Gründüngung und Kompost kombinieren: so baust du Humus auf
- Im Herbst bedeckt Gründüngung das Beet und kann Reststickstoff aufnehmen, Kompost kommt erst im Spätwinter oder Frühjahr.
- Für Gemüsebeete werden im Frühjahr etwa 3 l reifer Kompost je m² oberflächlich eingearbeitet, bei Nährstoffüberschüssen weniger.
- Abgefrorene Gründüngung bleibt über Winter als Mulch liegen und wird im Frühjahr abgerecht und kompostiert oder flach eingearbeitet.
- Frisches Grün aus der Gründüngung kompostierst du in dünnen Lagen im Wechsel mit trockenem, strukturreichem Material.
- Reifer Gartenkompost ist meist nach vier bis neun Monaten dunkel, feinkrümelig und riecht nach Waldboden.

Im Herbst stehen bei mir abgeräumte Beete neben einem gut gefüllten Komposter. Den Kompost gleich auf die leeren Flächen zu verteilen, liegt nahe. Als Dünger gehört er aber nicht in den Herbst, weil dann über Winter mehr Nitrat ausgewaschen werden kann. Ich säe deshalb zuerst eine Gründüngung und hebe den Kompost für das Frühjahr auf. So bauen Gründüngung und Kompost im Wechsel Humus auf: die eine auf dem Beet, der andere im Komposter.
Humus aufbauen: was Gründüngung und Kompost jeweils beitragen
Beide Methoden bringen organische Substanz in den Boden, aber auf getrennten Wegen. Die Gründüngung wächst genau dort, wo sie wirken soll. Kompost entsteht dagegen aus Garten- und Ernteresten im Komposter und kommt erst reif aufs Beet.
| Gründüngung | Kompost | |
|---|---|---|
| Wo die Masse entsteht | direkt auf dem Beet | im Komposter, getrennt vom Beet |
| Nährstoffe | bindet vorhandenen Bodenstickstoff, Leguminosen bringen zusätzlich Luftstickstoff ein | liefert vor allem Phosphor, Kalium und SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. |
| BodengefügeDas Bodengefüge beschreibt, wie die festen Teilchen im Boden angeordnet sind und zusammenhalten, etwa lose als Einzelkörner oder zu Krümeln verklebt. Davon hängt ab, wie viele Hohlräume für Luft, Wasser und Wurzeln bleiben. | Wurzeln bilden mit Regenwürmern Bioporen, die Pflanzendecke schützt vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion | bringt organische Substanz, die in schweren Böden eine KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. fördert |
| Zeitpunkt | als Decke über Herbst und Winter oder in Lücken zwischen Ernte und Folgekultur | Spätwinter oder Frühjahr, nicht im Herbst |
Eingearbeitete Gründüngungsmasse versorgt das Bodenleben mit organischem Material, das bei der Zersetzung Nährstoffe freisetzt. Kompost liefert vor allem Phosphor, Kalium und Spurenelemente, Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen bringen dagegen zusätzlichen Stickstoff aus der Luft ein. Kombinierst du Kompost mit einer Leguminosen-Gründüngung, decken die beiden also unterschiedliche Teile der Nährstoffversorgung ab. Eine Leguminosen-Gründüngung eignet sich außerdem als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse.
„Mit Gründüngung brauche ich keinen Dünger mehr.“ Das stimmt so nicht. Ihre Nährstoffwirkung hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab und ersetzt zusätzliche Düngung nicht automatisch. Auch der Stickstoff in der Biomasse steht der Folgekultur je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung.
Humusaufbau durch Gründüngung, Kompost und organischen Mulch kann verbessern, wie dein Gartenboden Wasser aufnimmt und speichert. Ein höherer Humusgehalt garantiert aber keine entsprechend große Zunahme des pflanzenverfügbaren Wassers im ganzen Bodenprofil. Wie Infiltration, Verdunstung und Speicherung zusammenspielen, liest du im Ratgeber, wie Gründüngung den Wasserhaushalt deines Bodens verbessert. Wie Gründüngung in die Humusbilanz eingeht und welche Rolle sie für Umwelt und Klima spielt, steht im Überblick, was Gründüngung im Boden leistet.
Bevor du säst: Gründüngung in Kürze
Vier Fragen klärst du vor der Saat, und jede davon vertieft der Gründünger-Überblick.
Welche Art? Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden über Wurzelbakterien Luftstickstoff, alle anderen Gründüngungspflanzen nutzen den vorhandenen Bodenstickstoff. Du wählst die Art nach Bodenart, verfügbarem Zeitraum und den Pflanzenfamilien deiner Gemüsefruchtfolge. Familien und Wuchsformen stellt der Gründünger-Überblick im Abschnitt zu den Gründüngerpflanzen vor.
Wie lange ist das Beet frei? Für Senf reichen die Angaben zur Entwicklungsdauer im Hausgarten von 4–10 Wochen. Für Phacelia und Ölrettich liegen sie bei 6–10 Wochen. In wintermilden Gebieten gehen Gründüngungssaaten noch bis Anfang Oktober, die Saatfenster je Art zeigt dir ein Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken.
Welcher Boden? Auf humusarmen leichten Böden eignen sich Arten mit reichlicher Grünmasse wie Phacelia und Sonnenblumen. Für schwere oder verdichtete Standorte kommen unter anderem Ölrettich, Phacelia und Sandhafer infrage. Was du auf Sand zusätzlich beachtest, zeigt der Ratgeber, wie Gründüngung die Wasserspeicherung sandiger Böden verbessert.
Was stand vorher auf dem Beet? Arten derselben Pflanzenfamilie baust du nicht unmittelbar hintereinander auf derselben Fläche an. Gelbsenf und Ölrettich brauchen im Gemüsebeet mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Mit einer Beetplanung über mehrere Jahre behältst du die Familien im Blick, und welche Pflanzen sich als Nachbarn vertragen, zeigt die Mischkultur-Übersicht.
Das Gartenjahr: Gründüngung und Kompost im Wechsel
Nach der Ernte: Gründüngung säen, Kompost aufheben
Für eine Gründüngung nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September. Winterroggen kannst du noch im Oktober säen. Vorher entfernst du die Erntereste weitgehend oder arbeitest sie ein und harkst die Fläche feinkrümelig und eben. Gesunde Erntereste bringe ich dabei in den Komposter, kranke Pflanzenteile gebe ich in die Biotonne.
Zwischenfrüchte können Reststickstoff aufnehmen und so die Nitratauswaschung über Winter verringern. Kompost bringst du aus demselben Grund nicht im Herbst als Dünger aus. Im Herbst gehört also die grüne Decke aufs Beet, und der Kompost bleibt bis zum Spätwinter oder Frühjahr im Komposter.
Auch im Hochbeet ist Gründüngung sinnvoll, wenn es nach der Ernte mehrere Wochen oder über Winter frei bleibt. Dazu gibt es einen eigenen Ratgeber, wie du Gründüngung im Hochbeet nutzt. In kleinen Gefäßen lohnt sie sich dagegen meist wenig, weil du die Erde dort einfach austauschen kannst.
Frühherbst und Winter: stehen lassen
Im Frühherbst bleibt die Gründüngung stehen, damit frei werdende Nährstoffe nicht vor der Folgekultur ausgewaschen werden. Abfrierende Bestände bleiben über Winter als Mulch liegen, winterharte wachsen bis zum Frühjahr weiter und schützen den aufgenommenen Stickstoff besser vor Auswaschung. Winterharte Bestände musst du vor der nächsten Kultur aktiv beenden, was wegen der Pflanzenmasse viel Handarbeit bedeuten kann.
Im Frühjahr: was ins Beet geht und was in den Komposter
Im Frühjahr entscheidest du Beet für Beet, wohin die Reste der Gründüngung gehen. Den Ausschlag geben die Folgekultur und die Nährstoffversorgung deines Bodens.
| Situation im Frühjahr | Was mit der Gründüngung passiert |
|---|---|
| Die Folgekultur braucht ein feines Saatbett | Bestand abräumen und kompostieren |
| Die Bodenuntersuchung zeigt erhöhte Phosphor- und Kaliumvorräte | Großteil der Masse abtragen und auf schwächer versorgten Beeten oder im Kompost weiternutzen |
| Kein feines Saatbett nötig | abgefrorene Reste als Mulch liegen lassen oder flach einarbeiten |
| Dicke Stängel sollen als Mulch liegen bleiben | vorher zerkleinern, denn verholzte Reste verrotten langsamer und können vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden |
| Kranke Pflanzen oder samentragendes Unkraut im Bestand | vorsorglich in die Biotonne, nicht auf den Gartenkompost |
Was im Beet bleibt, arbeitest du nur flach ein, denn frische Masse kann tief vergraben unter Luftabschluss faulen. Danach wartest du meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung. Den passenden Mähzeitpunkt beschreibt der Gründünger-Überblick im Abschnitt zu Mähen und Einarbeiten.
Statt einzuarbeiten, kannst du abgeschnittene Gründüngung auch als Mulch liegen lassen. Welche Mulchmaterialien du dazu wann einsetzt, zeigt der Ratgeber, wie du Gründüngung und Mulchen im Jahresverlauf kombinierst.
Im Frühjahr: Kompost aufs Beet
Reifen Kompost bringst du im Spätwinter oder Frühjahr aus und arbeitest ihn oberflächlich ein.
Für Gemüsebeete werden im Frühjahr etwa 3 l reifer Kompost je m² oberflächlich eingearbeitet. Hat dein Boden bereits Nährstoffüberschüsse, schränkst du die Gabe ein.
Kompost liefert vor allem Phosphor, Kalium und Spurenelemente. Zusätzlichen Stickstoff bemisst du nach dem Bedarf der Gemüsekultur und berücksichtigst dabei den Aufwuchs der Gründüngung.
Ob dein Beet schon gut versorgt ist, zeigt eine Bodenuntersuchung. Die GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Weil Kompost vor allem Phosphor und Kalium liefert und genau diese Werte in der Grunduntersuchung stehen, steuert der Befund beide Hälften der Kombination: Bei erhöhten Vorräten trägst du den Großteil der Gründüngung ab und gibst weniger Kompost. Wie du denselben Befund für die Wahl der Gründüngung nutzt, zeigt der Ratgeber, wie du mit einer Bodenanalyse die passende Gründüngung auswählst.
Nicht jedes Beet bekommt Kompost. Für Moorbeetpflanzen und trockenheitsliebende mediterrane oder PolsterstaudenPolsterstauden sind niedrige, winterharte Stauden, die flach in die Breite wachsen und dabei dichte Polster oder Teppiche bilden. Sie werden vor allem im Steingarten und als Bodendecker verwendet. ist er ungeeignet, weil diese sauren beziehungsweise kargen Boden benötigen.
Gründüngung kompostieren: so rottet das Grün, statt zu faulen
Abgeräumte Gründüngung ist frisches, feuchtes Grün. Damit sie im Komposter rottet, kombinierst du sie in dünnen, wechselnden Lagen mit trockenem, strukturreichem Material aus dem Garten. Schichte locker und mische gröberes Schnittgut ein, damit Luft in den Haufen kommt. Gartenkompost braucht Wärme, Feuchte und Sauerstoff, und wo Sauerstoff fehlt, fault das Material. Ein Platz im Schatten oder Halbschatten schützt den Haufen vor dem Austrocknen.
Bevor ich eine Gründüngung abräume, lege ich mir trockenes, gröberes Schnittgut neben den Komposter. So kann ich jede Lage frisches Grün gleich mit einer trockenen Lage abdecken.
Das C/N-Verhältnis beschreibt, wie viel KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. im Verhältnis zum Stickstoff in der Pflanzenmasse steckt. Gründüngung wird im Hausgarten gewöhnlich kurz vor der Blüte geschnitten, und junge Pflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis als ältere. Mähst du zu diesem Zeitpunkt, bekommst du also Masse, die sich schneller umsetzt als ein überständiger Bestand mit verholzten Stängeln.
Kranke Pflanzenreste und samentragendes oder ausdauerndes Unkraut aus dem Bestand gibst du vorsorglich in die Biotonne. Kleine Gartenkomposter erreichen hygienisierende Temperaturen oft nicht sicher, deshalb gehören auch tierische Speisereste nicht hinein.
Gründüngung für den Kompost
- vor der Samenreife mähen, damit sich der Bestand nicht selbst aussät
- kranke Pflanzen und samentragendes Unkraut aussortieren
- frisches Grün in dünnen Lagen mit trockenem, strukturreichem Material wechseln
- locker aufschichten und gröberes Schnittgut für die Belüftung einmischen
- den Haufen im Schatten oder Halbschatten feucht und luftig halten
Ist der Kompost reif? Aussehen, Geruch und Kressetest
Gartenkompost ist meist nach vier bis neun Monaten reif. Er ist dann dunkel und feinkrümelig und riecht nach Waldboden. Wie schnell das geht, hängt vom Material und von der Durchmischung ab.
Genauer prüfst du die Reife mit einem KressetestDer Kressetest zeigt dir, ob dein Kompost reif ist: Du säst Kresse auf eine Kompostprobe und zum Vergleich auf Gartenerde. Werden die Kresseblätter auf dem Kompost gelb oder braun, ist er noch zu frisch.. Du säst Kresse in eine Probe deines Komposts und zum Vergleich in Gartenerde. Wächst die Kresse im Kompost nach fünf Tagen deutlich schwächer oder bekommt verfärbte Blätter, braucht er noch Zeit zum Nachreifen. Ich setze den Test an, bevor ich im Frühjahr Kompost auf die Beete bringe.
Riecht dein Kompost faulig statt nach Waldboden, kann das auf Sauerstoffmangel hindeuten. Schichte das Material dann lockerer und belüfte es mit gröberem Schnittgut.




