Hülsenfrüchte in der nachhaltigen Landwirtschaft: was sie für Boden, Klima und Ernährung leisten
- Ackerbohnen und Körnererbsen lassen sich ohne mineralische Stickstoffdüngung anbauen.
- Werden Hülsenfrüchte komplett von der Fläche geräumt, entfällt die Stickstoffnachlieferung aus ihren Ernteresten.
- Im Klimavergleich liegen Hülsenfrüchte im Durchschnitt vor tierischen Lebensmitteln, besonders wenn sie diese ersetzen.
- Zu den Nachteilen zählen lange Anbaupausen, Trockenstress in der Blüte und bei Soja die Umwandlung natürlicher Lebensräume in Anbauflächen.
Ackerbohnen, Erbsen und Soja sollen den Boden düngen, Humus aufbauen, das Klima schützen und die Welt ernähren. Manches davon stimmt, manches gilt nur unter bestimmten Bedingungen. Wer das verwechselt, rechnet mit Stickstoff und Humus, die am Ende fehlen. Ich baue selbst Erbsen und Bohnen an und prüfe solche Aussagen, bevor ich meinen Boden danach plane.
Was bedeutet die Stickstoffbindung für die Düngung auf dem Acker?
Rund 20.000 Arten zählen zu den Hülsenfrüchtlern, als Gemüse oder Körnerfrucht nutzt der Mensch nur einen Teil davon. Die meisten von ihnen können mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln Luftstickstoff binden und für sich nutzbar machen. Den Überblick über die Arten und die Erklärung, wie Knöllchenbakterien Hülsenfrüchte zu Schwachzehrern mit eigener Stickstoffquelle machen, findest du im Ratgeber zu Bohnen, Erbsen und Hülsenfrüchten.
Auf dem Acker zeigt sich das zuerst beim Dünger. Ackerbohnen und Körnererbsen lassen sich ohne mineralische Stickstoffdüngung anbauen. Soja sollte zur Saat keine Stickstoff-Startdüngung bekommen, denn die kann die Knöllchenbildung behindern. Auch bei Puffbohnen kann zusätzlicher Stickstoff die Bindung durch die Knöllchenbakterien behindern und verzögern. Wer zur Sicherheit trotzdem Stickstoff streut, kann also genau die Bindung bremsen, derentwegen die Hülsenfrucht auf dem Feld steht.
Für Sojabohnen fehlen die passenden Knöllchenbakterien in heimischen Böden normalerweise, deshalb wird ihr Saatgut vor der Aussaat geimpft. Stickstoff ist außerdem nicht der einzige Nährstoff: Sojabohnen werden mit Phosphor, Kalium und Magnesium nach Ernteentzug und Nährstoffgehaltsklasse des Bodens versorgt. Welche Makro- und Mikronährstoffe Hülsenfrüchte brauchen und wie du sie per Bodenanalyse deckst, liest du in einem eigenen Beitrag.
Was bleibt nach der Ernte für die Folgekultur?
Ob die nächste Kultur vom gebundenen Stickstoff etwas hat, entscheidet sich beim Räumen der Fläche. Was an Wurzeln im Boden steckt und an Pflanzenresten eingearbeitet wird, hält Stickstoff, weitere Nährstoffe und organische Substanz auf der Fläche. Werden die Pflanzen dagegen vollständig abgefahren, entfällt die NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab. aus den Ernteresten. Im Garten lasse ich deshalb nach der Erbsenernte die Wurzeln im Beet.
Auch was bleibt, lässt sich nicht eins zu eins als Dünger verbuchen. Über ihre Ernterückstände können Puffbohnen der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. Stickstoff hinterlassen, doch ihre gesamte StickstoffbindungStickstoffbindung heißt, dass Knöllchenbakterien an den Wurzeln von Leguminosen wie Bohnen, Erbsen oder Klee Stickstoff aus der Luft aufnehmen und in eine Form umwandeln, die Pflanzen nutzen können. ist nicht dasselbe wie die Menge, die später verfügbar wird. Außerdem unterscheiden sich die Arten: Prunkbohnen etwa werden im österreichischen Bio-Körneranbau als Vorfrucht eher bescheiden eingestuft. Wer die Folgekultur nach Hülsenfrüchten knapper düngt, kann sich also nur auf die Reste berufen, die auf der Fläche blieben, und auch dann nicht auf die volle Bindung der Pflanze.
Bei einer Gründüngung bleiben die Pflanzen üblicherweise auf der Fläche, als Mulch oder flach eingearbeitet. Die Nährstoffe daraus werden bei der Zersetzung nach und nach frei, ersetzen die Düngung der NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen. aber nicht automatisch vollständig. Wie du Hülsenfrüchte im eigenen Garten als Gründüngung einsetzt, zeigt ein eigener Beitrag.
Bauen Hülsenfrüchte Humus auf?
Hülsenfrüchte liefern organische Substanz, sofern Wurzeln und Pflanzenreste auf der Fläche bleiben. Verrotten die Wurzeln, bleiben Kanäle zurück, durch die Luft und Wasser leichter in den Boden gelangen. Je besser die BodenstrukturDie Bodenstruktur, auch Bodengefüge genannt, beschreibt, wie die festen Bestandteile des Bodens räumlich angeordnet sind. Sie bestimmt, wie viele und welche Poren es gibt, in denen sich Luft und Wasser halten. und je mehr Humus, desto besser speichert der Boden wiederum Wasser. Ob aus den Resten messbar mehr Humus wird, lässt sich dagegen schwer vorhersagen.
Eine Humusbilanz vergleicht, wie verschiedene Fruchtfolgen auf den Humus im Boden wirken. Die Bilanz zeigt, welche Folge günstiger abschneidet. Wie sich der Humusgehalt eines bestimmten Feldes verändert, sagt sie aber nicht exakt voraus.
Angaben, die einen festen Humuszuwachs nach einer bestimmten Zahl von Anbaujahren versprechen, liest du deshalb besser mit Vorsicht.
Welcher pH-Wert passt zu welcher Hülsenfrucht?
Beim pH-Wert stellt sich auf dem Acker vor allem eine Frage: Passt die geplante Hülsenfrucht zum vorhandenen Boden? Die Ansprüche der Arten liegen dabei auseinander.
| Hülsenfrucht | pH-Angabe | Zusammenhang |
|---|---|---|
| Ackerbohne | 6,5 bis 7,2 | am besten auf mittleren bis schweren, tiefgründigen Böden |
| Sojabohne | 6,5 bis 7,0 | günstig im landwirtschaftlichen Körnersojaanbau |
| Markerbse und Schalerbse | 6,5 bis 7,5 | Freiland, je nach Bodenart |
| Weiße Lupine | 5,5 bis 6,8 | allgemeine Angabe für die Art |
| Adzukibohne | 5 bis 7,5 | tolerierte Spanne im internationalen Kornanbau |
| Gelbe Lupine | leicht sauer | sandige Böden, als Gründüngung |
| Linsen und Kichererbsen | kalkreich | nährstoffarme Böden |
Der passende Zielbereich hängt von Bodenart und Kultur ab. Kalk ist nur sinnvoll, wenn der gemessene pH-Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Weil Weiße Lupine und Ackerbohne unterschiedliche Spannen haben, gibt es keine Kalkregel für Hülsenfrüchte als Ganzes. Maßstab ist der Messwert, verglichen mit dem Bereich der geplanten Kultur.
Ich schicke etwa alle 4 bis 5 Jahre eine MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. aus meinem Gemüsegarten ins Labor. Den pH-Wert lege ich dann neben den Bereich, der zu Bodenart und geplanter Kultur passt. Nur wenn er darunter liegt, kalke ich.
Hülsenfrüchte brauchen außerdem einen Standort ohne Staunässe. Wie du den Boden von der Bodenanalyse bis zur Lockerung für Hülsenfrüchte vorbereitest, steht in einem eigenen Beitrag.
Welche Nachteile hat der Anbau von Hülsenfrüchten?
Hülsenfrüchte bringen dem Acker einiges, sie machen aber auch Arbeit und tragen eigene Risiken.
Lange Anbaupausen
Steht dieselbe Pflanzenfamilie immer wieder auf der Fläche, können sich bodenbürtige Schädlinge und Krankheiten vermehren, deshalb brauchen Hülsenfrüchte lange Anbaupausen. Soja teilt die Anfälligkeit für Sklerotinia mit Raps, Sonnenblumen, Kartoffeln, Kopfsalat und Klee, deshalb gehören diese Kulturen bei ihr mit in die Fruchtfolgeplanung. Wie du einen Fruchtwechsel mit Hülsenfrüchten planst, damit der Boden gesund bleibt, erklärt ein eigener Beitrag.
Trockenheit in der Blüte, Nässe zur Reife
Trockenheit während Blüte und Hülsenansatz trifft Ackerbohnen empfindlich: Die Pflanzen können dann Blüten und Hülsen abwerfen. Heiße Witterung kann bei ihnen zusätzlich die Blüte vorzeitig beenden und schon angesetzte Hülsen abfallen lassen. Früh angebaute Puffbohnen können sommerlicher Trockenheit teilweise ausweichen, weil sie das meiste Wasser bereits im Mai und Juni brauchen.
Andere Arten tragen andere Risiken. Kichererbsen gelten als trockenheitsverträglich, bleiben aber bei Staunässe und häufigem Regen durch Pilzkrankheiten gefährdet. Spätsommerliche Nässe kann zudem ihre Samenreife verzögern. Liegt der Boden unter 10 °C, laufen Phaseolus-Trockenbohnen langsamer auf. Unter 0 °C sterben die Pflanzen ab. Im Kongo überstanden Adzukibohnen zwar Trockenzeiten, ihr Ertrag litt dabei aber stark.
Soja stellt hohe Ansprüche
Sojabohnen mögen lockere Böden, die sich leicht erwärmen. Weil sie sich in der Jugend langsam entwickeln, reagieren sie empfindlich auf Unkrautkonkurrenz. Die Keimlinge durchdringen Verkrustungen schwer, deshalb wird das Saatbett nicht zu fein vorbereitet. Bei der Sortenwahl entscheidet, ob eine Sorte am Standort rechtzeitig abreift. Im Körnersojaanbau umfasst die Reifegruppe 00 frühe Sorten. Für weniger warme Lagen ist die Reifegruppe 000 mit sehr frühen Sorten vorgesehen.
Im landwirtschaftlichen Sojaanbau gelten im Frühjahr mindestens 100 l/m² pflanzenverfügbares Bodenwasser als Voraussetzung für eine optimale Wasserversorgung. Während des Wachstums setzt man für hohe Erträge im Feldanbau günstigenfalls 300 l/m² an, aus Niederschlägen und gegebenenfalls ergänzender Beregnung. Eine einzelne Beregnungsgabe wird wegen der Lagergefahr auf höchstens 30 mm begrenzt. Bei Körnersoja endet die Beregnung mit den ersten reifen Hülsen.
Ernte und Verarbeitung kosten Aufwand
Bei Linsen kommt zur Kulturpflege der Aufwand für Drusch und Reinigung der geernteten Körner hinzu. Mungbohnen blühen fortlaufend und tragen deshalb gleichzeitig grüne und ausgereifte Hülsen. Damit sie sich in Deutschland etablieren, braucht es neben erfolgreichem Anbau eine Verarbeitung und Vermarktung, die sich wirtschaftlich trägt.
Sind Hülsenfrüchte gut fürs Klima?
Verglichen mit tierischen Lebensmitteln schneiden Hülsenfrüchte in der Klimabilanz im Durchschnitt besser ab. Besonders gilt das, wenn sie tierische Lebensmittel auf dem Speiseplan ersetzen.
„Soja ist automatisch klimafreundlich.“ Soja wird vor allem in der Nutztierhaltung eingesetzt. Wo natürliche Lebensräume in Sojaflächen umgewandelt werden, schadet das dem Klima und der Artenvielfalt. Der Klimavorteil hängt deshalb daran, wofür die Bohne genutzt wird: Als Futter ersetzt sie kein tierisches Lebensmittel, sie dient seiner Erzeugung.
Auf dem Betrieb lässt sich das Ausfallrisiko außerdem streuen. Verschiedene Kulturarten, Sorten, Reifetypen und Aussaattermine können das Risiko verteilen, dass mehrere Kulturen gleichzeitig ausfallen. Beim Bewässern ist die Bodenfeuchte der Maßstab, und das Wasser soll effizient eingesetzt werden. Bewässerungsinfrastruktur kann in der Landwirtschaft über die Förderrahmen ELER und GAK unterstützt werden.
Was tragen Hülsenfrüchte zur Ernährungssicherheit bei?
Weil sie viel Eiweiß liefern, leisten Hülsenfrüchte einen Beitrag zur Ernährungssicherung weltweit. Ernährungsunsicherheit hat aber mehrere Ursachen, unter anderem Armut, Ungleichheit, bewaffnete Konflikte und Folgen des Klimawandels. Hülsenfrüchte setzen deshalb bei der Versorgung mit Eiweiß an, nicht bei jeder dieser Ursachen.
Wie das im Kleinen aussehen kann, zeigt ein Entwicklungsprojekt in Kambodscha. Dort erzielten einige Haushalte mit Mungbohnen als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. ein zusätzliches Einkommen neben dem Verkauf von Cassava.
Wie viel Eiweiß getrocknete Hülsenfrüchte liefern, zeigt die Übersicht.
| Hülsenfrucht (Trockenware) | Protein je 100 g |
|---|---|
| Sojabohnen | etwa 38 bis 40 g |
| Erbsen | etwa 23 g |
| Linsen | etwa 23 g |
| Kichererbsen | 19 g |
Ausgereifte Sojabohnen enthalten als Rohware außerdem 18 bis 20 % Öl mit reichlich ungesättigten Fettsäuren. Auf dem Speiseplan können Hülsenfrüchte tierische Lebensmittel ergänzen oder an deren Stelle treten. Mit Getreide ergänzen sie sich im Aminosäurenmuster, etwa Linsen mit Reis oder Erbsen mit Brot. Ganze Hülsenfrüchte oder Mehl daraus bringen häufig mehr Ballaststoffe und weitere Begleitstoffe mit als stark verarbeitete Produkte. Was Hülsenfrüchte an Nährwerten für deine Ernährung mitbringen, steht in einem eigenen Beitrag.
Sojabohnen enthalten Trypsininhibitoren und Lektine, die vor dem Essen durch eine geeignete Hitzebehandlung unwirksam gemacht werden müssen. Sojalebensmittel können Allergien auslösen, bei einer Birkenpollenallergie auch schwere Kreuzreaktionen. Hast du eine solche Allergie, sprich vor dem Verzehr von Soja mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Woran wird bei Hülsenfrüchten geforscht?
Mehrere Projekte und Versuche prüfen, welche Hülsenfrüchte in Deutschland wachsen und wie sie sich verarbeiten lassen. Das Forschungsprojekt CiLaKlima untersucht Herkünfte von Kichererbse und Saat-Platterbse darauf, ob sie sich für den Anbau in Deutschland eignen. Leg4Future arbeitet an Proteinkonzentraten aus Mungbohnen und Linsen. Dazu gehören Verfahren, die antinutritive Inhaltsstoffe vermindern, und die Nutzung der Nebenströme.
Mungbohnen, die bei Rothenburg ob der Tauber in einem Praxisanbau standen, entwickelten sich besonders gut, wenn es tagsüber länger anhaltend über 30 °C warm war. Die Nachttemperaturen sanken dabei nicht unter 20 °C.
Auch am Anbauverfahren wird gearbeitet. Für pfluglosen Soja-Erwerbsanbau erwiesen sich in Feldversuchen Mulchsaat und Strip-Till als geeignet. Schlechter schnitt dort die Direktsaat in gewalzten oder abgefahrenen Roggen ab. Die Helmbohne wiederum gilt als Pflanze mit Potenzial für eine leistungsfähige Gründüngung.
Wie viele Merkmale zusammenpassen müssen, zeigt die Teparybohne. Die Art ist trockenresistent, doch als Kurztagspflanze kann sich ihre Blüte unter langen Tagen verzögern. Trockenheitstoleranz allein reicht also als Auswahlkriterium nicht.
Was davon kannst du im eigenen Garten nutzen?
Einiges davon setze ich im eigenen Beet direkt um. Meine Bohnen dünge ich nicht rein mit Stickstoff, und frischen StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. bekommen sie nicht. Die Anbaupausen für Erbsen und Bohnen halte ich im Beetplaner über mehrere Jahre fest.
In einer Milpa aus Mais, Stangenbohnen und Kürbis übernimmt der Mais für die Bohnen die Rolle der Rankhilfe. Welche Gemüse sich sonst als Nachbarn eignen, kannst du vorab prüfen; die Erfahrungen dazu widersprechen sich allerdings häufig. Wie du Hülsenfrüchte ohne chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel anbaust, zeigt der Beitrag zum biologischen Anbau.





