aus einem Topf, in dem eine Pflanze an Wurzelfäule gelitten hat, verwende ich nicht wieder.
Welche Erde braucht welche Palmenart?
Palmen bilden die botanische Familie Arecaceae, auch Palmae genannt. Artgenaue Erdwerte kenne ich nur für die Bergpalme und den palmenähnlichen Palmfarn. Die Übersicht zeigt, womit ich jeweils starte.
| Pflanze | Basis und Zuschlag | Substrat-pH |
|---|---|---|
| Zierliche Bergpalme (Chamaedorea elegans) | Einheitserde mit Sandbeimischung | 5 bis 6,5, für Wohnräume enger 5 bis 5,5 |
| Palmfarn (Cycas revoluta), keine echte Palme | gut durchlässiges Gemisch aus Einheitserde und Sand | kein artgenauer Wert bekannt |
| Kentia, Areca, Dattelpalme | Grundrezept als Ausgangspunkt, strukturstabil halten | kein artgenauer Wert bekannt |
Zierliche Bergpalme (Chamaedorea elegans)
Die Bergpalme bekommt bei mir Einheitserde mit Sandbeimischung. Für ihr Substrat ist ein pH-Wert von 5 bis 6,5 beschrieben. Die Pflegeempfehlung für Wohnräume ist enger und nennt 5 bis 5,5. Handelsübliche Fertigsubstrate für den Großteil der Zierpflanzen sind dagegen auf 5,5 bis 6,5 eingestellt. Setzt du die Bergpalme in eine solche Erde, liegt der Wert also bestenfalls am oberen Rand des engen Bereichs.
Ein zu hoher Substrat-pH kann bei ihr Eisenmangelchlorosen verursachen, ein übernässtes Substrat ebenso. Vergilbende Blätter können darauf hindeuten, aber auch auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress. Hartes Leitungswasser mit hoher CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. begünstigt zusätzlich, dass der pH im Topf steigt. Ich gieße die Bergpalme deshalb mit zimmerwarmem Regenwasser. Liegt der gemessene Wert zu hoch, mische ich lieber neu. Eine schnelle Korrektur mit elementarem SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. kann im Topfsubstrat heftig und schwer vorhersehbar wirken.
Die Zierliche Bergpalme eignet sich für einen hellen, absonnigen Platz im Zimmer. Mehr zu Licht und Pflege findest du im Ratgeber, wie du Topfpalmen pflegst und den passenden Standort wählst.
Palmfarn (Cycas revoluta)
Cycas revoluta gehört zu den Palmfarngewächsen. Trotz seines palmenähnlichen Aussehens ist der Palmfarn keine echte Palme.
Für sein Substrat mische ich Einheitserde und Sand zu einem gut durchlässigen Gemisch. Einen artgenauen pH-Wert habe ich für den Palmfarn nicht, und den Wert der Bergpalme übertrage ich nicht auf ihn. Beim mineralischen Anteil bleibe ich bei Sand.
Grober Rindenmulch landet als Strukturgeber im Palmfarn-Topf. Roher Rindenmulch kann wachstumshemmende Stoffe enthalten und Stickstoff binden. Mit aufbereitetem Kultursubstrat ist er nicht gleichzusetzen.
Kentia, Areca, Dattelpalme und große Kübelpalmen
Bei Kentia, Areca und Dattelpalme starte ich mit dem Grundrezept und passe es an das an, was ich im Topf beobachte. Bleibt eine Palme mehrere Jahre im selben Kübel, brauchst du eine strukturstabile Erde, weil sie Verdichtung und VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen. im unteren Topfbereich vorbeugt. Dafür nehme ich Lava als Zuschlag. Ein zu nasser, kalter Wurzelballen begünstigt bei überwinternden Kübelpflanzen wurzelschädigende Pilze. Überwintert deine Kübelpalme kühl, kommt es deshalb besonders auf eine Erde an, die unten nicht vernässt.
Feintuning: die Mischung an Palme und Topf anpassen
Ich ändere immer nur eine Zutat und gieße danach wieder eine Probe durch. So erkenne ich, welche Änderung im Topf welche Wirkung hat. Die Tabelle zeigt, woran ich mich orientiere.
| Was du im Topf beobachtest | Was ich in der nächsten Mischung ändere |
|---|---|
| Wasser bleibt nach dem Gießen oben stehen | mehr Perlit für Luft und Abzug |
| Erde sackt zusammen und bleibt unten nass | Lava oder Bims für mehr Strukturstabilität |
| Ballen trocknet deutlich schneller aus als früher | Kokosmark statt Kokosfasern, dazu Bims oder Zeolith |
| Bergpalme vergilbt | pH-Wert messen, Nässe prüfen, mit Regenwasser gießen |
| Palme soll Stickstoff auf Vorrat bekommen | Hornspäne vor dem Pflanzen einmischen |
Wirkt eine Palme trotz feuchter Erde welk, kann anhaltende Nässe dahinterstecken. Fehlt den Wurzeln dauerhaft Sauerstoff, können sie absterben, und die Pflanze wirkt dann wie vertrocknet. In diesem Fall entfernst du überschüssiges Wasser und gießt zunächst nicht weiter. Die nächste Mischung bekommt dann mehr Struktur und weniger Wasserspeicher. Reinen Kompost nehme ich nie als Topferde, weil er als Gefäßsubstrat zu nährstoffreich ist.
Topfgröße und Substratmenge
Wie viel Erde eine Palme bekommt, legt der Topf fest. Der neue Topf sollte am oberen Rand mindestens 2 cm mehr Durchmesser haben als der bisherige. Mehr Erde bedeutet dabei nicht mehr Sicherheit, denn ein übergroßes Gefäß erhöht das Risiko vernässter Erde. In einem zu großen Topf gießt du leicht zu viel, und das kann die Wurzeln schädigen. Torffreie Erde kann außerdem oben trocken wirken, während sie unten noch nass ist. Im zu großen Topf verleitet dich diese trockene Oberfläche deshalb besonders leicht zum Gießen, obwohl unten noch Wasser steht.
Den Ballen setzt du so ein, dass seine Oberkante rund 3 cm unter dem Topfrand liegt. Dieser Abstand bleibt als Gießrand frei. Jedes Gefäß braucht funktionierende Abzugslöcher, sonst staut sich das Wasser trotz durchlässiger Mischung.
Bei großen Kübelpalmen rechnest du das Gewicht mit ein. Pflanze, Erde und Gefäß müssen zusammen noch sicher zu transportieren sein. Ein Tongefäß kann eine hohe Palme durch sein Eigengewicht standfester machen. Dafür verliert unglasierter Ton über seine poröse Wand zusätzlich Wasser, was ein Kunststofftopf nicht tut.
Umtopfen in Kürze
Vor dem Umtopfen wässere ich den Ballen kräftig, damit er sich leichter löst, und erhalte dabei gesunde Wurzeln. Nach dem Einsetzen gießt du an und prüfst vor der nächsten Wassergabe, ob die Erde abgetrocknet ist. Wann eine Palme dran ist, hängt am Zustand von Wurzeln und Erde; den ganzen Ablauf beschreibt der Abschnitt zu Umtopfen und Gefäßwahl bei Zimmerpflanzen.
Gießen und Düngen passend zur Mischung
Gießen: unten prüfen, nicht nur oben
Prüfe bei torffreier Erde vor dem Gießen auch die Feuchte im unteren Topfbereich. Ich hebe kleinere Palmentöpfe vor und nach dem Gießen an und schätze den Feuchtezustand am Gewicht. Ist die Erde angetrocknet, gießt du durchdringend. Wasser, das danach im Untersetzer stehen bleibt, gießt du ab. Im Winter brauchen Zimmerpflanzen bei weniger Licht weniger Wasser und Nährstoffe, auch wenn der Raum warm bleibt. Wie beides zusammenspielt, zeigt der Ratgeber dazu, wie du Düngung und Bewässerung bei Grünpflanzen aufeinander abstimmst.
Düngen: die Grunddüngung der Mischung mitrechnen
Steckt in der Basiserde schon Dünger, wartest du nach dem Umtopfen mit dem Nachdüngen. Kübelpflanzen in vorgedüngter Blumenerde brauchen während der ersten 4 bis 6 Wochen gewöhnlich keinen zusätzlichen Dünger. Hornspäne in deiner eigenen Mischung gehören ebenfalls zur Grunddüngung, die du bei jeder Nachdüngung berücksichtigst. Ihren Stickstoff geben sie erst frei, wenn Mikroorganismen sie abgebaut haben. Bei niedrigeren Temperaturen verzögert sich die Wirkung organischer und mineralischer Langzeitdünger zusätzlich.
Für viele Zimmerpflanzen wird während der Wachstumsphase im Frühling und Sommer alle 2 bis 4 Wochen eine Flüssigdüngung empfohlen. Bei Kübelpflanzen lässt sich kein Rhythmus festlegen, der für alle gilt, deshalb richtest du dich nach dem Bedarf deiner Palme. Die Dosierung steht auf der Packung, und die Lösung kommt auf bereits feuchte Erde, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Eine kranke Palme düngst du erst wieder, wenn sie sich erholt hat. Wächst sie im Winter wegen Lichtmangel nicht, ist zusätzlicher Dünger nicht angezeigt. Ist es doch zu viel geworden, stellst du das Düngen ein und tauschst bei Bedarf einen Teil der belasteten Erde aus.
- Düngepause nach dem Umtopfen von Kübelpflanzen in vorgedüngte Erde: gewöhnlich die ersten 4 bis 6 Wochen
- Flüssigdüngung vieler Zimmerpflanzen in der Wachstumsphase im Frühling und Sommer: alle 2 bis 4 Wochen
- grobe Orientierung für die Hauptwachstumszeit gängiger Zimmerpflanzen: März bis Oktober
Auch organische Dünger können mit ihrer Nährstofffreisetzung zu Überversorgung und erhöhtem Salzgehalt beitragen, und die Grunddüngung im Substrat zählt bei jeder Nachdüngung mit. Wer Hornspäne einmischt, vorgedüngte Erde verwendet und in der Düngepause schon flüssig nachdüngt, kombiniert also drei Nährstoffquellen im selben Topf.
Nimm eine Probe deiner jetzigen Palmenerde, gieße sie in einem Topf mit Abzugslöchern durch und miss den pH-Wert. Dann weißt du vor dem nächsten Umtopfen, ob du beim Grundrezept bleibst oder an Struktur und pH nachbesserst.
