Grünkohl richtig wässern: So gießt du ihn von der Anzucht bis in den Winter
- Von Anfang August bis Mitte September besonders auf ausreichend Wasser achten, sonst können die Blätter vergilben.
- Vor dem Gießen den Boden mit dem Finger prüfen und dann lieber selten und gründlich gießen als täglich in kleinen Mengen.
- Aussaaten gleichmäßig feucht halten, ohne dass sich Staunässe bildet.
- Wasser an den Fuß der Pflanze geben, damit die Blätter rasch abtrocknen.
- Bei vielen Sorten macht Kälte den Grünkohl milder, Frost braucht es dafür nicht.
- Im Winter nach Wetter gießen und den Kübel so isolieren, dass Gießen und Wasserabfluss möglich bleiben.

Mein Grünkohl steht vom Sommer bis in den Winter im Beet, und in jeder Phase stellt sich die Wasserfrage anders. Besonders aufpassen musst du von Anfang August bis Mitte September: Fehlt dann Wasser, können die Blätter vergilben. Im Winter gießt du dagegen nach Wetter und schützt den Kohl in rauen Lagen mit Vlies vor Kahlfrost und eisigem Wind.
Wie viel Wasser braucht Grünkohl?
Eine Literzahl, die für jeden Grünkohl passt, gibt es nicht. Der Wasserbedarf von Gemüse richtet sich nach Kultur und Sorte, nach Wetter und Boden sowie nach Sonne und Wind am Standort. Grünkohl mag frischen, feuchten Boden und bevorzugt tiefgründige Erde, die Wasser gut hält. Ich richte mich deshalb nach dem Boden und nicht nach dem Kalender: Erst wenn die Erde unter der Oberfläche trocken ist, gieße ich. Hat es kräftig geregnet, prüfe ich trotzdem zuerst mit dem Finger, bevor ich nachgieße.
Für Gemüse im Hobbygarten empfiehlt die Bayerische Gartenakademie eher einmal wöchentlich eine gründliche Gabe von rund 14 Litern pro Quadratmeter als tägliche kleine Mengen. Gießt du Beetpflanzen täglich mit 2 Litern pro Quadratmeter, verdunstet gut ein Liter davon wieder, ohne dass die Pflanze etwas davon hat.
Wo dein Grünkohl stehen soll, legst du im Beetplaner für deinen Gemüsegarten fest. Ein Platz in Reichweite von Kanne oder Schlauch erleichtert dir das Gießen im August.
Wie viel Trockenheit verträgt Grünkohl?
Grünkohl eignet sich gut für den Gartenanbau, Blumenkohl stellt höhere Ansprüche. Frost verträgt Grünkohl häufig bis etwa −10 °C. Das ist ein grober Richtwert, denn Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung bestimmen, wie viel er tatsächlich aushält. Bei Trockenheit zeigt er dagegen Grenzen, weil Wassermangel seine Blätter vergilben lassen kann. Seine WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. sagt also nichts darüber, wie gut er einen trockenen Spätsommer übersteht, und genau dann braucht er deine Aufmerksamkeit mit der Kanne.
Grünkohl gießen nach Wachstumsphase
Mit dem Kalender verschiebt sich, worauf es beim Gießen ankommt. Die Übersicht zeigt, worauf ich in welcher Phase achte.
| Phase | Zeitraum | Worauf ich beim Gießen achte |
|---|---|---|
| Aussaat und Anzucht | Mai bis Juli | Erde gleichmäßig feucht halten, Staunässe vermeiden, Gefäße mit Wasserabzug |
| Pflanzung und Anwachsen | Anfang Juni bis Anfang August | angießen, Wasser an den Fuß der Pflanze, Blätter trocken halten |
| Spätsommer | Anfang August bis Mitte September | besonders auf ausreichend Wasser achten, selten und gründlich gießen |
| Erntezeit im Herbst und Winter | je nach Sorte Oktober bis März | nach Boden und Wetter gießen, im Kübel Gießen und Abfluss möglich halten |
Aussaat und Anzucht: gleichmäßig feucht, nie nass
Gesät wird Grünkohl von Mai bis Juli, die Termine hast du mit dem Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken auf einem Blatt. In Schalen und Töpfen halte ich die Aussaat gleichmäßig feucht, ohne dass sich Staunässe bildet. Dafür brauchen die Anzuchtgefäße einen Wasserabzug. Sobald die ersten Keimlinge erscheinen, nehme ich die Abdeckung ab. Säst du ins Anzuchtbeet, drückst du die SaatrilleEine Saatrille ist eine flache, gerade Furche im feinkrümeligen Saatbett, in die du Samen in einer Reihe säst. Nach der Aussaat schiebst du sie wieder zu und drückst die Erde an. an, streifst sie zu und feuchtest sie mit feiner Brause an.
Wässrig-weiche Sämlingsstängel, die an einer Stelle stark verengt sind, können auf Umfallkrankheit hinweisen. Vorbeugen kannst du mit sauberem, neuem Anzuchtsubstrat und gereinigten Gefäßen, und indem du Staunässe vermeidest.
Pflanzen und Anwachsen: angießen, Blätter trocken halten
Für die Herbst- und Winterernte kommt Grünkohl von Anfang Juni bis Anfang August ins Beet. Ich gieße jede Pflanze gleich nach dem Setzen an und halte den Boden feucht, bis sie sichtbar weiterwächst. Das Wasser gebe ich an den Fuß der Pflanze, nicht über die Blätter. Bei jungen Kohlpflanzen helfen gute Lüftung, wenig Taubildung und rasch abtrocknende Blätter, dem Falschen Mehltau vorzubeugen.
Wer erst spät in diesem Fenster pflanzt, setzt Jungpflanzen genau in die Wochen ab Anfang August, in denen Wassermangel die Blätter vergilben lassen kann. Bei solchen Pflanzungen fallen Anwachsen und empfindliche Phase zusammen, deshalb prüfe ich dann den Boden besonders aufmerksam.
Spätsommer: Anfang August bis Mitte September
In diesen Wochen achte ich besonders darauf, dass der Grünkohl ausreichend Wasser bekommt. Fehlt es, können die Blätter vergilben. Ich gieße dann lieber selten und gründlich, damit das Wasser in die Tiefe zieht, statt täglich in kleinen Mengen. Stehendes Wasser vermeide ich trotzdem, denn feuchter bis staunasser Boden begünstigt bei 20 bis 25 °C Infektionen mit KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. besonders.
Im August gieße ich langsam und in mehreren Durchgängen rund um den Fuß der Pflanze, damit das Wasser einziehen kann und die Blätter trocken bleiben. Vorher stecke ich den Finger neben der Pflanze in die Erde, und ist sie unter der Oberfläche noch feucht, bleibt die Kanne stehen.
Herbst und Erntezeit: nach Wetter und Boden
Je nach Sorte erntest du Grünkohl von Oktober bis März. Mit den kühleren Wochen gieße ich weiter nach Boden und Wetter und nur dann, wenn die Erde unter der Oberfläche trocken ist.
Wird Grünkohl milder, wenn er im Herbst wenig Wasser bekommt? Bei vielen Sorten fördern niedrige Temperaturen die Zuckeranreicherung und einen milderen Geschmack, Frost braucht es dafür nicht. Absichtlich dursten lasse ich meinen Grünkohl deshalb nicht, denn Wassermangel kann seine Blätter vergilben lassen.
Winter: nach Wetter gießen, vor Kahlfrost schützen
Grünkohl ist winterhart und bleibt zur Ernte im Beet. Im Winter greife ich dort nur zur Kanne, wenn der Boden bei offenem Wetter lange trocken war und nicht gefroren ist. In rauen Lagen lege ich Vlies über die Pflanzen, das gegen Kahlfrost und eisigen Wind schützt und auch vor Wintersonne.
Im Kübel friert der WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt. schneller als im Gartenboden, und Wurzeln reagieren empfindlicher auf Minusgrade als Blätter und Stängel. Isoliere deshalb Topfwand, Erdoberfläche und Topfboden so, dass du weiter gießen kannst und das Wasser abläuft.
Andere Kohlarten gieße ich nach eigenem Plan. Lies nach, wie Blumenkohl ohne Wasserstress feste Köpfe bildet, wie oft und wie viel Rotkohl in jeder Wachstumsphase bekommt, wie du Rosenkohl über Phasen und Jahreszeiten hinweg wässerst und welche Methode und welcher Zeitpunkt beim Weißkohl-Gießen passen.
Woran erkennst du Wassermangel und zu viel Nässe?
Gelbe oder schlaffe Blätter können mehrere Ursachen haben. Deshalb schaue ich zuerst auf den Boden, bevor ich gieße oder das Gießen einstelle.
| Merkmal | Kann hindeuten auf | Was ich tue |
|---|---|---|
| Blätter vergilben, Erde unter der Oberfläche trocken | Wassermangel | gründlich an den Fuß der Pflanze gießen, danach den Boden erneut prüfen |
| Blätter hängen schlaff, Erde trocken | Wassermangel | gründlich gießen und beobachten, ob sich die Blätter wieder aufrichten |
| Pflanze welkt, obwohl die Erde nass ist | Staunässe oder ein Wurzelproblem wie Kohlhernie | nicht weiter gießen, Wurzeln ansehen, für Wasserabzug sorgen |
Welke und Flecken sind Hinweise und keine sichere Diagnose. Bei der Kohlhernie sitzt der Befall an den Wurzeln, deshalb lohnt dort der Blick, bevor du weiter gießt.
Gießtechnik, Mulch, Boden und Kübel in Kürze
Gießtechnik: Ich gieße an den Fuß der Pflanze und lasse die Blätter trocken. Welche Technik und welche Tageszeit zu deinem Beet passen, steht im Kohl-Ratgeber im Kapitel darüber, wie du Kohl nach Bedarf und direkt an der Wurzel gießt.
Mulch: Eine Mulchdecke vermindert im Sommer Verdunstung und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten.. Angetrockneten Rasenschnitt lege ich nur bodendeckend aus und ergänze ihn öfter. Wo kein Mulch liegt, unterdrückt regelmäßiges flaches Hacken BeikräuterBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. und vermindert die Verdunstung.
Boden: Grünkohl bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige Böden mit gutem Wasserhaltevermögen. Kompost verbessert auf sandigen Böden das Wasserhaltevermögen und auf schweren Böden die KrümelstrukturKrümelstruktur bedeutet: Die Bodenteilchen halten zu lockeren, mit bloßem Auge sichtbaren Krümeln zusammen, zwischen denen viele Hohlräume bleiben. Der Boden baut sie selbst auf, getragen von aktivem Bodenleben, gutem Humus und ausreichend Ton und Kalk. und die Durchlüftung. Wie du Boden und pH für Kohl vorbereitest, steht im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden.
Düngen: Vor dem Auspflanzen arbeite ich reifen Kompost ein und dünge während der Kultur regelmäßig nach, denn Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung von Gemüse nicht. Mengen und Zeitpunkte findest du im Ratgeber darüber, wie du Grünkohl bedarfsgerecht düngst.
Kübel und HochbeetEin Hochbeet ist ein erhöhtes, stabil eingefasstes Beet, das mit Erde gefüllt wird, etwa aus Holz, Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Es erlaubt rückenschonendes Gärtnern auf wenig Grundfläche.: Kleine Gemüsegefäße brauchen häufiger Wasser, im Hochsommer mitunter mehrmals täglich. Hochbeeterde erwärmt sich schneller und trocknet dadurch auch schneller aus, eine Mulchauflage mindert den Feuchtigkeitsverlust. Bei torffreier Erde prüfst du die Feuchte auch unter der schnell abtrocknenden Oberfläche, mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber unter Gefäß, Balkon und Hochbeet.
Und wie kochst du den geernteten Grünkohl?
Junge Blätter kannst du roh oder gegart essen, ältere Blätter können zäh werden. Kurz blanchiert und klein geschnitten passen Grünkohlblätter in einen Salat, gegart kommen sie in Suppen. Zum Einfrieren blanchierst du den Grünkohl vorher 3 Minuten. Mehr zu Küche und Nährwerten steht im Kohl-Ratgeber.





