Blumen · Wildblumen · Pflege

Blumenwiese im ersten Jahr pflegen: Gießen, Jäten, Schröpfschnitt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 8 Min.Von der samen.de Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Halte die frisch gesäte Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht, sofern die Anleitung deiner Mischung nichts anderes vorgibt.
  • Hör beim ersten Grün nicht auf zu gießen, denn die Arten einer Mischung keimen unterschiedlich schnell.
  • Läuft Beikraut rasch auf, setzt du etwa 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat den ersten Schröpfschnitt an.
  • Beim Schröpfschnitt bleiben 5 bis 6 cm stehen, das Schnittgut räumst du ab.
  • Wächst Beikraut nach, wiederholst du den Schnitt im Ansaatjahr noch ein- bis zweimal vor dessen Samenreife.
  • Problemkräuter wie Ampfer ziehst du früh von Hand, gedüngt wird die junge Wiese nicht.

Eine frisch gesäte Blumenwiese braucht im ersten Jahr vor allem zwei Dinge von dir. Der Boden darf in der Keimphase nicht austrocknen, und schnelles Beikraut darf die jungen Wildblumen nicht überwachsen. Ich gehe in dieser Zeit mit Zollstock und Notizbuch über die Fläche, bevor ich zur Gießkanne oder zum Mäher greife. Hier erfährst du, wie lange du gießt, wann der Schröpfschnitt fällig ist, wie hoch du schneidest und was du notierst.

Falls deine Fläche noch nicht gesät ist, lies zuerst, wie du eine Blumenwiese richtig anlegst.

Mythos-Check

„Eine Blumenwiese macht keine Arbeit.“ Im Aussaatjahr stimmt das nicht: Du hältst die Fläche feucht, kappst Beikraut und ziehst Problemkräuter. Auch danach bleibt Pflege. Mehrjährige Garten-Blühmischungen brauchen etwa 1 bis 2 Minuten Pflegezeit je m² und Jahr, einjährige etwa 5 bis 8 Minuten.

Kurz vorab: Boden und Aussaat

Die Pflege im ersten Jahr setzt ein Saatbett voraus, aus dem konkurrenzstarke Pflanzen wie Quecke und Giersch mitsamt Wurzeln entfernt sind. Feines Kräutersaatgut wird auf der Bodenoberfläche verteilt und angewalzt. Wie du Zeitfenster, Saatmenge und Saattiefe für die Aussaat wählst, den Boden für die Blumenwiese vorbereitest und Blumenwiesensamen mit der passenden Technik ausbringst, steht in den Ratgebern dazu.

Blumenwiese im Frühjahr gesät: Wie lange musst du gießen?

Jetzt dran

Hast du im Frühjahr gesät, stehen in den kommenden Wochen drei Handgriffe an: die Fläche gleichmäßig feucht halten, die Beikrauthöhe messen und einzelne Problemkräuter wie Ampfer früh ziehen.

Nach der Aussaat hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht. Die Samen brauchen zum Quellen und Keimen durchgehend Feuchtigkeit, deshalb darf die Oberfläche zwischendurch nicht austrocknen. Wie lange genau, gibt die Anleitung deiner Mischung vor, und die Angaben unterscheiden sich:

Angabe Wie lange die Saat feucht bleibt
Gartenanleitung für die Blumenwiese etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht
Wildblumenwiesenansaat, zum Quellen und Keimen mindestens drei Wochen durchgehend feucht
Wildpflanzenmischungen von Rieger-Hofmann mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehende Feuchtigkeit
Wildkräuter- und Wildgräsermischungen von Saaten Zeller mindestens sechs Wochen durchgehende Feuchtigkeit

Steht in deiner Anleitung nichts dazu, halte dich an die etwa 6 Wochen.

Häufiger Fehler

Beim ersten Grün mit dem Gießen aufhören. Die Arten einer Wildblumenmischung keimen unterschiedlich schnell, die ersten Keimlinge zeigen dir also nur die schnellen Arten. Die Nachzügler brauchen weiter dieselbe Feuchte, solange die Startphase läuft.

Gießen nach Wetter statt nach Kalender

Regen nimmt dir in der Startphase Arbeit ab, deshalb wird eine Wildwiese möglichst vor feuchter Witterung gesät. Herrscht längere Trockenheit, verschiebst du eine geplante Aussaat besser, bis Regen absehbar ist. Bleibt der Regen nach der Saat aus, bewässerst du die Fläche in der Auflaufphase. Ich schaue vor dem Gießen auf die Oberfläche und fühle mit dem Finger nach, ob sie noch feucht ist. Ein Regenmesser am Rand der Fläche zeigt mir, was tatsächlich gefallen ist.

Zahl im Blick

1 mm Niederschlag entspricht 1 l Wasser je m². So vergleichst du Regen und Gießwasser in derselben Einheit.

Hast du eine einjährige Sommerblumenmischung gesät, gilt für einen frühen Blühbeginn eine eigene Regel. In trockenen Phasen der Auflaufphase bewässerst du solche Ansaaten jeden Tag.

Tipp

Ist eine Neuansaat durch pralle Sonne, Erosion oder Kahlfrost gefährdet, kann eine lockere Abdeckung mit 500 g Heu je m² sie schützen.

Ich gieße morgens mit der Brause, wenn möglich mit gesammeltem Regenwasser, und setze an einer Stelle ab, sobald die Oberfläche zu verschlämmen beginnt. Verschlämmter Boden kann Wasser schlechter aufnehmen. Mehr zur Gießtechnik steht im Ratgeber zum Bewässern der Blumenwiese.

Wann kannst du mit dem Gießen aufhören?

Bei neu angelegten Blühmischungen gehört die Wasserversorgung bis zum Bestandsschluss zur Etablierungspflege, also bis sich die Pflanzendecke geschlossen hat. Danach braucht eine standortgerecht zusammengesetzte Blumenwiese kaum noch Wasser. Höchstens bei extremer Trockenheit gibst du ihr eine Notbewässerung. Etablierte Blumenwiesen kommen im Sommer normalerweise ohne zusätzliches Gießen aus.

Beikraut im Aussaatjahr: Was ziehst du, was schneidest du?

Läuft aus dem Samenvorrat des Bodens rasch Beikraut auf, kann es die junge Wiesensaat überwachsen. Für die Masse dieses Aufwuchses ist der Schröpfschnitt gedacht, für einzelne Problemkräuter die Hand.

Was du von Hand ziehst

Einzeln auftretende Problemkräuter wie stumpfblättrigen Ampfer entfernst du in jungen Ansaaten möglichst früh von Hand. Kleine Bestände der Riesen-Goldrute lassen sich über mehrere Jahre wiederholt von Hand entfernen. Verletze dabei den Boden so wenig wie möglich, weil offene Stellen ihre Keimlinge fördern. Für mehrjährige Garten-Blühmischungen planst du zwischen Mai und September 2 bis 3 Jätgänge gegen Problemunkräuter ein.

Ich ziehe in den ersten Wochen nur, was ich sicher als Problemkraut erkenne, und lasse alles Unsichere bis zum Schnitt stehen. Die Artenliste deiner Mischung hilft beim Abgleich, denn sie zeigt, was überhaupt aufgehen soll.

Der erste Schnitt: der Schröpfschnitt

Kurz erklärt

Der Schröpfschnitt ist ein Pflegeschnitt in jungen Wildblumenansaaten. Er kappt den konkurrierenden Aufwuchs, während die erwünschten Jungpflanzen darunter geschont werden.

Den ersten Schröpfschnitt setzt du etwa 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat an, wenn rasch auflaufende Samenunkräuter die Saat bedrängen. Daneben gibt es einen Auslöser, der unabhängig vom Kalender gilt. Überwächst das Beikraut die junge Wiesensaat, empfiehlt die Hessische Gartenakademie den Schnitt bei 20 bis 30 cm Aufwuchshöhe. Für Regio-Wiesen nach einer Frühjahrsaussaat nennt Saaten Zeller bei Bedarf einen Schröpfschnitt nach 6 bis 8 Wochen. Ich stecke einen Zollstock an den Rand der Fläche und lese daran die Höhe des Beikrauts ab.

Wie oft schneidest du im ersten Jahr?

Wächst das Beikraut nach dem ersten Schnitt wieder hoch, wiederholst du den Schröpfschnitt im Ansaatjahr noch ein- bis zweimal. Das geschieht vor der Samenreife des Beikrauts und nur, wenn die erwünschten Jungpflanzen dabei geschont werden. Den Sommerrückschnitt erhalten mehrjährige Garten-Blühmischungen erst ab dem zweiten Standjahr. Im Aussaatjahr einer mehrjährigen Mischung richtest du die Schnitte also nach dem Beikraut, nicht nach einem festen Mähtermin.

Mit einer einjährigen Sommerblumenmischung läuft es anders. Bei Samenunkrautaufwuchs kann dort ein einmaliger, höherer Schnitt helfen. Im Spätherbst wird die Fläche abgemäht und im folgenden Frühjahr neu angelegt.

Situation Zeitpunkt oder Auslöser Resthöhe
Wildblumenansaat mit rasch auflaufendem Samenunkraut etwa 8 bis 10 Wochen nach der Aussaat 5 bis 6 cm
Beikraut überwächst die junge Wiesensaat (Hessische Gartenakademie) bei 20 bis 30 cm Aufwuchshöhe mindestens 5 cm
Regio-Wiese nach Frühjahrsaussaat (Saaten Zeller) bei Bedarf nach 6 bis 8 Wochen 5 bis 15 cm
Beikraut wächst erneut auf im Ansaatjahr noch ein- bis zweimal, vor seiner Samenreife erwünschte Jungpflanzen schonen
Einjährige Sommerblumenansaat mit Samenunkraut einmaliger Schnitt etwa 10 bis 15 cm

Wie hoch schneidest du?

Beim Schröpfschnitt bleiben 5 bis 6 cm stehen. Unter 5 cm Resthöhe gehst du bei einer jungen Wiesenansaat nicht. Ich stelle den Mäher vor dem Schnitt auf die Resthöhe ein und prüfe sie an einer Ecke mit dem Zollstock.

Für die Mahd mehrjähriger Garten-Blühmischungen wird eine Schnitthöhe von etwa 10 cm empfohlen. Diese Höhe hilft bei der Wiesenmahd auch, Lurche und andere Tiere zu schonen. Wenn du die Wahl hast, nimm einen Balkenmäher mit Messerschneidwerk, denn er gefährdet weniger Tiere als ein Rotationsmäher.

Marias Erfahrung

Ich mähe beim Schröpfschnitt zuerst einen Probestreifen und schaue mir die Stoppeln an. Liegen darin abgeschnittene Rosetten meiner Wildblumen, stelle ich den Mäher höher, bevor ich weitermache.

Das Schnittgut des Schröpfschnitts räumst du ab. Auch sonst bleibt Mähgut auf einer Blumenwiese nicht als Mulchschicht liegen, weil dauerhaft liegendes Material eine Filzschicht bildet. Wann Mähgut zum Ausfallen der Samen kurzzeitig liegen bleiben darf, steht im Ratgeber zum Mähen der Blumenwiese.

Muss die junge Wiese gedüngt werden?

Eine magere, auf Artenreichtum angelegte Blumenwiese wird nicht gedüngt, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Das gilt auch für Kompost und Stallmist, denn beide sind Dünger. Warum die Wiese mager bleiben soll, erklärt der Abschnitt „Düngen: warum die Blumenwiese mager bleibt“ im Wildblumen-Ratgeber.

Blattläuse, Nützlinge und Insekten auf der jungen Wiese

Blattläuse an jungen Triebspitzen streifst du als erste Maßnahme vorsichtig mit behandschuhten Fingern ab. Bei blattlausfressenden Schwebfliegenarten fressen die Larven Blattläuse, die erwachsenen Tiere nutzen Blüten als Nahrung. Stehen gelassene Pflanzenstängel können Insekten außerdem als Winterquartier und Eiablageplatz dienen. Mehr dazu beschreibt der Wildblumen-Ratgeber im Abschnitt „Was Blühflächen Insekten bringen“.

Beobachten und notieren: das Pflegetagebuch im ersten Jahr

Im ersten Jahr entscheidest du fast alles nach Beobachtung: wann du gießt, wann du schneidest und was du ziehst. Ein Pflegetagebuch hält diese Beobachtungen fest, damit du sie später vergleichen kannst. Phänologische Beobachtungen erfassen, wann wiederkehrende Entwicklungsstadien wie Austrieb, Blüte und Fruchtreife eintreten. Genau diese Stadien notiere ich für die Arten meiner Mischung.

Was ich notiere

Was ich notiere Woran ich es festmache Orientierung
Aussaat Datum, Mischung, Artenliste Feuchte nach Anleitung, sonst etwa 6 Wochen
Regen und Gießen Regenmesser, eigene Gießgaben 1 mm Regen entspricht 1 l je m²
Erste Keimlinge Datum, Stellen, an denen sie zuerst auftauchen LUX-Blumenwiese: unter feuchter Witterung nach etwa 2 bis 3 Wochen
Beikraut Höhe am Zollstock, Problemkräuter und ihr Fundort Schröpfschnitt bei 20 bis 30 cm Aufwuchshöhe
Schnitte Datum, Resthöhe, Schnittgut abgeräumt Schröpfschnitt mit 5 bis 6 cm Resthöhe
Blüte welche Arten wann blühen einjährige Sommerblumen, gesät ab Mitte April: Blühbeginn nach etwa 6 bis 8 Wochen
Tiere Blattläuse, Schwebfliegen, Falter eigene Beobachtung

Ich fotografiere die Fläche immer vom selben Punkt aus, damit ich die Bilder später nebeneinanderlegen kann. Fundorte von Ampfer oder Goldrute trage ich in eine kleine Skizze ein, weil ich dort beim nächsten Durchgang zuerst nachsehe.

Warum im ersten Sommer Arten fehlen dürfen

Rechne im Aussaatjahr nicht damit, jede Art deiner Liste zu sehen. In Wildblumenmischungen keimen die Arten unterschiedlich schnell, manche erscheinen erst nach einem Kältereiz. Zweijahresblumen blühen ohnehin erst im zweiten Jahr nach der Aussaat. Eine Art, die im ersten Sommer fehlt, ist deshalb noch kein sicherer Ausfall. Bleiben Stellen auch nach dem Winter kahl, kannst du nachsäen; wie du Lücken mit einer Nachsaat schließt, steht in der Anleitung zum Anlegen und Pflegen.

Tipp

Willst du Falter zählen, nimm dir das Tagfalter-Monitoring zum Vorbild. Dort werden feste Zählstrecken von April bis September mindestens zehnmal begangen, besser wöchentlich.

Wie geht es nach dem ersten Jahr weiter?

Ab dem zweiten Standjahr kommt bei mehrjährigen Mischungen der Sommerrückschnitt hinzu, einjährige Sommerblumenflächen werden dagegen jedes Jahr neu eingesät. Wie du die Wiese durch die Jahreszeiten und die Folgejahre pflegst, beschreibt der Jahresplan zur Blumenwiesenpflege.

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Häufige Fragen

Stimmt es, dass Blumenwiesen keine Pflege brauchen?
Nein, vor allem nicht im Aussaatjahr. Dann hältst du die Fläche etwa 6 Wochen gleichmäßig feucht, kappst rasch wachsendes Beikraut mit einem Schröpfschnitt und ziehst Problemkräuter wie Ampfer früh von Hand. Auch danach bleibt Arbeit: Mehrjährige Garten-Blühmischungen brauchen etwa 1 bis 2 Minuten Pflegezeit je m² und Jahr.
Welche häufigen Fehler sollte man bei der Bewässerung im ersten Jahr vermeiden?
Lass die frisch gesäte Fläche zwischendurch nicht austrocknen, denn die Samen brauchen zum Quellen und Keimen durchgehend Feuchtigkeit. Hör auch beim ersten Grün nicht auf, weil die Arten einer Mischung unterschiedlich schnell keimen. Gieß mit der Brause und setz an einer Stelle ab, sobald die Oberfläche zu verschlämmen beginnt. Ist die Wiese angewachsen, braucht sie höchstens bei extremer Trockenheit eine Notbewässerung.
Welche praktischen Methoden gibt es zur schonenden Unkrautbekämpfung in einer jungen Blumenwiese?
In einer jungen Blumenwiese setzt du vor allem auf den Schröpfschnitt: Er kappt rasch wachsendes Beikraut und lässt 5 bis 6 cm stehen, damit die erwünschten Jungpflanzen geschont werden. Einzelne Problemkräuter wie stumpfblättrigen Ampfer ziehst du möglichst früh von Hand. Bei kleinen Beständen der Riesen-Goldrute verletzt du den Boden so wenig wie möglich, weil offene Stellen ihre Keimlinge fördern. Das Schnittgut räumst du nach jedem Schnitt ab.
Welche Rolle spielt magerer Boden bei der erfolgreichen Blumenwiesenanlage?
Auf einer mageren, artenreichen Blumenwiese verzichtest du auf Düngung, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Deshalb kommt vor der Aussaat auch kein Kompost in den Boden, denn Kompost und Stallmist sind ebenfalls Dünger. Das Abräumen des Mähguts entzieht der Fläche später Nährstoffe. Auf wüchsigen Standorten kann das bei nicht zu spätem Schnitt innerhalb von 5 bis 10 Jahren eine Abmagerung bewirken, verlassen solltest du dich darauf aber nicht.
Wie entwickelt sich die Artenvielfalt einer Blumenwiese über mehrere Jahre?
Im Aussaatjahr zeigt sich noch nicht jede Art, denn die Arten einer Mischung keimen unterschiedlich schnell, manche erst nach einem Kältereiz. Zweijahresblumen blühen erst im zweiten Jahr nach der Aussaat. Auf Dauer angelegte mehrjährige Garten-Blühmischungen können 10 Jahre und länger bestehen. Wie vielfältig sie bleiben, hängt auch an der Mahd, denn zu seltenes Mähen kann auf Dauer die Gräser fördern und die Blütenvielfalt verringern.
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