Chinakohl aussäen: Zeitfenster je Saison, damit er Köpfe bildet
- Herbst-Chinakohl säst du direkt ins Beet, von Anfang Juli bis Mitte August; in Bayern ist das Fenster enger.
- Frühe Sätze ziehst du bei über 15 °C vor und wählst dafür schossfeste Sorten.
- Wächst der Kohl unter langen Sommertagen, sind weitgehend tagneutrale Sorten die passende Wahl.
- Mehrere kleine Sätze verteilen die Ernte, statt dass alle Köpfe auf einmal reif werden.
- Bildet der Kohl keinen Kopf, prüfst du Anzuchtwärme, Sorte und Wasser während der Kopfbildung.

Du hast Chinakohl gesät, und statt eines festen Kopfes schiebt die Pflanze einen Blütentrieb nach oben. Dahinter kann der Aussaattermin stecken: Kälte in der Anzucht, lange Sommertage oder eine Sorte, die nicht zur Jahreszeit passt. Ich plane meine Chinakohlsätze deshalb vom Erntewunsch aus rückwärts. Erst lege ich fest, wann ich ernten will, dann suche ich Sorte und Aussaattag aus.
SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. heißt, dass der Chinakohl vorzeitig einen Blütentrieb streckt, statt seine Blätter zu einem Kopf zu schließen.
Aussaatzeiten für Chinakohl im Überblick
Chinakohl hat keinen einzelnen Aussaattermin, sondern mehrere Sätze mit eigenen Regeln. Die Tabelle zeigt, welcher Weg zu welcher Ernte führt und wie viel Platz Kopf-Chinakohl dabei braucht.
| Satz | So startest du | Termin | Sorte | In der Reihe / Reihenabstand |
|---|---|---|---|---|
| Frühkultur unter Glas | Jungpflanzen bei über 15 °C vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus., ins Gewächshaus pflanzen | Pflanzung im März, Erntebeginn im Mai; Richtwert für wärmere Regionen | schossfest | 35 bis 40 cm / etwa 40 cm |
| Frühkultur im Freiland | Jungpflanzen bei über 15 °C vorziehen, unter Gartenvlies oder Folie pflanzen | Pflanzung im April | schossfest | 35 bis 40 cm / etwa 40 cm |
| Sommerkultur | Kopfbildung unter langen Sommertagen | kein eigener Richtwert, plane nach Sorte | weitgehend tagneutral | 40 bis 50 cm / etwa 50 cm |
| Herbstkultur | DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. ins Beet | Anfang Juli bis Mitte August; in Bayern enger, im Juli | lagerfähig, wenn du lagern willst | 40 bis 50 cm / etwa 50 cm |
Planst du Chinakohl zusammen mit anderen Kohlarten, hilft dir der druckbare Aussaatkalender für Kohl beim Überblick.
„Chinakohl klappt nur im Herbst.“ Das stimmt so nicht. Mit schossfesten Sorten und warmer Anzucht sind auch frühe Sätze im Gewächshaus und unter Vlies im Freiland möglich.
Chinakohl bildet keine Köpfe: diese Punkte prüfst du
Bleibt der Kopf aus, gehst du die Kultur rückwärts durch. Mehrere mögliche Ursachen hängen mit dem Termin zusammen. Ein Symptom ist dabei ein Hinweis, keine sichere Diagnose.
Diese Punkte prüfe ich, wenn Chinakohl schießt oder keinen Kopf schließt.
- Stand die Anzucht zu kühl? 5 bis 8 °C fördern das Schossen besonders, empfohlen sind über 15 °C.
- Passte die Sorte zum Termin? Für frühe Sätze wählst du schossfeste Sorten.
- Wuchs der Kohl unter langen Sommertagen? Dann ist eine weitgehend tagneutrale Sorte die passende Wahl.
- Hatte er während der Kopfbildung gleichmäßig genug Wasser, ohne Staunässe?
Die einzelnen Punkte findest du unten bei den Jahreszeiten genauer erklärt.
Frühjahr: warm vorziehen, geschützt pflanzen
Anzucht: warm und hell
Für frühe Sätze wählst du schossfeste Sorten und ziehst die Jungpflanzen warm vor. Halte die Anzucht über 15 °C. Kalte Phasen solltest du vermeiden, denn 5 bis 8 °C fördern das Schossen besonders. Wärme allein genügt aber nicht: Ein wärmerer Anzuchtplatz muss auch heller sein, sonst wachsen die Jungpflanzen übermäßig in die Länge. Die warme Anzucht gegen das Schossen braucht also zugleich einen hellen Platz. Ich stelle die Anzuchtschalen deshalb an das hellste Fenster im beheizten Raum.
Auspflanzen: März unter Glas, April unter Vlies
In wärmeren Regionen gilt als Richtwert: im März ins Gewächshaus pflanzen, ab Mai ernten. Vor allem im Frühjahr kannst du Chinakohl im unbeheizten Gewächshaus kultivieren. Im Freiland pflanzt du frühe Sätze im April und schützt sie mit Gartenvlies oder geeigneter Folie vor niedrigen Temperaturen. Steigen die Temperaturen stark, nimmst du das Vlies ab, damit sich darunter keine Hitze staut.
Zum AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. stellst du Jungpflanzen tagsüber an einen windgeschützten, schattigen Platz ins Freie. Bei Chinakohl holst du sie für kalte Nächte wieder herein, weil 5 bis 8 °C das Schossen besonders fördern.
Auch ein Hochbeet kann einen früheren Start ermöglichen, weil die sonnenbeschienenen Seitenwände den Boden schneller erwärmen. Worauf es dort ankommt, erklärt der Beitrag darüber, wie Chinakohl im Hochbeet gelingt.
Sommer: die Sorte nach der Tageslänge wählen
Wächst dein Chinakohl in die langen Sommertage hinein, achtest du besonders auf die Sorte. Für diese Zeit gibt es weitgehend tagneutrale Sorten, und genau so eine nimmst du für den Sommersatz. Kopf-Chinakohl braucht im Sommer außerdem mehr Platz als in der Frühkultur, die Abstände stehen oben in der Tabelle.
Während der Kopfbildung und bei Trockenheit braucht Chinakohl gleichmäßig genug Wasser, aber keine Staunässe. Ich prüfe die Feuchte mit dem Finger im Boden, bevor ich gieße.
Günstig für Chinakohl sind eine ausgeglichene Luftfeuchtigkeit und geringe Temperaturschwankungen, eine windexponierte Lage ist ungünstig. Mehr dazu liest du im Beitrag darüber, was Chinakohl an Temperatur, Licht und Wetter braucht.
Herbst: Direktsaat von Anfang Juli bis Mitte August
Herbst-Chinakohl säst du direkt ins Beet. Das Fenster reicht von Anfang Juli bis Mitte August. In Bayern ist es enger und liegt im Juli. Willst du den Herbstkohl lagern, wählst du eine lagerfähige Sorte.
Von der Pflanzung bis zur Ernte vergehen bei Chinakohl im Hausgarten 55 bis 75 Tage.
Für herbstlichen Chinakohl gelten etwa −4 °C als grober Richtwert der Frosttoleranz. Wiederholtes Frieren und Tauen kann außerdem Fäulnis fördern. Zusammen mit der Entwicklungszeit aus dem Kasten heißt das: Je später du säst oder pflanzt, desto knapper wird der Puffer bis zu den ersten Frösten. Ich lege den Hauptsatz deshalb lieber in die erste Hälfte des Fensters.
Der Herbstsatz passt auf ein Beet, das eine frühe Kultur geräumt hat. Ziehst du den Chinakohl vor, darf die erste Kultur länger stehen bleiben. Wie du das planst, zeigt der Beitrag darüber, wie du Chinakohl nach einer frühen Kultur als Nachkultur einplanst.
Staffelanbau: kleine Sätze statt einer großen Aussaat
Ich säe Chinakohl nicht auf einmal, sondern verteile mehrere kleine Sätze über das Fenster. So werden nicht alle Köpfe am selben Tag reif. Frischer Chinakohl hält in Folie im Gemüsefach ungefähr 1 bis 2 Wochen. Kleine Sätze passen deshalb besser zum Verbrauch als ein großer, der auf einmal erntereif wird.
Den nächsten Satz säe ich, wenn der vorige aufgelaufen ist. Aus jedem Satz kannst du einzelne Pflanzen früh als junges Gemüse ernten, bei Chinakohl geht das schon 6 Wochen nach der Aussaat.
Plane jeden Satz auf einem Beet, auf dem zur Vorbeugung gegen KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. mindestens vier Jahre kein KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. stand. Dazu zählen auch Radieschen, Rettich und Senf. Die Details findest du im Beitrag darüber, wie du Chinakohl in den Fruchtwechsel einbaust.
Deine Sätze und freien Beete kannst du im Beetplaner festhalten, passende Nachbarn prüfst du im Mischkultur-Planer.
Ich stecke zu jedem Satz ein Schild mit Datum und Sorte ans Beet. Den nächsten Aussaattermin trage ich gleich in meinen Plan ein, damit ich ihn nicht verpasse.
Rund um die Aussaat: Anzucht, Boden, Schutz und Ernte in Kürze
Wie du Kohl säst, pikierst, abhärtest und auspflanzt, steht im Kohl-Ratgeber im Abschnitt Aussaat, Anzucht und Pflanzung. Für Chinakohl zählt dabei vor allem die Anzuchtwärme, die du oben beim Frühjahr findest.
Den Oberboden für Chinakohl kannst du schon im Herbst davor mit Kompost und weiterem organischem Düngematerial vorbereiten. Einseitige oder übermäßige Düngung kann bei ihm Innenblattnekrosen und andere physiologische Störungen begünstigen. Die Grundlagen dazu stehen im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden sowie unter Düngen.
Frühpflanzung und Herbstsaat treffen auf KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite.: Überwinterte Käfer erscheinen meist ab April, die neue Generation ab Juli. Das KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. legst du deshalb direkt nach Saat oder Pflanzung auf und hältst es bis zur Ernte geschlossen. Mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber unter Schädlinge und Pflanzenschutz und im Beitrag darüber, wie du Chinakohl biologisch anbaust und Nützlinge förderst.
Wann dein Kopf reif ist, erklärt der Beitrag darüber, woran du erntereifen Chinakohl erkennst. Ein weiterer Beitrag zeigt, wie du Chinakohl schonend erntest und lagerst. Die Erntezeiten der übrigen Kohlarten stehen im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.




