Gründüngung im Obstgarten: Baumscheibe frei, Zwischenräume grün
- Dichter Unterbewuchs konkurriert mit Obstbäumen um Wasser und Nährstoffe, eine bewuchsfreie, gemulchte Baumscheibe entlastet geschwächte Bäume.
- Offener Boden im Obstgarten lässt sich noch im Juli einsäen, Winterroggen sogar noch im Oktober.
- Im Frühherbst bleibt die Gründüngung stehen, Kompost kommt erst im Spätwinter oder Frühjahr.
- Abgefrorene Gründüngung bleibt als Mulch zwischen den Bäumen, von der Baumscheibe kommen unverrottete Reste ab Oktober weg.
- Mulch kann den Boden an kalten Tagen wärmer halten, einen Frostschutz für Obstbäume garantiert er nicht.
Offener Boden zwischen Obstbäumen lässt sich mit einer Gründüngung bedecken und schützen. Direkt am Stamm ist sie aber fehl am Platz, denn dichter Unterbewuchs konkurriert mit Obstbäumen um Wasser und Nährstoffe. Deshalb lege ich im Obstgarten zuerst die Baumscheiben fest und säe erst danach. Hier liest du, wo die Gründüngung hingehört, wann sie ins Obstgartenjahr passt und wie du sie mit Mulch, Kompost und Gießen verbindest.
Wo gehört die Gründüngung im Obstgarten hin?
Die Grenze legt die BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg. fest. Einen geschwächten Baum entlastest du mit einer bewuchsfreien, gemulchten Fläche rund um den Stamm, weil er dort weniger Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe hat. Die Gründüngung wächst außerhalb davon: in den Zwischenräumen, an Rändern und auf Flächen, die sonst offen lägen.
Die Baumscheibe ist die Fläche um den Stamm, die du frei von Bewuchs hältst und mulchst. Je nach Größe des Obstbaums kann sie einen Radius von 0,5–2 m haben.
Eine Gründüngung muss vor der Samenbildung gemäht werden, sonst wird sie selbst zu unerwünschtem Aufwuchs. Mähst du zu spät, säst du dir die Konkurrenz also genau auf die Scheibe, die du freihalten willst.
Ich ziehe die Grenze der Baumscheibe vor jeder Aussaat mit dem Rechen nach und streue das Saatgut nur außerhalb davon. Beim Mähen nehme ich den Rand zur Scheibe gleich mit.
Unter Beerensträuchern und auf Laufwegen
Zwischen Beerenkulturen lassen sich niedrig wachsende Gelb- oder Weißkleearten als UntersaatEine Untersaat ist eine zweite Pflanzenart, die du zusätzlich zwischen oder unter eine Hauptkultur säst. Sie wächst zunächst mit und entwickelt sich nach der Ernte der früher erntereifen Hauptkultur weiter. verwenden. Weißklee bleibt mit 20–30 cm niedrig, ist winterhart und verträgt Betreten. Damit passt er auch auf die Wege, über die du zum Schneiden und Ernten an die Bäume kommst. In der Jugend entwickelt er sich langsam, deshalb berücksichtigst du beim Saatzeitpunkt, wie stark die Sträucher ihm Konkurrenz machen.
Wann passt Gründüngung ins Obstgartenjahr?
Im Obstgarten planst du nach zwei Kalendern: den Saatzeiten der Gründüngung und dem Pflegejahr der Baumscheibe. Die Tabelle zeigt beide nebeneinander.
| Zeitraum | Zwischenräume mit Gründüngung | Baumscheibe und Boden |
|---|---|---|
| Spätwinter und Frühjahr | abgefrorene Reste flach einarbeiten, winterharte Bestände aktiv beenden | Kompost ausbringen |
| ab Ende April | Phacelia säen, günstig bis Ende August | in dünnen Lagen mulchen |
| Juli | offenen Boden noch einsäen | bewuchsfrei halten |
| Anfang bis Mitte August | Gelbsenf säen, wenn er Blattmasse statt Blüten bilden soll | bewuchsfrei halten |
| September | Ölrettich, Winterzottelwicke oder Inkarnatklee säen | bewuchsfrei halten |
| Frühherbst | Bestände stehen lassen, nicht einarbeiten | keinen Kompost ausbringen |
| Oktober | Winterroggen kann noch gesät werden | unverrottete Mulchreste entfernen |
| Winter | abgefrorene Bestände als Mulch liegen lassen | ohne Mulchreste über den Winter |
Frühjahr und Sommer: freie Flächen nutzen
Offenen Boden im Obstgarten kannst du noch im Juli einsäen, um die Bodengare zu verbessern. Für so eine Sommerlücke passen schnelle Arten, etwa Phacelia und Ölrettich mit 6–10 Wochen Entwicklungszeit im Hausgarten. Gelbsenf reagiert stark auf lange Tage. Soll er vor allem Blattmasse bilden, säst du ihn deshalb besser Anfang bis Mitte August.
Herbst: stehen lassen statt einarbeiten
Im Frühherbst bleibt die Gründüngung stehen. Arbeitest du sie jetzt ein, setzt die Rotte Nährstoffe frei, die anschließend ausgewaschen werden können. Ein wachsender Bestand kann dagegen Reststickstoff aufnehmen und so die Nitratauswaschung über Winter verringern. Winterharte Arten, die bis zum Frühjahr wachsen, halten den Stickstoff besser fest als früh beendete Bestände. Dafür bleibt im Frühjahr viel Pflanzenmasse, die du von Hand entfernen oder einarbeiten musst. Inkarnatklee kann überwintern, übersteht harte, lange und schneereiche Winter aber schlecht.
Winter: Mulch zwischen die Bäume, nicht an den Stamm
Phacelia, Gelbsenf und Ölrettich sind nicht winterhart, auch wenn Phacelia Frost bis etwa −8 °C vertragen kann. Abgefrorene Bestände bleiben über Winter als Mulch liegen. Von der Baumscheibe holst du unverrottete Reste dagegen ab Oktober herunter, damit Wühlmäuse dort weniger Unterschlupf finden. Die winterliche Mulchdecke aus Gründüngung gehört im Obstgarten also in die Zwischenräume und nicht an den Stamm. Im Frühjahr arbeitest du die Reste flach ein. Brauchst du an der Stelle ein feines SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind., rechst du sie stattdessen ab und kompostierst sie.
Im Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken siehst du die Saatzeiten der einzelnen Arten auf einen Blick und kannst sie neben deinen Pflegeplan für die Bäume legen.
Schützt Gründüngung die Obstbäume vor Hitze und Frost?
Abgestorbener organischer Mulch kann den Boden bei Hitze kühler und an kalten Wintertagen wärmer halten. Einen festen Temperatureffekt hat er nicht, und einen Schutz vor Frost am Obstbaum garantiert er auch nicht. Bei mir liegt der Mulch auf der Baumscheibe deshalb als Bodenpflege, nicht als Frostschutz.
Am Stamm setzt eine andere Maßnahme an. Reflektierende Weiß-, Kalk- oder Lehmanstriche können die Aufheizung sonnenexponierter Obstbaumrinde mindern. Sie ergänzen die Pflege der gemulchten Baumscheibe.
„Eine Gründüngung wirkt wie eine Klimaanlage und mildert im Winter starke Fröste ab.“ Darauf verlässt du dich besser nicht. Abgestorbener Mulch kann den Boden an kalten Tagen wärmer halten, einen festen Effekt oder Frostschutz für den Baum gibt es damit aber nicht.
Wie verbindest du Gründüngung mit Gießen, Mulch und Kompost?
Gießen, wenn es trocken wird
Lebende Gründüngung vermindert die Verdunstung aus dem Boden, verbraucht beim Wachsen aber selbst Wasser. Bei Trockenheit kann sie dadurch mit den Bäumen konkurrieren. In solchen Phasen gieße ich morgens direkt am Wurzelbereich, damit weniger Wasser verloren geht und die Blätter nicht lange nass bleiben. Ein weicher Strahl schützt die Bodenoberfläche vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Verkrustung. Gieß, bevor der Boden völlig austrocknet, denn ausgetrockneter Boden nimmt Wasser schlecht auf. Gesammeltes Regenwasser aus Tonne oder Zisterne lässt sich dafür nutzen. Eine frische Gründüngungssaat braucht bei Trockenheit vor allem in der Keimphase wiederholt Wasser. Was Gründüngung für Verdunstung, Versickerung und Speicherung bedeutet, erklärt der Ratgeber dazu, wie Gründüngung den Wasserhaushalt deines Bodens beeinflusst.
Schnittgut als Mulch für die Baumscheibe
Gemähte Gründüngung nutze ich im Obstgarten als Mulch für die Baumscheibe. Dickstängeliges Material zerkleinere ich vorher. Junge Pflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis und werden schneller umgesetzt. Verholzte Reste verrotten dagegen langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Soll das Schnittgut ab Ende April in dünnen Lagen auf die Baumscheibe, mähst du also, solange die Pflanzen jung sind, und nicht erst, wenn die Stängel verholzen. Kranke Pflanzenreste und samentragendes Unkraut gehören in die Biotonne, weil ein kleiner Gartenkomposter sie nicht sicher hygienisiert.
Kompost und Bodenuntersuchung
Kompost bringst du im Spätwinter oder Frühjahr aus und nicht im Herbst, damit weniger Nitrat ausgewaschen wird. Er liefert vor allem Phosphor, Kalium und SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe.. Im Herbst kommt also weder Kompost noch frisch eingearbeitete Grünmasse in den Boden, weil beides Nährstoffe freisetzen kann, die dann ausgewaschen werden.
Die Nährstoffwirkung einer Gründüngung hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab. Sie ersetzt zusätzliche Düngung deshalb nicht automatisch. Eine Bodenuntersuchung bestimmt, welche Nährstoffe pflanzenverfügbar sind. Die GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Gekalkt wird nur, wenn der pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Planst du danach eine Düngung, rechnest du den Aufwuchs der Gründüngung mit ein.
Baumscheibe vor der Aussaat abgrenzen. Gründüngung vor der Samenbildung mähen. Schnittgut jung mähen, zerkleinern und dünn auf die Baumscheibe legen. Kompost im Spätwinter oder Frühjahr ausbringen. Unverrottete Reste ab Oktober von der Baumscheibe holen.
Welche Gründüngung passt in den Obstgarten?
Die Art wählst du nach Bodenart, nach der Zeit, die eine Fläche frei bleibt, und danach, ob der Bestand abfrieren oder überwintern soll. Auf humusarmen, leichten Böden eignen sich Arten mit viel Grünmasse wie Phacelia, auf schweren Böden kommen unter anderem Ölrettich und Phacelia infrage. Einen Vergleich nach Boden, Jahreszeit und Ziel findest du im Ratgeber, welche Gründüngungssamen zu deinem Boden passen.
Wie säst und pflegst du die Gründüngung?
Vor der Saat räumst du Erntereste ab und harkst die abgetrocknete, oberflächlich gelockerte Fläche feinkrümelig und eben. Das Saatgut streust du in der Menge, die deine Saatguttüte nennt, breitwürfig aus, rechst es ein, drückst es an und hältst es bis zum Auflaufen feucht. Danach braucht die Gründüngung wenig Pflege; den ganzen Ablauf zeigt dir der Ratgeber, wie du deine erste Gründüngung Schritt für Schritt anlegst.
Wann mähst du die Gründüngung, und wann arbeitest du sie ein?
Im Hausgarten schneidest du Gründüngung gewöhnlich kurz vor der Blüte; soll sie für Insekten blühen, mähst du nach der Blüte, aber vor der SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen.. Frische Masse arbeitest du nur flach ein, weil sie tief vergraben unter Luftabschluss faulen kann. Vor einer neuen Pflanzung wartest du danach meist etwa 2–3 Wochen; mehr dazu im Ratgeber, wie du Gründüngung planst, säst und einarbeitest.
Was bewirkt Gründüngung im Boden?
Eine Gründüngungsdecke schützt den Boden vor Verschlämmung, Verkrustung und Erosion, und ihre organische Substanz kann leichte Böden wasserhaltender und schwere durchlässiger machen. LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft. wie Klee, Wicken und Lupinen binden zusätzlich Luftstickstoff, andere Arten nehmen vorhandenen Bodenstickstoff auf. Ausführlich erklärt der Gründünger-Ratgeber, was Gründüngung im Boden leistet.
Was zeigt sich über die Jahre?
Ob sich der Boden zwischen meinen Bäumen verändert, prüfe ich mit dem Spaten. Bei einer Spatendiagnose beurteilst du Eindringwiderstand, Gefüge, Wurzelverlauf, Hohlräume, Farbe und Geruch. So erkennst du Verdichtungen und Probleme mit der Durchlüftung. Durchgehende Wurm- und Wurzelröhren zeigen eine günstige Wasserleitfähigkeit, Durchlüftung und Durchwurzelbarkeit an. Solche Bioporen legen Zwischenfruchtwurzeln und aktive Regenwürmer an, und über sie dringt Regenwasser besser ein.
Auf stark verdichteten oder geschädigten Flächen kann eine Gründüngung ein Jahr oder länger stehen bleiben. Ein höherer Humusgehalt kann den Wasserhaushalt verbessern, garantiert aber keine entsprechend große Zunahme des pflanzenverfügbaren Wassers im ganzen Bodenprofil. Eine Zusage für gesündere Bäume oder höhere Erträge ist Gründüngung deshalb nicht. Sie kann die Bedingungen im Boden verbessern; was davon bei deinen Bäumen ankommt, zeigt dir nur die eigene Beobachtung.





