Nitrat in Spinat senken: Anbau, Ernte, Lagerung und Küche
- Spinat speichert überschüssig aufgenommenes Nitrat, deshalb nach Bedarf statt auf Verdacht düngen.
- Am Nachmittag oder Abend ernten, weil Licht den Nitratabbau fördert.
- Frischen Spinat gleich ins Gemüsefach legen und dort höchstens 2 Tage aufbewahren.
- Stiele und kräftige Blattrippen entfernen, Blanchier- und Kochwasser weggießen.
- Gekochte Reste rasch abkühlen und luftdicht in den Kühlschrank stellen.
- Vitamin C hemmt die Bildung von Nitrosaminen, entfernt aber kein Nitrat aus dem Spinat.

Spinat kann viel Nitrat enthalten. Wie viel davon auf deinem Teller landet, entscheidest du an vier Stellen mit: beim Düngen, beim Ernten, beim Lagern und beim Kochen. Nach der Ernte kommt ein zweites Thema dazu, denn bei unsachgemäßer Lagerung kann aus Nitrat mikrobiell Nitrit werden. Ich ernte meinen Spinat am Nachmittag und bringe ihn direkt ins Gemüsefach. Empfohlen bleibt eine abwechslungsreiche Gemüseernährung, zu der auch Spinat gehört.
Warum Spinat so viel Nitrat speichert
Spinat nimmt Nitrat aus dem Boden auf. Was er davon nicht für sein Wachstum verwertet, speichert er in der Pflanze. Der Gehalt hängt deshalb davon ab, wie viel Stickstoff im Beet verfügbar ist und wie viel die Pflanze gerade verarbeitet. Dazu kommen Licht und Wasser: Licht fördert den Nitratabbau, Trockenheit kann die Anreicherung begünstigen.
Nitrat steckt in der Pflanze selbst, weil sie es aus dem Boden aufnimmt. Nitrit kann daraus entstehen, wenn Mikroben das Nitrat bei unsachgemäßer Lagerung umwandeln. Im Beet geht es also um weniger Nitrat, in Küche und Kühlschrank zusätzlich darum, möglichst wenig Nitrit entstehen zu lassen.
Die Übersicht zeigt, was zu mehr Nitrat führen kann und was du dagegen tust.
| Einfluss | Was zu mehr Nitrat führen kann | Was du tust |
|---|---|---|
| Stickstoff | reichliches oder zu spätes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. | nach Bedarf und Bodenvorrat düngen, nicht auf Verdacht nachdüngen |
| Licht | lichtarme Winterkultur im Gewächshaus | sonniger Platz, FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle. statt lichtarmer Kultur unter Glas |
| Wasser | Trockenheit | Boden gleichmäßig feucht halten, ohne ihn zu vernässen |
| Tageszeit | frühe Morgenernte | am Nachmittag oder Abend ernten |
| Küche | Stiele und Kochwasser mitessen | Stiele und kräftige Blattrippen entfernen, Kochwasser weggießen |
Beim Düngen: Stickstoff nach Bedarf statt auf Verdacht
Ein reichliches Stickstoffangebot kann bei Blattgemüse den Nitratgehalt der Ernte erhöhen. Weil Spinat überschüssiges Nitrat speichert, gehört ein überhöhtes Stickstoffangebot nicht ins Spinatbeet. Im Gemüsegarten gilt sein Stickstoffbedarf als mittel, also höher als bei Kopf- und Feldsalat und niedriger als bei Chinakohl.
Zur Bodenvorbereitung arbeitest du reifen Gartenkompost oder gut verrotteten Mist ein. Zusätzlichen Dünger bekommt nur ein nährstoffarmer Boden, ein gut versorgtes Beet braucht keine pauschale Extragabe. Ich schaue vor jedem Spinatsatz nach, was die VorkulturVorkultur heißt meist, dass du Gemüse im Haus oder geschützt aus Samen vorziehst und es später als abgehärtete Jungpflanze ins Freiland setzt. In Anbauplänen meint das Wort auch eine schnelle Kultur, die vor der Hauptkultur auf dem Beet steht. bekommen hat, und entscheide erst dann über Dünger.
Wie viel Stickstoff tatsächlich fehlt, ergibt sich aus dem Bedarf der Kultur abzüglich dessen, was im Boden steckt und nachgeliefert wird. Eine Standard-Bodenuntersuchung erfasst den verfügbaren Stickstoff dabei nicht automatisch. Nachdüngen auf Verdacht kann die Bedingungen im Beet sogar verschlechtern. Auch der Zeitpunkt zählt: Eine zu späte Stickstoffgabe kann Nitrat anreichern, wenn die Pflanze den Stickstoff nicht mehr für ihr Wachstum verwertet.
Gut mit HumusHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. versorgte, warme und feuchte Gartenböden liefern im Sommer häufig genug Nährstoffe nach. Auf einem solchen Beet wird eine zusätzliche Stickstoffgabe für Spinat leicht zum Überangebot, und dieses Zuviel speichert er als Nitrat. Mengen und Termine je Satz stehen im Ratgeber dazu, wie viel Stickstoff Spinat braucht und wann du düngst.
Licht, Wasser und Saatzeit im Beet
Spinat braucht einen sonnigen Platz. Licht fördert den Nitratabbau in der Pflanze. Spinat aus lichtarmer Winterkultur im Gewächshaus neigt zu höheren Nitratgehalten als Spinat aus sommerlicher Freilandkultur.
Mehr Licht im Sommer bringt allerdings Schossgefahr mit sich. Spinat ist eine Langtagpflanze und bildet ab einer Tageslänge von über 12 Stunden Blüten. In Deutschland ist das zwischen Mai und August der Fall. Hitze und Trockenheit können das SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. zusätzlich verstärken. Wer den Lichtvorteil des Sommers nutzen will, braucht deshalb eine Sorte, die zur Tageslänge passt.
Gesät wird Spinat von März bis Juni und wieder von August bis Oktober. Die Saattermine für Spinat und andere Blattgemüse zum Ausdrucken helfen dir, die Sätze übers Jahr zu verteilen. Sortenwahl, Aussaat und Pflege findest du im Ratgeber, wie du Spinat von der Aussaat bis zur Ernte anbaust.
Gleichmäßig feucht, nicht nass
Trockenheit kann bei Spinat die Anreicherung von Nitrat begünstigen. Halte den Boden während des Wachstums deshalb gleichmäßig feucht. Zu viel Wasser schadet ebenfalls: Übernässung, VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Sauerstoffmangel können das Wachstum stoppen und die Blätter vergilben lassen.
Ob Wasser fehlt, zeigt dir vorsichtiges Nachgraben. Ich grabe vor dem Gießen neben der Reihe ein Stück Erde auf und schaue, wie tief sie noch feucht ist. Gegossen wird morgens direkt im Wurzelbereich, damit wenig verdunstet und die Blätter möglichst wenig nass werden.
Ernte und Lagerung: weniger Nitrat, wenig Nitrit
Am Nachmittag oder Abend ernten
Ernte Spinat am Nachmittag oder Abend statt früh am Morgen. Für den Nitratgehalt ist das günstiger, weil Licht den Nitratabbau fördert. Je nach Satz reicht die Erntezeit von April bis November. Ich ernte nur so viel, wie ich am selben Tag koche.
Kühl und kurz lagern
Frischer Spinat gehört gleich nach der Ernte gekühlt und sauber ins Gemüsefach des Kühlschranks.
Frischen Spinat bewahrst du im Gemüsefach des Kühlschranks höchstens 2 Tage auf.
Die Nachmittagsernte senkt den Nitratgehalt, ersetzt aber keine kühle Lagerung. Bei unsachgemäßer Lagerung kann aus dem Nitrat, das im Blatt bleibt, mikrobiell Nitrit werden. Blätter mit Schimmel, faulen oder schmierigen Stellen oder muffigem Geruch wirfst du weg.
Spinat bei Zimmertemperatur liegen lassen, weil er dort angeblich Nitrat abbaut. Frischer Spinat gehört gekühlt und sauber gelagert, bis du ihn kochst.
Gekochte Reste
Gekochten Spinat, den du aufheben willst, kühlst du rasch ab. Danach stellst du ihn luftdicht verschlossen in den Kühlschrank, denn das verringert die Nitritbildung. Weitere Handgriffe findest du im Ratgeber, wie du frischen und gekochten Spinat richtig lagerst.
In der Küche: Stiele weg, Kochwasser weg
Beim Putzen schneidest du Stiele und kräftige Blattrippen ab. Das kann die Nitrataufnahme aus Blattgemüse vermindern. Danach blanchierst oder kochst du die Blätter. Dabei kann wasserlösliches Nitrat ins Wasser übergehen, deshalb gießt du dieses Wasser weg und nimmst es auch nicht für Soße oder Suppe. BlanchierenBlanchieren heißt, gewaschenes und klein geschnittenes Gemüse für wenige Minuten in sprudelnd kochendes Wasser zu geben und sofort in Eiswasser abzukühlen. So bereitest du die meisten Gemüsesorten auf das Einfrieren vor. oder Kochen senkt außerdem den Gehalt an Oxalsäure.
Roher Spinat im Salat durchläuft diesen Schritt nicht. Bei ihm bleiben nur die Schritte davor: die Ernte am Nachmittag, die kurze kühle Lagerung und das Entfernen der Stiele.
Ich schneide die kräftigen Stiele schon beim Waschen ab. Das Blanchierwasser gieße ich direkt in den Ausguss, für die Soße nehme ich frisches Wasser.
Ein Spritzer Zitrone neutralisiert das Nitrat im Spinat? Nein. Vitamin C hemmt die Bildung von Nitrosaminen, das Nitrat bleibt aber im Gericht. Senken kannst du die Nitratmenge über das Putzen, das Blanchieren und das weggegossene Kochwasser.
Wie du blanchierten Spinat weiterverarbeitest, zeigen die Rezeptideen für Spinat durch das Jahr.
Inhaltsstoffe von Spinat in der Tabelle
Neben Nitrat liefert Spinat KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten., Vitamin C und Ballaststoffe, die Tabellenwerte gelten je 100 g roh.
| Inhaltsstoff | Tabellenwert je 100 g roher Spinat |
|---|---|
| Energie | 16 kcal |
| Ballaststoffe | 2,6 g |
| Vitamin C | 51 mg |
| Kalium | 554 mg |
Den Vergleich mit Mangold, Feldsalat und weiteren Blattgemüsen findest du in der Nährwerttabelle unter Nährwerte, Küche und Oxalsäure im Überblick zu Salaten und Blattgemüse.
Spinat genießen: wann du vorsichtig sein solltest
Spinat ist ein Lebensmittel und keine Medizin. Bei Beschwerden ersetzt er keinen ärztlichen Rat.
Kinder mit einer bakteriellen Magen-Darm-Infektion sollten keinen Spinat essen. Bei einer solchen Infektion kann verstärkt Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden.
Roher Spinat enthält außerdem relativ viel Oxalsäure, die bei Nierenerkrankungen problematisch sein kann. Bist du nierenkrank oder machst du eine Eisentherapie, sprich mit deinem Arzt darüber, wie viel Spinat für dich passt.





