Gartenpraxis · Gründünger & Bodenkur · Anbau

Gründüngung für Anfänger: In sechs Schritten von der Planung bis zum Einarbeiten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Gründüngung bedeckt freie Beete und schützt den Boden vor Erosion, Verschlämmung und Verkrustung.
  • Kläre zuerst, wie lange das Beet frei bleibt, und wähle eine Art, deren Pflanzenfamilie in deine Fruchtfolge passt.
  • Gesät wird breitwürfig: Für Phacelia werden 1–3 g Saatgut/m² angesetzt, maßgeblich ist die Tüte deiner Sorte.
  • Bis zum Auflaufen hältst du die Saat feucht, danach braucht der Bestand wenig Pflege.
  • Mähe vor der Samenreife, arbeite flach ein und warte meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Kultur.

Ein Beet ist abgeerntet, die nächste Kultur ist noch nicht dran, und die Erde liegt offen. In diese Lücke gehört eine Gründüngung: Sie bedeckt den Boden, bis du ihn wieder brauchst. Wenn bei mir ein Beet frei wird, gehe ich dieselben sechs Schritte durch, von der Frage nach der freien Zeit bis zum Einarbeiten. Für den ersten Versuch zählen vor allem drei Dinge: eine Art aus einer passenden Pflanzenfamilie, Mähen vor der Samenreife und flaches Einarbeiten.

Was ist Gründüngung?

Bei einer Gründüngung säst du Pflanzen nicht für die Ernte, sondern für den Boden. Der Bestand beschattet und bedeckt die Fläche und schützt sie so vor Erosion, Verschlämmung und Verkrustung. Stickstoff, der schon im Boden ist, binden alle Gründünger, und Leguminosen wie Klee und Lupinen holen über Knöllchenbakterien zusätzlich welchen aus der Luft. Wie das im Boden zusammenwirkt, erklärt der Überblick, was Gründüngung im Boden leistet.

Schritt 1: Wie lange bleibt das Beet frei?

Bevor ich Saatgut aussuche, schaue ich nach, wie lange die Fläche bis zur nächsten Kultur leer steht. Im Gemüsebau unterscheidet man Kurzzeitgründüngung mit bis zu 3 Monaten Vegetationszeit von Langzeitgründüngung, die länger steht. Nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September für die Aussaat, Winterroggen kannst du noch im Oktober säen.

Wie du die Gründüngung übers Jahr mit deinem Gemüse abstimmst, zeigt der Ratgeber, wie du Gründüngung im Hausgarten im Jahreslauf planst. Soll das Beet nur im Frühjahr kurz grün werden, lies, wie du Gründüngung als schnelle Bodenkur vor der Pflanzzeit einsetzt. Auch in einem Hochbeet, das mehrere Wochen oder über Winter leer steht, ist eine Gründüngung sinnvoll; wie das auf begrenzter Fläche gelingt, erklärt der Hochbeet-Ratgeber.

Schritt 2: Welche Art passt zu Boden und Fruchtfolge?

Die Art wählst du nach drei Dingen: Bodenart, verfügbare Entwicklungszeit und die Pflanzenfamilien deiner Gemüsefruchtfolge. Für schwere oder verdichtete Böden kommen unter anderem Ölrettich und Phacelia infrage, mehr dazu steht im Ratgeber, mit welchen Pflanzen du Ton- und Lehmböden lockerst. Gärtnerst du auf Sand, lies nach, wie Gründüngung die Wasserspeicherung sandiger Böden verbessert. Ausführlich steht, welche Gründüngungssamen zu Boden, Jahreszeit und Ziel passen, im Samen-Ratgeber; Aussaatwerte für fünf Arten findest du hier bei Schritt 4.

Gelbsenf und Ölrettich sind Kreuzblütler und brauchen im Gemüsebeet einen Abstand von mindestens 3–5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern. Standen zuletzt Radieschen oder Rauke auf dem Beet, nimmst du deshalb besser Phacelia oder Buchweizen, die zu anderen Pflanzenfamilien gehören. Bei einer fertigen Mischung prüfst du jede enthaltene Familie gegen deine Fruchtfolge, etwa indem du deine Beete im Beetplaner planst.

Schritt 3: Wie bereitest du das Saatbett vor?

Räume zuerst die Erntereste weitgehend ab oder arbeite sie ein. Gelockert wird erst, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet ist, und zwar nur oberflächlich mit Grabgabel oder Krail. Danach harkst du die Fläche feinkrümelig und eben. Für Inkarnat-, Perser- und Alexandrinerklee muss das Saatbett zusätzlich gut rückverfestigt sein.

Marias Erfahrung

Ich lockere erst, wenn die Erde nicht mehr an den Zinken der Grabgabel klebt. Danach harke ich längs und quer, bis keine groben Klumpen mehr liegen.

Kalk streust du nicht auf Verdacht. Gekalkt wird nur, wenn der pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist, und das zeigt dir eine Bodenuntersuchung. Ihre Grunduntersuchung erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Wie du die Ergebnisse für die Wahl der Gründüngung nutzt, erklärt der Ratgeber, wie du mit einer Bodenanalyse die passenden Gründüngungspflanzen findest.

Schritt 4: Wie säst du Gründüngung?

Gründüngung wird in der Regel flächig gesät: Du verteilst das Saatgut breitwürfig, rechst es ein und drückst es an. Ich streue die eine Hälfte längs über das Beet und die andere quer, so fallen mir Lücken schon beim Säen auf. Zum Andrücken lege ich ein Brett auf die Fläche und gehe darüber.

Die Saatmenge hängt stark von der Art ab, und bei manchen Arten gehen die Angaben auseinander. Halte dich deshalb zuerst an die Saatguttüte deiner Sorte, bei einer fertigen Mischung an die Angabe auf der Packung. Die Tabelle zeigt die Spannen für fünf Arten, mit denen du gut einsteigen kannst.

Art Familie Saatmenge Saattiefe Keimdauer Entwicklungszeit
Phacelia Boraginaceae 1–3 g/m² 1–2 cm 7–14 Tage 6–10 Wochen
Gelbsenf Brassicaceae (Kreuzblütler) 5 g/m² 1–2 cm 7–14 Tage 4–10 Wochen
Ölrettich Brassicaceae (Kreuzblütler) 2–5 g/m² 1–2 cm 7–14 Tage 6–10 Wochen
Buchweizen Polygonaceae 5–15 g/m² 2–4 cm 12–20 Tage 50–90 Tage
Inkarnatklee Fabaceae 3–6 g/m² 0,5–1 cm 14–21 Tage Septembersaat möglich, harte Winter verträgt er schlecht

Kleesamen gehören nur knapp unter die Oberfläche, Buchweizen kommt tiefer in die Erde. Plane bei Inkarnatklee Geduld ein, denn er keimt langsamer als die übrigen Arten der Tabelle.

Häufiger Fehler

Eine Gramm-Angabe auf alle Arten übertragen. Für Phacelia werden im Hausgarten 1–3 g Saatgut/m² angesetzt, einjährige Lupinen brauchen je nach Angabe 15–25 g/m². Wer die Menge der einen Art auf die andere überträgt, liegt deshalb weit daneben.

Mini-Checkliste

Erntereste abgeräumt · Boden abgetrocknet und oberflächlich gelockert · Fläche feinkrümelig und eben geharkt · Saatmenge von der Tüte abgelesen · breitwürfig gesät, eingerecht und angedrückt

Passt dazu

Welche Gründünger in welchem Monat in die Erde können, zeigt dir der Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.

Schritt 5: Wie viel Pflege braucht die junge Saat?

Bis die Saat aufläuft, hältst du die Fläche feucht, bei trockenem Wetter auch mit wiederholtem Gießen in der Keimphase. Danach macht ein Gründüngungsbestand wenig Arbeit. Gelbsenf und Inkarnatklee brauchen als Gründüngung im Garten keine zusätzliche Düngung, Ölrettich auf den meisten Böden ebenfalls nicht. Was einzelne Arten beim Gießen und Düngen verlangen, steht im Gründünger-Überblick im Abschnitt „Pflege, Gießen und Düngen“.

Schritt 6: Wann und wie arbeitest du die Gründüngung ein?

Mähe den Bestand, bevor sich Samen bilden, sonst sät er sich selbst aus. Die frische Masse arbeitest du nur flach ein oder lässt sie als Mulch liegen, weil sie tief vergraben unter Luftabschluss faulen kann. Bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung vergehen danach meist etwa 2–3 Wochen.

Was im Herbst stehen bleibt und wie abgefrorene Bestände über Winter liegen bleiben, steht im Gründünger-Überblick im Abschnitt „Mähen und Einarbeiten“. Den Termin für deine Art findest du im Ratgeber, wann du welche Gründüngung säst und wieder einarbeitest. Säst du eine Mischung, hilft dir die Anleitung, wie du Gründünger-Mischungen je nach Art und Bodentyp einarbeitest.

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Häufige Fragen

Was ist Gründüngung und wie funktioniert diese natürliche Bodenverbesserung?
Bei der Gründüngung säst du Pflanzen nicht für die Ernte, sondern für den Boden. Der Bestand beschattet und bedeckt die Fläche und schützt sie so vor Erosion, Verschlämmung und Verkrustung. Alle Gründünger binden Stickstoff, der schon im Boden ist, Leguminosen bringen über Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff ein. Vor der Samenreife wird der Bestand beendet und die frische Masse flach eingearbeitet oder als Mulch liegen gelassen.
Welche Vorteile bietet Gründüngung für die Bodenfruchtbarkeit und Stickstoffbindung?
Leguminosen wie Klee und Lupinen binden mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff und eignen sich als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse. Alle übrigen Gründünger binden den Stickstoff, der schon im Boden vorhanden ist. Wie viel davon bei der Folgekultur ankommt, hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab, deshalb ersetzt die Gründüngung eine zusätzliche Düngung nicht automatisch. In schweren Böden fördert die organische Substanz außerdem eine Krümelstruktur mit besserer Durchlüftung und Wasserversickerung.
Wie wählt man die richtigen Gründüngungspflanzen für verschiedene Gartenziele aus?
Entscheidend sind deine Bodenart, wie lange die Fläche frei bleibt und welche Pflanzenfamilien in deiner Gemüsefruchtfolge stehen. Für eine kurze Lücke passen schnelle Arten, Senf etwa braucht im Hausgarten je nach Angabe 4–10 Wochen Entwicklungszeit. Gelbsenf und Ölrettich sind Kreuzblütler und brauchen im Gemüsebeet mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Für schwere oder verdichtete Böden kommen unter anderem Ölrettich und Phacelia infrage.
Wie berücksichtigt man verschiedene Jahreszeiten bei der Gründüngungsplanung?
Nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September für die Aussaat, Winterroggen geht noch im Oktober. Arbeite im Frühherbst nichts ein, denn die dabei frei werdenden Nährstoffe können ausgewaschen werden. Abgefrorene Bestände bleiben über Winter als Mulch liegen, winterharte musst du vor der nächsten Kultur aktiv beenden. Für eine kurze Gründüngung im Frühjahr eignen sich schnelle Arten wie Gelbsenf und Phacelia.
Welche praktischen Schritte sind bei der Bodenbearbeitung vor der Aussaat erforderlich?
Zuerst räumst du Erntereste weitgehend ab oder arbeitest sie ein. Dann lockerst du den ausreichend abgetrockneten Boden oberflächlich mit Grabgabel oder Krail und harkst ihn feinkrümelig und eben. Inkarnat-, Perser- und Alexandrinerklee brauchen zusätzlich ein gut rückverfestigtes Saatbett. Kalk gibst du nur, wenn eine Bodenuntersuchung einen für deine Bodenart zu niedrigen pH-Wert zeigt.
Wie berechnet man die richtige Saatgutmenge pro Quadratmeter für verschiedene Arten?
Rechnerisch ergibt sich die Aussaatmenge aus Tausendkornmasse und Keimfähigkeit des Saatguts. Im Garten genügt meist die Spanne je Art: Für Phacelia werden 1–3 g Saatgut/m² angesetzt. Einjährige Lupinen mit ihren großen Samen brauchen je nach Angabe 15–25 g/m². Weil die Angaben bei manchen Arten auseinandergehen, nimmst du die Saatguttüte deiner Sorte als Ausgangspunkt.
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