Chinakohl biologisch anbauen: Kompost, Nützlinge, Jauchen und eigenes Saatgut
- Den Oberboden für Chinakohl bereitest du schon im Herbst davor mit Kompost vor.
- Einseitige oder übermäßige Düngung kann bei Chinakohl Innenblattnekrosen begünstigen.
- Als Gründüngung vor Kohl passen Phacelia oder Buchweizen, nicht Senf, Ölrettich oder Raps.
- Ungefüllte Blüten sowie Laub- und Totholzhaufen bieten Nützlingen Nahrung oder Unterschlupf.
- Zusammenbinden ist kein Pflichtschritt, Kopf-Chinakohl schließt sich in der Regel selbst.
- Für eigenes Saatgut brauchst du eine samenfeste Sorte und frostfrei überwinterte Pflanzen.

Biologisch gedüngter Chinakohl bekommt seine Nährstoffe aus Kompost, Hornspänen und Gründüngung. Ein Risiko liegt dabei im Zuviel: Einseitige oder übermäßige Düngung kann bei Chinakohl Innenblattnekrosen und andere physiologische Störungen begünstigen. Gemeint ist abgestorbenes Gewebe an den inneren Blättern des Kopfes. Ich bereite das Beet deshalb schon im Herbst vor dem Anbau mit Kompost vor und lasse mir von einer Bodenuntersuchung zeigen, was danach noch fehlt.
Hier geht es um den biologischen Kern: organisch düngen, Nützlinge fördern, Jauchen und Brühen einordnen und eigenes Saatgut gewinnen. Boden, Aussaat, Gießen und Ernte fasse ich weiter unten kurz zusammen. Wie konventioneller und biologischer Chinakohlanbau ökologisch abschneiden, steht in einem eigenen Vergleich der beiden Anbauweisen.
Chinakohl biologisch düngen
Das Beet schon im Herbst vorbereiten
Für Chinakohl kannst du den Oberboden bereits im Herbst vor dem Anbaujahr mit Kompost und weiterem organischem Düngematerial vorbereiten. Kompost verbessert auf sandigen Böden das Wasserhaltevermögen. Auf schweren Böden verbessert er die KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und die Durchlüftung. Ich verteile ihn auf dem abgeräumten Beet, sobald die Vorkultur geerntet ist.
Welche Nährstoffe schon im Boden stecken, zeigt eine Bodenuntersuchung. Die Standardanalyse bestimmt den pH-Wert sowie pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium und Magnesium. Löslichen Stickstoff und den Humusgehalt beauftragst du gesondert. Für den Kompost selbst gilt eine feste Regel: Wurzeln mit Kohlhernie kommen in den Restmüll und nicht auf den Haufen.
Der Herbst eignet sich für die Bodenprobe, denn Proben nimmst du vom Herbst bis zum Frühjahr oder nach der Ernte und nicht direkt nach einer Düngung. Für ein Gemüsebeet stichst du 10 bis 15 Teilproben aus den oberen 30 cm, verteilt über die ganze Fläche. Daraus mischst du eine Probe, von der etwa 500 g ins Bodenlabor gehen. Unterschiedlich genutzte Bereiche beprobst du getrennt, und erst danach kommt der Kompost auf den Oberboden.
Stickstoff aus Hornspänen und Leguminosen
Als organische Stickstoffdünger eignen sich im Biogarten Hornmehl, Horngrieß und Hornspäne. Stickstoff kann auch aus der Vorfrucht kommen. Im ökologischen Kohlanbau eignen sich Leguminosengemenge oder Leguminosen-Zwischenfrüchte als Vorfrüchte zur Stickstoffversorgung. Stand vorher ein solches Gemenge auf dem Beet, bringt es also schon Stickstoff mit. Wer dann noch Hornspäne in voller Menge gibt, riskiert genau die übermäßige Düngung, die bei Chinakohl Innenblattnekrosen begünstigen kann. Ich rechne die Vorfrucht deshalb mit, bevor ich Hornspäne streue.
Als jährliche Grundgabe rechnest du für Gemüsebeete mit etwa 3 l Kompost je m²; bei stark erhöhten Phosphor- oder Kaliumwerten gibst du weniger. Für starkzehrende Kohlkulturen kombiniert eine organische Düngevariante 2,5 kg Kompost je m² mit 80 g Hornspänen je m². Ob dein Chinakohlbeet so viel braucht, klärst du mit dem Bodenbefund.
Gründüngung: Phacelia statt Senf
Vor Kohl eignen sich Phacelia oder Buchweizen als Gründüngung. Phacelia ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und passt deshalb in eine Kohlfruchtfolge. Gründüngung kann leichte Böden wasserspeichernder und schwere Böden durchlässiger machen. Eine Begrünung im Herbst durchwurzelt den Boden und schützt ihn vor Auswaschung.
Senf als Gründüngung vor Chinakohl. Senf, Ölrettich und Raps sind Kreuzblütler und damit Verwandte des Kohls, und diese Verwandtschaft kann die Kohlhernie begünstigen. Sie zählen deshalb zur KohlpauseDie Kohlpause ist eine mehrjährige Anbaupause, in der auf einem Beet weder Kohl noch andere Kreuzblütler wie Radieschen, Rettich oder Rucola wachsen. Sie beugt der Kohlhernie vor, einer Wurzelkrankheit dieser Pflanzenfamilie., genau wie Radieschen und Rettich.
Mulchen und hacken
Mulch vermindert im Sommer Verdunstung und Verschlämmung. Angetrockneten Rasenschnitt bringe ich nur so aus, dass er den Boden gerade bedeckt, und ergänze ihn dafür öfter. Wo kein Mulch liegt, hacke ich regelmäßig flach. Das unterdrückt Beikräuter und vermindert ebenfalls die Verdunstung.
Nützlinge ins Beet holen
Nützlinge brauchen Nahrung und Verstecke. Ungefüllte Blüten sowie Laub- und Totholzhaufen bieten ihnen Nahrung oder Rückzugsräume. Ich lasse deshalb am Beetrand ungefüllt blühende Pflanzen stehen und schichte Laub und Schnittholz in einer ruhigen Ecke auf.
Marienkäfer und ihre Larven fressen Blattläuse. SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. parasitieren unter anderem die Raupen des Kohlweißlings, und Laufkäfer jagen am Boden, auch nach Schnecken. Nützlinge können einen Befall bremsen, sicher verhindern können sie ihn nicht. Kommt trotz Netz ein Befall durch, begrenzen das Absammeln der Larven und das Entfernen befallener Pflanzenteile den Schaden. Beim Rundgang drehe ich die äußeren Blätter um und schaue in die Herzblätter.
Nützlinge im Gewächshaus
Im unbeheizten Gewächshaus kannst du Chinakohl vor allem im Frühjahr ziehen. In wärmeren Regionen gilt eine Pflanzung im Gewächshaus im März mit Erntebeginn im Mai als Richtwert. Viele Nützlinge, die im Kleingewächshaus eingesetzt werden, brauchen aber mindestens 15 bis 18 °C. Im ungeheizten Haus ist ihr Einsatz deshalb häufig erst Anfang bis Mitte Mai möglich. Für den frühen Satz heißt das: Wenn die Nützlinge einsetzbar werden, beginnt schon die Ernte, und bis dahin bleiben dir Netz und Kontrolle.
Für einen rechtzeitigen Nützlingseinsatz kontrollierst du die Pflanzen im Kleingewächshaus 1- bis 2-mal pro Woche auf beginnenden Befall. Mehr zur Kultur unter Glas steht im Beitrag, wie du Chinakohl im Gewächshaus anbaust.
Jauchen und Brühen: was ihnen nachgesagt wird
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse., SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. und KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. setzen viele Biogärtner an, um ihre Pflanzen zu stärken. Brennnesseljauche gilt als stickstoffreicher Flüssigdünger. Der Schachtelhalmbrühe wird nachgesagt, dass ihre Kieselsäure die Zellwände festigt. Komposttee soll das Bodenleben fördern.
Wie kräftig ein Ansatz ausfällt, hängt vom Pflanzenmaterial und vom Ansetzen ab. Brennnesseljauche zähle ich zur Stickstoffdüngung dazu und gebe sie nicht zusätzlich obendrauf, weil ein Zuviel bei Chinakohl Störungen begünstigen kann. Den Grundschutz ersetzen Brühen nicht: Netz, Anbaupause, luftiger Stand und rasch abtrocknende Blätter bleiben die Basis.
„Knoblauch- oder Brennnesseljauche vertreibt ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite..“ Das wird den Jauchen nachgesagt, verlassen würde ich mich darauf nicht. Gegen Erdflöhe lege ich direkt nach Saat oder Pflanzung ein Kulturschutznetz auf.
Muss man Chinakohl zusammenbinden?
Nein, ein fester Pflegeschritt ist das Zusammenbinden nicht. Kopf-Chinakohl schließt seinen Kopf in der Regel von selbst, und ich lasse meine Köpfe ungebunden wachsen. Bei späten Sätzen zählt im Herbst eher das Wetter: Wiederholtes Frieren und Tauen kann bei Chinakohl Fäulnis fördern. Deshalb ernte ich, bevor Frostnächte und Tauwetter sich abwechseln. Wie du mit Hitze, Frost und Nässe umgehst, steht im Beitrag, welches Wetter Chinakohl verträgt.
Grundlagen in Kürze: Boden, Aussaat, Wasser, Schutz und Ernte
Diese Themen reiße ich hier nur an. Ausführlich stehen sie unter denselben Überschriften in meinem Ratgeber, wie du Kohl von der Aussaat bis zur Ernte anbaust.
Standort und Boden. Chinakohl bevorzugt humose, sandige Lehmböden, die Wasser gut speichern, locker und tiefgründig sind und keine Staunässe bilden. Der passende pH-Wert hängt von der Bodenart ab: Auf sandigem Lehm liegt er nach der CaCl2-Methode bei 6,5 bis 7,0, auf leichteren Böden darunter und auf Lehm darüber. Struktur, pH-Wert und Wasserhaushalt behandelt der Beitrag, wie du den Boden für Chinakohl vorbereitest.
Aussaat, Anzucht und Pflanzung. Herbst-Chinakohl säst du zwischen Anfang Juli und Mitte August direkt ins Beet; in Bayern gilt ein engeres Juli-Fenster. Frühe Sätze ziehst du bei über 15 °C vor, weil Kälte in der Anzucht das Schossen fördern kann. Welcher Termin zu welchem Ernteziel passt, steht im Beitrag, wann du Chinakohl am besten säst.
Gießen. Wie viel Wasser Chinakohl braucht, hängt von Sorte, Wetter, Boden sowie Sonne und Wind am Standort ab. Wann und womit du gießt, steht im Beitrag, wie du Chinakohl richtig bewässerst.
Schädlinge und Pflanzenschutz. Gegen Kohlerdflöhe kommt direkt nach Saat oder Pflanzung ein Kulturschutznetz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite aufs Beet und bleibt bis zur Ernte geschlossen. Bei feuchter Witterung trocknet Chinakohl darunter langsamer ab, was das Risiko von Pilzerkrankungen erhöhen kann.
Krankheiten. Die DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren. der Kohlhernie können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern. Befallene Pflanzen holst du samt Wurzeln heraus und reinigst danach die Geräte gründlich. Dem Falschen Mehltau beugen bei Jungpflanzen gute Lüftung, vermiedene Taubildung und rasch abtrocknende Blätter vor.
Fruchtfolge und Mischkultur. Zur Kohlpause zählen auch Radieschen, Rettich und Kresse sowie Gründüngungen aus Kreuzblütlern. Die Empfehlungen zur Anbaupause für Kohl reichen von 3 bis 4 bis zu 4 bis 5 Jahren. Wie du Chinakohl in einen Fruchtwechsel einbaust, steht gesondert; die Anbaujahre behältst du im Beetplaner für deinen Garten im Blick.
Ernte und Lagerung. Von der Pflanzung bis zur Ernte vergehen im Hausgarten 55 bis 75 Tage. Als sehr junges Gemüse kannst du Chinakohl schon 6 Wochen nach der Aussaat ernten. In Folie gewickelt hält er sich im Gemüsefach des Kühlschranks ungefähr 1 bis 2 Wochen.
Eigenes Chinakohl-Saatgut gewinnen
Eigenes Saatgut beginnt bei der Sortenwahl. Du brauchst eine samenfeste Sorte, denn Hybriden mit F1 im Namen geben ihre Eigenschaften nicht sortentreu weiter. Welche Sorte zu deinem Anbautermin passt, klärst du, wenn du den Chinakohl-Anbau im Beet planst: Für frühen Anbau brauchst du schossfeste Sorten, für die Herbstlagerung lagerfähige.
Chinakohl ist eine zweijährige Pflanze: Regulär bildet er im Anbaujahr den Kopf, Blüten und Schoten folgen nach dem Winter. Herbstlicher Chinakohl verträgt als grober Richtwert etwa −4 °C. Ein ungeheiztes Gewächshaus ist bei stärkerem oder länger anhaltendem Frost kein verlässlich frostfreier Raum. Wer Samen ernten will, muss die Samenträger deshalb frostfrei durch den Winter bringen.
Ich wähle die gesündesten Pflanzen mit typischer Kopfform aus und markiere sie früh. Pflanzen, die vorzeitig schossen, nehme ich nicht als Samenträger, weil ich Köpfe vermehren will und keine frühe Blüte. Chinakohl und Pak Choi gehören beide zur Art Brassica rapa und können sich kreuzen, wenn sie gleichzeitig nebeneinander blühen. Im Saatjahr lasse ich deshalb nur eine Sorte blühen.
- Überwinterte Samenträger im Frühjahr ins Beet setzen und blühen lassen
- Schoten ernten, wenn sie braun und trocken sind
- Schoten nachtrocknen und die Samen zwischen den Händen ausreiben
- Spelzen und Pflanzenreste aussieben
- Samen trocken, kühl und dunkel lagern und die Tüte mit Sorte und Erntejahr beschriften


