Mikroklima im Garten steuern: Vlies und Mulchfolie richtig einsetzen
- Ein leichtes Vlies zur Gemüseverfrühung kann zum Beispiel 17 g/m² wiegen und lässt Wasser und Luft durch.
- Schwarze Mulchfolie fördert die Bodenerwärmung, weiße Bodenfolie reflektiert Sonnenwärme.
- Vlies nach Saat oder Pflanzung locker auflegen und die Ränder mit Erde, Steinen oder Brettern sichern.
- Bei Salat kommt das Vlies bei anhaltend 20 bis 22 °C herunter, bei wärmeliebendem Gemüse bei anhaltend 25 °C oder mehr.
- Vlies und Lochfolie möglichst bei windstillem, trübem oder regnerischem Wetter abnehmen, damit die Pflanzen keinen Sonnenbrand bekommen.
Ein Vlies über der frühen Saat schützt vor Kälte, eine schwarze Mulchfolie fördert die Bodenerwärmung. Bleibt die Abdeckung zu lange liegen, wird es darunter für Salat zu warm. Ziehst du sie an einem sonnigen Tag ab, können die Pflanzen Sonnenbrand bekommen. Ich lege deshalb keine Abdeckung auf, ohne vorher festzulegen, bei welcher Wärme und bei welchem Wetter sie wieder herunterkommt.
MikroklimaMikroklima ist das besondere Klima eines kleinen Areals in den bodennahen Luftschichten. Es hängt stark von Untergrund, Bewuchs und Bebauung ab und kann sich schon auf engem Raum deutlich unterscheiden. nennt man die Bedingungen auf kleinem Raum, etwa in einem Beet oder unter einer Abdeckung. Dazu gehören die Temperatur von Luft und Boden, die Feuchte, der Wind und das Licht. Das Wetter kannst du nicht planen, diese Bedingungen im Beet aber mit Abdeckungen, Mulch und der Wahl des Platzes beeinflussen.
Wo dein Garten von sich aus wärmer oder kühler ist
Bäume kühlen ihre Umgebung durch Schatten und durch Wasser, das über ihre Blätter verdunstet. Ein halbschattiger Platz bekommt als Orientierung bis zu etwa 4 Stunden direkte Sonne, Tomaten sind dort wegen ihres hohen Lichtbedarfs ungeeignet. Wie du Sonne, Standort und Klima in der Beetplanung zusammenbringst, zeigt der Ratgeber zur Gartenplanung.
Welche Abdeckung was bewirkt
Vlies schützt vor Kälte, Mulchfolie verändert die Bodenwärme, und organischer Mulch schützt die Bodenoberfläche. Die Übersicht zeigt, wofür ich welche Abdeckung nehme.
| Abdeckung | Was sie bewirkt | Wofür ich sie nehme |
|---|---|---|
| Leichtes Vlies | wasser- und luftdurchlässig, schützt gegen Kälte | frühe Saaten und Jungpflanzen, Wintergemüse |
| Schwarze Mulchfolie | fördert die Bodenerwärmung | Beete mit wärmeliebenden Kulturen |
| Weiße Bodenfolie | reflektiert Sonnenwärme, begrenzt übermäßige Erwärmung von Dämmen | Dämme, die sich nicht zu stark aufheizen sollen |
| Folientunnel | offene Enden sorgen für Luftaustausch | geschützte Winterkultur |
| Organischer Mulch | schützt die Bodenoberfläche vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. durch Starkregen | Gemüse- und Staudenbeete |
Vlies: früher starten und vor Kälte schützen
Ein leichtes Vlies zur Gemüseverfrühung kann zum Beispiel 17 g/m² wiegen. Es lässt Wasser und Luft durch, Regen erreicht also auch unter der Abdeckung den Boden. Für frühe Aussaaten unter Vlies muss der Boden ausreichend abgetrocknet und schon etwas erwärmt sein. Ich prüfe das vor jeder frühen Saat mit der Hand: Die Erde soll krümeln und sich nicht mehr kalt und nass anfühlen.
Puffbohnen kannst du bei geeigneten Bodenbedingungen schon ab Februar unter Folie oder Vlies säen. Frühe Puffbohnen und Erbsen haben ihren größten Wasserbedarf im Mai und Juni. Die frühe Saat unter Vlies kann ihnen also helfen, sommerlicher Trockenheit teilweise auszuweichen.
Auch Spinat lässt sich Anfang März unter Vlies säen. In einem Beet, in dem später Zuckermais wächst, nutzt er den Platz als ZwischenkulturEine Zwischenkultur ist eine schnell wachsende Gemüsekultur, die gleichzeitig mit einer langsam wachsenden Hauptkultur auf dem Beet steht, meist in Reihen dazwischen. Sie ist geerntet, bevor die Hauptkultur den ganzen Platz braucht.. Der Mais kommt ab Anfang Mai dazu. Bis Mitte Mai kannst du den Spinat ernten, danach gehört das Beet dem Mais. Bevor du solche Paare planst, lohnt ein Blick darauf, welche Gemüse sich in Mischkultur kombinieren lassen.
Im Winter schützt Vlies Wintergemüse gegen Kälte und Wintersonne. Kübelpflanzen, die draußen überwintern, kannst du auch ohne Vlies schützen. Stell sie dafür in einen größeren Behälter und füll die Zwischenräume mit trockenem Laub.
Ich stecke beim Auflegen ein Schild mit dem Datum an den Beetrand. Beim Rundgang sehe ich dann, wie lange das Vlies schon liegt, und schaue darunter nach den Pflanzen.
Mulchfolie: schwarz wärmt, weiß bremst
Schwarze Mulchfolie fördert die Erwärmung des Bodens. Tomaten brauchen bei der Pflanzung einen mindestens 15 °C warmen Boden. Auf dem Tomatenbeet arbeitet die schwarze Folie also an genau der Größe, die den Pflanztermin bestimmt. Ob der Boden so weit ist, zeigt dir trotzdem erst das Bodenthermometer.
Weiße Bodenfolie wirkt in die andere Richtung. Die helle Fläche reflektiert Sonnenwärme und begrenzt eine übermäßige Erwärmung von Dämmen.
„Bio-Folie verrottet im Beet von allein.“ Biobasierte Kunststoffe sind nicht automatisch biologisch abbaubar. Auch eine industrielle Kompostierbarkeit belegt keine Eignung für deinen Gartenkompost.
Organischer Mulch als Alternative zur Folie
Mulch aus Pflanzenmaterial schützt die Bodenoberfläche. Eine Mulchdecke bewahrt sie vor Verschlämmung durch Starkregen. Angewelkten Grasschnitt bringst du wiederholt so dünn aus, dass der Boden noch leicht durchscheint. Dicke Schichten können zusammenkleben. Herbstlaub kann in dünnen Lagen auf abgeräumten Beeten oder zwischen Stauden liegen bleiben. Wo kein Mulch liegt, vermindert flaches Hacken die Wasserverluste.
Für Staudenmischungen trockener Freiflächen, Felssteppen und Steppenheiden hat sich Kies- oder Splittmulch bewährt. Die Schicht sollte mindestens 5 cm dick sein. Besser sind 7 cm.
Bewässerungsvlies und Feuchte im Topf
Ein Bewässerungsvlies soll im Topf oder Kübel Wasser aufnehmen und an die Wurzeln weitergeben. Verlass dich trotzdem nicht allein darauf, sondern prüf die Erde selbst. Torffreie Substrate können oben schon trocken sein, während sie weiter unten noch nass sind. Welke kann von Trockenheit kommen, aber ebenso von Staunässe. Wer nur nach der trockenen Oberfläche gießt, kann eine Welke durch Staunässe also noch verstärken. Ich fühle deshalb mit dem Finger unter der Oberfläche nach, bevor ich gieße.
Das Abzugsloch des Gefäßes muss frei bleiben, damit überschüssiges Wasser abläuft und keine Staunässe entsteht. Leg ein Speichervlies deshalb so ein, dass es das Loch nicht verschließt.
Im Beet gießt du direkt in den Wurzelbereich, damit die Blätter möglichst trocken bleiben. Wie viel Wasser ein durchdringender Gießgang braucht, steht im Ratgeber zur Gartenplanung unter Gießen.
Vlies richtig auflegen und befestigen
So gehe ich beim Abdecken vor:
- Boden prüfen: Für eine frühe Saat sollte er abgetrocknet und etwas erwärmt sein.
- Säen oder pflanzen und das Vlies danach locker über die Fläche legen.
- Die Ränder rundum mit Erde, Steinen oder Brettern sichern.
- Beim Folientunnel die Enden offen lassen, damit Luft ausgetauscht wird.
Bretter lege ich an die Längsseiten, weil ich sie zum Nachsehen schnell anheben kann. An den Stirnseiten häufle ich Erde an.
Das Vlies straff über die Reihen spannen. Es gehört locker auf die Kultur, damit die Pflanzen darunter Platz zum Wachsen behalten. Gesichert wird nur am Rand.
Lüften und abnehmen: wann die Abdeckung runter muss
Vlies soll Kälte abhalten. Wird es draußen dauerhaft warm, hat es seinen Zweck erfüllt und muss herunter. Die Grenze hängt von der Kultur ab:
| Kultur unter Vlies | Vlies abnehmen bei |
|---|---|
| Salat | anhaltend 20 bis 22 °C |
| Wärmeliebendes Gemüse | anhaltend 25 °C oder mehr |
Stehen Salat und wärmeliebendes Gemüse unter demselben Vlies, richtest du dich nach der niedrigeren Grenze des Salats. Hitze kann Gartensalat nämlich vorzeitig zum SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. bringen.
Den Tag zum Abnehmen wählst du nach dem Wetter. Vlies und Lochfolie kommen möglichst bei windstillem, trübem oder regnerischem Wetter herunter, damit die Pflanzen keinen Sonnenbrand bekommen.
Mit Vlies gewöhnst du auch Jungpflanzen an draußen. Tomaten kommen gewöhnlich ab Mitte Mai ins Freie, sobald keine Kälte mehr droht. An die Sonne gewöhnst du sie zuerst an bewölkten Tagen oder unter schattierendem Vlies. Wärmebedürftige Jungpflanzen holst du wieder herein, wenn die Nachttemperaturen unter 10 °C fallen.
Feuchte unter der Abdeckung
Neben der Wärme behältst du die Feuchte im Blick. Eine Bleichhaube über Endivien erhöht bei feuchtem Wetter die Fäulnisgefahr. Genug Abstand zwischen den Pflanzen lässt feuchte Blätter schneller abtrocknen und erschwert die Übertragung von Krankheitserregern. Bei Tomaten halten ein Regendach und gute Durchlüftung das Laub trockener und helfen so, der Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. vorzubeugen.
Grenzen des Vlieses im Herbst
Tomaten, Kürbisse und Zucchini lassen sich bei herbstlichen Frostnächten mit Vlies meist nicht zuverlässig schützen. Rechne bei diesen Kulturen nicht mit dem Vlies als Frostschutz.
Wie viel Frost Endivien, Chinakohl oder Grünkohl vertragen, hängt von Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung ab. Richtwerte dazu stehen im Ratgeber zur Gartenplanung unter Klima und Wetter.
Vlies und Netze gegen Schädlinge
Frühe Kohlkulturen deckst du vorbeugend mit Vlies ab, weil Kohlfliegen ab Anfang bis Mitte April auftreten können. Bei KulturschutznetzenEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. entscheidet die Maschenweite: Gegen ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. sind 0,8 mm nötig, verlassen solltest du dich darauf trotzdem nicht. Wie Vorbeugen, Kontrollieren und mechanisches Eingreifen zusammenspielen, steht im Ratgeber zur Gartenplanung unter Krankheiten und Schädlinge.
Abdeckungen im Beetplan festhalten
Im Lauf eines Jahres liegt dasselbe Vlies auf verschiedenen Beeten. Ein Beetplan erfasst Gemüsearten und Belegungszeiten, einschließlich Vor- und NachkulturenEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen.. Trag beim Anlegen deiner Beete im Beetplaner gleich ein, wann ein Beet abgedeckt ist. Notier auch, wann die Abdeckung wieder herunter soll. Ich markiere in meiner Beetskizze mit einem eigenen Zeichen, wo Vlies oder Folie liegt.
Vlies und Folie nach der Saison lagern
Gesäuberte und trockene Vliese und Folien bewahrst du dunkel und mäusesicher auf. Ich bürste Erde und Pflanzenreste ab und lege das Vlies erst zusammen, wenn es ganz trocken ist.

