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Rettichanbau: Probleme erkennen und beheben, vom Schossen bis zur Kohlhernie

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.de Redaktion

Grundlagen: Häufige Krankheiten im Gemüsegarten: Mehltau, Braunfäule und Kohlhernie erkennen und bekämpfen · Alle Ratgeber zu Krankheiten & Schädlinge

Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Schossen kann durch Kälte ausgelöst werden, lange Tage beschleunigen danach die Blütenentwicklung.
  • Frühe Saaten deckst du mit Folie oder Vlies ab, das verfrüht die Ernte und kann das Schossrisiko senken.
  • Risse und pelzige Rüben können auf wechselnde Bodenfeuchte hindeuten, gegabelte Rüben auf verdichteten Boden.
  • Gegen Erdflöhe kann ein engmaschiges Netz helfen, das direkt nach der Saat aufliegt und am Boden dicht abschließt.
  • Bei Kohlherniebefall kommen kranke Pflanzen samt Wurzeln aus dem Beet und nicht auf den Kompost.
  • Zur Kohlhernie-Vorbeugung steht Rettich nur alle 4 bis 6 Jahre auf derselben Fläche, Gelbsenf als Gründüngung zählt mit.

Wenn dein Rettich schießt, aufplatzt oder pelzig wird, fällt das oft erst kurz vor der Ernte auf. Für diesen Satz ist es dann meist zu spät, für den nächsten nicht. Ich gehe bei Problemen im Rettichbeet vom Schadbild aus: Was sehe ich, was kann dahinterstecken, und was ändere ich beim nächsten Satz? Eine sichere Diagnose liefert das Schadbild allein nicht, es grenzt die Ursachen aber ein.

Vorbeugen geht dabei vor Behandeln. Wie das bei allen Wurzelgemüsen funktioniert, steht im Kapitel über Krankheiten und Schädlinge im Wurzelgemüse-Überblick. Den kompletten Ablauf von der Bodenvorbereitung bis zur Lagerung findest du in der Anleitung, wie du Rettich Schritt für Schritt anbaust.

Schadbild, mögliche Ursache, erster Schritt

Die Tabelle ist mein Einstieg, wenn im Beet etwas nicht stimmt. Die Ursachen darin sind Hinweise, keine Diagnosen, und oft wirken mehrere zusammen.

Was du siehst Mögliche Ursache Erster Schritt
Reihe bleibt lückenhaft Saat zu tief, Saatbett ausgetrocknet, altes Saatgut Saatbett feucht halten, Keimprobe machen
Viele kleine Löcher im jungen Laub Erdflöhe Netz direkt nach der Saat auflegen
Gänge oder Maden in der Rübe Kohlfliege Netz direkt nach der Saat auflegen
Blütenstängel statt dicker Rübe Kälte als Schossreiz, lange Tage, Trockenheit Frühsaat abdecken, Sorte und Termin anpassen
Rübe aufgeplatzt oder rissig Starke Wechsel der Bodenfeuchte Gleichmäßig feucht halten
Rübe pelzig oder schwammig Feuchtewechsel, Rübe zu lange im Beet Gleichmäßig gießen, rechtzeitig ernten
Gelbes, schlaffes Laub bei nassem Boden Staunässe Wasserabzug verbessern, Gießen anpassen
Rübe gegabelt oder krumm Verdichteter oder steiniger Boden Boden vor dem nächsten Satz lockern
Welke bei Wärme, knotige Verdickungen an den Wurzeln Kohlhernie Wurzeln prüfen, bei Befall Pflanzen samt Wurzeln entfernen

Empfehlungen für den Garten

Aussaat und Vermehrung

Saattiefe

Die Samen 1-2 cm tief säen.

Aussaatkalender Rettich
GartenkalenderVorkultur: Januar, Februar, März, April; Aussaat: Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September; Ernte: März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, DezemberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: JanuarVorkultur: FebruarVorkultur: MärzVorkultur: AprilAussaatAussaat: FebruarAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustAussaat: SeptemberErnteErnte: MärzErnte: AprilErnte: MaiErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberErnte: NovemberErnte: DezemberVorkulturAussaatErnte

Warum bleibt die Reihe lückenhaft?

Rettich braucht zum Keimen 4 bis 25 Tage, vorher lohnt die Fehlersuche nicht. Liegen die Samen zu tief oder trocknet das Saatbett während Quellung und Keimung aus, kann das Lücken erklären; vernässen soll es allerdings auch nicht. Bei älterem Saatgut zeigt eine Keimprobe über 2 bis 3 Wochen, ob du dichter säen oder frisches Saatgut nehmen solltest. Termine und Saattiefen stehen im Wurzelgemüse-Überblick unter „Aussaat, Vorkultur und Pflanzung“.

Wer frisst Löcher ins Laub und Gänge in die Rübe?

Viele kleine Löcher im jungen Laub können auf Erdflöhe hindeuten, etwa 1,5 bis 3 mm große Käfer, die bei Störung wegspringen. Gänge oder Maden in der Rübe können auf die Kohlfliege hindeuten. Vorbeugend legst du direkt nach der Saat ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite auf und schließt es dicht am Boden ab. Welche natürlichen Gegenspieler dazukommen, liest du im Beitrag, wie du Rettiche mit natürlichen Mitteln vor Schädlingen schützt.

Warum schießt mein Rettich?

Ein Blütenstängel im Rettichbeet zeigt, dass die Pflanze ins Schossen gegangen ist. Kälte kann bei Rettich die Blütenbildung auslösen. Lange Tage beschleunigen danach die weitere Blütenentwicklung. Wer früh im Jahr ohne Schutz sät, setzt die jungen Pflanzen also dem Auslöser aus und schickt sie anschließend in die länger werdenden Tage.

So senkst du das Risiko

Frühe Saaten deckst du deshalb gleich mit Folie oder Vlies ab. Das verfrüht die Ernte und kann das Schossrisiko vermindern. Ich nehme dafür ein Vlies mit 17 g/m². In sommerlichen Trockenphasen gieße ich, denn Trockenheit beeinträchtigt die Wurzelqualität und fördert das Schossen.

Sorte und Termin müssen zusammenpassen. Sommerrettich säst du als Nachkultur von Ende Mai bis Mitte Juli. Winterrettich gehört in die Zeit von Mitte Juni bis Mitte August. Welche Sorte in welchen Monat gehört, erklärt der Beitrag, wann du welchen Rettich aussäst. Zum Aufhängen gibt es den druckbaren Aussaatkalender für Wurzelgemüse.

Einen Rettich, der schon schießt, holst du nicht mehr zurück. Ich ziehe ihn, schneide ihn an und entscheide nach dem Anschnitt, ob er in die Küche kommt.

Marias Erfahrung

Ich stecke bei jedem Satz ein Schild mit Sorte und Saattag an den Beetrand. Schießt ein Satz, sehe ich so gleich nach, ob Termin und Sorte zusammengepasst haben.

Warum platzt der Rettich oder wird pelzig?

Rettich braucht einen Boden, der Feuchtigkeit speichert und trotzdem gut durchlässig ist. Zu wenig, zu viel und zu wechselhaftes Wasser zeigen sich an der Rübe.

Risse und pelziges Fleisch

Aufgeplatzte oder rissige Rüben können auf starke Wechsel der Bodenfeuchte hindeuten, etwa wenn auf eine Trockenphase ein kräftiger Guss folgt. Beim eng verwandten Radieschen können starke Schwankungen der Wasserversorgung pelzige oder geplatzte Knollen verursachen. Risse und pelziges Fleisch am Rettich lese ich deshalb zuerst als Hinweis auf wechselnde Feuchte. Pelzig kann eine Rübe auch werden, wenn sie zu lange im Beet steht. Im Topf trocknet das begrenzte Substrat schneller aus als Gartenboden, deshalb prüfe ich dort die Feuchte mit dem Finger auch unter der Oberfläche.

Staunässe

Gelbes, schlaffes Laub bei dauernd nassem Boden kann auf Staunässe hindeuten. Tonreiche Böden leiten Wasser schlecht ab, und im Gefäß braucht es freie Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser abläuft. Nässe hat beim Rettich eine zweite Seite: Hohe Bodenfeuchte begünstigt zusammen mit hohen Bodentemperaturen die Kohlhernie. Wie du gleichmäßig und durchdringend gießt, zeigt der Beitrag, wie du Rettiche richtig gießt und pflegst.

Warum ist die Rübe gegabelt oder krumm?

Gegabelte, beinige oder krumme Rüben können auf verdichteten oder steinigen Boden hindeuten. Bei Schwarzwurzeln fördern Verdichtungen, ungleichmäßig abgesetzte Saatbetten und Steine verzweigte Wurzeln, bei Möhren begünstigt Verdichtung gegabelte Rüben. Beim Rettich stoße ich deshalb eine spitze Metallstange in den feuchten Boden und spüre nach, wo sie auf Widerstand trifft. Schwere Böden lockerst du erst, wenn sie abgetrocknet sind und nicht mehr an Schuhen oder Spaten kleben.

Wie du das Beet für gerade, ungespaltene Wurzeln vorbereitest, steht im Beitrag zur Bodenvorbereitung für Rettiche. Beim Standort kommt Rettich mit Sonne bis Halbschatten zurecht, stark saure Böden meidest du. Die Grundlagen dazu findest du im Wurzelgemüse-Überblick unter „Standort, Boden und Gefäß“.

Knoten an den Wurzeln: Ist das Kohlhernie?

Welken Rettiche bei Wärme, obwohl der Boden feucht ist, lohnt der Blick an die Wurzeln. Knotige Verdickungen oder Wucherungen können auf Kohlhernie hindeuten. Anfällig sind Kreuzblütler wie Rettich und Radieschen. Hohe Bodentemperaturen begünstigen die Krankheit zusammen mit hoher Bodenfeuchte, deshalb meidest du für Rettich verdichtete und staunasse Standorte.

Der Erreger bildet Dauersporen, die mehrere Jahre im Boden lebensfähig bleiben und erneut Infektionen auslösen können. Nach starkem Befall kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis sich die Fläche erholt hat.

Was du bei Befall tust

Bei Kohlherniebefall nimmst du kranke Pflanzen einschließlich ihrer Wurzeln aus dem Beet.

Achtung

Kranke Pflanzen gehören bei Kohlhernie samt Wurzeln nicht auf den Kompost. Ich hebe sie mit der Grabgabel aus, damit die Wurzeln möglichst vollständig mitkommen.

Danach zählt die Pause. Anfällige Kreuzblütler wie Rettich und Radieschen stehen zur Kohlhernie-Vorbeugung nur alle 4 bis 6 Jahre auf derselben Fläche. Zu den Kreuzblütlern zählen auch Kohl, Rucola, Steckrüben und Senf, und sie sollen nicht unmittelbar aufeinander folgen.

Häufiger Fehler

Nach dem Rettich Gelbsenf oder Ölrettich als Gründüngung säen. Beide sind Kreuzblütler und zählen auch als Gründüngung zur Anbaupause, die Zählung beginnt damit von vorn. Phacelia passt besser, weil sie mit den gängigen Gemüsearten nicht verwandt ist.

Für die Planung zählen die Kulturen der vergangenen und kommenden Jahre, Gründüngungen eingeschlossen. Ich trage deshalb jedes Jahr ein, wo Kreuzblütler standen, und nutze dafür den Beetplaner.

Zu spät geerntet, schnell welk?

Beim Rettich Rex liegt die Ernte ungefähr 9 bis 10 Wochen nach der Aussaat. Späte Rettiche holst du nur aus ungefrorenem Boden, sonst können die Wurzeln abbrechen. Woran du den richtigen Moment erkennst, steht im Beitrag, wie du Rettiche knackig und zur rechten Zeit erntest.

Nach der Ernte hält sich Rettich ohne Laub und in ein feuchtes Tuch eingeschlagen im Kühlschrank rund 1 Woche. Mehr zum Lagern steht im Wurzelgemüse-Überblick unter „Lagern“.

Gelbes Laub, kleine Rüben: Muss ich düngen?

Gelbliches Laub oder kleine Rüben verleiten schnell zum Nachdüngen, dabei kann auch Staunässe dahinterstecken. Beim Rettich bestimmst du den Düngebedarf vor der Kultur mit einer Bodenuntersuchung und düngst nur, wenn der Bericht Bedarf zeigt. Wie du das umsetzt, erklärt der Beitrag, wie, wann und womit du Rettich bedarfsgerecht düngst.

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Häufige Fragen

Wie verhindert man das Schießen von Rettichpflanzen?
Ganz ausschließen lässt es sich nicht, du kannst das Risiko aber senken. Kälte kann die Blütenbildung auslösen, lange Tage beschleunigen sie danach. Deshalb deckst du frühe Saaten mit Folie oder Vlies ab und wählst für jeden Termin eine passende Sorte. In sommerlichen Trockenphasen gießt du, denn Trockenheit fördert das Schossen ebenfalls.
Welche Schädlinge befallen Rettich?
Viele kleine Löcher im jungen Laub können auf Erdflöhe hindeuten, winzige Käfer, die bei Störung wegspringen. Gänge oder Maden in der Rübe können auf die Kohlfliege hindeuten. Vorbeugend legst du direkt nach der Saat ein engmaschiges Kulturschutznetz auf und schließt es am Boden dicht ab.
Welche Fruchtfolge eignet sich beim Rettichanbau?
Rettich ist ein Kreuzblütler wie Kohl, Radieschen, Rucola und Senf, und diese Arten sollen nicht unmittelbar aufeinander folgen. Zur Kohlhernie-Vorbeugung steht Rettich nur alle 4 bis 6 Jahre auf derselben Fläche. Senf, Ölrettich und Raps planst du in dieser Zeit auch nicht als Gründüngung ein. Phacelia passt dagegen, weil sie mit den gängigen Gemüsearten nicht verwandt ist.
Wie häufig sollte Rettich bewässert werden?
Nach Bodenfeuchte statt nach Kalender: Rettich braucht einen gleichmäßig feuchten Boden ohne Staunässe. Prüf die Feuchte vor dem Gießen mit dem Finger auch unterhalb der Oberfläche. Wenn du gießt, dann durchdringend. Für Gemüse im Garten gelten etwa 10 bis 20 l Wasser je m² als allgemeine Orientierung, damit das Wasser die Wurzelzone erreicht.
Wie unterscheidet sich der Anbau von Sommerrettich und Winterrettich?
Beim Planen unterscheiden sie sich vor allem im Termin. Sommerrettich säst du als Nachkultur von Ende Mai bis Mitte Juli und erntest ihn von Juli bis September. Winterrettich wird von Mitte Juni bis Mitte August gesät und im Herbst geerntet. Die späten Rüben holst du nur aus ungefrorenem Boden, sonst können sie abbrechen.
Stimmt es, dass Rettich nur im Herbst angebaut werden kann?
Nein. Rettich lässt sich von März bis September säen und von April bis November ernten. Die Sorte Rex kannst du ab Mitte Januar geschützt im Haus säen und im Mai und Juni direkt ins Freiland. Im Herbst erntest du den Winterrettich, der dafür im Sommer gesät wird.
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