Weißkohl düngen: Mengen, Techniken und der Düngestopp bei Lagerkohl
- Viel Stickstoff, dazu genug Schwefel und ein passender Boden-pH: das braucht Weißkohl.
- Als organische Grunddüngung für starkzehrenden Kohl dienen Kompost und Hornspäne.
- Hornmehl bekommt Kopfkohl höchstens 150 g je m², aufgeteilt in zwei Teilgaben.
- Bei Lagerkohl und Sauerkraut-Weißkohl endet die Düngung zur Mitte der Kulturzeit.
- Kohl, der lange im Kübel steht, kann im Sommer Nachschub an Stickstoff brauchen.
- Verfärbte Blätter sind Hinweise, keine Diagnose: erst Bodenfeuchte und Bodenbefund prüfen.

Weißkohl hat einen hohen Stickstoffbedarf, doch Dünger bis kurz vor der Ernte braucht er nicht in jedem Fall. Ziehst du Lagerkohl oder Weißkohl für Sauerkraut, ist in der zweiten Hälfte der KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. Schluss mit Düngen. Ich lege deshalb schon beim Pflanzen fest, wann die letzte Gabe fällt, und trage den Tag in meinen Gartenkalender ein.
Was Weißkohl braucht, bevor du düngst
Weißkohl verlangt viel Stickstoff, doch SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. und der Boden-pH müssen ebenfalls stimmen. Mit Kompost allein bekommt Gemüse nicht genug Stickstoff, darum stellst du ihm bei Weißkohl einen Stickstoffdünger zur Seite. Welche Aufgaben die einzelnen Nährstoffe haben und wie sich organische und mineralische Dünger unterscheiden, erklären die Grundlagen zum Düngen von Kohl.
Im Gartenbeet liegt der Zielbereich für Kohl bei pH 6,5 bis 7, wobei Bodenart und Humusgehalt den passenden Wert mitbestimmen. Kalk gibst du nur nach einer Bodenuntersuchung und nie oberhalb des Zielbereichs; mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden.
Die Bodenprobe ziehst du von Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte, nur nicht kurz nach dem Düngen. Im Standardumfang kann das Labor pH-Wert, Phosphor, Kalium und Magnesium messen; löslichen Stickstoff und Humus musst du eigens bestellen.
Der Düngeplan im Gartenbeet
Im Beet dünge ich Weißkohl organisch: eine Grunddüngung bei der Beetvorbereitung und bei Bedarf eine Nachdüngung während der Kultur. Für starkzehrenden Kohl wie Weißkohl gibt es eine organische Kombination aus Kompost und Hornspänen. Beides arbeite ich vor dem Pflanzen flach in den Boden ein. Als organische Stickstoffdünger im Biogarten eignen sich Hornspäne, Horngrieß und Hornmehl.
Pro m² kommen für starkzehrenden Kohl bei der organischen Variante 2,5 kg Kompost und 80 g Hornspäne ins Beet. Setzt du Hornmehl als Stickstoffdünger ein, bekommt Kopfkohl höchstens 150 g je m², aufgeteilt in zwei Teilgaben.
Ich entscheide mich pro Beet für einen HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. und notiere, wann ich was gegeben habe. Zeigt dein Bodenbefund stark erhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, schränkst du die Kompostgabe ein. Wird das Laub während der Kultur heller oder stockt das Wachstum, gieße ich verdünnte Pflanzenjauche an die Wurzeln.
Wer ökologisch gärtnert, setzt Leguminosen als Gemenge oder ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. vor den Kohl, weil sie zur Stickstoffversorgung beitragen. Für die Gründüngung davor nimmst du Phacelia oder Buchweizen; Senf, Ölrettich und Raps sind selbst Kreuzblütler und haben vor Kohl nichts zu suchen. Welche Vor- und Nachkulturen sonst passen, liest du im Beitrag zur Fruchtfolge beim Weißkohl.
Früh-, Herbst- und Lagerkohl: wann die letzte Gabe fällt
Welche Sortengruppe du wählst, früh, sommerlich oder spät, bestimmt bei Kopfkohl Aussaat, Pflanzung und Ernte. Für die Düngung zählt vor allem, ob du den Kohl frisch isst, einlagerst oder zu Sauerkraut verarbeitest. Die Köpfe der Sommerformen bleiben eher locker, während Winterformen festere Köpfe ansetzen, die sich besser lagern lassen. Wann die Sortengruppen gesät werden, hast du mit dem Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken auf einem Blatt.
| Sortengruppe | Standweite (Raster) | Nachdüngen |
|---|---|---|
| Frühkohl | 50 × 50 cm | nach BlattbildDas Blattbild ist das sichtbare Erscheinungsbild der Blätter: Farbe, Flecken und das Muster von Verfärbungen. Es hilft dir einzuschätzen, ob einer Pflanze Nährstoffe fehlen oder ob eher eine Krankheit dahintersteckt. |
| Herbstkohl | 60 × 50 cm | nach Blattbild |
| Lagerkohl | 60 × 60 cm | nur in der ersten Hälfte der Kulturzeit |
| Weißkohl für Sauerkraut, etwa die Verarbeitungssorte Donator | nach Sortenangabe | nur in der ersten Hälfte der Kulturzeit |
Baust du Lagerkohl oder Weiß- und Spitzkohl für Sauerkraut an, endet die Düngung zur Mitte der Kulturzeit, und die zweite Hälfte wächst der Kohl ohne Gabe. Von der Pflanzung bis zur Reife vergehen bei Weißkohl etwa 50 bis 150 Tage, je nach Sorte und Witterung. Die Grenze für die letzte Gabe liegt deshalb bei jeder Sorte an einem anderen Tag.
Beim Pflanzen von Lagerkohl schlage ich die Kulturdauer der Sorte nach und markiere ihre Mitte im Gartenkalender. Jede Nachdüngung lege ich vor diesen Tag, auch die Jauche.
Hochbeet und Kübel: was sich bei der Düngung ändert
Hochbeet
Schichtest du ein Hochbeet neu aus Reisig, Kompost und Gärtnererde, wird dort im ersten Jahr viel Stickstoff aus organischer Bindung frei. Weißkohl kann diesen Vorrat mit seinem hohen Stickstoffbedarf gut nutzen. Im ersten Jahr dünge ich deshalb erst nach, wenn das Laub heller wird oder das Wachstum stockt.
Steckt in deinem Hochbeet mineralische Erde, decken 3 l Kompost pro m² im Jahr die Grundnährstoffe ab. Den Stickstoff legst du dann passend zur Kultur nach, und Weißkohl braucht davon viel.
Kübel
Weißkohl eignet sich auch für die Kultur im Gefäß. Bei torffreier Kübelerde kann trotz VordüngungVordüngung nennt man den Dünger, der fertiger Blumen- und Pflanzerde schon ab Werk beigemischt ist. Er versorgt frisch eingetopfte Pflanzen in den ersten Wochen, danach musst du selbst nachdüngen. Stickstoff fehlen, deshalb stimmst du die Düngung auf dein Substrat ab. Bleibt der Kohl lange im Kübel, kann im Sommer je nach Versorgung eine Nachdüngung fällig werden, die vor allem Stickstoff liefert. Bevor ich im Kübel Jauche gieße, fühle ich unter der obersten Erdschicht nach, denn die trocknet schneller ab als der Rest.
Düngetechniken: streuen, gießen, Langzeitdünger, Fertigation
Streuen und einarbeiten
Feste Horndünger streue ich rund um die Pflanzen auf den Wurzelbereich und arbeite sie flach mit der Hacke ein. Das flache Hacken hat auf Beeten ohne Mulch einen Nebeneffekt: Es hält Beikräuter zurück und senkt die Verdunstung. Beikraut holst du bei Weißkohl früh heraus, am besten bevor es Samen ansetzt.
Flüssig düngen mit Jauche
Pflanzenjauche rühre ich für Kohl in der Regel im Verhältnis 1:10 mit Wasser an und gieße sie an den Wurzelbereich, nicht über die Blätter. Bei Lager- und Sauerkrautkohl gilt auch für die Jauche die Grenze zur zweiten Kulturhälfte.
Langzeitdünger
Ein Langzeitdünger gibt seine Nährstoffe über einen längeren Zeitraum ab; wie lange, steht in der Gebrauchsanweisung. Für Lager- und Sauerkrautkohl taugt er deshalb nur, wenn seine Abgabe vor der Mitte der Kulturzeit endet, denn danach wird dieser Kohl nicht mehr gedüngt. Bei Früh- und Herbstkohl richtest du die Menge nach Gebrauchsanweisung und Bodenbefund.
Fertigation
Bei der Fertigation läuft der Dünger gelöst mit dem Bewässerungswasser zu den Pflanzen. Genutzt wird sie vor allem in intensiven Anbausystemen.
Im Hausgarten kommst du dem am nächsten, wenn du verdünnte Jauche mit der Gießkanne an die Wurzeln gibst. Nutzt du eine Tropfbewässerung mit Düngerbeimischung, richtest du Konzentration und Häufigkeit nach der Gebrauchsanweisung des Düngers. Für Lager- und Sauerkrautkohl endet auch diese Düngung zur Mitte der Kulturzeit.
Blattdüngung
Bei der BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. wird eine NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln. auf die Blätter gesprüht statt in den Boden gegeben. Ich setze sie im Beet nicht ein, sondern dünge über den Boden und lasse unklare Blattbilder über eine Bodenprobe klären.
Mangel erkennen: Blattbild und Bodenbefund
Verfärbte Blätter sind ein Hinweis und keine Diagnose. Bevor ich nachdünge, prüfe ich die Bodenfeuchte, denn bei Grünkohl zum Beispiel färbt unter Umständen schon Wassermangel die Blätter gelb.
| Was du siehst | Kann hindeuten auf | Was ich dann tue |
|---|---|---|
| Blätter hellgrün bis gelblich, Wachstum stockt | Stickstoffmangel | Bodenfeuchte prüfen, dann Stickstoff nachlegen, bei Lager- und Sauerkrautkohl nur in der ersten Kulturhälfte |
| Jüngere Blätter auffällig hellgrün | Schwefelmangel | Schwefel beim Bodenlabor mit anfragen |
| Blätter dunkelgrün bis violett | Phosphormangel | Bodenprobe, Phosphor nur nach Befund |
| Braune Ränder an älteren Blättern | Kaliummangel | Bodenprobe, Kalium nur nach Befund |
| Gelbe Aufhellungen zwischen den Blattadern | Magnesiummangel | Bodenprobe, Magnesium gehört zur Standardanalyse |
| Braune, absterbende Innenblätter, Herzfäule | Calciummangel | bisherige Düngung und pH-Wert prüfen, kalken nur nach Befund |
| Verkorkter oder hohler Strunk | Bormangel | Bor beim Bodenlabor gezielt anfragen |
Bei braunen Innenblättern lege ich nicht einfach Dünger nach. Ich schaue zuerst auf die bisherigen Gaben und den Bodenbefund.
Mehr Dünger bringt nicht automatisch größere Köpfe. Für Hornmehl gilt bei Kopfkohl eine Obergrenze von 150 g je m². Bei Chinakohl können zu viel oder einseitiger Dünger sogar Innenblattnekrosen und andere physiologische Störungen fördern.
Für die anderen Kohlarten im Beet gibt es eigene Düngepläne: wie du Rotkohl richtig düngst, wie du Wirsing mit Nährstoffen versorgst, wie du Rosenkohl düngst und wie du Grünkohl bedarfsgerecht düngst.





